Beiträge von sammler

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    Ob Sam und Jake gemeinsam Steinschloss Büchsen fertigten ist unbekannt, weil keine erhalten sind. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie Steinschloss Büchsen hergestellt haben ist hoch, die Perkussions-Technik war 1825 noch nicht ausreichend etabliert um sich darauf zu beschränken. Nur - es ist eben kein Exemplar erhalten, ....

    Es war gängige Praxis, gut schießenden Gewehre (die ja Gebrauchsgegenstände waren) an neue Entwicklungen anzupassen, also auf Perkussionszündung umzustellen. Leider hat damals niemand an die heutigen Sammler gedacht.

    .... Ich habe noch die Informationen zum Eigentum der Waffe (und noch einige Weitere) erhalten:...

    So etwas sollte man sorgfältig aufbewahren, denn solche Informationen machen dein Gewehr zu etwas Besonderem, das es aus der anonymen Masse der vorhandenen Gewehre heraushebt.

    .... Es kam allerdings nach der letzten Aufrüstung nicht in eine offizielle Waffenkammer, sondern "verschwand" aus nicht erklärbaren Gründen in Privatbesitz.

    War und ist es in der Schweiz nicht üblich, dass der Wehrmann nach der Grundausbildung seine Waffe mit nach Hause nimmt und das sie dann sein Eigentum wird?

    .... meist .....

    Das "meist" ist das Schlüsselwort, denn ich habe auch schon genug völlig trockene Schäfte in der Hand gehabt.

    Aber auch wenn die Schäfte voll Öl sind, muss es nicht immer gleich die Lötlampe sein. Es reicht oft, alle Metallteile zu entfernen, das Holz in schwarze Plastefolie einwickeln und ein paar Stunden so hinzulegen, dass die Sonne das schwarze Paket ordentlich aufheizt. Danach das so herausgetretene Fett abwischen.

    Das Detailfoto könnte auf eine Patentschwanzschraube hinweisen. Es handelt sich wohl nicht um ein aptiertes Steinschlossgewehr.....

    Bei der eidgenössischen Änderung der Steinschlosswaffen auf Perkussion erhielten die Gewehre eine Patentschwanzschraube. Auf dem Schweifteil der Patentschwanzschraube saß eine Kimme. Die wurde aber 1859 beim Ziehen der Läufe abgeschliffen und durch ein auf den Lauf gelötetes Visier ersetzt.

    Die Schweizer haben erst relativ spät vom Steinschloss auf Perkussion geändert, die Änderung sollte aber 1844 abgeschlossen sein.
    Ich würde die Metallteile äußerlich auch nur mit Öl und einem Lappen reinigen. Den Schaft würde ich (eventuell mehrfach) mit Leinöl abreiben und das Öl einziehen lassen. Bitte kein Schaftol benutzen. Das enthält u.a. auch Silikon und verträgt sich nicht immer mit Leinöl.
    Den Lauf innen würde ich auch nur mit Öl und diversen Patches reinigen. Unter Umständen ist der Lauf innen konserviert worden und das damals verwendete Konservierungsfett ist (wie leider üblich) verharzt. Manchmal kommt man um den Einsatz einer Bronzebürste nicht herum.

    .... Doch einige Zeit nach Napoleon.

    Aber nur, wenn Du mit "Napoleon" den ersten meinst. Napoleon III. ist ja erst im September 1870 abgesetzt worden. Und die französische Bourbaki-Armee wurde ja Ende 1870/Anfang 1871 in die Schweiz abgedrängt, dort entwaffnet und interniert. Da sind eine ganze Menge französische Waffen (längst nicht nur Chassepots) in der Schweiz gelandet.

    .... Ich habe schon etwas genauer bei den CH-Infanteriegewehren geschaut. Sehe da schon eher ähnlichkeiten.

    Schweiz könnte passen, Kimme und Bajonett würden dann auch passen, wie auch die Form der Abnahmestempel. Der Kimme nach müsste das Gewehr einen gezogenen Lauf haben (Prelaz-Burnant), das Ziehen erfolgte nach 1859.

    Das Gewehr ist aber kein eidgenössisches Modell 1842, das hatte eine andere Form der Schlossplatte

    Das Teil ist auf Perkussion geändert (die originale Mle. 1777 war eine Steinschlosswaffe). Die Aptierung auf Perkussion ist jedenfalls nicht "französisch".
    Außerdem hat das Teil eine recht interessante Kimme. Kannst Du davon mal Fotos einstellen, auch von der Schlossplatte? Hast Du Dir den Lauf mal genauer angesehen? Ist der eventuell gezogen?
    Wie lang ist die Waffe, wie lang ist der Lauf, was steht auf der Schlossplatte, welches Kaliber hat der Lauf?


    Ansonsten : Muskete Modell 1777 – Wikipedia

    Ich habe auf die Schnelle mal einige Bücher zu amerikanischen Waffen durchgeblättert und mir die abgebildeten Waffen genauer angesehen:
    - Baird: Hawken Rifles
    - Roberts: The Muzzle Loading Cap Lock Rifle

    - Hamilton/Rowe: The American Percussion Schuetzen Rifle
    Nirgendwo eine Entlastungsbohrung im Pistonsockel.

    Sag 'mal, sammler , von welchen Waffen sprichst Du hier eigentlich?...

    Ich rede von deutschen, britischen und amerikanischen Perkussionsbüchsen (meist Scheibenbüchsen, aber auch Jagdbüchsen) der "Blütezeit", also der Zeit zwischen 1855 und 1870. Ich kenne etliche davon (neben den deutschen vor allem vor allem britische Jagd- und Scheibenbüchsen), habe einige originale deutsche Büchsen auch selbst. Entladungsbohrungen am Pistonsockel habe ich bei keiner dieser Waffen bisher gesehen. Geschlitzte Pistons schon, aber eher selten.
    Das Problem, dass sich ein mit Pflaster gesetztes Geschoss nach dem Setzen wieder nach vorn bewegt kenne ich aber aus eigenem Erleben, das lässt sich problemlos reproduzieren. Vielleicht sollte man berücksichtigen, das man zu dieser Zeit auch Langgeschosse mit Pflaster (toff oder Papier) lud, also auch keine eingeschlossene Luft durch die Züge entweichen konnte, denn die waren durch das Pflaster "gefüllt".


    Gezogene Militärwaffen wurden mit Papierpatronen geladen (nicht nur in Großbritannien) Loading and Firing the Parker Hale P53 Enfield Rifle Musket - YouTube, da trat dieses Problem nicht auf, denn hier war Spielraum zwischen Lauf und Geschoss. Erst beim Schuss weitete sich das Geschoss auf, so dass es keinen Spielraum mehr gab.

    Entlastungsbohrung gegen zu hohe Temperaturen (Selbstentzündung) bei Kompression durch Setzen der Kugel? :/


    Erscheint mir die einzig logische Erklärung für dat Löchli.

    Nein, es ging tatsächlich darum, dass sich ein gesetztes Geschoss durch den Druck der beim Setzen komprimierten Luft wieder nach vorn schob und so ein Hohlraum zwischen Geschoss und Ladung entstand. Das wirkte sich deutlich auf die Trefferlage aus und konnte unter Umständen auch gefährlich werden..

    Allerdings frage ich mich dennoch, wie viel Luft durch das bereits durch das Pulver verdeckte Zündloch noch entweicht. ...

    Viele Schützen drüben sehen - heute - die Gefahr, dass bei Perkussionsgewehren beim Schuss - nicht beim Laden . die Zündtrommel aus dem Lauf gerissen wird

    Wenn Du vom Zündloch beim Steinschloss redest: Es war gängige Praxis (auch in den USA bzw. vorher den Neuengland-Staaten), die Pulverkörner beim Laden nicht zu zerdrücken. Die Kugel sollte auf das Pulver geschoben werden, es sollte aber nicht zerdrückt werden, weil sich so das Abbrandverhalten (und damit die Präzision) ändert.


    Zum zweiten Satz: Es ist sehr erstaunlich, dass lediglich die Schützen "drüben" das so sehen, die Schützen hier aber nicht. Ich kenne keinen modernen Nachbau, der ein solches "Ventil" hat.