Beiträge von sammler

    Sieht auf den ersten Blick wie ein Zimmerstutzen aus, Irgendwann aus der Zeit zwischen 1860 und 1890. Zimmerstutzen waren immer individuell angefertigt, es gibt da keine Modellbezeichnungen.

    Wert: Genau so viel, wie jemand bereit ist dafür zu bezahlen. Das hängt dann auch von einigen Faktoren ab, als da sind: Der innere Laufzustand, der Zustand vom Schloss (funktionsfähig, ratet sauber ein, wackelt nichts) , der Gesamtzustand der Waffe, der Zustand des Schafts (gibt es Risse, Dellen....).


    Gibt es sichtbare Stempel auf/an dem Lauf (Hersteller). Dann: Bitte mal den Lauf der Waffe ausbauen und auf die Unterseite schauen, was dort gestempelt ist.

    .... Jungtiere fiel anscheinend mehrfach plündernden Krähen zum Opfer...

    Es müssen nicht immer Krähen sein. Ich habe mal gesehen, wie zwei Möwen ein eigentlich gut geschütztes Nest mit jungen, aber noch nicht flüggen Spatzen ausgenommen haben. Die Alttiere flogen zwar schimpfend um die Möwen herum, konnten aber nichts ausrichten; die ganze Brut wurde weggefressen.

    Die Natur ist alles andere als mild und ausgleichend. Es geht nur um Fressen und gefressen werden.

    ... Ich habe in ganz besonderen Fällen und Lichtsituationen auf 50 Meter beim KK schießen, tatsächlich das Geschoß unterwegs

    "aufblitzen" sehen, das geht also wirklich....

    Man kann unter bestimmten Bedingungen tatsächlich das Geschoss fliegen sehen. Auch beim Schießen mit Schwarzpulver. Ich zitiere mal aus dem 1844 erschienen Buch von C.C. Beyer "Meine Erfahrungen bei dem Scheibenschießen - eine praktische Anleitung für angehende Scheibenschützen"


    "Besonders wird man die Kugel sehen, wenn z.B. das Fernrohr rechts am Schießstande angebracht ist, der Wind links zieht, die Sonne rechts steht, der Schütze neu gegossene Kugeln hat, und rechts an das Schwarz schießt, weil so die glänzende Kugel das schwarze Mal durchziehen muß."

    Ich habe zwei deutsche Jägerbüchsen, bei beiden ist die Herkunft zweifelsfrei deutsch. Beide haben unterschiedlich geformte Abzugsbügel (mit und ohne Steg) und unterschiedlich geformte Stecherzügel.

    Zuerst die kurze Büchse:

    k_Buechse_kurz.jpg

    k_Buechse_kurz_Lauf.jpg

    k_Buechse_kurz_Schloss.jpg

    Und dann die lange Büchse (1,33m, Kaliber ca. 17mm)

    k_Buechse_lang.jpg

    k_Buechse_lang_Lauf.jpg

    k_Buechse_lang_Stecher.jpg

    k_Buechse_lang_Schloss.jpg

    (der Rost an Hahn und Pfanne ist inzwischen weg).

    Ich nehme an, dass es hie regionale Unterschiede bei den Formen gab. Hinzu kommt: Jede Büchse ist ein Einzelstück; bei zivilen Waffen gab es keine genormten Serien. Die Gravuren/Ätzungen auf der Schlossplatte stammen aus Musterbüchern (Vorlagen) und können also durchaus auch auf anderen Waffen auftauchen.

    Hier mal was etwa 150 Jahre altes, das aber immer noch problemlos verwendungsfähig ist.


    Württembergisches Artillerie- und Pioniergewehr M/70. Gebaut in der Gewehrfabrik in Oberndorf (damals noch nicht Mauser). Zündnadelgewehr, entstanden aus den nach der Heeresreform in Württemberg nicht mehr benötigten Perkussions-Jägerbüchsen M/60. Mittellanges Zündnadel-System (Büchsensystem). aptiert. Gefertigt 1.500 Stück. Das einzige württembergische Zündnadelgewehr, das auch nach der Aptierung das ursprüngliche Zeigervisier behalten hat.

    Wie am Schaft zu sehen ist, wurde das nummerngleiche Gewehr im Dienst geführt und wirklich nicht pfleglich behandelt, aber der Lauf ist blank, das System funktionsfähig, der Schaft ist nicht abgezogen, sondern (mit seinen vielen kleinen Dellen) noch im originalen Zustand, hat die originale Schafthaut und auch die Stempel im Holz sind klar und deutlich.

    M70_1.jpg

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    Lauf ist ein Cahen, Lyon, et Cie M__1866 F.... England Lieferung für Afrika ?

    Nein. Die Chassepot-Gewehre wurden in 4 staatlichen Firmen (bis zur Abdankung es Kaisers: Manufacture Imperiale) hergestellt, und zwar in Mutzig, St.Etienne, Tulle und Chatellerault. Die Waffenfabrik in Mutzig wurde schon vor Kriegsbeginn 1870 aufgegeben.

    Hinzu kam noch eine private Fabrik, und zwar Cahen - Lyon. Die Firma Cahen - Lyon hatte am 15.04.1867 den Auftrag zur Fertigung von 100.000 Gewehren erhalten. Da die Firma aber gar nicht die Ausrüstung hatte. um Großaufträge erledigen zu können, beauftragte sie Subunternehmer im Ausland (Großbritannien, Spanien, Italien und in den Niederlanden) mit der Fertigung bzw. Lieferung, unter anderem die Firma Tipping&Lawrence in Großbritannien.


    Ein paar Worte zur Firma Cahen - Lyon et Cie.: Cahen war der Name des Besitzers, Lyon war der Mädchenname seiner Frau. Noch am Tage der Patenterteilung verkaufte Antoine Adolphe Chassepot seine Patente an die Gewehrfabrik Cahen-Lyon, die damit das alleinige Recht der Fertigung dieser Gewehre für den zivilen Markt erhielt. 1867 schied Chassepot aus dem Staatsdienst aus und wurde einer der Direktoren und Miteigentümer der Gewehrfabrik Cahen - Lyon.

    1. ...Paste und Talg. ...


    2. ... weiße Wachs ...

    Zu 1: 1 Teil Talg (ungesalzen, am besten vom Hammel) wurde vorsichtig geschmolzen und 2 Teile Olivenöl unter ständigem Rühren dazu gegeben. Die Schmelze durfte nicht so heiß werden, dass sie rauchte, dann war sie unbrauchbar. Danach wurde die Paste auskühlen lassen


    Zu 2: Gelbes Wachs: ungereinigtes Bienenwachs, weißes Wachs: Gereinigtes und gebleichtes Bienenwachs.


    Und ein Tipp: Du darfst, wenn Du alte Texte oder Dienstanweisungen liest, nie den Fehler machen, das von heute aus zu betrachten oder zu analysieren. Du musst versuchen, Dich in die Zeit hineinzuversetzen und diese Dinge aus der Zeit heraus zu verstehen.

    Sicher haben wir heute für viele Probleme andere, manchmal auch bessere Lösungen. Aber gerade für die "Schwarzpulverzeit" gilt, dass heute viel des damals vorhandenes Wissen verloren gegangen ist.

    .... Bei dem sogenannten "Baumöl" habe ich mir natürlich auch so meine Gedanken gemacht. Egal was derzeit geschrieben steht zur Definition "Baumöl". Ich bin der Meinung das beide Öle verwendet wurden. Bei Frankreich könnte man jetzt auf den Süden schließen. Da liegt das Olivenöl sehr nahe. Aber es gäbe in Frankreich auch sehr große Walnußwälder. Für mich erst einmal Fifty - Fifty. Erfüllen beide Öle zu der Zeit den gleichen Zweck, dann um so besser. Das heisst für mich ich lasse mal Oliven und Walnüsse etwas ausser acht. Vielleicht wisst ihr da mehr. ...

    Die Zuordnung Baumöl = Olivenöl ist schon sicher.

    Und: Natürlich wurden beide Öle verwendet, nur nicht für den gleichen Zweck. Unsere Vorväter waren nämlich keinesfalls dumm und nahmen nicht einfach das, was gerade irgendwo zur Verfügung stand, denn gerade Walnussöl und Olivenöl unterscheiden sich in ihren Eigenschaften deutlich.

    Der wichtigste Unterschied ist: Olivenöl verharzt nicht, Walnussöl verharzt, sobald Luftsauerstoff dazu kommt. Beim Militär war Baumöl als hauptsächlich Konservierungsmittel im Einsatz. Bei den Preußen nahm man zum Einfetten der Metallteile (bevor die Waffen "auf Kammer" gingen) eine Paste, bestehend aus einem Teil Talg und zwei Teilen Olivenöl. Die bayerische Waffenschmiere (Konservierungsmittel) bestand aus zwei Teilen weißem Wachs und drei Teilen Olivenöl, die zusammen warm gemacht und so lange verrührt wurden, bis es eine homogene Paste gab,.

    Nussöl nahm man dagegen als Mittel zur Holzpflege, gerade weil es harzte. Nussöl (Walnuss) konnte anstelle von Leinöl zur Schaftpflege verwendet werden. Gerade helles Schaftholz dunkelte mit Nussbaumöl schnell nach.

    ...,. Baumöl ist nach Lesart nicht Oliven sondern Walnussöl....

    Alte Namen bzw. Bezeichnungen sind ein Thema für sich, da kann man sich leicht mal verhauen.
    Aber zum Glück gibt es ja online alte Lexika, in denen man nachschauen sollte, bevor man schreibt, z.B. hier: Volltextsuche: baumol - Zeno.org

    Oder wenn man Wikipedia glaubt: https://de.wikipedia.org/wiki/Oliven%C3%B6l

    Das mit dem zerriebenen Backstein klingt gut.

    Wenn ich mal etwas mehr Zeit habe, versuche ich das mal....

    Wenn Du dein Gewehr liebst, lass es. Es ist für die Läufe, Beschläge und Schlösser ausgesprochen schädlich; diese Art Schmirgel wurde spätestens bei der Einführung der Brünierung beim Militär verboten, da er eben nicht nur den Rost, sondern auch etwas Metall wegnimmt und die Läufe schwächt. Bei der Mobilmachung 1806 gab es in Preußen Läufe, die durch diese Art der "Reinigung" auf Papierstärke heruntergeschmirgelt waren und die keinen scharfen Schuss ausgehalten hätten. In Bayern war dieses "Reinigungsmittel" noch für die Podewils-Gewehre zulässig, weshalb auf vielen Schlossplatten und Ringen dieser Gewehre die Stempel völlig verschwunden sind.

    Bei den preußischen Jägern waren schon 1835 alle Putzmittel, die das Eisen angreifen konnten, nicht mehr zulässig.