taktische Schiessen auf mittlere Entfernungen

  • Ein kurzer Beitrag für alle, die an so was Freude haben:

    Eine Fragestellung, die ich immer wieder an Anlässen auf mittlere und längere Distanzen höre, ist - wie kannst du aus dem Kopf heraus wissen das meine Höhen-Korrektur am ZF nicht stimmt resp. wie ist es möglich dass du mir die richtige Klickzahl aus dem Kopf heraus sagen kannst? Mittlere Distanzen sind für mich so um die 400m bis 700m.

    Natürlich haben sich gewisse Werte über die verschiedenen Kaliber nach einigen Jahren in meinem Kopf festgesetzt, aber es gibt ja auch Gedankenmodelle, die mir dabei helfen. Mein Modell dient mir dazu bis auf 700m plus für typische Kaliber einen Wert im Kopf zu ermitteln, egal bei welchem Luftdruck, Temperatur oder Seitenwind. In der Literatur, insbesondere der militärischen findet man immer wieder solche "Gefechtsregeln".

    Anlässlich der Unterstützung eines jungen Longrange-Schützen, der bereits militärischer Scharfschütze ist, habe ich mein Modell aktualisiert und etwas besser auf Papier gebracht. Ich finde es wichtig, wenn der Schütze oder Betreuer abschätzen kann, ob eine Korrektur stimmt. Und was da ab und zu auf dem Handy abgelesen wird finde ich erstaunlich.

    Beispielhaft für diese Art von Regeln die zwei typischen Vertreter des Kalibers .308, die 168gr und die 175gr Version mit einem 24" Lauf. Was ich dafür brauche ist die richtige Entfernung, ideal ist auch die Temperatur, ein Windwert und der Luftdruck, wobei diese drei Werte mit etwas Erfahrung abschätzbar sind. Entfernungen mit dem Absehen messen ist übrigens eine Sache, die man auch erlernen kann.

    Ziel der Regel ist es, aus dem Kopf heraus bis 700m die richtige Korrektur an den Türmen einzustellen und einen sauberen Treffer zu erzielen. Dabei beginnt das Ganze mit dem Einschiessen der Waffe auf 300m, und dabei "nulle" ich am Schluss den Höhenturm nicht auf "0" sondern auf 3mrad resp. 30 Klicks. Damit ist der erste Schritt der Regel erfüllt - Entfernung = Klicks, also 300m = 30 Klicks, 400m = 40 Klicks, 200m = 20 Klicks usw.. Und ja, das funktioniert erstaunlich gut bis 400m. Die 300m deshalb, weil diese Regel, wie jede andere Faustregel, ihre Abweichungen hat. Und so ist mal der 300m-Wert fest. (Bei mir 16°C und 900mbar, weil ich oft in den Bergen schiesse).

    Nun beginnt das Modell. Ich habe euch für zwei typische Vertreter der .308 bei einem 24Zoll-Lauf die Datenblätter angehängt. Diese Art der Regel lässt sich jedoch auch auf andere Kaliber anwenden. Ich habe sie vor Jahren in einem Bericht mal GGE-Präz-Regel genannt, oder einfacher, sie beschreibt wie die normale GEE-Regel (Günstigste-Einschiess-Entfernung) einen Weg, wie man mit wenigen cm Abweichung über eine längere Distanz auf dem Ziel bleibt. Die normale GEE funktioniert so bis 270m bei der .308, diese bis rund 700m, und das ist ein Welt!

    Von 0 bis 400m gilt grundsätzlich, Entfernung in m geteilt durch 10 = Klickzahl. Also 250m gleich 25 Klick. Ab 500m kommt je nach Kaliber ein Korrekturwert dazu, der den zunehmenden Geschossabfall kompensiert. Diese Korrekturwerte sind am besten ein «Reihe» von Zahlen, die man sich gut merken kann. Bei der 175er ist das 4/8/12-Regel. Bei 500m kommen 4 Klicks dazu, also 50 + 4 = 54, bei 600m sind es dann 8 Klicks mehr. Wer feinmotorisch denkt, kann die Zwischenschritte mitnehmen, also bei 450m schon mal 2 Klicks dazu nehmen, bei 550 schon mal 6 Klicks. Dann wird das Ganze ultrapräzise, ist aber nicht mal notwendig. Das Schöne ist, die 4/8/12 kann ich mir gut merken.

    Am Beispiel der .308 175gr. von Ruag erklärt, die maximale Abweichung der Regel bis 700m von der echten Korrektur liegt in der Regel bei 0 bis 5cm, selten bei 10cm. Am besten hält man grundsätzlich etwas höher an. Wer die Zwischenschritte mitdenkt kann es bei 5cm halten. Anlässlich eines Longrangeschiessens im April 2024 haben wir die Tabelle noch einmal bis 700m durchgearbeitet, und jeder Schuss ein Treffer, selbst auf die kleinen Ziele und mit Windkorrekturen. Zudem sind die Luftdruck-, Wind- und Spindrift-Korrekturen ebenfalls in in der Faustregel berücksichtig. Wer solche «Details» zu schätzen weiss, dem habe ich für die .308 in 168gr und 175gr die Tabellen angehängt.

    Was bringt das Ganze? Im Longrangeschiessen ist der Moment, an dem man beginnt das Ganze zu verstehen, der Moment an dem echter Fortschritt in der Schiesstechnik kommt. Das "Gefühl" dafür, ob etwas stimmt, was die Erdanziehung, der Wind und alles andere mit dem Geschoss machen. Bei mir kam dieser Punkt nach 5 Jahren intensiven Longrange-Schiessens, andere haben "ES" früher geschafft, einige nie.

    Viel Spass

    Fredi

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