Adams,

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    genauer Adams County, Pennsylvania.

    Wiederum genauer: Heidlersburg, Tryone Township, im besagten Adams County.

    Die Herkunft dieses Gewehrs. AC0001.JPG


    Soweit ich mich recht entsinne, das erste Gewehr aus Adams County, das ich hier vorstelle.

    Eigentlich eine Unterlassungssünde, aber was soll's. Besser spät korrigiert, als garnicht... :P

    Wie heißt's so schön: Man kann nie genug langweilen...


    AC0002.JPG


    Adams County liegt westlich von York County, das wiederum im Osten an Lancaster County grenzt.

    Gebaut hat dieses Gewehr ein David Cooley (1790 - 1856), einer der Vertreter der Adams County Schule,

    wenn man den örtlichen Stil so bezeichnen möchte. Nachdem die Stilrichtungen , Adams Cty, Cumberland Cty,

    Dauphin Cty und Perry Cty einander sehr ähnlich sind, werden die allerdings oft in einem Atemzug genannt.

    Und kaum voneinander unterschieden.


    AC0005.JPG


    Die Besiedlung in dieser Region begann erst nach jener in Lancaster und den anderen östlichen

    PA-Counties wie Berks, Northampton/Legigh, oder Bucks. Entsprechend sind die Gewehre auch

    später entstanden als jene in den östlicheren Counties. Ausnahme ist Bedford, das noch westlicher

    als Adams liegt, - aber das ist ein anderes Thema.


    AC0007.JPG


    Mir persönlich erscheint die Ausführung dieser westlicheren Gewehre etwas

    "verspielter" als jene der klassischen östlichen PA-Rifles. Vermehrter Einsatz von

    Inlays, insbesondere auch als Umrahmung von Laufkeilen. Eingeschnittene Schaft-

    Verzierungen sind selten, die Schaftverschneidungen sind reliefartig abgehoben.

    Messingbeschläge mit Piercings versehen, Gravuren oberflächlich betrachtet

    sparsamer, jedoch oft mit Schattierungen versehen, wozu man eigene "Mehrfach-

    Klingen" verwendete.


    AC0006.JPG


    Eingeschnitten wurde im Schaftholz allerdings vermehrt die "Fischhaut", eine

    Verzierung die in den USA erst im 19. Jahrhundert vermehrt eingesetzt wurde,

    zunächst wie oben sichtbar in abgehobenen Verzierungen, aber zunehmend auch

    am Schafthals. Ursprünglich kam die Fischhaut vermutlich von Pistolengriffen, wo sie

    mehr dem sicheren Halt als der Verzierung diente.


    AC0003.JPG


    Dieses Gewehr ist um 1815 entstanden, Gesamtlänge 153cm, Lauflänge 107cm (42,25"), Gewicht etwas über 4kg.

    Auch eines der Gewehre, mit man heute im New Yorker Metropolitan Kunstmuseum betrachten darf.

    Erste Abbildungen des Gewehrs findet man bereits in Joe Kinding's "Thoughts on the Kentucky Rifle in its Golden Age" von 1959.


    AC0004.JPG

    besten Gruß

    Werner

    Wären Feuerwaffen Schuld an Gewalt und Leid, hätten die Menschen vor dem 13. Jahrhundert friedlich und glücklich gelebt.

    Das alte Testament als vielleicht bedeutendstes religiöses Werk der Geschichte erzählt schon auf der zweiten von rund eintausend Seiten die Legende vom ersten Mord der Menschheit. Keine Tat mit einer Schusswaffe, sondern verursacht durch den menschlichen Charakter. Frieden braucht keine Waffenverbote, Frieden benötigt die Beherrschung des - jeweils eigenen - Charakters.



  • Danke fürs Zeigen. Wenn ich damit die italienische Interpretation einer sogenannten "Adams County Pennsylvania Longrifle" von vor etwa 50 Jahren vergleiche, dann kommen mir die Tränen. Man hätte sicher mit dem gleichen Aufwand eine halbwegs stimmige Replika anfertigen können, die zudem noch sehr viel schöner gewesen wäre als die von Bondini mit den floralen Verschneidungen.

    ACPLR-Stock-right-side-carvings-4.jpgACPLR-overall-right-side-2.jpg


    20210530-134622.jpg


    Vor 50 Jahren war die allerdings eine Sensation, denn kaum jemand wusste hier in D, wie eine originale american longrifle aussah, geschweige denn, dass er etwas von einem regionalen Stil oder Schulen wusste. Hollywood und der letzte Mohikaner mussten als Informationsquelle ausreichen, und die Longrifle, die Stifter verkaufte, war sozusagen Top of the Pop.

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    In meinen Beiträgen verwende ich bewusst Satire, Ironie, Sarkasmus und Übertreibungen, um zu verdeutlichen. Auch ohne Kennzeichnung dieser Stilelemente sollte sich der Leser dessen bewusst sein.

    2 Mal editiert, zuletzt von Schwarzer Mann ()

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    Ich vermute fast, Schwarzer Mann , die haben das tatsächlich nicht besser hingekriegt. Damals war's mit computergesteuerter Fertigung noch nicht so wirklich, das Ding sollte erschwinglich sein, also sollte kein Mensch viel Zeit damit verbringen. Automatisch ging's eben nur so grob. Ist zwar Lichtjahre entfernt von einem Original, aber in Bezug auf Fertigungstechnik IMHO beinahe schon wieder ein Museumsstück.


    besten Gruß

    Werner

    Wären Feuerwaffen Schuld an Gewalt und Leid, hätten die Menschen vor dem 13. Jahrhundert friedlich und glücklich gelebt.

    Das alte Testament als vielleicht bedeutendstes religiöses Werk der Geschichte erzählt schon auf der zweiten von rund eintausend Seiten die Legende vom ersten Mord der Menschheit. Keine Tat mit einer Schusswaffe, sondern verursacht durch den menschlichen Charakter. Frieden braucht keine Waffenverbote, Frieden benötigt die Beherrschung des - jeweils eigenen - Charakters.



  • ich sehe eigentlich die "Schnitzerei" als besonders unstimmig. Die entspricht eher europäischen Motiven. Es lag wohl eher nicht an mangelnder Technik, sondern ungenügendem Wissen darüber, wie Verschneidungen an american longrifles aussahen. Wie gesagt, die Hatfield Rifle wurde damals als das non plus ultra angesehen, obwohl sie jetzt als Fantasie-Stilmix beschrieben wird.


    Aber zurück zu der von Dir vorgestellten Adams County Rifle. Ich gehe mal davon aus, dass dieses Gewehr ein nahezu perfekter Nachbau ist, der leicht gealtert wurde, denn ich kann nicht glauben, dass ein Original so gut erhalten ist.

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    Ich meine auch die Schnitzerei, Schwarzer Mann ! Ich denke, auch die ist maschinell erzeugt, und aufgrund der damaligen Technik daher so grob und unstimmig. Die waren damals vermutlich sogar hin und weg, weil sie das maschinell so hingekriegt haben, dass nur wenig händische Nachbearbeitung - wenn überhaupt - erforderlich war. Das ist allerdings tatsächlich nur (m)eine Vermutung, basierend auf der "versenkten" Ausführung die eigentlich nirgendwo verwendet wurde, für eine maschinelle Fertigung aber von Vorteil wäre. Während sie händisch eigentlich mehr Arbeit macht.


    Doch, die oben Gezeigte ist ein altes Original, wenigstens 195 Jahre alt. Nachbauten finden sich nicht im MET Museum of Art ! 8)


    besten Gruß

    Werner

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