Langweiliges Steinschloss-Gewehr

    • Offizieller Beitrag

    würde ich diese Waffe nicht unbedingt nennen.

    Nicht bloß, weil man US 22.500,- hinzublättern hat,

    sofern man sie haben will,

    auch nicht, weil sie ziemlich genau 200 Jahre alt ist,

    sondern ich finde das Gute Stück einfach richtig spannend!

    Diesbezüglich sind wir und doch einig, oder?


    JR006.JPG


    Das Gewehr stammt aus dem Haus Jennings in New York,

    Es trägt zwar die Nummer 31, allerdings ist man ziemlich sicher,

    dass nicht mehr als 10 Exemplare entstanden sind.


    JR010.JPG


    Bevor Ihr nun ins gelangweilte Gähnen verfallt, vorsichtshalber einmal

    ein Foto des vollständigen Gewehrs:


    JR001.JPG


    Gähnen vermieden? hatte ich gehofft!

    Kaliber .61", 32" langer Lauf, vermutlich glatt, aber dazu fehlen

    mir leider die Angaben.


    JR002.JPG


    Die Konstruktion aus einem Messing-Rahmen, mit einer hölzernen Backe ist ja noch

    irgendwie "witzig", ungewöhnlich allemal ...


    JR003.JPG


    richtig lustig wird die Sache aber erst, wenn man realisiert, dass dieses

    Gewehr ein dreischüssiger Steinschloss-Repeater ist!


    JR004.JPG


    Nicht ganz neu, derartige Versuche hatte es schon 200 Jahre zuvor gegeben,

    dennoch verdient dieses Jennings System Beachtung. 3 Ladungen wurden

    schlicht hintereinander in den Lauf geladen. Eine gewisse Sorgfalt war dabei

    wohl empfehlenswert.


    JR005.JPG


    Die etwas merkwürdige Mechanik sorgte dafür, dass das Schloss nach

    der Abgabe des ersten Schusses nach hinten an die Position des

    Zweiten Zündlochs zurück glitt, der Hammer wieder gespannt wurde,

    und etwas Pulver in die Pfanne gelangte. Abdrücken - erledigt. Plus

    Wiederholung des Vorgangs für den 3. Schuss.


    JR007.JPG


    Auf gut Deutsch: die eigenwillige Form des Gewehrs ist fast Nebensache! Ob ich den Mut -

    oder auch Leichtsinn? - besäße, das Gute Stück mit den 3 Ladungen auszuprobieren, kann

    ich allerdings nicht sagen.


    JR008.JPG


    Die Wahrscheinlichkeit, dass ich mir davor eher in die Hosen

    machen würde, ist nicht ganz von der Hand zu weisen. 8o


    JR009.JPG


    Wie dem auch sei, ich hoffe, das Mädel war nicht zu langweilig...


    besten Gruß

    Werner

    Wären Feuerwaffen Schuld an Gewalt und Leid, hätten die Menschen vor dem 13. Jahrhundert friedlich und glücklich gelebt.

    Das alte Testament als vielleicht bedeutendstes religiöses Werk der Geschichte erzählt schon auf der zweiten von rund eintausend Seiten die Legende vom ersten Mord der Menschheit. Keine Tat mit einer Schusswaffe, sondern verursacht durch den menschlichen Charakter. Frieden braucht keine Waffenverbote, Frieden benötigt die Beherrschung des - jeweils eigenen - Charakters.



    • Offizieller Beitrag

    Wobei ich sagen muss, dass ich der Beschreibung einer "halbautomatischen Gleitvorrichtung" nicht ganz traue. Ein Schloss durch die Schussabgabe nach hinten gleiten lassen ist technisch nicht so ganz ohne. Deshalb halte ich es für wesentlich wahrscheinlicher, dass das Schloss händisch zum nächsten Zündloch bewegt wurde. Dagegen spricht eigentlich nur, dass kein bequem anzufassender Hebel erkennbar ist. Ich muss da noch ein paar Quellen durchforsten...


    besten Gruß

    Werner

    Wären Feuerwaffen Schuld an Gewalt und Leid, hätten die Menschen vor dem 13. Jahrhundert friedlich und glücklich gelebt.

    Das alte Testament als vielleicht bedeutendstes religiöses Werk der Geschichte erzählt schon auf der zweiten von rund eintausend Seiten die Legende vom ersten Mord der Menschheit. Keine Tat mit einer Schusswaffe, sondern verursacht durch den menschlichen Charakter. Frieden braucht keine Waffenverbote, Frieden benötigt die Beherrschung des - jeweils eigenen - Charakters.



    • Offizieller Beitrag

    Ich fang' den Spaß 'mal von ganz vorne an, - zumindest so weit wie möglich vorne:


    Wie sprechen von einem Isajah Jennings, geboren 1782, und in der Tat eine äußerst interessante Persönlichkeit. Fast möchte ich sagen, einer der Einstein der Mechanik. Die Zahl der Patente, die ihm zugesprochen werden, dürfte etwas strittig sein, weil er im 19. Jahrhundert offenbar nicht der einzige Erfinder namens Isijah Jennings in den USA war, aber so tief möchte ich jetzt nicht in das Thema gehen. Jedenfalls erwarb der Mann wenigstens 42 Patente, häufig ist die Angabe "etwa um 50".

    1908 ging Jennings nach Liverpool/England, wo er seine Karriere als Entwickler offenbar begann. Allerdings kehrte er nach etwa 2 Jahren in die USA zurück, angeblich haben ihn die napoleonischen Kriege dazu bewogen.


    Jennings Entwicklungen waren nicht auf Waffen beschränkt. Er entwickelte einen zigarrenförmigen Schiffkörper, eine Dreschmaschine, einen Dampfkessel für einen Druck von bis zu 500psi, Öllampen sowie den dazu benötigten Brennstoff, und einiges mehr.


    Uns interessieren natürlich hauptsächlich seine Schusswaffen. In dem Zusammenhang ist die oben gezeigte Büchse noch vergleichsweise harmlos:


    JS0001.JPG


    Es dürften wenigstens 100 dieser Gewehre entstanden sein, bis hin zu 500. In verschiedensten Varianten, von 3 Schuss, 4 Schuss, 10 Schuss bis zu 12 Schuss.

    JS0002.JPG

    Der Mechanismus sorgte offenbar dafür, dass das Schloss beim Spannen des Hammers um ein Zündloch nach hinten glitt.

    Das untenstehende Foto könnte mich auch zu der Spekulation verleiten, dass es so etwas wie einen "Ladehebel" gab, der das Spannen/Verschieben erleichterte. Siehe die rechteckige "Aufnahme?" links neben der Batterie.

    JS0003.JPG


    Wenn vom 520 entstandenen Exemplaren gesprochen wird, kommt ein Reuben Ellis ins Spiel, der für die Herstellung verantwortlich gewesen sein soll. Das abgebildete 12 schüssige Exemplar befindet sich im Eigentum der NRA und kann in einem der National Firearms Museen besichtigt werden. Nachdem die Exponate meines Wissens nach zwischen den Standorten rotieren, müsste man sich allerdings erkundigen, wenn man 'mal 'rüberkommt.


    JS0004.JPG


    Eine nette Entwicklung von Isijah Jennings ist auch sein Perkussions-Hinterlader.

    JS101.JPG


    Der wird gerne als Vorgänger der Winchester betrachtet, immerhin arbeitete an diesem Gewehr u.a. auch Tyler B. Henry, der dann unter Smith&Wesson für Volvcanic arbeitete, die nachdem Smith&Wesson dieses Unternehmen mangels Interesse verkauften vom Hemdenfabrikanten Oliver Winchester erworben wurde. Geschichte ist schon etwas Merkwürdiges!


    JS102.JPG


    besten Gruß

    Werner

    Wären Feuerwaffen Schuld an Gewalt und Leid, hätten die Menschen vor dem 13. Jahrhundert friedlich und glücklich gelebt.

    Das alte Testament als vielleicht bedeutendstes religiöses Werk der Geschichte erzählt schon auf der zweiten von rund eintausend Seiten die Legende vom ersten Mord der Menschheit. Keine Tat mit einer Schusswaffe, sondern verursacht durch den menschlichen Charakter. Frieden braucht keine Waffenverbote, Frieden benötigt die Beherrschung des - jeweils eigenen - Charakters.



    Einmal editiert, zuletzt von Greenhorn ()


  • Das untenstehende Foto könnte mich auch zu der Spekulation verleiten, dass es so etwas wie einen "Ladehebel" gab, der das Spannen/Verschieben erleichterte. Siehe die rechteckige "Aufnahme?" links neben der Batterie.

    Werner

    Meinst du den Kasten hinter/neben der Batterie, Werner?

    Dort ist das Zündpulver drin, welches in korrekter Charge automatisch in die Pfanne rieselt, wenn der Hahn gespannt wird. Der Deckel fehlt offensichtlich. Ohne Deckel würde die erste Zündung ein Fiasko werden =O

    Ohne automatische Zündpulverbestückung würde das ganze System keinen Sinn machen.

    Wäre wirklich mal hochinteressant, so ein Stück genau zu untersuchen und zu dokumentieren.


    Lederstrumpf

    • Offizieller Beitrag

    Klingt logisch, Lederstrumpf , hätte ich auch 'draufkommen sollen. Offenbar bin ich bezüglich Zündpulver in Zusammenhang mit Steinschlossen immer noch zu sehr an rundlichere Formen gewöhnt... ;)


    besten Gruß

    Werner

    Wären Feuerwaffen Schuld an Gewalt und Leid, hätten die Menschen vor dem 13. Jahrhundert friedlich und glücklich gelebt.

    Das alte Testament als vielleicht bedeutendstes religiöses Werk der Geschichte erzählt schon auf der zweiten von rund eintausend Seiten die Legende vom ersten Mord der Menschheit. Keine Tat mit einer Schusswaffe, sondern verursacht durch den menschlichen Charakter. Frieden braucht keine Waffenverbote, Frieden benötigt die Beherrschung des - jeweils eigenen - Charakters.



  • Ein Schusstest wäre mal interessant....

    Wird seinen Grund gehabt haben, warum das Gewehr offenbar kein Verkaufsschlager war.

    So eine Spezialanfertiigung war auch damals sauteuer. Wer sich so etwas leisten konnte, hatte seinen Büchsenspanner auf der Jagd dabei, der dann mehrere Gewehre für die Herrschaft schleppen musste.

    Und für das Militär und sonstige Anwender kam es zuvorderst auf die Zuverlässigkeit und einen günstigen an. Da konnte man keine komplizierte Mechanismen brauchen.

    Das sind die Hauptgründe, die mir dazu einfallen.

    ---------------
    In meinen Beiträgen verwende ich bewusst Satire, Ironie, Sarkasmus und Übertreibungen, um zu verdeutlichen. Auch ohne Kennzeichnung dieser Stilelemente sollte sich der Leser dessen bewusst sein.

  • Interessant an dieser Waffe ist für mich jedenfalls, dass schon lange vor Colt die Idee einer mehrschüssigen waffe da war, und auch technische Lösungen entwickelt wurden. Auch Waffen mit einer Trommel für weitere Ladungen waren entwickelt worden.

    Den Durchbruch brachte aber erst die Erfindung der schlagempfindlichen Zündmasse und des Zündhütchens.

    ---------------
    In meinen Beiträgen verwende ich bewusst Satire, Ironie, Sarkasmus und Übertreibungen, um zu verdeutlichen. Auch ohne Kennzeichnung dieser Stilelemente sollte sich der Leser dessen bewusst sein.

    • Offizieller Beitrag

    Derartige Waffen sind aus mehreren Gesichtspunkten zu betrachten.


    * Sie sind - wie andere richtungsweisende Erfindungen - das Produkt kreativer Menschen, die sich mit den vorhandenen Problemlösungen nicht zufrieden gaben, Verbesserungsideen hatten und versuchten, diese auch umzusetzen.


    * Versuche, mehrschüssige Waffen und sogar Wiederlader zu bauen, gab es seit der Entwicklung der Schusswaffen.

    Relevante Erfolge gab es seit ca. 1600, und ab dann in regelmäßigen Abständen. Da zu der Zeit alle Waffen handgefertigte Einzelstücke waren, inklusive jeder einzelnen Schraube, fanden solche Waffen keine Verbreitung. Sie blieben Einzelstücke. Schon alleine deshalb, weil sie - unabhängig von ihrer Qualität - nicht in Massen hergestellt werden konnten. Zu wenig Kommunikationsmöglichkeiten, zu wenige Schulungsmöglichkeiten, und für den durchschnittlichen Soldaten zu kompliziert in der Anwendung. Zudem gab es in den bevorzugten militärischen Strategien der Zeit keine praktikablen Nutzungsmöglichkeiten.


    * Das obige Beispiel stammt aus der Zeit des Übergangs von rein händischer Fertigung ALLER Komponenten hin zu Werkzeugmaschinen, die zwar noch händisch zu bedienen waren, die aber identische und somit austauschbare Komponenten erzeugten. Die Zeit war grob vergleichbar mit der heutigen. Eine funktionierende Prozedur stellte die Basis für eine Weiterentwicklung dar, somit war jede fertiggestellte neue Waffe solcher Entwickler bereits veraltet, weil Ausgangspunkt für die nächste auszuprobierende Idee.


    Colt's Neuerung war nicht die mehrschüssige Trommelwaffe. Derartiges gab es schon lange. Meist als "Pepperbox", sprich die Trommel war lang und zugleich Lauf. Aber auch einläufige Revolver gab es sogar schon mit Steinschloss-Zündung. Colt's Innovation war einerseits die einfache Bedienung, da die Trommel durch das Spannen des Hahns rotiert und fixiert wurde, und auch der Abzug gespannt wurde. Andererseits die "Fertigungsstraße" die es ermöglichte, auch dieses Produkt aus einfach zusammenzuschraubenden austauschbaren Teilen zu fertigen. In unserer Zeit so selbstverständlich dass wir gar nicht mehr nachvollziehen können, dass Derartiges einmal eine kaum zu glaubende Sensation war.


    Das sind die Blickwinkel, die ich bei der Einschätzung solcher Waffen für relevant halte. Es sind einzelne Stufen, die für sich keine Treppe ausmachen, mit denen man also nicht vom Erdgeschoss in den ersten Stock gelangen konnten. Nur - irgendwann bildeten die Einzelnen Stufen - da sie aufeinander aufbauten - die Treppe, und man kam so ein Stockwerk höher als zuvor. Colt war eine dieser "letzten erforderlichen Stufen für eine funktionierende Treppe". Seine Arbeit, aufbauend auf vielen "Stufenentwicklern" zuvor, war mit dem Revolver das (vorläufige?) Endprodukt.


    Herr Jennings formte zunächst indirekt mit dieser Steinschloss Büchse, später direkt mit dem Kauf und der Weiterentwicklung der Patente von Walter Hunt bis zur Verkauf dieser Entwicklungsergebnisse an die Herren Smith & Wesson mehrere Stufen der Entwicklung zur Winchester. Wobei Smith& Wesson in dieser Entwicklung auch nur eine Stufe darstellten, sie stießen die Firma an das Volcanic Konsortium ab da sie an Langwaffen nicht interessiert waren und die Unterhebel-Mechanik sich für Faustfeuerwaffen nicht eignete. Das Volcanic Konsortion kaufte der Hemdenfabrikant Oliver Winchester, Werkmeister unter Jennings und später bis 1866 maßgeblicher Entwickler war Tyler B. Henry, der bis 1866 auch praktisch alle Patente innehatte. Bevor er nach dem Bürgerkrieg die Nase voll hatte und Winchester verließ.


    Besten Gruß

    Werner

    Wären Feuerwaffen Schuld an Gewalt und Leid, hätten die Menschen vor dem 13. Jahrhundert friedlich und glücklich gelebt.

    Das alte Testament als vielleicht bedeutendstes religiöses Werk der Geschichte erzählt schon auf der zweiten von rund eintausend Seiten die Legende vom ersten Mord der Menschheit. Keine Tat mit einer Schusswaffe, sondern verursacht durch den menschlichen Charakter. Frieden braucht keine Waffenverbote, Frieden benötigt die Beherrschung des - jeweils eigenen - Charakters.



    Einmal editiert, zuletzt von Greenhorn ()

Jetzt mitmachen!

Sie haben noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registrieren Sie sich kostenlos und nehmen Sie an unserer Community teil!