Tradeguns

  • Ich weiss aus der eigenen Familiengeschichte, dass die "einfachen Leute" durchaus wussten, wie man jagd, auch wenn es eigentlich für sie verboten war. Einer der Vorfahren ist nach Amerika abgehauen, als er beim Wildern erwischt worden war. Er gehörte dann zu den Pionieren im Westen.


    Natürlich haben sich die Auswanderer auch für die Neue Welt schon zuhause ausgerüstet. Es war ja nicht so, dass sie alle völlig mittellos angekommen sind, sondern sie haben ihr Hab und Gut zuhause verkauft. Siehe auch die gut dokumentierte Geschichte der deutschen Auswanderung nach Texas. Das haben oft auch Auswanderungsgesellschaften organisiert und gut daran verdient.

    oder die Herrenhuter, in USA Morovians genannt. Diese Auswanderung war organisiert und nicht ziellos. Die hatten auch ihre "Kundschafter" und Wegbereiter.


    Auch die Auswanderungswelle nach der gescheiterten ´48er Revolution war nur zum Teil eine Flucht. Oft hat wie auch jetzt bei den Migranten, die Familie für den Ersten zusammengelegt, und der Rest kam irgendwann nach.

    Bei meinen Vorfahren war es auch so, dass der erste Bruder im Westen gesiedelt hat, und dann der 2. Bruder nachgekommen ist.


    Ich selbst habe eine Muskete, die ein Auswanderer aus der Ulmer Gegend nach Südchile mitgenommen hatte. In den 185er Jahren hatte der sich noch eine Steinschlossmuskete besorgt, denn wer konnte sich sicher sein, dass er in der Wildnis moderne high-tech Zündhütchen bekommen könnte.


    Natürlich gab es auch Auswanderer, die sich für die Überfahrt als Lohnsklaven verdingt haben z.B. Iren. Die waren aber dann nicht im Grenzland und keine Siedler.

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    In meinen Beiträgen verwende ich bewusst Satire, Ironie, Sarkasmus und Übertreibungen, um zu verdeutlichen. Auch ohne Kennzeichnung dieser Stilelemente sollte sich der Leser dessen bewusst sein.

    • Offizieller Beitrag

    Bei den Geschichten um Martin Meylan (auch <Meylin oder Mylin) muss man ein Wenig mit Vorsicht genießen, weil sich Legenden und historische Fakten oft kaum erkennbar mischen. Jedenfalls aber gab es den Mann tatsächlich, er lebte vermutlich von 1670 - 1749. Ab 1710 ist er im Pequea Valley in PA registriert, und hat dort gearbeitet. Worin dieses "arbeiten" bestand ist allerdings unbekannt bzw. nicht gesichert.


    1719 baute er eine Laufbohrmühle, was einerseits häufig erwähnt wird, andererseits weiß man nichts über den Erfolg dieser Mühle. Persönlich würde ich diesen als eher gering einschätzen. Nicht weil der Mann es nicht konnte, sondern weil die Voraussetzungen noch nicht gegeben waren, welche diesen Pioniergeist belohnt hätten. Noch wurden Gewehre hauptsächlich aus den verwendbaren Teilen zerstörter oder beschädigter Gewerhre gebaut, einzige amerikanische Komponente war das Schaftholz (und der Ladestock). Die Förderung von Rohstoffen gab es überhaupt noch nicht, ja, man wusste noch nicht einmal, wo überhaupt Erze vorhanden waren, deren Förderung sich lohnte. Metall wurde importiert, nur - bevor man Roheisen kaufte, kaufte man gleich fertige Läufe aus England, Frankreich, Deutschland oder Holland. Was für praktisch alle anderen Komponenten ebenso galt.


    Ob M.Meylan tatsächlich Läufe gebohrt hat, oder sie gezogen hat, oder auch beides, dürfte auch nicht gesichert sein. Ich vermute, dass er jedenfalls Läufe gezogen hat, vermutlich aber auch gebohrt hat. Sprich, er hat alte Läufe aufgearbeitet, neu gebohrt und anschließend neu gezogen. Vielleicht hat er tatsächlich auch alte Läufe eingeschmolzen und komplett neu geschmiedet, dann auch entsprechend gebohrt und gezogen, aber da sind wir mangels erhaltener Unterlagen und Gewehre wieder im Bereich der Spekulation. Schade, aber kaum zu ändern.


    Jedenfalls aber wird Martin Meylan als der "Begründer der Pennsylvania Rifle", sei es berechtigt oder nicht. Jedenfalls war er einer der Ersten, - und eben vielleicht auch DER Erste, der drüben Büchsen gebaut hat. Aus zerstörten Gewehren, aber das macht nicht viel Unterschied, die erforderliche Arbeit unterscheidet sich kaum. Seine Werkstatt ist erhalten, und trägt eine entsprechende Erinnerungstafel.


    Diese Daten sind immerhin ausreichend gesichert, um in den "Neuen Stoeckl" aufgenommen zu sein.


    besten Gruß

    Werner

    Wären Feuerwaffen Schuld an Gewalt und Leid, hätten die Menschen vor dem 13. Jahrhundert friedlich und glücklich gelebt.

    Das alte Testament als vielleicht bedeutendstes religiöses Werk der Geschichte erzählt schon auf der zweiten von rund eintausend Seiten die Legende vom ersten Mord der Menschheit. Keine Tat mit einer Schusswaffe, sondern verursacht durch den menschlichen Charakter. Frieden braucht keine Waffenverbote, Frieden benötigt die Beherrschung des - jeweils eigenen - Charakters.



  • Ja Werner gefällt mir was du da geschrieben hast. Ich bin da bei meinen Recherchen auch noch nicht weiter gekommen. Habe aber durch mein "fischen in den trüben Tiefen des Internet" einige Hinweise zu Nachschlagewerken aus der "fast" damaligen Zeit finden können. Als PDF gescannt von diversen Bibliotheken. Möglich das alles was darin zu finden ist schon in irgend einer Art aufgearbeitet wurde. Trotzdem für mich der Mühe wert. Eine Mühe die sich auch schon andere gemacht haben. Nur lande ich bei den bis jetzt bekannten Aussagen immer dort worüber du ja schon selbst geschrieben hast, was aber letztendlich nicht absolut als sicher gilt in Fachkreisen. Um da etwas weiter zu kommen sollte ich mein Augenmerk zunächst auf die Errichtung der Bohrmühle legen. Ohne die keine eigene Laufherstellung. An dieser Mühle muß Herr Meylin wohl mitgewirkt haben, wenn er nicht sogar daran beteiligt war. Als Besitzer der Mühle wird stellenweise ein enger Verwandter angegeben. Ein Gewehr "erfindet" oder baut man ohne größere Kenntnisse ja nicht gerade aus dem Stehgreif heraus, zudem es ja an schürfbaren Erzen gemangelt hat zu dieser Zeit wie du schreibst. Nachvollziehbar. Also wo hat er seine Kenntnisse erworben dazu. Schon in seiner alten Heimat. Weniger glaubhaft. Eher der Zugang zu Französischen Gewehren. Beim Zwischenstop in der Schweiz falls er dort war ? Oder doch erst in Amerika. Als die erste eigene Büchse auf den Beinen stand soll er ja schon 49 Jahre alt gewesen sein. Zudem haben wir es ja genau in dieser Gegend in Amerika noch mit anderen kreativen Herstellern zu tun. Warum ist man aber der überlieferten Meinung er könnte der erste gewesen sein. Ich möchte natürlich nicht den "Stein des Weisen" finden. Aber interessant sind solche Begebenheiten schon.


    Zu den Mennoniten noch etwas. Die sind seit ewigen Zeiten schon in der West oder Hinterpfalz wie wir sie nennen beheimatet. Von daher glaube ich weniger das er Konvertiert wäre. Was aber auch niemand behauptet hat. Aber seine Abreise dürfte in deren Büchern belegbar sein. Mal so frei weg von Deutscher Seite aus zu forschen hat ja auch was.


    Michl

    • Offizieller Beitrag

    Was mich an vielen dieser zugänglichen Darstellungen meistens stört ist. dass die Autoren meistens davon ausgehen, dass die Leser ohnehin nicht verstehen wovon gesprochen wird, sondern den Inhalt nur benutzen um sich selbst als "Wissende" darzustellen, ohne zu wissen, wovon sie eigentlich sprechen.


    "Laufmühle" klingt so hochtrabend. Was ist das eigentlich?

    Zunächst wird ein Lauf geschmiedet. um einen Dorn.


    PBarrel.jpg


    Dann hat man eben eine langes Rohr, mit einem recht unsauberen Loch

    Um dieses Loch glatt zu kriegen, wird es gebohrt.


    Bohren.jpg


    Womit das obige Bild eine "Bohrmühle" zeigt.

    Wird für jeden Lauf 'mal gebraucht, nur - Flinten- und Musketenläufe sind so dünnwandig,

    dass man es beim Bohren belässt, die werden nicht gezogen. Weil der Druck beim Schuss mit

    gezogenem Lauf größer ist als beim glatten Lauf, und die dünnen Flintenläufe damit überfordert

    sein könnten. Dickwandigere Läufe halten das aus, die werden dann eben auch gezogen.


    Rif01.jpg


    Rifler01.jpg



    Und wie man sehen kann, hat man sich beim "Rifling" - also beim "bohren" oder "schneiden"

    der Züge - was die Maschine betrifft - nicht sonderlich viel angetan.


    rifling.jpg

    Somit:

    Nachdem hier nun quasi der komplette Prozess abgebildet ist stellen sich die Fragen,

    was nun an einer Laufmühle / Bohrmühle als soo Besonderes betrachtet werden soll?

    Ob und was diese Mühle etwas mit gezogenen Läufen zu tun hatte (nachdem sie auch

    für glatte Läufe benötigt wird), was sie also mit Pennsylvania RIFLES zu tun haben soll?

    Und so manches mehr.


    besten Gruß


    besten Gruß

    Werner

    Wären Feuerwaffen Schuld an Gewalt und Leid, hätten die Menschen vor dem 13. Jahrhundert friedlich und glücklich gelebt.

    Das alte Testament als vielleicht bedeutendstes religiöses Werk der Geschichte erzählt schon auf der zweiten von rund eintausend Seiten die Legende vom ersten Mord der Menschheit. Keine Tat mit einer Schusswaffe, sondern verursacht durch den menschlichen Charakter. Frieden braucht keine Waffenverbote, Frieden benötigt die Beherrschung des - jeweils eigenen - Charakters.



  • ich möchte euch hier bei dem Geschichtsunterricht nicht stören, den ich mega gut finde,nur ein paar Technische fragen an Werner,

    Ich habe noch ein sehrgut erhalten Musketen Lauf Cal 19,4 mm 113 Länge und ein sehr altes Brown Bess Schloss, noch ohne Strudel, käme das hin um sich eine Tradegun zu bauen, welche Ca und Länge hatten die Rohre und aus welchem Holz waren die Schäfte, ich hätte Nussbaum und Buchenholz zur Verfügung.

    • Offizieller Beitrag

    Nu, Syola, diese Komponenten passen nicht wirklich, teils weil zeitlich etwas zu spät, teils weil zu großkalibrig. Wenn original, dann zudem auch noch schade um die Teile.

    Eine der "Massen-Tradeguns" kriegst Du damit nicht hin. Aber: Wenn Du eine französische oder britische Muskete, bevorzugt vielleicht wirklich eine frühe Brown Bess, hinkriegst, dann ist's halt vielleicht keine Tradegun, allemal aber eine glaubwürdige Beutewaffe. Die Natives haben die Waffen gefallener Gegner nicht liegen gelassen.


    Allgemein: Lauflängen sollten etwa 36" bis 48" sein, bevorzugt ca. 42", Kaliber ca. .62" oder ca. 15,7mm, er sollte hinten 8kantig sein und in eine runde Form übergehen. nach grob 1/4 der Gesamtlänge. Schloss Gegenplatte war bei den Briten die Darstellung einer Seeschlange, lässt sich machen, man muss eben geschickt planen, dass die Form zu den Schloss-Bohrungen passt.


    Alles eine Frage des eigenen Anspruchs. etwas das für 99% der Menschen die eine solche Arbeit je sehen werden toll und glaubwürdig ist kriegt man allemal hin. Das Problem ist - selber weiß man immer was nicht stimmt, und das kriegt man nicht aus dem Kopf, wenn's zu krass ist.


    Bei einer britischen Tradegun willst Du etwas dort hinkommen:


    besten Gruß

    Werner


    AAA-408_1.jpg


    AAA-408_2.jpg




    AAA-408_3.jpg


    AAA-408_4.jpg


    AAA-408_5.jpg


    AAA-408_6.jpg

    Wären Feuerwaffen Schuld an Gewalt und Leid, hätten die Menschen vor dem 13. Jahrhundert friedlich und glücklich gelebt.

    Das alte Testament als vielleicht bedeutendstes religiöses Werk der Geschichte erzählt schon auf der zweiten von rund eintausend Seiten die Legende vom ersten Mord der Menschheit. Keine Tat mit einer Schusswaffe, sondern verursacht durch den menschlichen Charakter. Frieden braucht keine Waffenverbote, Frieden benötigt die Beherrschung des - jeweils eigenen - Charakters.



  • Also was ich bis jetzt noch "sichten" konnte zum Thema "Meylin" widerspricht sich in vielen Passagen zu anderen Werken. Es handelt sich dabei um einen Nachdruck von 1949 von Herbert H. Beck zum Thema. Da wird einiges durcheinander gebracht. Bis hin zur Umkehrung der Name würde dem Schweizerischen entspringen. Die Ahnenforscher Seiten sprechen von Palatinate. Wie glaubwürdig wäre die These welche vertreten wird das Rifle von riffeln kommt d.H dem Lauf Züge verleihen und die Longrifle eine Kombination zwischen Jägerbüchse und einem langem Schweizer Gewehr wäre. Ich halte mich da mal etwas zurück. Alles etwas verworren je mehr ich versuche etwas herauszufinden.


    Deshalb hier einmal der Link zu dem Werk.


    Meylin Rifle


    Gruß

    Michl

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