Beiträge von Lederstrumpf

    Es ging primär um die Gattung und um die Frage, ob eine Aptierung auf Perkussion vorliegt. Wir sind uns - glaube ich - einig, dass bei deiner Waffe schon immer das Perkussionschloss eingebaut war und kein Steinschloss voranging.


    Lederstrumpf

    Dieser Theorie kann ich mich nicht anschließen, sorry Werner.

    Dieses Gewehr ist ein klasischer Feldsutzer, der nie etwas anders war als ein Perkussionsgewehr. Ein Steinschloss hat es hier nicht gegeben.


    Lederstrumpf

    Interessante Studie, Wernber.

    Zunächst fällt mir das Schaftholz auf, scheint sich mal nicht um Ahorn zu handeln. Sieht aus wie Nussbaum.

    Beim Schloss hätte ich auf eine Entstehungszeit um 1810-1820 getippt. Diese Hahnform und Batteriefeder mit Rolle sind vor 1800 ziemlich selten. Aber immerhin ist es auch denkbar, dass es sich um eine perfekte Modernisierung um 1820 handelt!?


    Lederstrumpf

    Auch wenn Viele hier reine Gebrauchsgewehre bevorzugen, ich muss sagen: Mir wär's nicht zu nobel! :saint:

    In diesem Fall gehe ich mit!


    Was ich auf den Bildern leider nicht erkennen kann, sind die Blecheinfassungen der Laufstifte. Handelt es sich hier um Stifte oder Keile?


    Lederstrumpf

    Tatsächlich verwenden Instrumentenbauer (z. B. für Klarinettenblätter) auch heute noch den Schachtelhalm.


    Aus Wikipedia:

    "Eine Eigenart der Schachtelhalme ist die Einlagerung von Silicat (als Ligninersatz) in die Zellwand. Die Pflanze enthält bis zu 7 % Kieselsäure. Diese Einlagerungen machen Schachtelhalme zu einem sanften Scheuermittel (Zinnkraut)."


    Und aus einer anderen Quelle:

    "In den Zellen der sehr derben Epidermis (Oberhaut) finden sich Silikatkristalle. Aus diesem Grund wurden Schachtelhalme früher zum Glätten und Polieren von Holz, Knochen, Horn und Metall, insbesondere Zinn, verwendet. Daher auch der Name Zinnkraut. Auch Vergolder und Geigenbauer schätzen den Feinen Schliff des Schachtelhalms."


    Lederstrumpf

    Um Werners profunden Ausführungen zu einem wieder hochinteressanten Gewehr noch etwas handwerkliches hinzuzufügen:


    Schleifpapier gab es noch nicht, das ist richtig. Aber das Abziehen mit Ziehklinge oder Glas- bzw. Tonscherben macht schon eine recht glatte Oberfläche, Schleifen konnte man auch recht gut mit Schachtelhalm, desssen rauhe Oberfläche mit dem heutigen Schleifpapier durchaus vergleichbar ist. Und die Politur mit Bimsmehl war sowohl bei Metall- als auch bei Holzoberflächen gang und gäbe.


    Lederstrumpf

    Wenn ich solche Bilder sehe, wohnen wirklich zwei Seelen in meiner Brust.

    Zum einen würde ich so ein Stück gerne behutsam restaurieren, andereseits aber würde ich befürchten müssen, ihm die Geschichte zu rauben.

    Der Schaft in diesem Fall ist aus besonders schönem Nussbaumholz, das durch eine sachgerechte Restaurierung wieder eine flammende Schönheit würde. Aber einige der in den Jahrhunderten angefallen Gebrauchsspuren wären dann wohl vernichtet.


    Aus diesem Grund würde ich wohl nichts machen. Aber es würde mir schon schwer fallen... Also doch?


    Na, hier muss ich keine Entscheidung treffen. Das gute Stück gehört mir ja nicht. Gut so!


    Lederstrumpf

    Liebe Freunde,


    die Pfannenabdeckung hat nur vielleicht etwas mit Abdichtung gegen Feuchtigkeit zu tun. Sogenannte "wasserdichte Pfannen" kennt man seit dem Ende des 18ten Jahrhunderts. In der Regel hat hier die Batterie an der der Pfannendeckel eine umlaufende Lippe, die die Pfanne rundherum (natürlich nicht zum Zündloch hin) umschließt und damit das Wasser vom Pfannenpulver fernhält. Der Schlitz zwischen Pfannendeckel und Lauf ist dann aber auch die Schwachstelle. Abdichtungen mit Wachs oder Lederabdeckungen für das das ganze Schloss (der Amerikaner sagt Cow Knee dazu, mal googeln! :)) wirkten ganz gut.


    Bei diesem Mechanismus hier handelt es sich um eine feststehende Pfanne aus Gelbmetall, um die eine drehbare Hülse angeordnet ist. Das soll schlichtweg das Herausrieseln des Pfannpulvers verhindern, wenn die Battreie unbeabsichtigt oder fürs Exerzieren geöffnet wird. Für eine Waffe, die weniger im Kampfeinatz, sondern eher im Wachdienst bzw, für representative Zwecke eingesetzt wird, mag das Sinn machen.

    Im Feldzug ist sowas eher kontraproduktiv, weil man vergessen könnte, den Schieber zu öffnen und man dann da für den ersten Schuss sprichwörtlich "nichts auf der Pfanne hat".


    Lederstrumpf

    Socke sieht das genauso, Jack.


    Der Lee ist ein Sammlerstück und jede Benutzung schmälert den Wert. Wie Jack schon richtig festgestellt hat, stehen ausreichend Revolver zum Krach machen zur Verfügung. Und wenn ich wissen will, wie ein Navy schießt, liegt der andere Colt Navy 2. Gen. bereit.


    Lederstrumpf

    Vielen Dank für die Glückwünsche!


    Ne, geschossen wurde der noch nie. Und das Zubehör ist auch alles original. Zündhütchendose aus brüniertem Stahl, Kugelzange und Pulverflasche mit "Colt's Patent" gestempelt.

    Die Patina auf dem versilberten Abzugsbügel ist gleichmäßig dunkel ohne Handschweißabdrücke o. ä. - hat was.


    Ich bin mit dem Kauf sehr zufrieden.


    Lederstrumpf

    Die Kleidung ist das größte Problem. Das Geschoss selbst ist durch die Reibungshitze beim Flug durch die Luft eher "antiseptisch".

    Viele nichttödliche Schusswunden waren Tage später dann doch tödlich. Amputationen oft das Mittel der Wahl, um das zu verhindern. Meist aber unter solch schlampigen Bedingungen, dass die Infektion durch die Tätigkeit selbst herbeigeführt wurde.

    Schmutz auf der Haut und Textilfetzen plus später in den Wundkanal eingedrungender Schmutz verursachten die Infektion.

    Wundärzte wussten das schon, nicht warum das passiert, aber dass es passiert. Wenn sie sorgfältig waren und Zeit genug hatten, haben sie nicht nur die Kugel extrahiert sondern auch peinlich darauf geachtet, dass auch sämtliche Textilfasern aus der Wunde raus kamen. Sehr schön verfimt in "The Master and Commander", wo der Schiffsarzt sich selbst die Kugel rausholen musste. Zum Schluss mussten die Assistenten das Stück Stoff aus der Wunde mit dem Loch im Hemd vergleichen, um festzustellen, dass auch wirklich alles draussen ist.

    Ich mag die Szene, stelle es mir aber sehr schwierig vor, sich selbst zu opererien ohne ohnmächtig zu werden. Nun ist im Film auch reichlich Alkohol zum desinfizieren verwendet worden, was meistens mangels Branntwein oder mangeldem Wisen um Infektionen dem Verletzten versagt blieb.

    Apropos Alkohol: In den Armeen des 18ten Jahrhunderts war es üblich, dass für die Amputationen eines Gliedmaßes dem Offizier eine halbe Flasche Branntwein zur Dämpfung des Schmerzes zustand, der Gemeine bekam ein Beissholz zwischen die Zähne. Von Branntwein zur Wundsäuberung ist in den Aufzeichnungen selten die Rede.


    Lederstrumpf

    Ja, was haben wir denn da für einen Abzug und Abzugsbügel?

    Mal überlegen: Der Abzug könnte auf Double Action hinweisen, das kann doch nicht sein, oder?

    Ist sicher nachträglich angepasst worden, eventuell um mehr Platz für den dicken Finger zu haben?

    Der originale Abzug im kleinen Bügel zwickt schon mal ganz schön, wenn man Finger hat wie Fleischwürste.


    Nein, wenn ich mich nicht täusche, handelt es sich um eine Cooper-Frame Variante des Pocket.

    Weißt du mehr darüber, Werner?


    Lederstrumpf