Beiträge von Lederstrumpf

    Liebe Freunde,


    die Pfannenabdeckung hat nur vielleicht etwas mit Abdichtung gegen Feuchtigkeit zu tun. Sogenannte "wasserdichte Pfannen" kennt man seit dem Ende des 18ten Jahrhunderts. In der Regel hat hier die Batterie an der der Pfannendeckel eine umlaufende Lippe, die die Pfanne rundherum (natürlich nicht zum Zündloch hin) umschließt und damit das Wasser vom Pfannenpulver fernhält. Der Schlitz zwischen Pfannendeckel und Lauf ist dann aber auch die Schwachstelle. Abdichtungen mit Wachs oder Lederabdeckungen für das das ganze Schloss (der Amerikaner sagt Cow Knee dazu, mal googeln! :)) wirkten ganz gut.


    Bei diesem Mechanismus hier handelt es sich um eine feststehende Pfanne aus Gelbmetall, um die eine drehbare Hülse angeordnet ist. Das soll schlichtweg das Herausrieseln des Pfannpulvers verhindern, wenn die Battreie unbeabsichtigt oder fürs Exerzieren geöffnet wird. Für eine Waffe, die weniger im Kampfeinatz, sondern eher im Wachdienst bzw, für representative Zwecke eingesetzt wird, mag das Sinn machen.

    Im Feldzug ist sowas eher kontraproduktiv, weil man vergessen könnte, den Schieber zu öffnen und man dann da für den ersten Schuss sprichwörtlich "nichts auf der Pfanne hat".


    Lederstrumpf

    Socke sieht das genauso, Jack.


    Der Lee ist ein Sammlerstück und jede Benutzung schmälert den Wert. Wie Jack schon richtig festgestellt hat, stehen ausreichend Revolver zum Krach machen zur Verfügung. Und wenn ich wissen will, wie ein Navy schießt, liegt der andere Colt Navy 2. Gen. bereit.


    Lederstrumpf

    Vielen Dank für die Glückwünsche!


    Ne, geschossen wurde der noch nie. Und das Zubehör ist auch alles original. Zündhütchendose aus brüniertem Stahl, Kugelzange und Pulverflasche mit "Colt's Patent" gestempelt.

    Die Patina auf dem versilberten Abzugsbügel ist gleichmäßig dunkel ohne Handschweißabdrücke o. ä. - hat was.


    Ich bin mit dem Kauf sehr zufrieden.


    Lederstrumpf

    Die Kleidung ist das größte Problem. Das Geschoss selbst ist durch die Reibungshitze beim Flug durch die Luft eher "antiseptisch".

    Viele nichttödliche Schusswunden waren Tage später dann doch tödlich. Amputationen oft das Mittel der Wahl, um das zu verhindern. Meist aber unter solch schlampigen Bedingungen, dass die Infektion durch die Tätigkeit selbst herbeigeführt wurde.

    Schmutz auf der Haut und Textilfetzen plus später in den Wundkanal eingedrungender Schmutz verursachten die Infektion.

    Wundärzte wussten das schon, nicht warum das passiert, aber dass es passiert. Wenn sie sorgfältig waren und Zeit genug hatten, haben sie nicht nur die Kugel extrahiert sondern auch peinlich darauf geachtet, dass auch sämtliche Textilfasern aus der Wunde raus kamen. Sehr schön verfimt in "The Master and Commander", wo der Schiffsarzt sich selbst die Kugel rausholen musste. Zum Schluss mussten die Assistenten das Stück Stoff aus der Wunde mit dem Loch im Hemd vergleichen, um festzustellen, dass auch wirklich alles draussen ist.

    Ich mag die Szene, stelle es mir aber sehr schwierig vor, sich selbst zu opererien ohne ohnmächtig zu werden. Nun ist im Film auch reichlich Alkohol zum desinfizieren verwendet worden, was meistens mangels Branntwein oder mangeldem Wisen um Infektionen dem Verletzten versagt blieb.

    Apropos Alkohol: In den Armeen des 18ten Jahrhunderts war es üblich, dass für die Amputationen eines Gliedmaßes dem Offizier eine halbe Flasche Branntwein zur Dämpfung des Schmerzes zustand, der Gemeine bekam ein Beissholz zwischen die Zähne. Von Branntwein zur Wundsäuberung ist in den Aufzeichnungen selten die Rede.


    Lederstrumpf

    Ja, was haben wir denn da für einen Abzug und Abzugsbügel?

    Mal überlegen: Der Abzug könnte auf Double Action hinweisen, das kann doch nicht sein, oder?

    Ist sicher nachträglich angepasst worden, eventuell um mehr Platz für den dicken Finger zu haben?

    Der originale Abzug im kleinen Bügel zwickt schon mal ganz schön, wenn man Finger hat wie Fleischwürste.


    Nein, wenn ich mich nicht täusche, handelt es sich um eine Cooper-Frame Variante des Pocket.

    Weißt du mehr darüber, Werner?


    Lederstrumpf

    Schönen Dank, Werner, für die Aufklärung! Schöne Geschichte.


    Also doch eher französische Revolution. Das kommt dann mit dem Schaft auch hin. Das Schloss ist aber eher noch rätselhaft. Konstruktiv ist es im inneren auch anders, als ich es kenne. Ich schau noch mal im sündhaft teuren Wirtgen (Arnold Wirtgen, "Die Preussischen Handfeuerwaffen 1700-1806") heute Abend mal nach.


    Lederstrumpf

    Vermieteten Soldaten bitte, Erik.

    Verkauft ist amerikanische Propaganda und entspricht nicht den historischen Tatsachen.


    Zur Muskete: nicht mit diesem Kolben, Erik. Ein Kuhfuß wäre richtig, aber nicht der schlanke Schaft des Nothardt-Gewehrs Der kam später.

    Neuschäftung wäre allerdings denkbar.


    Lederstrumpf

    Das muss eine sehr interessante Geschichte sein.

    Als Kenner und Liebhaber der preussischen Musketen ist mir dieses Stück nicht bekannt. Die schlanke Form des Kolbens weist eigentlich auf ein Nothhardt Gewehr hin, die Stempelung der Schlossplatte ist untypisch mit 1770 markiert, was mit der Kolbenform vom Zeitraum eher nicht hinkommt. Außerdem fehlt auf der Schlossplatte das für Preussen typisch "Potzdammagaz" und die Herstellerbezeichnung.

    Seltsam, seltsam...

    Vielen Dank für die schönen Bilder, Erik!


    Es war eine tolle Veranstaltung mit einer wirklich hochkarätigen Ausstellung. Besonderes Highlight waren der Colt Root Revolver von Karl Nedbal und die fantastische Miniaturen-Austellung der Hunziger-Kollektion.

    Nur schade, dass der Austellung nur wenige Zuschauer beiwohnten. Sehr viel Arbeit mehr oder weniger nur für die Anwesenden FROCS.


    Lederstrumpf

    Die Gallyon ist eine tolle Flinte. Glückwunsch dazu, Erik!

    Und die Kiste ist wirklich Klasse.


    Meine habe ich seinerzeit verkauft mit passendem Wechsellauf in .45.

    Mich störte an der Gallyon, das ich zuwenig Gelegenheit hatte, damit auch wirklich Schrot zu schießen.


    ...und dass der Abzugsbügel aus Alu ist. Ich weiß, ich bin in der Hinsicht pedantisch, aber wie kann man sowas aus Alu machen????


    Lederstrumpf

    Hallo AIWIS,

    das war mal eine wirklich schöne und auch teure Jägerbüchse.

    Entstehung würde ich so um 1780- 1790 datieren. Barocke Formen sind noch vorhanden, aber auch schon Anklänge des Klassiszismus.

    Wo sie herkommt ist reine Spekulation, ich würde auf Süddeutschland oder Österreich tippen.


    Leider ist das gute Stück über die Jahrhunderte sehr verwahrlost. Holzwürmer und Rostfraß fanden reiche Beute. Selbst die Messingteile sind nicht mehr gut. Wie schon genannt, wurden diese ihrer Patina durch ausgesprochen krude abrasive Techniken beraubt.


    Ein Wiederaufbau ist unter Verwendung von neuen Teilen sicher möglich. Es lohnt sich aber nur, wenn Geschichte und Erinnerungswert unbezahlbar wären. Viel Geld muss in jeden Fall in die Hand genommen werden.

    Büchsenmacher, die sich häufig mit Restaurationen alter Waffen beschäftigen, können sowas sicher. Der "normale" Büchsenmacher um die Ecke, der sich vorwiegend mit Jagd- und Sportwaffen beschäftigt, ist hier sicher nicht der richtige Ansprechpartner.


    Damit je weider schießen zu wollen, ist illusorisch. Es würden so viele Teile neu verbaut werden müssen, dass von der ursprünglichen Substanz nicht mehr viel übrig bleiben würde.


    Empfehlen würde ich hier einen Wiederaufbau nicht.


    Interessant ist übrigens das Teil, das im Kolbenfach liegt. Es sieht wie der Hahn eines Luntenschlosses aus!?


    Lederstrumpf

    Springfields mit originalem Hammer (so heißt das Ding beim Steinschloss eigentlich)...

    Ach, das ist jetzt aber interessant. Bei mir wird der Hahn erst zum Hammer ab Perkussion.

    Solange der Hahn noch "pickt" ist es eben ein Hahn, wenn er wie ein "Hammer" auf einen Amboss (Piston) schlägt, ist es ein Hammer. Das war bisher mein Wissensstand.

    In unserem hessischen Drill-Reglement (aus der Mitte des 18ten Jahrhunderts), welches dem preussischen mehr oder weniger entspricht, ist in den Kommandos z. B. von "Spannet Hahn!" und "Hahn in Ruh" die Rede.


    Wie ist denn so die Fachmeinung zum Hahn/Hammer?


    Lederstrumpf

    Das letzte gezeigte Stück wirkt igendwie unproportioniert. Der Vorderschaft ist im Vergleich zum Kolbenhals zu dick. Kein Gewehr, das mich anspricht, aber interessant allemal.


    Lederstrumpf