Beiträge von Greenhorn

    Also diese Pistole könnte gut und gerne auch als "Kentucky"-Pistole durchgehen


    Da haben die ausgewanderten Büchsenmacher wohl nicht so viel neu "erfunden"

    "Neu erfunden" haben die - zunächst - überhaupt nichts.

    Auch bei den Gewehren nicht. Sie waren frei - nicht an Gilden

    und die Erlaubnis, Teile zu fertigen - gebunden. Sie durften

    voneinander lernen, miteinander reden, und auf den Markt

    reagieren. Was drüben "erfunden" wurde war letztendlich nichts

    Anderes als das Eingehen auf Kunden-Anforderungen. Was sich,

    nachdem das tägliche Essen wichtiger war als Duelle - hauptsächlich

    bei Langwaffen gefragt war.


    Aber auch die Langwaffen waren deshalb NICHT besser als die hiesigen,

    sie waren nur an die Bedingungen Amerikas angepasst. Künstlerisch

    verspielt waren sie hier wie dort gleichermaßen, aufgrund der geringeren

    weil von den Mächtigen Kontrollierten Nachfrage hier sogar mehr als

    drüben. Wenn man weniger Gewehre fertigen muss, hat man für das

    Einzelne mehr Zeit. Speziell als "königlicher" oder gar "kaiserlicher"

    Büchsenmacher.


    "Drüben" war das Gewehr 'halt ein Werkzeug zum Leben bzw. überleben,

    hier ein Werkzeug für "Hobby" oder Beruf, leicht überspitzt ausgedrückt

    ein "Luxusartikel". Was nicht zuletzt zu einer anderen Einstellung zu Waffen

    in der Bevölkerung führte. Das ist auch schon alles.


    Dass drüben Schulen auf eine andere Art und Weise entstanden sind als

    hier liegt schlicht daran, dass die Büchsenmacher drüben eben frei, nach

    eigenem Gutdünken auf Kundenwünsche reagierten, und damit erfolgreich

    waren oder auch nicht, während sie hier weisungsgebunden im Auftrag ihrer

    "Herren" arbeiteten, auch wenn sie selbst bereits "höherstehende"

    Persönlichkeiten waren. Ein Umstand der nicht auf Waffenschmiede beschränkt

    war sondern ganz allgemein für Handwerker und Künstler galt.


    Die Bedingungen drüben haben letztlich 'halt auch zu einer romantisch verklärten

    Betrachtungsweise geführt, die bis hierher reicht. Nichts Neues, liegen die

    individuellen Interessen etwas weiter zurück, sind's halt die Ritter der Tafelrunde,

    oder die Legenden um Odysseus, ...



    besten Gruß

    Werner

    Tolles Stück, Gratuliere!

    Solche Rätsel können recht mühsam zu lösen sein, nicht zuletzt weil man sich zunächst mangels

    überprüfbarer Ansätze schnell verlaufen kann.


    Wie es aussieht, waren (oder sind) die Eberts eine recht weit verstreute Büchsenmacher-Familie.

    Die Pistole ist von einem Herrn Ebert in Ballenstedt im Harz, um 1760

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    Die folgende kommt von einem I.Ebert oder J. Ebert aus Suhl, grob 100 Jahre später.

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    In Braunschweig ist heute noch ein "Waffen Ebert" tätig,

    von dem J.Ebert in Wien werden gelegentlich Scheibenpistolen angeboten.

    Gewehre habe ich noch nicht gesucht.

    Aber es gibt Ansatzpunkte.


    besten Gruß

    Werner

    Nichts zu danken, enfield !

    Eigentlich versuche ich lediglich, eine Art der Präsentation unseres Hobbies zu zeigen,

    die meiner Meinung nach geeignet wäre, die allgemeine Sicht dieses unseren Hobbies in

    unserem Interesse zu beeinflussen. "Ein Bild sagt mehr als tausend Worte", heißt es.

    Und man sollte sich selbst ohnehin nicht immer so tierisch ernst nehmen, sondern durchaus

    auch über sich selbst ein Wenig lachen können. Mehr ist da nicht. :saint:


    besten Gruß

    Werner

    Wieder ein Stückerl für die Freunde des Schlichten.


    Irgendwann einmal war das eine Tradegun! Nachfolger der ursprünglichen "Fusil De Chasse".

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    Diese gezeigte Trade Flinte entstand aus (einer der) ersten genormten französischen Musketen,

    dem Modell von 1717. Erste Mutation: Aus dieser Muskete wurde für den Fellhandel eine Tradegun

    weiterentwickelt.


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    Das war nicht so schwer. Einfacherer Schaft, weitestgehend identische Beschläge, das Kaliber

    von .69" auf ein - von den Natives bevorzugtes - Kleineres reduziert - in dem Fall .62". Und einen

    sich zur Mündung hin stark verjüngenden Lauf. Schon war das Gewicht der Muskete um 1/3 reduziert.


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    Es gibt Aussagen, dass die Natives die französischen Tradeguns den britischen bevorzugten. Ich weiß

    nicht, was ich davon halten soll. Zwar waren die französischen aus hochwertigeren Komponenten aufgebaut,

    die Beschläge waren die selben wie bei den Musketen, von denen sie abstammten. Aber die Briten blieben

    die führende Macht im Fellhandel, und deren Tradeguns behielten stückzahlmäßig die Oberhand.


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    Egal! Dieses Exemplar hat nicht überlebt. Zumindest nicht in seiner ursprünglichen Form. Irgendwann ist im Rahmen

    unbekannter Vorkommnisse der Schaft gebrochen, die Schloss-Gegenplatte ging verloren, die restlichen Komponenten

    wurden bei einem Büchsenmacher vorbeigebracht.


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    Das geschah offenbar gegen Ende des 18. Jahrhunderts, und in der Gegend von Bucks County/Pennsylvania.

    Darauf lässt zumindest die zweite Mutation des Gewehrs schließen.


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    Dem Überbringer der Komponenten - oder vielleicht auch nur dem Waffenschmied - waren es die

    Teile jedenfalls wert, ihnen einen neuen Schaft zu spendieren. Weshalb wir hier einen solchen aus

    gebeiztem amerikanischen Ahorn sehen, mit nahezu ausschließlich französischen Musketen bzw.

    Tradegun-Komponenten.


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    Ganz blieb es dabei allerdings nicht. Einerseits - vermutlich weil das Original wie oben angedeutet

    verloren ging - wurde eine neue Schloss-Gegenplatte verbaut. Und irgendwie hielt auch der

    "Smoothrifle-Gedanke" Einzug, weshalb das Gewehr eine Kimme erhielt. Nicht zu verwechseln mit

    der unten abgebildeten Markierung der Schwanzschrauben-Position.


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    Das obige Foto soll mehr darauf hinweisen, dass zudem einige der in Bucks County

    gängigen eingeschnittenen Schaft-Verschneidungen vorsichtig in Erscheinung traten.


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    Alle anderen Komponenten dürften tatsächlich noch vom usprünglichen Gewehr stammen.

    Fast möchte ich meinen, die Komponenten wurden einem im Kampf ums Leben gekommenen

    Indianer von einem Weißen abgenommen und zu einem Büchsenmacher gebracht, der das

    fertige Produkt dann auch übernahm.


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    Das ist zwar reine Spekulation, aber für mich die beste Erklärung dafür, dass dieses

    Gewehr heute noch in diesem bemerkenswert guten Zustand ist. Die folgende Geschichte

    der Natives lässt ein Überleben eines solchen Gewehrs kaum vermuten. Zumal die Bucks

    County Elemente nahelegen, dass der angedeutete Kampf im Rahmen des so brutal geführten

    French and Indian War stattgefunden hat.


    Eine mangels Fakten rein fiktive Geschichte, die aber andeutet, warum

    man sich öfter 'mal wünscht, dass solche Waffen ihre Geschichte erzählen könnten.


    besten Gruß

    Werner

    Und noch ein weitestgehend Unbekannter! In dieser frühen Version.

    Den Nachfolger kennt zwar auch nicht JEDER,

    da aber von der US-Army bestellt und bei der Truppe während des

    Bürgerkriegs auch eingeführt zumindest Insidern doch sehr bekannt.

    In der Praxis unterscheiden sich die beiden Revolver nur durch Abzug

    und Abzugsrahmen, trotzdem wirkt das Aussehen gänzlich anders.

    Cal. 36", also ein "Navy". Dieses frühe Modell hatte noch keine gasdichte

    Verbindung von Trommel und Lauf, und aufgrund des zu dem Zeitpunkt

    noch anderen Verhältnisses der Partnerfirmen zueinander hieß der hier

    noch "North - Savage" und nicht wie ein, zwei Jahre später "Savage - North".


    besten Gruß

    Werner


    PS.: Die auf den Ansichten von der rechten Seite sichtbaren

    eingeschnittenen Kerben dieses Exemplars interpretiere ich

    jetzt 'mal vorsichtshalber nicht.


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    Das Ding zu haben - es gibt hübschere Versionen - hätte ja seinen Reiz. Voll geladen zu schießen weniger.

    Möchte nicht wissen wie das aussieht, wenn man die hintere Kammer zuerst zündet, sprich den falschen Hahn erwischt...! =O


    besten Gruß

    Werner

    Auf meine alten Tage werd' ich doch glatt noch religiös!

    Besonders die Weisheit der 10 Gebote hat's mir angetan.


    "Du sollst begehren Deines Nächsten Revolver"

    oder

    "Du sollst nie glauben, dass Du alles kennst"


    Wieder ein "nicht so besonders häufiger, aus New York.

    Nach dem Motto "Kuriosität ersetzt Stückzahl!"

    Von Pistolen ist das System ja bekannt, aber...

    Ich sag zunächst 'mal garnichts… 8)


    besten Gruß

    Werner


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    Nö, (noch) kein Fall von verfrühtem Altzheimer,

    sondern bloß ein seltener Perkussionsrevolver,

    der um 1860 in Amerika - genauer New York -

    angeboten wurde.


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    Viel ist nicht bekannt. Unter Anderem, dass es zwei Ausführungen gab: Pocket und

    Navy, bzw. Cal. .31" und Cal. .36".

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    Von Bedeutung ist der Revolver bestenfalls für ein paar Insider,

    Vom Pocket sind angeblich etwa 750 Stück entstanden, wie viele

    überlebt haben ist unbekannt.

    Die bekannten überlebenden Navy Exemplare tragen die

    Seriennummern 5, 17 und 38. All zu viele dürften also nicht

    entstanden sein.


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    Das Interesse für diese Waffe hält sich auch in Grenzen. Was nicht verwunderlich ist,

    auch "Einzelstücke" interessieren nur dann, wenn sie ein Mindestmaß an

    Berühmtheit erlangt haben. Dazu gibt es in diesem Fall keinen Anlass. Wäre mit

    einem solchen Revolver z.B. das Lincoln Attentat verübt worden, sähe die Sache ganz

    anders aus. Dann hätte er sich aber auch besser verkauft, zumindest nach dem Attentat.

    Menschen sind eben merkwürdig.


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    Die genannten Umstände führen dazu, dass selbst die wirklichen Raritäten - also die "Navies"

    um "nur" rund US$ 16,500,- ersteigert wurden, die Interessenten sich dennoch nicht überschlagen,

    und bei späteren Auktionen nur mehr weniger als die Hälfte erzielt wurde.


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    Der gezeigte Navy ist das Exemplar mit der SNo. 17. Die Seriennummer ist vorne an der

    Trommel eingeschlagen, oben an der Ladepresse, und innen am Abzugsrahmen.


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    Wer die Revolver gefertigt hat ist meines Wissens nach nicht bekannt.

    Verkauft hat sie ein Benjamin J. Hart in seinem New Yorker Geschäftslokal

    am Broadway.


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    Der Revolver hat eine Double Action Mechanik, und einen 4 3/8 Zoll langen Lauf.

    Abgesehen von der Seriennummer trägt er keine Markierungen.


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    Die No. 17 ist das einzige gravierte Exemplar. Die Waffe dürfte einen gröberen Unfall

    gehabt haben, zumindest wurde der "Abzugs-" Rahmen gesprengt. Der Schaden wurde

    repariert, sprich gestiftet und geschweisst. Dieser doch recht hübsche Revolver ist,

    vermutlich auch deshalb, um US$ 5.500 zu haben. Ich nehme aber fast an, dass er zum

    Ladenhüter wird.


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    Somit eine sehr seltene, durchaus kurioses Waffe, die vermutlich nur

    den regelmäßigen Lesern der Publikationen von Flayderman's oder

    James D. Julia bekannt ist. Trotzdem einmal sehenswert.


    besten Gruß

    Werner


    PS.: Nett ist auch die ungewöhnliche, auf dem letzten Foto erkennbare

    "federlose" Fixierung des Hebels der Ladepresse. Hat angeblich

    funktioniert.

    Nun. Schwarzer Mann , dass die Zouave Rifle gerne als "Harpers Ferry Pattern" bezeichnet wird ist ja auch korrekt. So falsch diese Bezeichnung auch sein mag.

    Ich verstehe dabei mehrere Faktoren nicht:


    *) Es gab nie eine produzierte Mississippi Rifle Variante, welche der Zouave Rifle entspricht. So ähnlich die beiden Waffen einander sind. Nicht von den Privat Unternehmen, und auch nicht aus Harper's Ferry. (Kleine Klugscheißerei am Rande: M1855 würde ich in dem Zusammenhang nicht als Bezeichnung wählen, da es die wirklich gibt und die ein anderes Gewehr ist, tatsächlich - auch - in Harpers Ferry produziert. Hier geht's um eine Variante der 1841 Mississippi Rifle, also nochmals 14 Jahre retour. Aber - als Idee - nicht ganz von der Hand zu weisen, da ja 1855 die Änderung der Mississippi Rifle auf Cal. .58" für Minie Geschosse erfolgte)


    Wie kommt es also zu dem "unsinnigen" Begriff "Harpers Ferry Pattern". Die Bezeichnung findet man oft, eine Erklärung hab' ich bisher nicht entdeckt.


    Allerdings fällt auf, dass die "wesentliche" Änderung zu den bis dahin produzierten Mississippi Rifles das Weglassen einiger Komponenten ist, welche seit 1795 für amerikanische Musketen üblich war (Schaftkappe, Schloss-Gegenplatte, vielleicht mehr), ersetzt durch Teile wie sie ab 1855 für amerikanische Militär Gewehre üblich wurden. In anderen Worten: Die Zouave Rifle ist eigentlich eine Anpassung einiger Komponenten der Mississippi Rifle an die Komponenten die

    aktuell Norm waren. So dass - auch im Feld - die Austauschbarkeit der Teile und somit die Reparaturmöglichkeiten erhalten wurden. Schlimmstenfalls hätte man halt eine Stahl-Schaftkappe statt einer Messing Schaftkappe montiert, dem Soldaten der das Gewehr benötigt wär das sicher wurscht gewesen.


    Wilde Spekulation: Was, wenn aus diesen Gründen ein "1861 Pattern" für die Mississippi Rifle existierte, der in Harper's Ferry produziert werden sollte. Was durch die Zerstörung von Harpers Ferry durch die Konföderierten verhindert wurde (die hatten, um eine eigene Massenproduktion aufbauen zu können, alle relevanten Werkzeugmaschinen aus Harper's Ferry "geklaut").

    Mangels Produktionsmöglichkeit in Harper's Ferry hat das Kriegsministerium den Auftrag an Remington vergeben. Ergebnis bekannt.


    Bisher habe ich keinerlei Bestätigung für diese Spekulation gefunden, aber auch nichts, das dagegen spricht. Mit dieser "Erklärung" würde alles wieder "passen". Wie Eingangs angedeutet, eigentlich absolut unwichtig, als Gedankenspiel aber dennoch reizvoll. Speziell, wenn sich der Gedanke bestätigen ließe.


    besten Gruß

    Werner

    Abgesehen vom zweiten Punkt war mir das so weit bekannt, Schwarzer Mann . Allerdings halte ich den ersten Punkt für groben Unsinn!

    Was soll "Harpers Ferry Pattern" heißen, wenn die Zouave Rifle sich gerade von der in Harpers Ferry produzierten Form doch merkbar

    unterschied, und zudem die Produktionsstätte in Harpers Ferry zu dem Zeitpunkt, als Remington den Auftrag zur Produktion des

    Gewehrs erhielt, längst durch die Konföderierten zerstört worden war?


    besten Gruß

    Werner

    Dem stimme ich zu, Breuko. Woraus sich aus meiner Sichtweise ein anderer bemerkenswerter Aspekt ergibt: Die Berühmtheit der Zouave Rifle entstand nicht aufgrund ihrer herausragenden Konstruktion und Leistung, Remington hat (vernünftigerweise) lediglich die alte Mississippi Rifle übernommen und einige unwesentlichen alten Teile durch die gerade aktuellen ersetzt, halt in Messing statt in Stahl. Die Berühmtheit der Waffe kommt in dem Fall also von der Truppe, welche sie geführt hat!


    Bleibt ein Aspekt den ich oben vergessen habe: Einzelne Zouave Rifles - u.a. die oben gezeigte - verschießen zwar die damals üblichen Minie Geschoße, bei gleichem Drall, aber mit 7 Zügen statt mit drei.

    Ich glaube allerdings, dass das bedeutungslos war! Das würde - vielleicht - einen Sportschützen beim Kampf um Ringe interessieren, aber ob ein .58"er Minie Geschoß im Kampf vielleicht 1 oder 2 cm präziser traf wird ziemlich bedeutungslos gewesen sein, zumal die Schützen situationsbedingt wohl andere Dinge im Kopf hatten als hochpräzise Treffer. Echte Scharfschützen wären mit anderen Gewehren ausgestattet gewesen.


    besten Gruß

    Werner

    Ein kleiner Vergleich der sogenannten Missisippi Rifle, also der US. Mod. 1841 Büchse welche die früheren

    "Common Rifles" mit Steinschloss ersetzt hat, und der Zouave Rifle von 1863. Hat mich einfach interessiert,

    nachdem ich letzte Woche beim Thema "Zouave" etwas danebengegriffen hatte.

    Es geht mir dabei nicht um einen wertenden Vergleich sondern darum, dass es drüben stimmen gibt die

    behaupten, die Zouave Rifle sei nichts anderes als eine der unzähligen Varianten der Mississippi Rifle. Nicht

    wirklich wichtig, aber irgendwie interessant. Man findet Behauptungen laut denen es knapp 1.000 Varianten

    der Mississippi Rifle gibt. Keine Ahnung, erscheint mir aber etwas übertrieben, bei einer produzierten

    Gesamtzahl von grob 70.000 Exemplaren. So viel zum Rahmen.


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    Die Ausschreibung für das Modell 1841, bejkannt als "Mississippi Rifle" entstand 1840, Hergestellt wurde

    sie ab 1841 in Harpers Ferry, zudem bei unzähligen Auftragnehmern wie Whithney, Remington, Tryon und

    Anderen. Die ursprüngliche Ausführung hatte einen Lauf im Kaliber .54" für Rundkugeln, Lauflänge 33", und

    hatte eine feste Kimme,


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    Mitte der 1850er galt das Gewehr als veraltet, speziell weil das Kaliber .58" und Minie Geschosse als

    Norm eingeführt worden waren. Für gezogene Musketen. Womit nun auch die Standard-Muskete der

    Infanterie einen gezogenen Lauf hatte, somit "Rifle" war. Mit schweren Langgeschossen. Die "Mississippi

    Rifle" hatte quasi keine Existenzberechtigung mehr. Ihr einziger wesentlicher Vorteil: im Vergleich zur

    Muskete war sie kurz, und für berittene Soldaten damit besser zu handhaben.


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    Also entstand 1855 eine neue Version, mit einer .58" Lauf für Minie Geschosse, einer effektiven Reichweite von rund 1.000m,

    und einer passenden 3Blatt Kimme. Die verschiedenen "exotischen" Schwert-Bajonette blieben.


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    Im Gegensatz zu Musketen war die Mississippi Rifle mit einer Patchbox ausgestattet. Die

    Form war stets gleich, die Größe Variierte aber von Anbieter zu Anbieter, von Charge zu Charge.

    Die Schaftkappe war gerade, die Schloss-Gegenplatte in der von Musketen gewohnten L-Form

    gestaltet.


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    Die Produktion in Harpers Ferry endete zwangsläufig mit dem Überfall durch die Konföderierten Truppen,

    auch die Aufträge an die privaten Unternehmer endete 1861. Nur - Remington erhielt einen Nachfolge-Auftrag.

    Durch Überlastung aufgrund der Revolver-Produktion konnte Remington diese Nachfolge Büchse erst ab 1863

    liefern, der Auftrag wurde aber bereits 1862 vergeben.


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    Dieses Gewehr wurde als "Zouave Rifle" bekannt. Wie schon die Mississippi Rifle mit 33" langem Lauf,

    Kaliber .58" für Minie Geschoße, Kimme mit 3 Blättern für unterschiedliche Distanzen.


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    Die Form der Patchbox blieb identisch zur Mississippi Rifle, lediglich wurde die

    kürzeste Variante dieser Box nun zum Standard.


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    Die nun gekrümmte Schaftkappe erinnert an die nun aktuellen Springfield Musketen a la Mod. 1861,

    auch das Schloss ist identisch zur Muskete lediglich mit 2 Schrauben, ohne verbindende Gegenplatte

    befestigt.


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    Im Gegensatz zur Muskete wurden Messing-Beschläge verwendet, interessanter aber:

    Remington - bekannt für die hohe Qualität seiner Läufe - fertigte das Gewehr etwas schwerer,

    mit dickwandigeren Läufen und - so sagt man - damit mit höherer Präzision. Für die Verwendung

    der "Schwert-Bajonette" finde ich gerade keine Bestätigung, aber so weit ich weiß blieben die

    Bestandteil der Ausstattung.


    Zo005.JPG


    Soll man die Zouave-Rifle nun als eigenständiges Gewehr, als Weiterentwicklung der Mississippi

    Rifle oder "nur" als eine der zahlreichen Varianten der Mississippi Rifle betrachten?


    Nicht großartig wichtig, und - der Sammler wird ohnehin beides wollen. Nur, manchmal können

    auch unwichtige Fragen bzw. Sichtweisen zum Thema interessant sein. Was meint Ihr?


    besten Gruß

    Werner

    Das Lesen von Beitrag Nummer 3 zeigt, daß es nicht um gewünschte Eigenschaften oder günstige Angebote geht,

    sondern um eine bereits vorhandene Waffe, zu welcher Erfahrungen gesucht werden:

    Wo Du recht hast, hast Du recht. Nachdem ich nicht der "Abkürzer" bin, hatte ich das "ZR" ignoriert. Mein Fehler.


    Greenhorn, könnte dir entgangen sein, das es hier so ziemlich ausschließlich um eine Zuave - Rifle ging?

    Kann nicht nur sein, ist so. Da hatte ich nicht mitgedacht, Klar genug wär's ja gewesen, wenn man ein bisserl aufpasst.

    Sorry!


    besten Gruß

    Werner

    Für "ausschließlich um die Zouave" war mir das Augenmerk auf die Eigenschaften, die andere

    US Militärwaffen dieser Zeit mit der Zouave 100% gemeinsam haben zu groß, Breuko . Es geht ja nicht

    darum, Suppomann die Zouave auszureden. Ich merke nur an, dass die offenbar erwünschten

    Eigenschaften zu der Zeit Norm waren (ohne näher auf die Gründe einzugehen) und entsprechend

    über viele Waffentypen verteilt sind. Zu denen es ja auch günstige Angebote geben kann.


    besten Gruß

    Werner

    Kaliber .58" ?

    3 Züge?


    Momenterl 'mal!

    Das ist doch (zumindest US.) Norm für gezogene Militärgewehre für Minie-Geschoße.

    Nichts gegen die Zouave, Nur ist man keineswegs auf die beschränkt. Wenn's lang sein

    darf tun's auch die Springfields, von 1855 bis 1863, die gezogene Colt 1861 Muskete, die

    1841 Mississippi Rifle in ihrer ab 1855 erschienenen Modifikation, sowie diverse Richmond

    Ausführungen (Südstaaten) ,


    Wenn's nicht dezidiert um Zouave geht, hat man ein weites Feld zur Auswahl.


    besten Gruß

    Werner

    ..und sitzt immer noch tadellos. Nach 200 Jahren keine Überstände oder Spalten - bemerkenswert!

    Die verwendeten damals handgeschlagene vierkantige Nägel. Bei meiner hatte ich damals die Schaftkappe schlecht montiert, weil dich die Unebenheiten am Schaft übersehen hatte, und wollte das Ding wieder 'runterkriegen. Kaum zu glauben, aber das war mehrere Tage Arbeit, nachdem ich den Schaft nicht beschädigen wollte, und das Ding hielt wie geschweisst...:shock:


    besten Gruß

    Werner

    Heuer scheint das Jahr der "Entdeckung" originaler Tradeguns zu sein. Vermutlich keine erfreulichen Anslässe,

    denn solche Stücke tauchen in der Regel im Rahmen von Erbschaften auf.


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    Ein Exemplar der Hudson's Bay Company. Was der Anbieter entweder nicht weiß, oder unwichtig findet.

    Egal, die Firma des Waffenschmieds Barnett arbeitete für die Hudson's Bay Company. Gemeinsam mit

    den Beschussmarken aus London, und dem "Sitting Fox" Stempel am Schloss ist die Sache eindeutig.


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    Genauer:

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    Abgesehen von der Kuriosität am Beginn des Threads die beste originale Tradegun die #

    ich bisher gesehen habe! Nicht taufrisch, was nicht verwundern darf. Aber für ein bald 200

    Jahre altes Exemplar seiner Gattung bemerkenswert gut erhalten.


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    Zudem eine Bestätigung, dass die diversen amerikanischen Bausätze solcher Gewehre doch sehr nahe am Original sind.


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    Alle bekannten Elemente sind vorhanden, vom schon erwähnten "Sitting Fox" Stempel

    über die gegossene Seeschlange als Schloss-Gegenplatte, die genagelte Schaftkappe,

    der von unten mit der Fahne der Schwanzschraube verschraubte Abzugsrahmen,

    alles wie bekannt. TG6006.jpg


    Somit ein großartiges Vorbild für alle, die 'mal Lust haben, eine

    originalgetreue Tradegun zu basteln.


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    Ansonsten gibt es nicht viel zu sagen, - die Tradegun Geschichte wurde schon oft

    behandelt. Keine wirklich erfreuliche Geschichte, andererseits aber: Wann ist

    menschliche Geschichte schon erfreulich. Dazu sind Menschen - mögen Ausnahmen

    die Regel bestätigen - zu selbstherrlich.


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    Das Gewehr ist dennoch beeindruckend. Könnte mein Beuteschema sein,

    allerdings gibt's da natürlich das übliche kleine Problemchen... :saint:


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    Ach ja, eine Kleinigkeit fällt noch auf: Offenbar wurden die Schaftkappen 1827 immer noch

    genagelt und nicht geschraubt. Also immer noch die seit 1670 eingeführte gängige Variante.

    die geschraubten dürften erst um 1840 aufgetaucht sein.


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    besten Gruß

    Werner