Beiträge von Greenhorn

    Oder auch umgekehrt. Selten habe ich ein Gewehr gesehen,

    das aus dermaßen vielen Gründen außergewöhnlich ist, das aber

    dennoch kaum jemand kennt. Oder?


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    Keine Schönheit, zugegeben, darauf kommt es beim Militär aber auch nicht an. Zwar war die

    Büchse nicht besonders erfolgreich, nur 1.500 wurden vom US-Militär gekauft (sowie 3.000 an

    Russland), aber hier fängt es mit den Kuriositäten schon an. Den eine militärische Unterhammer-

    Büchse ist wohl nicht alltäglich.


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    Es bleibt aber nicht bei der Untehammer-Perkussionszündung. Dazu kommt, dass

    es sich um ein Hinterlader-Gewehr handelt.

    Und - um das erste in Amerika gefertigte Gewehr mit Bolzen-Verschluss. 1859!.



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    All dies klingt jetzt mehr nach einer Aufzählung von Widersprüchlichkeiten und nicht

    so sehr wie eine Beschreibung technischer Details. Hilft aber nichts, So wurde dieses

    Gewehr nun einmal konstruiert. Und - wenn auch nur in geringem Maß aber eben doch -

    auch in Dienst gestellt. Der gezogene Lauf mit ovalem Querschnitt war da beinahe schon

    ein unbedeutendes Detail am Rande.


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    Entwickelt wurde das Gewehr von einem US Army Lt. Col., nämlich J.Durell Greene. Leider

    zeigte sich, dass durchaus kreative und innovative Ideen bei einer Waffe nicht viel helfen,

    wenn die Büchsenmacher Erfahrung fehlt. Und so zeigte die Waffe jede Menge Probleme im

    praktischen Dienst, war unbeliebt und entsprechend ohne Erfolg.


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    Die Schwierigkeiten fangen bei der Zündung an. Die Zündhütchen wurden auf einen unten am

    Lauf angebrachten Konus aufgesteckt, der Hammer hatte gespannt zu bleiben. Was dazu führte,

    dass das Zündhütchen oft abfiel, und natürlich stets dann, wenn man dies am wenigsten brauchen

    konnte.


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    Dazu kommt, dass das Gewehr mit 2 Geschoßen geladen werden musste:

    Bolzen öffnen, Geschoß laden, dann das Pulver, und hinten dran noch einmal

    ein Geschoß, das als Verschluss-Dichtung wirkte. Nach dem Abfeuern wurde

    dieses "Dichtungsgeschoß" ins Geschoß-Lager geschoben, das Pulver geladen

    und eben ein neues Geschoß als Dichtung.



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    Der Lauf des Gewehrs war 36" lang, das Kaliber wird mit .53" angegeben,

    dazu will ich aber erst einmal herausfinden, ob "Ovaler Lauf-Querschnitt"

    den Querschnitt des Laufs oder jenen der Bohrung beschreibt. Nach dem

    Motto: Hier ist ja nichts unmöglich.


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    Jedenfalls hat das Gewehr offenbar auch einiges erlebt, jedenfalls war der

    Schaft gebrochen und repariert worden, auch einige andere Reparaturen

    sind erkennbar. Wie viele Exemplare überlebt haben, und in welchem Zustand,

    ist mir zur Zeit nicht bekannt. Jedenfalls aber ein spannendes Stück Geschichte.


    besten Gruß

    Werner

    Könntest Du diese Theorie (oder ist es Kenntnis ? ) bitte mal etwas näher erläutern ?


    Das gezeigte Bild des engen und überaus eingerosteten Zündloches gibt für mich nichts Erkennbares her, daß da mal ein Zündstollen

    eingeschraubt gewesen sein könnte.

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    Die Fotos der Büchse in ihrem Zustand vor der Restauration habe ich leider nicht, Captain Cat ,

    allerdings sind Restaurateure diesbezüglich noch schimmere Spinner als ich selbst einer bin.

    Das bisschen Rost für ein plausibles Bild ist mehr Pflicht als Herausforderung.

    Und wenn die sagen, sie haben rekonvertiert, glaube ich das auch. Und sei es, dass ich zu naiv bin. :/


    besten Gruß

    Werner

    Nichts zu danken, snigelfritt

    Keine Ahnung, was die Büchsenmacher bzw. Schloss-Schmiede damals gedacht haben.

    Jedenfalls aber sind sie auf Kundenwünsche und Rückmeldungen eingegangen.

    Die Gewehre wurden damals kürzer, kompakter, ich vermute dass die Änderung einerseits

    die Proportionen anpassen sollte, wichtiger aber: man erhoffte sich wohl eine Steigerung der

    Zündgeschwindigkeit. Ob diese Hoffnung gerechtfertigt war sei dahingestellt, aber den Versuch

    war's allemal wert.

    Und - wie Dir auffallen wird, dieses Schloss ist mit einem Stahlrad an der Batteriefeder ausgestattet.

    das sollte den Widerstand beim Aufschlagen des Hammers reduzieren, damit den an auf Schaft

    übertragenen (Rotations-) Druck, wodurch es problemloser möglich war, das Schloss nur mit einer

    Befestigungsschraube am Schaft zu fixieren.

    Will sagen: die Konstrukteure damals haben sich bei ihrer Arbeit schon 'was gedacht. Insofern wird auch

    die kompaktere Bauart der Pfanne ihren Sinn gehabt haben. Vielleicht nur, dass das Zündpulver weniger

    verteilt, sondern konzentrierter am Zündloch lag.


    besten Gruß

    Werner

    Noch eine Kleinigkeit, Marlinman ,

    nehmen wir an, obiges Stück wäre unsigniert, und würde nur aufgrund der Handschrift identifiziert werden,

    und Du hättest es geerbt. Bei richtiger Identifizierung bringt es Dir gut und gerne €12.000,- ein, sofern Du es loswerden willst.

    Sollte das Stück - mit leicht anderem Aussehen aber auch unsigniert auf z.B. J.Moll zuzuordnen sein, hättest Du

    € 500.000,- oder mehr in der Hand. Ganz so unbedeutend ist eine korrekte Identifizierung also nicht.


    besten Gruß

    Werner

    Ist es denn so wichtig, was es genau ist oder wo es herkommt? Es ist einfach ein schönes Gewehr :)

    Würde mir als Klassifizierung genügen

    Das soll jeder für sich selbst entscheiden. Es gibt Schützen die empfinden ein solches Gewehr nicht als "schön"

    sondern als dekadent und überladen verziert. Was ganz genauso berechtigt ist. Geschmäcker sind verschieden und

    sollen es auch sein!


    Insbesondere historisch interessierte Leute interessiert eben auch, woher etwas stammt. Um so mehr wenn es so

    etwas wie eine anerkannte Einteilung gibt und man gerne selbst die Fähigkeit hätte, Büchsen korrekt zuzuordnen.

    Und erst recht, wenn man Büchsen selbst baut, und keine Fantasieprodukte sondern eben korrekt gefertigte Exemplare

    anstrebt. Ich würde auch kein Gewehr wollen das sich "Winchester" schimpft, aber auf einer Marlin-Mechanik aufgebaut ist.

    Und umgekehrt.


    besten Gruß

    Werner

    Altes Thema, immer wieder aufgewärmt, dennoch schwierig, fast ungreifbar. Deshalb auch in

    schöner Regelmäßigkeit 'mal wieder gefragt, und vielleicht auch den Versuch wert, es aus einem anderen

    Blickwinkel zu betrachten. Wobei der Beginn eigentlich stets der selbe ist: Man sieht eine Longrifle, und

    fragt sich; "Was ist das?"


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    Am Angenehmsten ist es natürlich, wenn eine Büchse signiert ist. Aber selbst dann kann noch

    jede Menge Fragen auftauchen. Man nehme z.B. Jacob Dickert, der in Christian Springs den

    gelernt und dabei viele Elemente des Northampton County / Bucks County Stils gelernt hat,

    dann nach Lancaster gezogen ist, später - aber sicher auch stilprägend - nach Vorgaben des

    Kriegsministeriums gebaut hat,

    Dazu kommt, dass in Büchsenmacher-Familien oft mehrere Familienmitglieder die selbe Signatur

    verwendeten (z.B. J. Moll von Vater und Sohn), man also erst einmal herausfinden muss, wer wirklich signiert hat.

    Kurz: selbst eine Signatur beantwortet längst nicht alle Fragen.


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    Wenn man versucht direkt herauszufinden, woher eine Büchse kommt, hat man meist schon den

    ersten Fehler gemacht. Zu viele Möglichkeiten, und man beginnt sich zu verrennen. Ein wesentlich

    besseres Gefühl für die Herkunft eines Gewehres bekommt man, wenn man einmal festlegt, was es

    mit (großer) Sicherheit NICHT ist. Das gezeigte Gewehr ist z.B. sicher keine Northampton County Rifle,

    auch keine Bucks, Bedford oder auch Tennessee Rifle. Was die Möglichkeiten doch schon beachtlich

    reduziert,.

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    Genauso banal geht es eigentlich weiter: Zwar könnte die Schaftform zur Lancaster Schule passen,

    aber die verwendete an der Patchbox bevorzugt das "Gänseblümchen Design" , womit diese Möglichkeit

    sicher nicht erste Wahl ist. Das selbe gilt für Lebanon und - trotz gepiercter Patchbox-Elemente und

    englischem Schloss - auch für Lebanon und York County, beides Nachbarn von Lancaster.

    Auch andere PA-Counties orientierten sich entweder an den bereits genannten Orten, oder wurden erst

    in der Perkussions-Zeit bekannt, somit fallen die auch weg.

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    Auch mit Büchsen aus Ohio findet man kaum Übereinstimmungen, also liegt es nahe, dass man es

    mit einer "Southern Rifle" zu tun hat.


    Was bei unsignierten Gewehren dann eher unangenehm wird, weil im Süden lokale Details nach derzeitigem

    Wissensstand nur wenig ausgeprägt waren, das Büchsenmacher-Handwerk mehr Familientradition war und

    "Familienstilrichtungen" lokale Stilrichtungen überwogen.


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    Englische Merkmale überwogen in den südlichen USA ohnehin, auch diese bieten also

    kein zuverlässiges Unterscheidungsmerkmal bezüglich der Herkunft einer Büchse. Folglich

    spricht man zunächst einmal vom Wahrscheinlichsten, und nennt das Gewehr einfach eine

    "Virgina Rifle". So lange, bis man etwas Besseres herausgefunden hat. Immerhin ist aufgrund

    erhaltener Originale diese Möglichkeit tatsächlich die Wahrscheinlichste.


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    Will man es genauer wissen, wird es mühsam. Dann bleibt nichts anderes übrig als "Handschriften" zu suchen.

    Also in den Fall quer durch die Südstaaten Gewehre, die einerseits signiert sind, andererseits die selben

    Gravuren, Verschneidungen, Bautechniken etc. aufweisen. Was von Europa aus selten einfach ist.

    Zudem haben wir hierzulande den Nachteil, dass wir mit der amerikanischen Geschichte nicht so verbunden

    sind, wir also lokale Elemente die einen gewissen "Wappen-Charakter" haben nicht schon intuitiv zuordnen

    können sondern mühsam Wissen erwerben müssen.


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    Wie dem auch sei, dieses Gewehr ist signiert, es wurde von einem John M, Conway in Winchester/Virginia gefertigt,

    in der Zeit zwischen 1810 und 1820. Vermutlich in den 1850er Jahren war es zur Perkussions-Zündung konvertiert

    worden, vor kurzen hat es sein gegenwärtiger Besitzer gekonnt unauffällig wieder zur Steinschloss-Büchse

    rekonvertiert.


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    Der Lauf des Gewehrs ist 42,5" lang, Kaliber .45". Die Verschneidungen und Gravuren passen

    nicht zu einer PA-Büchse, allerdings sind von J-M- Conway vier weitere Büchsen erhalten. Der

    hartnäckige Forscher hätte also eine Chance, selbst wenn diese Büchse unsigniert wäre.


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    besten Gruß

    Werner

    Wenn man's genau betrachtet, ist die Funktionsweise ohnehin einfach!

    Man muss nur die obigen Fotos genau betrachten und mitdenken.


    Die Form der "dreieckigen" Feder ist so gewählt, damit sie sich innerhalb der Abzugsstangen-Feder horizontal in Richtung Laufachse bewegen kann,

    ohne die Anzugsfeder in ihrer Bewegung zu beeinträchtigen oder sich selbst zu blockieren. Mit dem Haken ist sie an de

    Abzugsstangen-Feder fixiert damit sie ihre Position vertikal nicht verändern kann. Funktionell haben die beiden Teile miteinander nichts zu tun.


    Der Schieber besteht aus 3 Teilen:

    1) Dem äußeren Schieber, der auch einen horizotalen Keil mit Nut hat. (von dem Keil sieht man in Bild drei nur das Ende, welches aus dem inneren Schieber herausragt.

    2) Den inneren Schieber, mit einem Schlitz, durch den der Keil des äußeren Schiebers passt. Der innere Schieber ist hinten so geformt, Dass die Feder in zwei

    "Rast-Positionen" gelangen kann: Hinten die Sicherung, vorne die ungesicherte. Auch der innere Schieber ist so geformt, dass er mit seiner Bewegung der

    Abzugsstangen-Feder nicht in die Quere kommt, deshalb ist er hinten zugespitzt. Wichtig ist aber die - von oben betrachtet "halbrunde" Form hinten.

    In der Mitte des Bogens drückt er die Dreiecksfeder nach innen, übt damit Druck auf diese Feder aus. An den Enden des Bogens kann sich die Feder entspannen

    und fixiert so die Position des Schiebers. In der sicheren Position (also vprne) rastet die Feder ein, der Schieber kann sich somit ohne Druck nicht mehr nach hinten

    bewegen.

    3) Auch von oben erkennbar: Ein Stift, der durch den Keil des Äußeren Schiebers geht und somit inneren und äußeren Schieber miteinander verbindet.

    In dem Keil ist keine Bohrung sondern eine Nut, durch die es möglich ist, den Äußeren Schieber an die Schlossplatte zu drücken und damit die Dreieckfeder nach

    innen zu drücken. Dadurch ist es möglich, die ein der sicheren Position eingerastete Feder in eine aus dieser Rast zu zwingen und die den Schieber wieder zu betätigen, somit die Waffe zu entsichern.


    Simpel, aber Clever.


    Ganz schnell und primitiv dargestellt:


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    Der Keil mit Nut (weiße Linien) des äußeren Schiebers kann nach innen gedrückt werden (roter DoDoppelpfeil)

    Die Spannung der Dreieckfeder drückt ihn wieder zurück.

    Die Dreieckfeder hat einen Steg (Pfeil am Original) der am Foto (entsicherte Position) an unteren Ende des Bogens des inneren Schiebers eingerastet ist.

    (Gelbe Linien = Feder + Steg). Bewegt man den Schieber nach unten, bleibt die Feder in der selben Position, rastet daher am Ende des Schiebers ein = sichere Postition. Drückt man die Feder mit Hilfe des Keils wieder nach innen, wird der Schieber freigegeben und man kann entsichern.


    Etwas wirr, aber besser ging's auf die Schnelle nicht.


    besten Gruß

    Werner

    Wenn ich raten darf: Die "Dreieckfeder wird durch den Schieber unter Spannung gesetzt,

    und rastet mit dem im letzten Foto gut sichbaren "hellen Querbalken" hinter dem Schieber

    ein, wenn der weit genug nach vorne geschoben wird, und blockiert ihn auf diese Weise.


    Der Haken and er Feder rastet in die Feder der Abzugsstange ein und verhindert, dass sich

    diese an nur einer Schraube befestigte dreieckige "Blattfeder" verschiebt.


    Drückt man den Schieber gegen die Schlossplatte, drückt dessen im 3. und 4. Foto erkennbare

    Verankerung die Dreieckfeder vom Mechanismus des Schiebers weg und gibt ihn damit wieder

    frei. Er kann nach hinten geschoben werden und gibt damit die Nuss frei.

    Simpel aber wirksam. Allerdings auch nur geraten.


    besten Gruß

    Werner

    Ein interessantes Thema, Hohenwolf !

    Offengestanden hatte ich diese Sicherungen bisher zwar zu Kenntnis genommen, technisch

    aber ignoriert. Zu unrecht, offenbar hat man da recht intensiv nachgedacht. Und ich bin noch ein gutes

    Stück davon entfernt, diese Sicherung auch wirklich zu verstehen.


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    Der erste Gedanke war - vermutlich nachvollziehbar:

    "Der Schieber wird einfach so in die Nuss geschoben, das diese blockiert wird"

    Was vielleicht nicht einmal so falsch ist, aber den Konstrukteuren nicht genug

    Sicherheit bot, denn wenn man den Schieber unbeabsichtigt zurückschob,

    war's vorbei mit dem Sichern, dann löste sich vielleicht ein Schuss, wenn man

    die Waffe gerade am Gürtel trug, im günstigsten Fall verlor man dann vielleicht

    entscheidende Zeit. Im schlimmsten Fall brauchte man sich um Zeit nie wieder

    Gedanken machen. Also musste die Konstruktion verbessert werden.



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    Von innen betrachtet ist die Sache zunächst unscheinbar. Der angesprochene "dreieckige Teil"

    ist hier halt nicht silber - jedenfalls ist er aber auch eine Feder.


    S003.jpg


    Montiert man die Feder der Abzugsstange sowie diese "Plattenfeder" ab, sieht man darunter die Mechanik des

    Schiebers.


    S004.jpg


    Und man kann erkennen, dass dieser dreieckige Teil nicht ganz so simpel aufgebaut ist, wie er auf den

    ersten Blick aussehen mag.


    S005.jpg


    Soweit ich nachgelesen habe, verhindert diese Feder das versehentliche Lösen der Sicherung.

    Was genau passiert, ist mir nicht ganz klar, da ich nur die Fotos gefunden habe, aber weder ein

    Video, noch so ein Ding in Händen halte. Irgendwie verhindert dieser Teil, dass der Schieber

    unbeabsichtigt zurückgeschoben wird und den Abzugsmechanismus freigibt. Es bedarf

    vermutlich des gezielten Drucks auf den Schieber, um ihn auch zurückschieben zu können.


    Mehr weiß ich vorerst leider noch nicht.


    besten Gruß

    Werner

    Die Art der Konvertierung ist typisch amerikanisch und nennt sich "nipple and drum"

    So ist es!

    Nur hat man für ein solches Gewehr meist einen passenderen Hahn gewählt, wenn's nicht gerade ganz dringend fertig werden musste. :saint:


    besten Gruß

    Werner

    Der hier war recht erfolgreich:
    Southerner Derringer, häufig im Kaliber .41" RF.


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    Vermutlich der preisgünstige Derringer für jedermann.

    Zur produzierten Stückzahl unterscheiden sich die Angaben um mehr als 50%,

    allerdings habe da so meinen Verdacht:


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    Gefertigt wurde der "Southerner" von der Brown Manufactoring Company.

    Die Firma hatte ihren Sitz in Newburyport / Massachusetts, und am 9. April

    1867 ein Patent für das System erhalten. Einige Quellen behaupten, dass

    rund 10.000 Exemplare die Fabrik verließen.


    SDE003.jpg

    Es gibt aber noch einen "Southerner" Derringer. Baugleich, ebenfalls in Massachusetts gefertigt,

    nur eben von der "Merrimack Arms Manufactoring Company", auch in Newburyport daheim, und

    ebenso mit dem Patentstempel vom 9. April 1867 versehen. Viel zu viele Übereinstimmungen für einen

    Zufall. Wohl eher eine zweite Produktionsstätte, oder eventuell eine neue Firma, nachdem die

    alte vielleicht in finanzielle Schwierigkeiten geraten war. Spekulation, könnte aber die 16.500 gefertigten

    Stück, die andere Quellen angeben, erklären.


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    Wie immer legt man für sehr gut erhaltene Stücke einiges an Geld ab, aber Exemplare wie

    das Gezeigte erhält man auch schon um unter € 500,-. Der Lauf kann seitlich ausgeschwenkt

    werden, wenn man den Sicherungsstift unten am Rahmen drückt, das Kanönchen ist also

    einfach zu bedienen. Mit einer Gesamtlänge von 12.7cm ist es auch recht klein.


    besten Gruß

    Werner

    Unbekannt, Lederstrumpf, von der Optik her eher ja.


    Dieses Schloss wurde rekonvertiert, also von Perkussionszündung wieder auf Steinschlosszündung zurückgebaut.


    Es ist aber möglich, dass man "damals" das originale Steinschloss gar nicht konvertiert hat, sondern gleich durch ein vorhandenes

    bereits konvertiertes ersetzt hat. Geht flotter...


    besten Gruß

    Werner

    Anbei noch eine Arbeit des Bruders, sprich Jacob Stoudenour.

    Zu sagen gibt es nichts, die Bilder sprechen für sich.


    Nur eine Kleinigkeit: Vermutlich ein Frühwerk von Jacob. Heute vermutet man

    aufgrund von Details in den Arbeiten, dass Jacob Stoudenour seine erste Lehrzeit

    bei George Schroyer absolvierte, eventuell auch teilweise bei John Armstrong.

    Gerade diese Büchse enthält Elemente und Komponenten, die darauf hinweisen.


    Die abschließende Ausbildung erfolgte wie oben erwähnt durch Peter White. Vermutlich

    nicht ganz uneigennützig, denn White übersiedelte nach Uniontown, während Jacob dessen

    Werkstatt in Colerain übernahm.


    Besten Gruß

    Werner


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    Nicht mein Ding. Dieser Flickenteppich in Messing und Silber ist überhaupt nix für mein Auge.

    Gottseidank sind die Geschmäcker unterschiedlich, wäre sonst langweilig.

    :thumbup::thumbup::thumbup:

    Ganz genau so ist es! Mehr noch - hätten alle den gleichen Geschmack, würde

    viel zu viel Anderes unter den Tisch fallen, das sich die Beachtung und Wertschätzung

    aber um Nichts weniger verdient.

    Auch wenn Menschen immer wieder blöd genug sind um über Geschmack zu streiten,

    die Unterschiede sind in Wahrheit von entscheidender Bedeutung für eine freie, offene

    Gesellschaft.


    besten Gruß

    Werner

    Die Stoudenours waren eine kleine, aber nicht unbedeutende Büchsenmacherfamilie in Pennsylvania.

    Vater John, sowie dessen Söhne John Jr. und Jacob. Einige ihrer Arbeiten sind erhalten, darunter wirklich

    sehr schöne Exemplare. Die hier gezeigte ist allerdings leider nicht besonders gut erhalten.


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    Auch wenn es sich um keines der frühen Exemplare aus der Familie handelt,

    war es zunächst mit einer Steinschloss - Zündung ausgestattet. wurde aber irgendwann

    auf Perkussionszündung konvertiert. Und das leider nicht besonders sorgfältig sondern mit

    irgendeinem, möglicherweise militärischen Hahn.


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    Das Gewehr ist ein recht gutes Beispiel dafür, dass auch noble Rifles meistens

    keine Wallhanger waren, sondern durchaus intensiv genutzte -_Gebrauchsgegenstände

    gelegentlich eben auch verbraucht.


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    Die Herkunft des Gewehrs ist ziemlich eindeutig, der Stil unverwechselbar.

    Auch wenn das konvertierte Schloss die Merkmale etwas verwischt, wäre es

    auch ohne Signatur recht leicht zuzuordnen.


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    Nicht schwer zu erraten, das Gewehr stammt von John Jr., der Vater begann seine Karriere

    soweit ich weiß noch im 18 Jahrhundert und lebte in den 1830ern nicht mehr, arbeitete aber

    zumindest nicht mehr als Büchsenmacher.


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    Jacob und vermutlich auch John Jr. lernten das Handwerk nicht ausschließlich

    bei ihrem Vater, sondern auch bei dem wohl bedeutendsten und prägendsten

    Büchsenmacher der Region, Peter White, von dem sie auch viele seiner stilistischen

    Merkmale übernahmen.


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    In der Region setzte sich, nur lokal aber eben doch, eine sehr merkwürdige Einstellung

    zum Büchsenmacher Handwerk durch. Man fertigte alle Komponenten einer Büchse selbst,

    kaufte so gut wie nichts zu. Die Longrifles der Gegend waren zunächst stilistisch sehr modern,

    allerdings war man dermaßen stolz auf diese lokale Kunst, dass man sich gegenüber den

    tatsächlichen modernen Entwicklungen verschloss und bis ins 20. Jahrhundert hinein Longrifles

    fertigte.


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    Allerdings war man auch gut und bekannt genug, um ausreichend Käufer zu

    finden, auch in einer Zeit als Hinterlader mit mehrschüssigen Magazinen für

    vergleichsweise geringe Preise zu zehntausenden die Fabriken verließen.


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    Das Gewehr wäre es jedenfalls wert, einem guten Restaurator in die Hände zu fallen.

    Der Zustand ist eigentlich recht gut, das Schloss müsste stilgerecht rekonvertiert werden,

    zudem wären einige verlorengegangene bzw, gebrochene Inlays zu ersetzen sowie jede

    Menge Messing und/oder -´Silbernägel. Keine unlösbare Aufgabe,


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    Auch wenn der Stil den Anhängern der sachlich-nüchternen Büchsenmacherkunst

    nicht so sehr liegt, diese Schule gehört mit zu meinen absoluten Lieblingen. Leider

    nicht nur zu meinen, obwohl relativ viele Originale erhalten sind, sind die Preise

    für Menschen mit normalem Einkommen nicht bezahlbar.


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    besten Gruß

    Werner

    Ein typisches Beispiel für eine an sich gut durchdachte und vom Standpunkt

    ihrer Entwickler auch fortschrittliche Waffe, die von der Zeit überholt worden

    ist und schon veraltet war, bevor sie überhaupt gebaut wurde.

    Somit - wenigstens in den USA - die letzte ihrer Art.


    Die Springfield Mod. 1855 Pistole.


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    Es war eine eigentlich fast schon fahrlässige Fehlentscheidung der Behörden, diese

    Pistole in Auftrag zu geben, denn als das Kriegsministerium die Ausschreibung für diese

    Pistole an Springfield weiterleitete, kaufte es schon längst Dragoon Revolver bei Colt ein,

    und wusste über deren Vorzüge nach mehrjähriger Erfahrung schon sehr gut Bescheid.



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    Trotzdem wollte man offenbar die Pistolenproduktion retten, und die staatlichen

    Militärwaffen weiter standardisieren. Grundsätzlich ein guter Gedanke, zu dem

    Zeitpunkt aber längst nicht mehr zielführend, zumindest nicht in dieser Form.


    Ziel war es , einen "Pistolen-Karabiner" für die Kavallerie bereitzustellen. Quasi

    ein kleines Schwesterchen für die M1855 Muskete. Mit dem selben Maynard

    Zündmechanismus, sowie - wie bei der Muskete so auch bei der Pistole -

    erstmals einen gezogenen Lauf. Zur Vereinheitlichung des Kalibers und damit der

    Versorgung für die Truppe ebenso wie die Muskete für .58"er Minie Geschoße

    ausgelegt. Und für einen abnehmbaren Anschlagschaft, hier leider nicht abgebildet.


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    Gefertigt wurde die Pistole ausschließlich in Springfield, nicht in Harper's Ferry. Dafür

    gab es einen simplen Grund: Nur Springfield hatte die Rechte für den Maynard Zündmechanismus

    erworben - Harper's Ferry durfte einfach nicht... .


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    Letztendlich waren die Soldaten an der Pistole nicht interessiert. Als Karabiner war sie unzureichend,

    als Faustfeuerwaffe veraltet. Der Maynard-Zündmechanismus war unzuverlässig, die ganze Pistole

    damit - so fortschrittlich sie im Vergleich zu ihren Vorgängermodellen auch sein mochte - unbrauchbar.

    Erst recht im Vergleich zu einem - auch nicht schwachen - Revolver von Colt.


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    Somit stellte man die Produktion nach der ersten Charge - lediglich 4021 Exemplaren -ein und

    leistete sich prompt den nächsten Fehlgriff: Die Karabiner-Version der M1855 Muskete.

    Ein durchaus tolles Gewehr, aber als Vorderlader für die Kavallerie nun unter Anderem

    durch die Produkte von Christian Sharps in den Schatten gestellt.


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    Einen Vorteil hat die unglückliche Geschichte dieser Pistole: Da sie kaum

    eingesetzt wurde sind die meisten der verfügbaren Originale recht gut erhalten.

    Man muss aufgrund der geringen erzeugten Stückzahl zwar meist ein Wenig

    suchen, so tragisch ist das dann aber doch nicht.


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    Dieses Gerät in der Pistolen-Konfiguration mit einem

    .58"er Minie-Geschoß abzufeuern darf wohl als Abenteuer

    gewertet werden, insbesondere wenn einhändig. Allein schon

    deshalb ist es wenig verwunderlich, dass die Praktiker an der

    Front die Pistole ablehnten, und Colt's auch nicht ganz leichten

    "Sixshooter" bevorzugten. Nicht nur wegen dessen Ladekapazität.


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    Die Montage eines Anschlagschafts war zwar vielleicht eine nette Notlösung,

    konnte aber einem echten Karabiner nicht das Wasser reichen. Zumal die

    "Herumschrauberei" - gar in Stresssituationen - auch nicht gerade eine anzustrebende

    Tätigkeit war.


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    Also bestellte man ein paar Colts mehr, kaufte für die Kavallerie Hinterlader Karabiner,

    und die Springfield 1855 Pistolle landete in den Lagern der Arsenale. Und heute in Antiquariaten.


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    besten Gruß

    Werner

    Gute Fragen, Schwarzer Mann !


    Die Büchse wurde sicher für militärische Zwecke gebaut, für die Jagd ist sie einfach zu unhandlich und - unnötig - schwer.

    Und: Ja, die Verwendung solcher Büchsen ist dokumentiert, wenn auch nicht speziell ausführlich. Dieses Exenplar wird - vermutlich - im

    Unabhändigkeitskrieg noch nicht mit dabei gewesen sein, 1815 aber durchaus schon, vielleicht auch noch gegen Mexiko,


    Entstanden ist sie in Amerika, das Schloss ist britisch, das Schaftholz amerikanische Nuss, der Lauf vermutlich "drüben" geschmiedet,.

    Eine nette Mixtur aus englischen und deutschen Stilelementen, wie sie in Amerika gerne verwendet wurde. Die bauchige Kolben-Unterseite

    wiederum erinnert an holländische und belgische Gewehre.

    Interessant wäre, wer das Gewehr in wessen Auftrag gebaut. Springfield oder Harper's Ferry hätten ihre Stempelungen angebracht.

    Bisher habe ich nur eine alte Variante des Stempels "Warranted" am Schloss entdeckt, was gemeinsam mit der Bauform eben "englisches

    Schloss" sagt. Aber nicht aussagt, dass dieses Schloss für ein derartiges Gewehr gefertigt wurde. Wenn ein Frontier-Büchsenmacher von einer

    in seiner Nähe befindlichen Garnison den Auftrag bekam - vielleicht auch noch mit Dringlichkeit - , hat er verwendet was gerade vorhanden war.


    besten Gruß

    Werner

    Gut 220 Jahre alt, aber in recht gutem Zustand. Aber die Platzrichter könnte

    man damit wohl gut zur Verzweiflung treiben:


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    Hier von einem "Kerlchen" zu sprechen ist eher unangebracht. Dieses Gewehr

    stellt schon etwas dar. Keine echte Schönheit, darauf ist es aber auch nicht

    angewiesen. Das macht seinen Eindruck aufgrund anderer Eigenschaften


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    Stehend freihändig hätte man bei dieser Büchse vermutlich gerne eine Mauer im Rücken,

    um nicht unfreiwillige Bekanntschaft mit dem Boden zu machen. Trotz - oder gerade wegen -

    des Gewichts jenseits der 10kg. Was zunächst noch gar nicht so schlimm klingt, angesichts

    der Optik.


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    Es ist auch alles da, was man von einer Büchse haben will: Stecher, Backe, ein vollständiges Visier,

    und ein etwas über 46" langer Lauf ist hierzulande zwar unüblich, aber soo außergewöhnlich nun

    wieder auch nicht.


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    Zu, Problemchen könnte allerdings werden, dass das Gewehr große Löcher macht.

    Allemal jenseits der 2cm. bei einem Kaliber von .82". Das wäre schon für eine glatte

    Muskete recht beachtlich, für eine Büchse ist das - freundlich ausgedrückt - groß!

    So mancher Kugelfang wäre da "gefordert".


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    Dass die Büchse militärischen Ursprungs ist, dürfte klar sein. Eine Art "Wallgun", aber überdurchschnittlich

    präzise. Wenn man einem derartigen Monster, das normalerweise ohnehin aufgelegt geschossen wird

    dennoch einen Stecher sowie Backe verpasst, dann darf man schon eine hohe Treffergenauigkeit erwarten.


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    Verwendet wurden solche Büchsen als quasi "Leichte Artillerie", devensiv um damalige Sturmangriffe schon

    auf große Distanz zu stören und so die Moral zu untergraben, offensiv um gegen Artilleriestellungen vorzugehen,

    speziell auch in schwierigem Gelände wo die eigene Artillerie nicht gut in Stellung gebracht werden konnte.

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    Wobei ich bezweifle, dass ich der Mann hätte sein wollen, das dieses Gewehr an der Schulter hat.

    Trotz des hohen Eigengewichts würde ich da mit einem ziemlichen "Rumms" rechnen. Nachdem das

    Geschoß wohl auf große Distanzen präzise treffen soll, wird auch die Ladung eher nicht de heutigen

    Minimal-Ladungs Trend gerecht geworden sein.


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    Preislich bewegt sich diese "frühe gezogene Muskete" in einem gemäßigten Rahmen,

    US$ 2.600,- für eine 220 Jahre alte Rarität in akzeptablen Zustand sind erträglich.

    Auch wenn das Gewehr nun wirklich keine Schönheit ist, Hingucker wäre es allemal!


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    besten Gruß

    Werner

    Oder hat man es gemacht, weil man es "konnte" ?

    Gute Frage, die Antwort werden wir leider nicht mehr herausfinden. Vielleicht ein Experiment, vielleicht hat der Kunde sich das eingebildet.

    Ich sehe keinen Nutzen in diesem Detail, offenbar hat damals jemand einen solchen Nutzen gesehen oder wollte wenigstens in der Praxis ausprobieren, ob einer existiert.


    Besten Gruß

    Werner