Wer bin ich?

  • Nö, (noch) kein Fall von verfrühtem Altzheimer,

    sondern bloß ein seltener Perkussionsrevolver,

    der um 1860 in Amerika - genauer New York -

    angeboten wurde.


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    Viel ist nicht bekannt. Unter Anderem, dass es zwei Ausführungen gab: Pocket und

    Navy, bzw. Cal. .31" und Cal. .36".

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    Von Bedeutung ist der Revolver bestenfalls für ein paar Insider,

    Vom Pocket sind angeblich etwa 750 Stück entstanden, wie viele

    überlebt haben ist unbekannt.

    Die bekannten überlebenden Navy Exemplare tragen die

    Seriennummern 5, 17 und 38. All zu viele dürften also nicht

    entstanden sein.


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    Das Interesse für diese Waffe hält sich auch in Grenzen. Was nicht verwunderlich ist,

    auch "Einzelstücke" interessieren nur dann, wenn sie ein Mindestmaß an

    Berühmtheit erlangt haben. Dazu gibt es in diesem Fall keinen Anlass. Wäre mit

    einem solchen Revolver z.B. das Lincoln Attentat verübt worden, sähe die Sache ganz

    anders aus. Dann hätte er sich aber auch besser verkauft, zumindest nach dem Attentat.

    Menschen sind eben merkwürdig.


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    Die genannten Umstände führen dazu, dass selbst die wirklichen Raritäten - also die "Navies"

    um "nur" rund US$ 16,500,- ersteigert wurden, die Interessenten sich dennoch nicht überschlagen,

    und bei späteren Auktionen nur mehr weniger als die Hälfte erzielt wurde.


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    Der gezeigte Navy ist das Exemplar mit der SNo. 17. Die Seriennummer ist vorne an der

    Trommel eingeschlagen, oben an der Ladepresse, und innen am Abzugsrahmen.


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    Wer die Revolver gefertigt hat ist meines Wissens nach nicht bekannt.

    Verkauft hat sie ein Benjamin J. Hart in seinem New Yorker Geschäftslokal

    am Broadway.


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    Der Revolver hat eine Double Action Mechanik, und einen 4 3/8 Zoll langen Lauf.

    Abgesehen von der Seriennummer trägt er keine Markierungen.


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    Die No. 17 ist das einzige gravierte Exemplar. Die Waffe dürfte einen gröberen Unfall

    gehabt haben, zumindest wurde der "Abzugs-" Rahmen gesprengt. Der Schaden wurde

    repariert, sprich gestiftet und geschweisst. Dieser doch recht hübsche Revolver ist,

    vermutlich auch deshalb, um US$ 5.500 zu haben. Ich nehme aber fast an, dass er zum

    Ladenhüter wird.


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    Somit eine sehr seltene, durchaus kurioses Waffe, die vermutlich nur

    den regelmäßigen Lesern der Publikationen von Flayderman's oder

    James D. Julia bekannt ist. Trotzdem einmal sehenswert.


    besten Gruß

    Werner


    PS.: Nett ist auch die ungewöhnliche, auf dem letzten Foto erkennbare

    "federlose" Fixierung des Hebels der Ladepresse. Hat angeblich

    funktioniert.

  • ein mir gänzlich unbekannter Revolver, danke fürs Vorstellen:thumbsup:

    Happy Trails


    Texas Jack


    SASS life # 55314


    BDS Western # 625


    “They Knew Their Duty And They Did It,” John S. “Rip” Ford, Texas Ranger

  • Stimmt, Breuko.

    Nur beim Root war die Trommelachse von hinten verschraubt wie auch beim Allan & Wheelock und noch viel wichtiger: der Root hatte ein Single Action und kein Double Action Mechanismus wie beim vorgestellten Exemplar. (Klugscheissermodus aus)


    Lederstrumpf

  • naja, die Ähnlichkeit mit einem Colt Root Sidehammer ist natürlich da aber Spurtrigger, Single Action und die Trommelachse sind signifikante Unterschiede, deshalb habe ich den Roots nicht erwähnt.

    Happy Trails


    Texas Jack


    SASS life # 55314


    BDS Western # 625


    “They Knew Their Duty And They Did It,” John S. “Rip” Ford, Texas Ranger

  • Auf meine alten Tage werd' ich doch glatt noch religiös!

    Besonders die Weisheit der 10 Gebote hat's mir angetan.


    "Du sollst begehren Deines Nächsten Revolver"

    oder

    "Du sollst nie glauben, dass Du alles kennst"


    Wieder ein "nicht so besonders häufiger, aus New York.

    Nach dem Motto "Kuriosität ersetzt Stückzahl!"

    Von Pistolen ist das System ja bekannt, aber...

    Ich sag zunächst 'mal garnichts… 8)


    besten Gruß

    Werner


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  • 10 Schuss aus einem Revolver mit einer Trommel mit 5 Kammern. jeweils zwei Ladungen hintereinander pro Kammer, die mit Zündhütchen auf separaten Pistons durch zwei Hämmer gezündet werden. Mehr als ungewöhnlich aber nicht ganz unbekannt.:thumbsup:

    Happy Trails


    Texas Jack


    SASS life # 55314


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  • Das Ding zu haben - es gibt hübschere Versionen - hätte ja seinen Reiz. Voll geladen zu schießen weniger.

    Möchte nicht wissen wie das aussieht, wenn man die hintere Kammer zuerst zündet, sprich den falschen Hahn erwischt...! =O


    besten Gruß

    Werner

  • Das Ding zu haben - es gibt hübschere Versionen - hätte ja seinen Reiz. Voll geladen zu schießen weniger.

    Möchte nicht wissen wie das aussieht, wenn man die hintere Kammer zuerst zündet, sprich den falschen Hahn erwischt...! =O


    besten Gruß

    Werner

    genau davor hätte ich auch Angst :Hut:

    Ok, Jack, das war auch mein Gedanke. Aber die zwei Hämmer irritieren mich noch.

    was irritiert dich an den zwei Hämmern? Der in Fahrtrichtung linke Hammer zündet die vordere Ladung und der rechte Hammer die hintere Ladung.

    Happy Trails


    Texas Jack


    SASS life # 55314


    BDS Western # 625


    “They Knew Their Duty And They Did It,” John S. “Rip” Ford, Texas Ranger

  • was irritiert dich an den zwei Hämmern? Der in Fahrtrichtung linke Hammer zündet die vordere Ladung und der rechte Hammer die hintere Ladung.

    Ja, is schon klar, aber wie stelle ich sicher, dass die richtige Rehenfolge eingehalten wird. Zwangsteuerung? Erst muss der linke Hammer fallen, bevor der rechte ausgelöst werden kann?

    Ach verdammt, so ein Ding muss man in den Händen halten...

  • Ja, is schon klar, aber wie stelle ich sicher, dass die richtige Rehenfolge eingehalten wird. Zwangsteuerung? Erst muss der linke Hammer fallen, bevor der rechte ausgelöst werden kann?

    Ach verdammt, so ein Ding muss man in den Händen halten...

    da gebe ich dir absolut recht,

    Ich glaube nicht, dass da irgendwie eine Zwangssteuerung drin ist

    Happy Trails


    Texas Jack


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  • :shock::shock::shock::shock::shock:

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    In meinen Beiträgen verwende ich bewusst Satire, Ironie, Sarkasmus und Übertreibungen, um zu verdeutlichen. Auch ohne Kennzeichnung dieser Stilelemente sollte sich der Leser dessen bewusst sein.

  • Entweder ist das der blanke Aberwitz, oder eine Art von Euthanasieangebot für User mit fortgeschrittener Demenz..::t.ü.r::.

    Wie dem auch sei, - vielen Dank fürs zeigen.


    Ps. Könnte natürlich auch russisches Roulette für Zocker sein?


    Viele Grüße - Breuko

  • WA1007.JPGIst ja keine Eintagsfliege.

    Hier eine etwas gefälligere Variante. Gleicher Hersteller,

    diesmal ein 12schüssiger "Navy", also .36".

    Herr John Walch erhielt dafür das US Patent No. 22905,

    es gibt allerdings noch wenigstens einen weiteren Entwickler,

    der derartige Revolver patentierte und auf den Markt brachte.


    besten Gruß

    Werner


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  • Und noch ein weitestgehend Unbekannter! In dieser frühen Version.

    Den Nachfolger kennt zwar auch nicht JEDER,

    da aber von der US-Army bestellt und bei der Truppe während des

    Bürgerkriegs auch eingeführt zumindest Insidern doch sehr bekannt.

    In der Praxis unterscheiden sich die beiden Revolver nur durch Abzug

    und Abzugsrahmen, trotzdem wirkt das Aussehen gänzlich anders.

    Cal. 36", also ein "Navy". Dieses frühe Modell hatte noch keine gasdichte

    Verbindung von Trommel und Lauf, und aufgrund des zu dem Zeitpunkt

    noch anderen Verhältnisses der Partnerfirmen zueinander hieß der hier

    noch "North - Savage" und nicht wie ein, zwei Jahre später "Savage - North".


    besten Gruß

    Werner


    PS.: Die auf den Ansichten von der rechten Seite sichtbaren

    eingeschnittenen Kerben dieses Exemplars interpretiere ich

    jetzt 'mal vorsichtshalber nicht.


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  • Junge - wie findest Du immer wieder derart faszinierende Stücke , die Du dann auch noch mit hervorragenden Bildern und humorigem Text zeigst !

    Ich für meinen Teil freue mich jedenfalls immer wieder auf die nächste Trouvaille , die Du uns hier vorstellst , wie ein kleiner Eisbär !


    Herzlichen Dank dafür !

  • Nichts zu danken, enfield !

    Eigentlich versuche ich lediglich, eine Art der Präsentation unseres Hobbies zu zeigen,

    die meiner Meinung nach geeignet wäre, die allgemeine Sicht dieses unseren Hobbies in

    unserem Interesse zu beeinflussen. "Ein Bild sagt mehr als tausend Worte", heißt es.

    Und man sollte sich selbst ohnehin nicht immer so tierisch ernst nehmen, sondern durchaus

    auch über sich selbst ein Wenig lachen können. Mehr ist da nicht. :saint:


    besten Gruß

    Werner

  • Der hier hätte vielleicht die Chance gehabt, wirklich erfolgreich zu werden.


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    James Warner hat war in den 1850ern Chef Designer im staatliche Arsenal in Springfield, somit

    ein wesentlicher Entscheidungsträger bezüglich der Waffenproduktion dort. .


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    Wie gut er sich dieser Revover in der Praxis bewährt hätte ist weitgehend

    unbekannt, dazu war er zu wenig verbreitet. Selbst eine staatliche Waffenfabrik

    hatte keine Chance, Sam Colts Patentrechte zu ignorieren. Colt's Klage erfolgte

    erstmals bereits 1851, und die Richter gaben ihm recht.

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    Andernfalls wäre dieser kleine "Pocket" Revolver im Kaliber .28" vielleicht

    ernsthafte Konkurrenz für Colt's "Root" geworden, dazu kam es aber eben nicht.


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    Colt's Patent war bis 1857 gültig, danach wurden von diesem Revolver ein paar

    hundert Exemplare im Kaliber .28" gefertigt, um die Produktion dann auf Kaliber

    .31" umzustellen.

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    Der .31" Pocket Revolver wurde James Warners erfolgreichste Waffe. Auch wenn er heute

    weitgehend unbekannt ist, immerhin entstanden grob 9.000 Exemplare. Unbedeutend,

    im Vergleich zu Colt's Stückzahlen, und in der Literatur wird diese Waffe kaum 'mal erwähnt.

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    Was natürlich auch mit den Ereignissen der Zeit zu tun hat, denn die 1860er

    Jahre waren nicht die Zeit privater Pocket-Revolver, da schaute jeder auf den

    Verlauf des amerikanischen Bürgerkriegs.


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    Immerhin wirkt dieser Revolver recht robust, zur richtigen Zeit hätte auf dieser

    Basis durchaus auch noch ein "Navy" und ein "Army" entstehen können.

    Nach dem Bürgerkrieg war es dazu allerdings zu spät, wie das Schicksal des

    Rogers & Spencer Revolvers zeit.


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    Deshalb versuchte James Warner nach dem Bürgerkrieg, auf die Entwicklung und

    Produktion von Hinterlader-Revolver umzusteigen. Nur um diesmal in rechtliche

    Konflikte mit Smith & Wesson zu geraten, und auch diesmal den Kürzeren zu ziehen.


    SR009.JPG


    Somit hier ein Beispiel zu einer nicht so glücklichen Waffenschmied-Karriere.


    besten Gruß

    Werner