Kontraste

  • Na, knistern ist das noch nicht. Ist ja alles sehr konstruktiv und für den eher unbedarften aber interessierten Leser sicher spannend.

    ich für meinen Teil genieße die fachliche Diskussion hier und den guten Umgang miteinander. Dafür auch noch mal herzlichen Dank an alle!


    Lederstrumpf

  • Wer will darf auch behaupten, dass die Mündungskappe das Schaftholz vor Schweiß geschützt hat. ::c.o.l)


    Abwegig? Nicht haltbar? Unsinn?


    Möglich!


    Andererseits: wo hielt man das Gewehr beim Laden? Und die Handfläche war wohl mehr verschwitzt als

    der Daumen im Bereich hinter der Schwanzschraube. Wo man eigens zum Schutz vor Schweiß des Daumens

    häufig sog.Thumb Pieces einließ. Selbst bei militärischen Gewehren.

    Und - wo Mensch mit seinen dreckigen Pfoten oft und fest zugreift, nutzt sich Holz ab.


    An den einen alleinigen Grund - egal welchen - für Mündungskappen glaube ich auch nicht.

    Ich bestreite lediglich, dass sie ausschließlich als Schmuck dienten. Und sich in ihrer Funktion bewehrt haben,

    andernfalls wären sie sehr schnell verschwunden. Wie fast alle überflüssigen Details nach längstens 50 Jahren

    ihre Bedeutung verloren.


    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Die in wenigstens zwei Schulen bevorzugte vorne offene Mündungskappe,

    lediglich aus dünnem Messingblech zurechtgebogen, könnte tatsächlich auch

    nahelegen, dass sie dem Schutz des Schaftholzes beim Einführen des Ladestocks

    dienten. Leider gibt es kaum erhaltene Ladestöcke ziviler Gewehre, aber man könnte

    spekulieren, dass häufig benutzte Gewehre - so wie heute verbreitet - am hinteren Ende

    einen zusätzlichen Adapter z.B. für einen Kugelzieher hatten, sofern der nicht ohnehin ständig

    montiert war. Und da man nicht - wie wir heute - einen eigenen Ladestock zum Schießen mit

    sich führte und jener am Gewehr mehr der Zierde dient, "Radierte" der Teil zweimal pro Schuss

    am Schaftholz, - dort wo es besonders dünn ist. Durchaus auch ein Grund für Schutz.

    Besonders bei Gewehren bei denen man davon ausgehen darf, dass sie als Werkzeug genutzt

    und entsprechend auch viel geschossen werden.


    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Alle angeführten Gründe sind für mich mehr oder weniger nachvollziehbar.


    Ich denke aber, dass die verschiedenen Gründe für das Anbringen einer vorderen Schaftkappe ZUSAMMEN schon sinnvoll sind. Dazu muss man auch bedenken, dass das Holz des Vorderschafts bei vielen Longrifles ziemlich grazil ist. Richtig konstruiert verhindert solch eine Schaftkappe sicher auch das Ausbrechen oder Splittern des Holzes.

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    In meinen Beiträgen verwende ich bewusst Satire, Ironie, Sarkasmus und Übertreibungen, um zu verdeutlichen. Auch ohne Kennzeichnung dieser Stilelemente sollte sich der Leser dessen bewusst sein.

  • Der Lade oder Reinigungsvorgang hatte mit Sicherheit immer eine kleine Spende für den Mündungsabschluss übrig. Da gab es schon einiges auszuhalten, - Wasser, Fett, oder Pulver und Schmauchrückstände fallen mir gerade so ein. Das war ohne den schützenden Schaftabschluss aus Ms. oder auch Horn eine echte Herausforderung für das Holz.


    Viele Grüße - Breuko

  • Tennessee ist nicht gerade für nobel gefertigte Longrifles bekannt. Im Gegenteil,

    die Gewehre aus Tennessee's Anteil an den Appalachen sind bekannt für ihre robuste Bauweise,

    und ihre Zuverlässigkeit. Sie haben einen unvergleichlichen Charme, sind auf ihre Art echte

    Schönheiten, aber eben Werkzeuge und keine Kunstwerke.


    Ten5004.jpg


    Die Herkunft dieser Büchse ist unbekannt. Sie ist wahrscheinlich irgendwo zwischen 150 und 180 Jahre alt,

    hat ihre Arbeit mit Sicherheit hervorragend erledigt, und würde das trotz einiger kleiner Schrammen mit

    wohl auch heute noch tun.


    Ten5001.jpg


    Ein an sich ausreichendes Argument dafür, dass diverse Beschläge an Gebrauchsgewehren überflüssig sind.

    Die Büchsenmacher sich also überflüssige Arbeit gemacht haben, denn für 150 und mehr Jahre waren ihre

    Produkte schließlich nicht gedacht.


    Ten5002.jpg


    Und auch wenn diese Tennessee-Rifle schon bessere Tage gesehen hat, wenn

    man sie zum sicheren Schießen bringen will wird man zunächst den Lauf zu

    überprüfen haben, die paar Schrammen sind bedeutungslos.


    Ten5003.jpg


    Es ist also durchaus nachvollziebar, wenn die Hersteller noblerer Longrifles als

    selbstgefällige, verspielte Angeber betrachtet werden, nie zwecks Selbstverwirklichung

    unnötigen Aufwand trieben. Ob sie sich dadurch von ihren europäischen Kollegen

    unterschieden sei dahingestellt.

    Unabhängig von diesem Aspekt wurden in Tennessee aber auch Büchsen gebaut, bei

    denen Haltbarkeit vor Minimalismus ging.

    Ten6003.jpg


    Büchsen die auch keine Zeugnisse verspielter Angeber sind, sondern einfache

    aber zuverlässige Gebrauchsgewehre. Auch 150 - 180 Jahre alt, ebenso intensiv

    benutzt, auch mit Kratzern und Schrammen, aber eben ohne deutlich erkennbare

    Beschädigungen.

    Ten6001.jpg


    Weil jene Bereiche, in denen solche Beschädigungen häufig entstehen, vorausschauend

    und auf Basis langjähriger Erfahrung seitens des Büchsenmachers oder dessen Lehrmeisters

    eben geschützt waren.


    Ten6002.jpg


    Ob man diesen Unterschied als sinnvoll, oder doch nur wieder als

    Spielerei auffassen soll, bei einer beiderseitigen funktionstauglichen

    Überlebensdauer von 150 - 180 Jahren, darüber scheiden sich offenbar

    die Geister. Was legitim ist. Dass der zusätzliche Schutz aber offenbar

    funktioniert hat und daher auch eine Berechtigung hatte, könnte man

    zumindest vermuten.


    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Ein Aspekt ist im Zusammenhang mit den für (Long) rifles verwendeten Beschlägen

    meiner Meinung nach noch wesentlich:

    Damals waren Werkstoffe noch wertvoll.

    Und man hat Dinge nicht weggeworfen, bloß weil sie beschädigt oder - im Fall des

    Büchsenmachers - misslungen waren.

    Man versuchte vielmehr, die bisher geleistete Arbeit zu erhalten. "Ausschuss" in

    dem Sinn gab es im Zeitalter der händischen Arbeit wenig.

    Wenn Schaftholz nicht 100% den gewünschten Qualitätsstandards entsprach,

    verwendete man es dennoch. Man hatte ja Reserven, in Form von metallenen

    Verstärkungen an den empfindlichen Stellen. Und wenn tatsächlich ein Arbeitsschritt

    "in die Hose ging" oder ein Gewehr im Einsatz nicht unheilbar zerstört aber doch

    beschädigt war, dann reparierte man es eben.


    Repair0001.jpg


    In Sektionen, in denen gemäß der Erfahrung der Büchsenmacher Beschädigungen

    häufiger vorkamen, entstanden so "präventiv" Metallverstärkungen. Dass die mitunter

    auch noch gut aussehen konnen - siehe Mündungskappe - war sicher nicht unerwünscht.

    Die Funktion war aber das eigentliche Motiv - insbesondere wenn der Büchsenmacher in

    dem Bereich kein Vertrauen in die Qualität des Schaftholzes hatte.


    Diese Beschläge sind ja auch kein "amerikanisches Phänomen", sondern auch bei vielen

    Waffen aller europäischen Nationen zu finden.


    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • ... Die Herkunft dieser Büchse ist unbekannt. Sie ist wahrscheinlich irgendwo zwischen 150 und 180 Jahre alt,

    hat ihre Arbeit mit Sicherheit hervorragend erledigt, und würde das trotz einiger kleiner Schrammen mit

    wohl auch heute noch tun.

    Auf der per "nipple&drum" aptierten Steinschlosswaffe lese ich "Ingolstadt". Also entweder ein zugekauftes Schloss oder die "Zweitverwendung" eines vorhandenen Teils.

  • Auf der per "nipple&drum" aptierten Steinschlosswaffe lese ich "Ingolstadt". Also entweder ein zugekauftes Schloss oder die "Zweitverwendung" eines vorhandenen Teils.

    ich sehe da eher "INGOLDS???"

    Happy Trails


    Texas Jack


    SASS life # 55314


    BDS Western # 625


    “They Knew Their Duty And They Did It,” John S. “Rip” Ford, Texas Ranger

  • Schlosse wurden häufig zugekauft. Bei amerikanischen Anbietern, bei europäischen Anbietern, ...


    Ist "Ingold" nicht auch ein deutscher, männlicher Vorname?


    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.