Kontraste

  • Eine Longrifle aus Northampton County bzw. dem Lehigh Valley.

    Was überhaupt nichts zur Sache tut.

    Es geht mehr darum, zwei Büchsen aus der selben Schule zu zeigen

    vom selben Büchsenmacher, nur für unterschiedliche Kunden. Einmal

    der wohlhabende der etwas nobles wollte, einmal der einfache Farmer

    der ein Gebrauchsgewehr suchte.

    Beide Gewehre stammen aus der Gegenwart, was nur wenig ändert, denn

    Kundenwünsche haben heute die gleiche Bedeutung wie vor 250 Jahren.

    Der Handwerker lebt davon, seinen Kunden zufriedenzustellen.


    Mir geht es in dem Fall darum zu zeigen, wie wenig die Zugehörigkeit

    eines Gewehrs zu einer bestimmten Schule mit der Qualität der künstlerischen

    Komponenten zu tun hat. Stil und handwerkliche Qualität sind in beiden Fällen

    identisch - die selbe Schule, der selbe Büchsenmacher. Der Kontrast entsteht

    ausschließlich durch den künstlerischen Aspekt.


    Zunächst die noble Variante.


    besten Gruß

    Werner


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    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Wie gesagt: Nun der selbe Büchsenmacher, die selben handwerklichen Fähigkeiten,

    die selbe Qualität, die selbe Schule, anderer Kundenwunsch!


    Identische Architektur, und dennoch wie Tag und Nacht. Der individuelle Geschmack

    entscheidet, welches nun "Tag" und welches "Nacht" ist... :saint:


    besten Gruß

    Werner


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    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Der individuelle Geschmack

    entscheidet, welches nun "Tag" und welches "Nacht" ist... :saint:


    Keine von Beiden ist "Nacht" , handwerklich sind Beide hervorragende Arbeit,

    aber

    mir persönlich würde unabhängig vom Geld die Schlichte eindeutig besser gefallen.


    Die wirkt durch vornehme Zurückhaltung, sehr schönes Holz und letztlich wie der Unterschied einer Dame im eleganten kleinen Schwarzen zu einer mit zwar schön gearbeitetem aber doch einfach zu viel Schmuck behängten Neureichen.

    ;)


    Aber - Geschmacksache und die Frage, ob der Auftraggeber der schlichten Schönheit weniger Geld hatte oder nur weniger protzen wollte wäre irgendwie auch interessant, wird aber nie zu erfahren sein.


    Schöne Stücke

    :thumbsup:

    "Im Leben braucht man zwei Dinge - Ignoranz und Überheblichkeit

    und

    der Erfolg ist einem sicher."

    (Mark Twain)

  • Aber - Geschmacksache und die Frage, ob der Auftraggeber der schlichten Schönheit weniger Geld hatte oder nur weniger protzen wollte wäre irgendwie auch interessant, wird aber nie zu erfahren sein.

    In solchen Fällen doch, Captain Cat , wenn auch im konkreten Fall nur simuliert, weil Neubau und insofern

    tatsächlich "nur" KundenGESCHMACK.


    Aber der Schlichten fehlen Elemente welche für die Haltbarkeit entscheidend sind, die aber gar nichts mit Noblesse zu

    tun haben. Einfache Metallbeschläge die das Zersplittern des Schaftholzes, Rissbildung etc. vermeiden. Darauf verzichtet

    man nicht, wenn man sich's leisten kann. Das ist so, als würde man beim Auto auf die Windschutzscheibe verzichten, weil's

    ja auch ohne fährt. Nur weil das Auto auch eine Windschutzscheibe hat, protzt man noch lange nicht. ;)


    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Aber der Schlichten fehlen Elemente welche für die Haltbarkeit entscheidend sind, die aber gar nichts mit Noblesse zu

    tun haben. Einfache Metallbeschläge die das Zersplittern des Schaftholzes, Rissbildung etc. vermeiden. Darauf verzichtet

    man nicht, wenn man sich's leisten kann.

    Da kämen im vorliegenden Fall allenfalls die Ovalplatten um die Stifte in Betracht und das Argument zählt m.E. nicht, denn es ist kein

    bekannter Schwachpunkt.


    Wäre es einer, hätten die damaligen Büchsenmacher zumindest eine schlichte Platte eingesetzt, denn an wirklich funktional Wichtigem wurde auch bei einfachen Ausfertigung eher nicht gespart.


    Mir ist jedenfalls im Gegensatz zu einigen anderen Stellen an alten Waffen, die gerne mal Risse oder Sprünge aufweisen, eine besondere Anfälligkeit dieser Bereiche nicht bekannt und den früheren Büchsenmachern erschien es wohl angesichts der nur im Holz verstifteten Waffen auch nicht als Sollbruchstelle bekannt.


    Oder hattest Du etwas Anderes, was ich übersehen habe, im Sinn ?

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    (Mark Twain)

  • Stimmt. Der Bereich um die Stifte ist nicht unbedingt ein Schwachpunkt. Die Schaftbrüche, die ich reparieren durfte, hatten keinen auffälligen Bezug zu den Laufstift-Bohrungen.


    Wenn beide Gewehre bei mir um Asyl bitten würden, ich würde sie bei mir einziehen lassen. Sie hätten es auch gut bei mir.


    Lederstrumpf

  • Wesentlich sind zwei andere Punkte:

    Zum einen fehlt eine Mündungskappe. Was gerne zum Abspalten des Holzes führt. Selbst ein primitiver, vorne offener Blechrahmen - Eisen oder Messing - hilft da.


    Zum Zweiten führt das Fehlen einer Schutzplatte an der Unterseite des Kolbens zu frühzeitigem Verschleiß. Die Büchsen damals wurden auch als "Spazierstock" benutzt, der Boden war nicht immer trocken. Barnguns wurden in Ställen aufbewahrt, auch nicht immer auf Trockenem Untergrund, ... . Nicht gut für's Holz.


    Heute viel zu wenig beachtet, obwohl von Steinschloss-Musketen hinlänglich bekannt: der Schuss belastet den Bereich des Schlosses, weshalb bei Steinschlossen der fraglichen Zeit nicht nur zwei Schloss-Schrauben benutzt wurden, sondern auch eine Schlossgegenplatte durch die beide Schrauben geführt wurden. Damit diese sich nicht unabhängig voneinander bewegen können sondern beidseitig an einer gemeinsamen Basis fixiert sind. Schloss und Gegenplatte eben. Dass vermeidet im Schlossbereich Risse im Holz. Dort wo das Schaftholz besonders empfindlich ist, da dort viel Holz "fehlt" - durch Laufkanal, Ladestock-Kanal, dem eingelassenen Schloss mit der Schlossmechanik, dem eingelassenen Abzug, der/den Schraube/n die Abzug und Fahne der Schwanzschraube verbinden, der Montage für den Abzugsrahmen. Da trägt eine gemeinsame Basis für Befestigungs-Schrauben viel zur Haltbarkeit bei.


    Die "Thumblate" - also die eingelassene - meist Silber - Platte hinter dem Lauf, die das Schaftholz vor dem "schwitzenden Daumen" schützt ist nebensächlich.

    Derartiges wirkt sich bei einem echten Gebrauchsgewehr vielleicht nach 5, eher 10 Jahren möglicherweise aus. Die anderen Faktoren nach einem Bruchteil dieser Zeit.


    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Zugegeben, jene Gewehre bei denen all diese Elemente berücksichtigt, waren dann meist auch schon ein Wenig verziert. Man ließ sich als Büchsenmacher nicht gerne nachsagen, "knausrig" zu sein.

    Und - in der Praxis fehlten diese Metallteile tatsächlich sehr, wirklich SEHR, oft. Nur ist das eben einer der Faktoren, warum man heute so gerne darauf hinweist, dass echte Gebrauchsgewehre eben auch VERBRAUCHT wurden, also nur ganz wenige erhalten geblieben sind.


    Ein vorbildlich geschützes Gewehr wäre in etwa so aufgebaut gewesen. Und - von "nobel" oder gar "prunkvoll" wird man da wohl eher nicht sprechen... :)


    besten Gruß

    Werner


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    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Wesentlich sind zwei andere Punkte:

    Zum einen fehlt eine Mündungskappe. Was gerne zum Abspalten des Holzes führt. Selbst ein primitiver, vorne offener Blechrahmen - Eisen oder Messing - hilft da.


    Zum Zweiten führt das Fehlen einer Schutzplatte an der Unterseite des Kolbens zu frühzeitigem Verschleiß.

    Beides wieder funktional unwesentliche Details - aber mit schmückendem Charakter.


    Als Schutz des Vorderschaftendes hat der Büchsenmacher diesen sinnvollerweise sauber gerundet und wenige mm vor der Mündung zurückgesetzt enden lassen, eine Belastung findet dort ohnehin nicht statt

    und

    was den Hinterschaftabschluß anbelangt, wäre die "Klammerform" ein wesentlicher Faktor für Stabilität, dann würde das nicht gerade bei

    Miltärgewehren vernachlässigt.

    Was Funktion und Stabilität anbelangt, ist die "L"- Form vollkommen ausreichend.


    Das sind Beides wesentliche und gerne genutzte Zierelemente, aber keine Faktoren i.S. Stabilität und Haltbarkeit.

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  • Büchsenmacher sehen das anders, Captain Cat , aber wenn Du meinst -

    immerhin haben wir hier Meinungsfreiheit!


    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Büchsenmacher sehen das anders, Captain Cat , aber wenn Du meinst -

    immerhin haben wir hier Meinungsfreiheit

    Das stimmt in dieser Allgemeinheit einfach nicht !

    Es gibt, hier im Forum wie auch dort, nicht DIE eine richtige Meinung.


    Auch Büchsenmacher haben keine einheitliche Meinung zu dem Thema, sonst gäbe es keine verschiedenen Ausführungen.


    Allerdings wenn es um Funktion und Belastbarkeit geht, dann ist der militärische Bereich doch immer ein wesentlicher Anhaltspunkt, denn in dem Fall wären die Zusatzkosten (was durchaus ein weiterer wichtiger Faktor ist) zwischen L - und Klammerform zu minimal um sie als Gegenargument einzuwenden falls(!) es etwas mit Verlust an Stabilität und Haltbarkeit zu tun hätte.

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  • Wir reden aneinander vorbei, Captain Cat .


    Die Eingangs gezeigte Barn Gun besitzt zwar ein doppelt verschraubtes Schloss, jedoch sind die Schauben an der gegenüberliegenden Seite NICHT miteinander verbunden.


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    Was beim Schuss zu Spannungen im Schlossbereich führt - zu mehr Spannungen als wäre das Schloss nur mit einer Schraube befestigt. Zu viel mehr

    Spannungen als wenn es eine Schloss Gegenplatte gäbe die den Abstand der Schrauben an beiden Seiten des Schafts 100% konstant hält, somit Spannungen minimiert.


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    Wie das auch bei militärischen Musketen der Fall war, auch bei denen waren die Schrauben durch ein Metallstück verbunden.

    Die Form ist Nebensache!. Die Schrauben können ihre Position zueinander nicht verändern, auch nicht bei der Vibration die beim Schuss entsteht,

    weshalb die Spannungen im Schaftholz minimiert sind. Die Form des Metallstücks ist sch...egal.


    Die Platte unten am Kolben hat nicht unbedingt vor Brüchen geschützt, sie hat aber bewirkt, dass das Gewehr trotz Bruch brauchbar bleibt.

    Und die Art von Brüchen war damals alltäglich!




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    Ist das Gewehr in dem Bereich ungeschützt, beginnt der Kolben sich zu zerlegen.


    Last not least ist zu berücksichtigen, dass die Holzschutz-Chemie sowie dir Möglichkeiten des "sauberen Verschleifens"

    zur angesprochenen Zeit anders aussahen als heute. Schon eine vorhandene, aber vorne offene Nasenkappe tat dem Holz nicht besonders gut.

    Gar keine Nasenkappe war schlechter.


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    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Wir reden aneinander vorbei, Captain Cat .


    Die Eingangs gezeigte Barn Gun besitzt zwar ein doppelt verschraubtes Schloss, jedoch sind die Schauben an der gegenüberliegenden Seite NICHT miteinander verbunden.

    Genau das hat das aufwändige Gewehr auch nicht, es hat auch nur zwei nicht miteinander verbundene Schrauben und ebenfalls keine Gegenplatte.


    Das ist dann aber wohl etwas Anderes, weil es ja nicht in Deine Aussage zur Einsparung bei funktionalen Dingen passt.


    Spar Dir gerne das Zusammensuchen weiterer Beispiele zum Beleg dafür, daß Du Recht hast, ich bin ab sofort davon überzeugt

    :sleeping:

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  • Das "aufwändige" Gewehr ist die Kopie einer Auftragsarbeit von Jacob Kuntz, und war eher nicht als Gebrauchsgewehr gedacht. Hier ging es genau um den Aspekt, den Du berechtigterweise nicht magst: Optik war wichtiger als Sinnhaftigkeit. In dem Fall vermutlich sogar vom Büchsenmacher ausgehend, der Kunde hätte eine gemeinsame Basis der Schrauben sicher auch akzeptiert, War wohl eine Frage der Eitelkeit des Künstlers. Und wenigstens Dein Argument bezüglich dieser Büchse ist stichhaltig.


    Ich habe recht??? Keine Ahnung! Kann sein, kann genauso gut auch nicht sein. Nur weil Deine Argumente mich in dem Fall nicht überzeugt haben heißt das noch lange nicht, dass ich recht habe. Ich habe zudem häufiger das Gefühl, dass wir aneinander vorbeireden. Was dann mehr eine Frage des jeweils gewohnten aber eben unterschiedlichen Sprachgebrauchs ist als eine der Inhalte.


    Egal: Eigentlich sollte der Thread zeigen, dass es keinen Zusammenhang gibt zwischen den Elementen einer Schule und der mehr oder weniger künstlerisch hochwertigen Ausarbeitung des Werkstücks. Es bedarf keiner noblen Büchse um eine Schule zu erkennen, eine simple "Barn Gun" reicht völlig. Die künstlerisch aufwändige Ausführung ist kaum etwas anderes als die Arbeit nicht im Stadium der "Barn Gun" zu beenden, sondern noch weiter zu machen.


    Was darüber hinausgeht ist unsere kleine Meinungsverschiedenheit, Captain Cat . Und die basiert weniger auf Inhalten als auf Betrachtungsweisen. "Recht haben" oder nicht gibt es bei dieser Meinungsverschiedenheit gar nicht, Weil die gar nicht erst entsteht, sobald wir vom selben Blickwinkel auf das selbe Objekt schauen.


    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Ich bleib' noch bei Eric von Aschwege und seinen Arbeiten.


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    Die hier ist künstlich gealtert worden, was von Beginn an gar nicht geplant war,

    aber nachdem sich im Kolben oberhalb der Backe nach halber Arbeit ein zuvor

    nicht erkennbarer Stress-Riß im Holz entwickelte, war dies im Vergleich zum

    Entsorgen des Schafts der bessere Weg.


    Ten0002.jpg

    Man findet nicht viele korrekt nachgebaute gebaute Tennessee-Rifles, was

    vermutlich daran liegt, dass man die Teile dazu selbst fertigen muss. Die fertig

    zu kaufenden Tennessee-Komponenten sind zum großen Teil Schrott.


    Ten0004.jpgZugegeben, das ist etwas kleinlich und vielleicht übertrieben, aber 80% der Schloss-Gegenplatten,

    90% der Abzugsrahmen und 100% der Schaftkappen sind tatsächlich Mist. Die

    erhältlichen Schwanzschrauben sind interessanterweise ok, ebenso die Patchboxes. Ten0005.jpg


    ich möchte das obige Streitgespräch fortsetzen. Ganz vorsichtig - und, ich schreibe nicht

    über Fakten sondern meine Meinung zu den Komponenten. Man kann das auch anders

    sehen und wer richtiger liegt, sei dahingestellt. Diesmal geht es mir darum festzustellen,

    dass die angesprochenen Komponenten nicht viel mit "überflüssigem Schmuck" zu tun

    haben, sondern die Büchsenmacher durchaus den Nutzen dieser Komponenten im Auge

    haten. Oben gerade die Blechplatte, welche den Kolben an der Unterseite schützt.

    Macht vielleicht ein bisschen Arbeit, aber nicht wirklich viel. Erhöht aber die Stabilität in dem

    Bereich merkbar. Gut schießen wird das Gewehr auch ohne diese Platte, damals lebte man

    aber nicht im gemütlichen Eigenheim, um Sonntags 'mal zum Spaß zur Jagd oder zu einem

    Schießbewerb zu gehen, um anschließend das Gewehr professionell zu pflegen. Vielmehr

    waren viele Gewehre ständig im Freien, ob bei 30° plus oder 30° minus, Hitze, Regen, Schnee,

    und ohne Reinigungsmittel aus dem Kaufhaus. Gegebenenfalls hat man zur Reinigung in den

    Lauf gepinkelt.


    Ten0013.jpg

    Die Mündungskappe mag recht Schmuck aussehen, ist aber "keine" Arbeit. Die Form ist in ein

    paar Minuten ins Holz geschnitten, anschließend - damals vermutlich ein Stück steifes Leder -

    um den Lauf gewickelt, und von vorne flüssiges Zinn in den Bereich gegossen. Schützt das Holz.

    Wieder - nicht vergessen, damals schoss man nicht am Schießstand. Da gingen beim Laden schon

    ein paar Pulverkörner daneben, wenn's hektisch wurde. Die haben sich dann beim Schuss mit

    entzündet. keine Tragik, trägt aber am blanken Holz nicht unbedingt zur Halbarkeit bei.


    Ten0006.jpg


    Das Schloss ist mit nur einer Schraube befestigt. Meiner Meinung nach

    bei einem Steinschloss nicht optimal. Allerdings ab1820 üblich, und

    ab etwa 1810 durchaus gelegentlich so praktiziert. Zu dieser Zeit waren

    auch bereits Steinschlosse am Markt welche die Bewegung der Batterie

    durch eine Rolle an der Batteriefeder abdämpften. Was offenbar die auf

    den Schaft einwirkenden Kräfte verminderte. Zugegeben, ich habe noch

    kein Gewehr so oft geschossen, dass es mit möglich gewesen wäre die

    Unterschiede in der Haltbarkeit zu prüfen, es fällt aber auf, dass die

    auf Haltbarkeit ausgelegten Longrifles des 18. Jahrhunderts 2 Schrauben

    mit einer gemeinsamen Schlossgegenplatte zur Befestigung des Laufs

    verwendeten, und der Wechsel auf die Befestigung mit nur einer Schraube

    mit einer widerstandsmindernden Modernisierung der Schlosse einherging.


    Die Verwendung von 2 Schrauben ohne gemeinsame Gegenplatte ist nicht

    die große Tragik, aber doch ein Faktor der die Haltbarkeit verringert.


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    Die extralange Fahne der Schwanzschraube war schließlich

    auch kein Schmuclstück - obwohl die durchaus einiges an

    Arbeit verursacht hat, sondern bewirkte durch die doppelte

    Verschraubung mit der Grundplatte des Stechers, dass das

    Gewehr noch brauchbar blieb, selbst wenn der Schafthals

    gebrochen war.


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    Keines der genannten Elemente hat etwas mit der Präzision des Gewehrs

    zu tun. Am Schießstand kann man getrost darauf verzichten, und wenn das

    Gewehr verschlissen ist, kauft man 'halt ein Neues. Kein Problem. Hier und

    jetzt. In der Zeit als diese Gewehre entstanden sind hatten diese Details aber

    sehr wohl mit den Überlebenschancen zu tun, die der Besitzer des Gewehrs

    in der Wildnis hatte.


    Ten0014.jpg


    Weshalb der Farmer, der ein - zusätzliches - Gewehr als Barngun im Schuppen

    oder Stall wollte, auf solche Details verzichten wollte. Mit dem Gewehr wurde im

    Notfall und somit, so hoffte er, eigentlich nie geschossen. Sein Jagdgewehr sah

    anders aus. Und die Gewehre der Waldläufer, Trapper und Händler ebenfalls.


    So viel zu meiner Sichtweise. Ob sie richtig ist? Keine Ahnung, Ich war damals nicht dabei.


    Jaegerx.JPG


    Warum man angesichts der Ausführung deutscher Jägerbüchsen

    solche Details an Longrifles für überflüssig verspielt empfindet,

    erschließt sich mir nicht ganz. Wobei ich solche Jägerbüchsen toll

    finde, nur kenne ich mich mit denen nicht aus.


    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Ich sehe das mit der Verwendung der Barn Gun etwas anders. Das Werkzeug, das man in der Scheune hat, die Schuhe in der Scheune, sind die Sachen, um die es nicht so schade ist, wenn sie aufgebraucht werden.

    Ich glaube deshalb nicht (sie wie ich die Bauern kenne, und Bauern sind von der Grundeinstellung sich überall auf der Welt gleich) dass eine Barn Gun extra besonders einfach hergestellt wurde, sondern eine alte, einfache Büchse zum Aufbrauchen in der Scheune in einer Ecke stand, und auch deshalb viel gebraucht wurde (um eine Sau um Metzeln zu schiessen, schnell mal auf einen Greifvogel oder Kleinräuber zu schiessen, die sich ein Huhn schnappen wollten, und für die vielen Gelegenheiten, für die die "Sonntags-Rifle" zu schade war) Deshalb haben auch die "Kunstwerke" überlebt, und die Alltags-Rifles nur durch Zufall.


    Ja, wenn man gezielt auf die Jagd ging, wenn man länger unterwegs war, dann hat man das "gute Gewehr" genommen, auf das man sich verlassen konnte. Aber so zum "Zusammenschlampern" die Gewehre, die um die es nicht (mehr) schade war.


    Das ist natürlich nur eine Hypothese.

    ---------------
    In meinen Beiträgen verwende ich bewusst Satire, Ironie, Sarkasmus und Übertreibungen, um zu verdeutlichen. Auch ohne Kennzeichnung dieser Stilelemente sollte sich der Leser dessen bewusst sein.

  • Kein Einspruch! Die Barngun sollte billig sein. Für den Notfall gedacht, ob der Notfall nun "Fuchs" oder "Bär" oder "Einbrecher" hieß. Was so oft nicht vorkommen sollte, weshalb die Ausführung so wie sie war gut genug war. Die Zielgenauigkeit blieb ja identisch mit der vollständigeren Büchse. Und da Füchse oder Einbrecher nicht täglich auftauchten, war auch die Haltbarkeit nicht so gefragt. Man tät sich aber in den A... beißen wenn das noble Gewehr im Stall hängt und der Einbrecher klaut es. Die haben's schon richtig gemacht. Wie man diese Einstellung formuliert ist Geschmacksache. Ich denke, Du liegst ziemlich am Punkt!


    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Aus meiner beschränkten Sicht wurde die Barn Gun vielleicht häufiger benutzt als die gute Longrifle im Haus, denn wer eine Barn Gun hatte, war sesshaft, ernährte sich und seine Familie nicht von der Jagd.


    Ich denke, die Barn Gun musste schon robust sein. Wenn ich das recht verstanden habe, war das keine Schimmel oder Poor Boy, bei der alles weggelassen wurde, was nicht unbedingt notwendig war, und die wurden extra so minimalistisch gebaut.

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    In meinen Beiträgen verwende ich bewusst Satire, Ironie, Sarkasmus und Übertreibungen, um zu verdeutlichen. Auch ohne Kennzeichnung dieser Stilelemente sollte sich der Leser dessen bewusst sein.

  • Da haben wir jetzt ein kleines Problem mit dem Sprachgebrauch, Schwarzer Mann ! :P

    Denn diesbezüglich sind sich die Amis selbst nicht einig, und jeder pflegt seine eigene Variante. Unter den Händlern

    werden aber meist "Barn Gun", "Schimmel" und "Poorboy" gleichgesetzt. Welcher Begriff dann in einem Angebot

    tatsächlich verwendet wird hängt vom jeweiligen Verkäufer und von der Tageslaune ab.


    Du hast insofern recht, als es mehrere Abstufungen zwischen wirklich noblen Longrifles und den minimalistischen

    "Hält vielleicht für 5 Jahre gut zusammen" Rifles gab. Darunter solche, die mit vollständigen Beschlägen ausgestattet

    waren, aber eben nicht oder kaum verziert waren. Definierte Bezeichnungen für die Varianten gibt es aber nicht.

    Ich setzt - derzeit - mangels anderer mir bekannter Definitionen der Bezeichnungen Barngun, Schimmel und Poorboy gleich.

    Was kein Dauerzustand sein muss, einen Hauch von Beweglichkeit hab' ich noch... :D


    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Wobei - ich sehe eher die "Smooth-Rifle" als das typische "Farmer Gewehr", insbesondere in der Zeit von - sagen wir -

    1770 bis 1820. Weil flexibel, aber ausreichend präzise für die Jagd unter damaligen Bedingungen.

    Nur ist das keine Lösung der Frage nach einheitlichen Bezeichnungen, denn auch Smooth-Rifles gab und gibt es von

    "Ultranobel" bis minimalistisch.


    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.