Jenks Rifle

  • Das Leben wäre furchtbar langweilig, gäbe es keine Exoten.


    Herrn William Jenks - vermutlich eher dessen Vater - habe ich vor ein paar Monaten 'mal erwähnt, weil

    er einer der Auftragnehmer der US-Regierung für die Produktion von Musketen war, genauer Musketen

    nach dem Schema von 1795, aber gemäß des Vertrags von 1808.


    Aber Waffenschmiede sind nun einmal kreative Leute, die recht hartnäckig sein können, wenn sie eine Idee

    verfolgen. Was bekanntlich schon 'mal vorkommt.


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    Hier eine "Jenks Rifle" mit einer Lauflänge von 36". Bekannter ist der Karabiner mit 24" Lauflänge, aber außer

    durch die Lauflänge unterschieden sich die beiden Versionen nicht voneinander. Diese Büchse wurde beim der Navy

    als "Langer Karabiner" geführt. William Jenks wurde für das Konzept das US Patent No. 747 zugesprochen,

    am 5.Mai 1838. Zu dieser Zeit experimentierte die Navy gerade mit neuen Gewehren für ihre Soldaten. Vielleicht

    der Grund dafür, dass dieses Gewehr nicht besonders erfolgreich war, die Eifersüchteleien unter den Waffengattungen

    sind bekannt, und ein Gewehr welches die Navy bestellte durfte von der damals finanzkräftigeren und größeren

    Army einfach nicht akzeptiert werden.


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    Dabei hatten die Entscheidungsträger der Navy durchaus nachgedacht, als sie diese Waffe auswählte.

    Das einzige "Mule Ear" das beim US Militär ins Arsenal aufgenommen wurde, und zudem einer der

    frühesten Perkussions-Hinterlader.


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    Das Schloss zeigt einen Stempel der auf William Jenks hinweist, sowie einen zweiten für den

    verantwortlichen Fabrikanten, N.P.Ames. Gefertigt hat man das Gewehr in Springfield/Massachusetts.


    Nachdem die Jenks Rifle vor Christian Sharps' Hinterlader entstand, ist sie vielleicht der erste wirklich

    praxistaugliche Hinterlader der USA. Die Hall-Rifle, so wichtig sie für die Entwicklung von Systemen

    zur Herstellung von ohne Nachbearbeitung austauschbaren Teilen war, erachte ich nicht wirklich

    als praxistauglich.


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    Das System war recht einfach - was gut funktionierende Systeme meist so an sich haben.

    Über einen Hebel wurde der Verschluss des Laufs zurückgezogen und gab eine - zunächst kreisfürmige in späteren

    Varianten ovale - Öffnung zum Laden des Gewehrs frei. Eine Kugel wurde eingesetzt, anschließend Pulver eingefüllt,

    Fertig. An Papierpatronen dachte man zumindest Anfangs nicht.

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    Die "Mule Ear" Konfiguration war bei den Soldaten eigentlich recht beliebt. Teilchen von beim Schuss eventuell

    zerfetzten Zündhütchen fielen seitlich weg, und nicht in die Augen des Schützen. Nachdem man damals keine

    Schutzbrillen trug...!


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    Der Lauf war im Kaliber .54" gebohrt. Die Navy bestellte 1.000 Exemplare des 36" "langen Karabiners", sowie 500 Stk. des "kurzen".

    Von Letzterem bestellte die Navy schlussendlich 4.250 bExemplare, während man die Bestellung für die Variante mit 36" Lauf nie erweiterte.

    Die Produktion erfolgte nicht ausschließlich in Springrield , für ein paar Chargen beauftragte die Navy auch Remington. Im Bürgerkrieg führte

    das frühe Marine Corps dieses Gewehr.


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    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Ich habe diese Mule Ears immer gerne gemocht.

    Es gab auch mal eine Replika die ein Mule Ear Schloss hatte, mir fällt aber die Bezeichung in der Hersteller nicht mehr ein.

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    Ike Godsey


    --- Just a grumpy old man with a gun ---

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  • Es gab auch mal eine Replika die ein Mule Ear Schloss hatte, mir fällt aber die Bezeichung in der Hersteller nicht mehr ein.

    Es gab mal eine in .50 von Navy Arms Ridgefield (Uberti). Hat wie eine dieser seltsamen "Hawken" Rifles ausgesehen. Halb geschäftet mit einem Laufkeil (denke ich) und eben einem Mule Ear Schloss.


    Lederstrumpf