Steinschloss-Pistole

  • Es kann schon recht schwierig sein, Originale früher amerikanischer Longrifles zu finden.

    Nach Steinschloss-Pistolen zu suchen ist Strafverschärfung! Am einfachsten ist es noch, militärische Pistolen zu

    finden, die wurden für in den staatlichen Arsenalen bzw. auch von privaten Auftragnehmern in größerer Zahl

    gefertigt, entsprechend sine erhaltene Originale bekannt. FP0001.jpg


    Erhaltene zivile bzw. private amerikanische Steinschloss-Pistolen gibt es nicht. Zumindest nicht

    für Privatpersonen die nicht dem elitären Kreis der anerkannten Insider angehören.


    Steinschloss-Pistolen die ab dem 18. Jahrhundert in Amerika benutzt wurden kann man finden.

    gar nicht soo selten. Bloß tragen die alle britische oder französische Beschusszeichen, wurden

    also "importiert".


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    Während sogenannte Kentucky Pistolen am Replika-Markt also seit Jahrzehnten angeboten werden,

    ist es durchaus mühsam Originale zu finden.

    Das abgebildete Exemplar ist das früheste, dass mir bisher "über den Weg gehlaufen" ist. Sieht man

    von den Abbildungen in diversen Fachbüchern ab, S. Dikes "The American Flintlock Pistol" zum Beispiel.


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    Die abgebildete Pistole wird zwischen 1810 und 1820 datiert, ist also wohl mehr als 200 Jahre alt.

    Was zwar beachtlich ist, aber schließlich sind wir verwöhnt, und suchen nach wirklich alten Pistolen.

    DerZeitraum zwischen 1750 und 1780 wäre interessant. Da gibt es sicher auch einiges. Aber eben

    hauptsächlich hinter verschlossenen Türen.


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    Ich gehe einmal davon aus, dass sich "Früheres" finden lässt, das Unterfangen ist aber nicht

    ganz so einfach wie man glauben sollte. Pistolen wurden offenbar seltener gefertigt, und überlebten

    nicht so häufig bis in die Gegenwart. Entsprechend "sitzen" jene Sammler, die sich glücklich schätzen

    etwas derartiges ihr Eigentum nennen zu dürfen, buchstäblich auf diesen Exemplaren.


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    Entsprechend tauchen Originale nur dann auf, wenn Erben eine Sammlung an Auktionshäuser

    vergeben. Was nicht so häufig geschieht.

    Zwar würde ich das abgebildete Original etwas früher als "1810" datieren, nachdem es aber keine

    Angaben gibt woher es kommt, weder eine Signatur vorhanden ist noch von den Gewehren her

    bekannte und daher verwertbare Schulhinweise, glaube ich die Angaben zunächst einmal. Der Ansatz

    "symmetrische Barock-Form => um 1770" ist mir zu simpel, entsprechend zu unsicher.


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    Ach ja, der Lauf dieses Exemplars ist 9" lang, die Gesamtlänge der Pistole ist 14.5",

    der Lauf ist glatt, im Kaliber .60".


    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Ich bin 'mal gespannt, wie das Thema sich entwickelt!

    Im Augenblick erscheint es mir, als würde sich oben Gesagtes, das ich zunächst nur als Sammlung von

    Vermutungen betrachtet habe, einigermaßen bestätigen. Aber noch ist nicht aller Tage Abend.


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    Hier ein zweites amerikanisches Original. Die von den Replika-Herstellern propagierte "typische Kentucky Pistolen Form"

    sucht man zwar vergebens, aber die Pistole ist recht hübsch, und durchaus gekonnt gefertigt. Auch der Zustand ist durchaus

    passabel, und das Alter könnte in etwa jenem der oben gezeigten Waffe entsprechen.


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    Mit der Identifikation tut man sich bei diesem Exemplar etwas leichter. Der Lauf ist signiert

    mit "Gibbs Lancaster PA", und von diesem Herrn Gibbs weiß man aus den Steueraufzeichnungen,

    dass er wenigstens von 1812 bis 1843 in Lancaster aktiv war. Die Wahrscheinlichkeit, dass dieses

    Stück ziemlich genau 200 Jahre alt ist, ist also recht hoch.


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    Das Schloss stammt von einem M.M.Maslin, ich muss zugeben, ich war zu faul mir

    zu dem Informationen herauszusuchen, Aus meiner Sicht ein typisches Steinschloss

    britischer Bauart, wie es im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts verwendet wurde. Ob

    importiert oder irgendwo "drüben" abgekupfert ist nicht so wichtig.


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    Einige "architektonische" Kleinigkeiten fallen auf. Der Abzugsrahmen ist lehrbuchmäßig vorne gestiftet,

    hinten mit einer Schraube befestigt. Auch der Abzug selbst ist keine großartige Baugruppe, sondern

    lediglich ein Abzugsbügel der mit seiner Achse in das Schaftholz gestiftet ist. Und auch die Ladestock-Halterungen

    sowie der Lauf selbst sind auf diese Weise traditionell montiert.


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    Im Fall dieser Pistole ist der Lauf gezogen, er ist 12,5"lang, im Kaliber .52". Mit vollständiger

    Visierung, was bei einem gezogenen Lauf aber selbstverständlich sein sollte. So wie die

    Pistole aufgebaut ist viel mehr nützliches Werkzeug als Schmuckstück. Ausreichend robust

    um 200 Jahre in recht gutem Zustand zu überleben.


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    Zuletzt verkauft wurde dieses Exemplar im April vergangenes Jahr. Nicht über

    ein Auktionshaus, sondern über einen der bekannteren Händler. Der Käufer bezahlte

    US$ 4.250,-, wenn ich bedenke, dass man sehr schön gearbeitete Gewehre des gleichen

    Alters und von ebenfalls weitgehend unbeachteten Büchsenmachern zum bald halben

    Preis bekommen kann liegt der Schluss nahe, dass das Angebot an historischen amerikanischen

    Steinschloss-Pistolen aus privater Fertigung wirklich nicht groß ist.


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    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Der Zustand ist Top! Eine Replika aus den 60ern (20tes Jahrhundert) sieht manchmal schlechter aus.

    Tolles Stück. Leider recht jung. Was älteres wäre wirklich interessant. Bleib dran, Werner :bud:

  • Beide Pistolen gefallen mir sehr gut, weckt bei mir den haben wollen Instinkt. Die Schlosse zeigen schon den Typ der wasserdichten Pfanne, würde sie so um 1780 - 1790 schätzen . Vielen Dank fürs zeigen.


    Viele Grüße - Breuko

  • Die hier gehört zwar nicht ganz hier her, weil sie eben nicht zivil ist, aber dafür

    so sehr Rarität, dass ich sie doch herzeigen muss. Sieht man nicht wirklich oft. Außerdem die älteste bisher gezeigte Pistole.


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    Ich hör' schon die Unkenrufe grin-.) . Was ist denn an einer Harpers Ferry Pistole soo toll? Kenn' ich in und auswendig.

    Yep, dachte ich auch. Und jetzt muss ich Pedersoli Abbitte leisten.


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    Eine Harper's Ferry 1805 mit gezogenem Lauf!


    Die glatten sind ja fast noch Massenware, zumindest kann man ein Original kriegen, wenn man

    zu viel Geld hat.

    Von den gezogenen gibt es gibt es - heute - noch 2 Stück!

    Eine im Museum of American History, die andere im Jefferson County Museum, Charlestown, West Virginia.


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    Wobei ich - ganz privat - vermute, dass es sich um nachträglich abgeänderte Waffen handelt,

    die für Tests bereitgestellt wurden. denn ein paar Kleinigkeiten sind nicht ganz stimmig.


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    Die Pistole wurde 1807 gebaut. Was plausibel und so auch bekannt ist. Somit alles

    in Ordnung. Zunächst.

    Aber; Der Lauf lässt darauf schließen, dass ursprünglich wohl ein anderer verbaut war.

    Wobei ich davon ausgehe, dass es bei diesen Tests ausschließlich um die Geschwindigkeit

    beim Laden sowie um die Festigkeit der Läufe ging, sonst hätten die Läufe ein Korn.


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    Dass Pedersoli Museumswaffen kopiert hat, kann man ihnen nicht wirklich vorwerfen.


    Egal, die erste Charge dieser Pistolen wurde 1805 gefertigt, auf dem von George Washington

    persönlich 1794 für die Schaffung einer staatlichen Waffenfabrik ausgewählten Land, das 1798

    von Robert Harper gekauft wurde.


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    Besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • DemBeiden möchte man wiederum möchte man ihre amerikanische Herkunft fast nicht glauben.


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    Aber diesbezüglich darf man dem Metropolitan Museum of Art schon glauben.

    Ein Paar amerikanischer Duellpistolen, entstanden zwischen 1815 und 1820. Also

    wieder jünger als gesucht, aber so ist das nun 'mal.

    Einen militärischen Bezug gibt es auch wieder, die Pistolen stammen aus der Hand

    von Simeon North, dem Pistolen-Lieferanten der amerikanischen Armee. Ein Schelm,

    wer dabei etwas denkt. Für wen die wohl gedacht waren, und wie sehr sie mit den Aufträgen,

    welche das Kriegsministerium an North vergab zusammenhängen? Werden wir nicht

    erfahren, Toll gearbeitet sind sie allemal.


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    Es wären auch keine im Met-Museum zu besichtigenden Waffen, gäbe es nicht ausführliche Daten dazu:


    Entstanden sind die beiden in Middletown/Conneticut. Neben Stahl und Wahlnuss-Holz wurde auch

    Gold und Silber verarbeitet, sowie auch Horn. Die Ladestöcke sind aus Hickory.


    Der Lauf ist gezogen und 10" lang, Kaliber .56".

    Gesamtlänge der Pistolen ist 15.75"bzw. grob 40cm.


    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Wie Eingangs erwähnt ist es ausgesprochen schwierig, in Amerika gefertigte Steinschloss-Pistolen zu finden.

    Sieht man einmal von den späten Boxlock-Taschenpistolen ab, aber selbst die kamen meist aus England oder

    Belgien. Auch wenn die "Kentucky Pistole" fast so berühmt ist wie die "Kentucky Rifle", die Insider 'drüben

    haben festgestellt, dass auf 250 überlebende originale Longrifles nur eine überlebende Steinschloss-Pistole

    kommt.


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    Ohne einen Beleg dafür zu haben gehe ich davon aus, dass dieses Verhältnis zwar nicht jenem der Fertigungszahlen

    entspricht, dennoch wurden vermutlich deutlich mehr Gewehre als Pistolen gebaut. Pistolen gab es aus europäischer

    Fertigung einigermaßen günstig zu kaufen, und für den Büchsenmacher waren Pistolen ein relativ schlechtes Geschäft.

    Der (Zeit-) Aufwand unterschied sich nicht großartig von jenem, ein Gewehr zu bauen, mehrere Arbeitsschritte wie z.B.

    das Einlassen von Schloss und Abzug sind identisch, für ein Gewehr konnte man aber deutlich mehr Geld verlangen.


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    Was zwar sicher nicht zu einem Verhältnis 1:250 führte, aber eben doch dazu, dass weniger Pistolen als

    Gewehre entstanden. Wahrscheinlich war bei der Pistole als Nahkampfwaffe auch die Verlustrate wesentlich

    größer als bei Gewehren. Viele Gewehre wurden stets nur zu Jagd benutzt und sahen nie einen Kampf, während

    Pistolen diesbezüglich wohl ein ungemütlicheres Leben hatten. Und auch der Kreis der Käufer ein kleinerer war,

    da - speziell vor der Entstehung des Revolvers - das Interesse für eine ohnehin nur einschüssige Nahkampfwaffe

    auf einen vergleichsweise kleinen Kundenkreis beschränkt.


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    Die gezeigte Pistole stammt wiederum aus der Zeit zwischen 1810 und 1820. Die extensiv "verabreichten"

    Silberbeschläge lassen vielleicht schon einen Verdacht aufkommen. Wenn ja, dann bestätige ich: Die Pistole

    stammt aus Bedford County. Mehr noch: Die Signatur P.W. steht für Peter White, der als Begründer dieser

    Schule gilt. Nachdem die Pistole recht eindeutig nach Bedford Muster gefertigt ist, White seine dortige

    Werkstatt aber um 1820 an die Stoudenours übergab und selbst in Richtung Westen zog, darf man davon

    ausgehen, dass die Pistole vor 1820 entstanden also - wieder einmal - um 200 Jahre alt ist.


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    Solche Pistolen sind vermutlich mit ein Grund dafür, dass man so selten Informationen findet.

    Dieses Stück ist seit Jahren in festen Händen. Den aktuellen Marktwert kann ich nur schätzen,

    aber ein ähnlich nobles Exemplar einer Berühmtheit unter den Büchsenmachern, in deutlich

    schlechterem Zustand ging vor einiger Zeit für € 20.000,- über den Ladentisch, ein ähnlich gut

    erhaltenes für € 60.000,-. Wert steigend - grob 100% alle 10 Jahre. Kein Wunder, dass die

    glücklichen Besitzer solcher Stücke fest darauf sitzen.


    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Jacob Kuntz zählt ja mittlerweile beinahe schon zu den guten Bekannten von uns,

    zumindest bei jenen die hier ab und an 'mal mitlesen. Dennoch ist er bis zu einem

    gewissen Grad schwer zu fassen, da die Angaben zu seiner Person recht widersprüchlich

    sind. Diesmal erwähne ich ihn weil er - ach nee - auch Pistolen gebaut hat.


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    Einfach ist es lediglich bezüglich seiner Lebenszeit: Geboren am 6. September 1780,

    verstorben am 6. Augunst 1876. Sein jüngerer Bruder Peter, übrigens ebenfalls ein

    hervorragender Büchsenmacher, lebte von 1791 bis 1862.

    Zunächst waren beide in Whitehall Township/Northampton County, tätig, in jenem

    Gebiet von Northampton, welches heute Lehigh County ist.


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    Will man mehr wissen, wird es etwas schwieriger, Jacob Kuntz wird in den Steueraufzeichnungen

    von Northampton im Jahr 1807 als selbstständiger Büchsenmacher geführt.

    1810 überließ er seine Werkstatt in Whitehall Township seinem Bruder und zog selbst nach

    Philadelphia. Wo er eine für 6 Monate eine Lehre als Büchsenmacher absolvierte (?!?), um dann

    seine eigene Werkstatt einzurichten.


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    Nachdem Jacob Kuntz bereits in Whitehall wirklich außergewöhnlich gute Longrifles gefertigt hat,

    stellt diese kurze Lehre ein Rätsel dar. Aus meiner Sicht gibt es nur 2 mögliche Gründe: Entweder

    wurde seine Ausbildung in Northampton in Philadelphia nicht anerkannt, oder er benötigte

    zunächst einmal Geld zur Einrichtung einer eigenen Werkstatt. Beides gefällt mir nicht, Die erste

    Möglichkeit ist völlig untypisch für die USA, und Geld verdiente man damals als Lehrling auch nicht,

    was auch diese Variante eigentlich ausschließt.


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    Vielleicht wollte Jacob Kuntz allerdings auch nur als Büchsenmacher aktiv bleiben,

    während er seine Werkstatt einrichtete oder einrichten ließ. Wie auch immer,

    spätestens ab 1811 war er als Büchsenmacher in Philadelphia aktiv. Die Pistole

    entstand in dieser Zeit, vermutlich zwischen 1811 und 1820. Wieder einmal.


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    Viel ist zu dieser Pistole nicht zu sagen. Es handelt sich um eine ausgezeichnet gefertigte

    typische "Kentucky Pistole", die schon einmal bessere Zeiten gesehen hat. Also - wie man

    deutlich sieht, nicht besonders sorgfältig behandelt wurde.


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    Ob als Folge des intensiven Gebrauchs, oder weil sie irgendwann unbeachtet

    und vergessen auf einem Dachboden oder in einem Keller verbringen musste,

    wird sich nie klären lassen. Ist auch nicht wirklich wichtig.


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    Der aktuelle Eigentümer hält offenbar nicht viel von der Möglichkeit einer Restauration.

    Eine philosophische Frage, Finanzielle Gründe hat diese Entscheidung eher nicht, immerhin

    hat er diese Waffe für fast $24.000,- erworben. In diesem Zustand. Bei einem Rufpreis yon

    $7.500,-. Sie wieder "hübsch" machen zu lassen hätte er sich wohl auch leisten können. Er

    will einfach nicht, sondern bevorzugt es, den "Originalzustand" beizubehalten.

    Unwichtig aber interessant: Es gab 16 Bieter.


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    Ein paar Kleinigkeiten zu der Waffe: Sie ist mit einem 8.25" langem glatten Lauf

    ausgestattet, der wohl von Jacob Kuntz ebenso wie alle anderen Komponenten

    selbst gefertigt wurde. Das Kaliber ist .45", was damals weniger üblich als heute

    war.


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    Dass Jacob Kuntz ein "besonderer Spinner" war zeigt sich an den Detailaufnahmen der Beschläge.

    Wenn man bedenkt wie klein ein Pistolen-Abzugsrahmen ist, und welche Werkzeuge/welche Beleuchtung

    im frühen 19. Jahrhundert zur Verfügung stand, kann man diese Arbeit gar nicht hoch genug einschätzen.

    Jacob Kuntz war zwar diesbezüglich kein Einzelfall, aber ich würde ihn zu den "Top Ten" der amerikanischen

    Büchsenmacher der Periode zwischen 1750 und 1850 zählen.


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    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Zwar gibt es zu der obigen Pistole nichts mehr zu sagen,

    allerdings gab es zu der Aktion noch ein paar Fotos mehr,

    auf deren Basis man sich sowohl die ursprüngliche Qualität der Arbeit

    als auch den heutigen Zustand gut ausmalen kann. Die möchte ich Euch

    nicht vorenthalten.


    besten Gruß

    Werner


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    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Wenn ich überlege, das der Zahn der Zeit über 200 Jahre an dem guten Stück geknabbert hat, finde ich den allgemeinen Zustand noch recht befriedigend. Die Restaurierung auf dem Griffrücken wurde leider nicht ganz fachgerecht ausgeführt, immerhin wurde aber wohl ein weiteres reißen des Schaftes verhindert. Bei Stücken dieser Art gibt es für mich zuerst eine grundsätzliche Frage. Den Zustand des Stückes mit seinen Zeitzeichen so belassen, oder Hand anlegen?


    Viele Grüße - Breuko

  • Bei Stücken dieser Art gibt es für mich zuerst eine grundsätzliche Frage. Den Zustand des Stückes mit seinen Zeitzeichen so belassen, oder Hand anlegen?

    Diese Frage ist seit Ewigkeiten Thema von Streitigkeiten. Beinahe logisch, denn DIE zutreffende Antwort gibt es nicht. Und nahezu jeder mögliche Standpunkt hat seine berechtigten Aspekte und auch seine Fehler.

    Ich selbst bin diesbezüglich ein Freund von Kompromissen. Einerseits mag ich es nicht, wenn Gegenstände - ich beschränke mich da nicht auf Waffen - so hergerichtet werden als wären sie erst gestern entstanden. Andererseits aber lassen wir - beispielsweise - auch denkmalgeschützte Bauwerke nicht verfallen sondern versuchen, sie zeitgerecht zu sanieren und somit äußerlich unbeschädigt erhalten. Den Spagat zwischen diesen Extremen zu finden ist schwierig, und allen Recht machen kann man es in solchen Fragen ohnehin nicht.


    Ich glaube übrigens nicht, dass diese Pistole jemals restauriert wurde. Wenn Hand angelegt wurde, handelt es sich eher um eine alte Reparatur, aber nicht um eine Restauration.


    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Standortwechsel.

    Nur ganz wenig, von Lehigh County bzw. Northampton County nach Süden, vielleicht Süd-Osten.

    Auf die andere Seite des Hügels, die dann eben zu Bucks County gehört.


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    Der Waffenschmied hieß John Schuler. Einer der Schüler von Andrew Verner, und

    zudem auch verantwortlich für die "unbekannte Pennsylvania Büchse" in einem der letzten Threads.


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    Erstmals erwähnt wird John Shuler im Jahr 1800, als Büchsenmacher in Quakertowm, Bucks County.

    Dort war er bis 1817 aktiv.


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    Danach übersiedelte er nach Liverpool, in Perry County/PA.

    Er verstarb 1822, andere Quellen sagen "vor 1827".


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    John Shuler fertigte nicht nur Longrifles und sog. Kentucky Pistolen, sondern

    nahm auf Verträge vom Militär an - ein vielleicht langweiliges, aber sicheres

    Geschäft. Wühlkisten gab es bei Büchsenmachern schon damals, die Schloss-

    Gegenplatte war wohl von einem solchen Projekt übriggeblieben, oder hatte

    dort nicht gepasst.


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    Eigentlich hat John Shuler seine Arbeit nur selten signiert. Diese Pistole ist eine Ausnahme. Ansonsten kenne ich

    nur ein signiertes Gewehr von ihm. Enstanden ist diese Pistole vor 1817, also noch in Bucks County. Eine genauere

    Datierung ist mir leider nicht möglich.


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    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Ein ungewöhnlich gut erhaltenes uns schönes Exemplar!

    Viele, die noch nie mit so einer "Krücke" geschossen haben, können sich gar nicht vorstellen wie gut so eine Pistole in der Hand liegen kann. Zumindest mir geht es so dass ich mit manchen dieser Waffen ganz instinktiv auf das Ziel deute, was mir mit modernen Pistolen nicht so gelingt. Da muss ich ganz bewusst zielen.

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    In meinen Beiträgen verwende ich bewusst Satire, Ironie, Sarkasmus und Übertreibungen, um zu verdeutlichen. Auch ohne Kennzeichnung dieser Stilelemente sollte sich der Leser dessen bewusst sein.

  • Viele, die noch nie mit so einer "Krücke" geschossen haben, können sich gar nicht vorstellen wie gut so eine Pistole in der Hand liegen kann. Zumindest mir geht es so dass ich mit manchen dieser Waffen ganz instinktiv auf das Ziel deute, was mir mit modernen Pistolen nicht so gelingt. Da muss ich ganz bewusst zielen.

    Ganz richtig, Schwarzer Mann ! Wobei die häufige Kritik an solchen Pistolen hauptsächlich aus zwei Gründen erfolgt: Zum einen sind die erhältlichen Replikas wirklich grottenschlecht, zum Anderen waren Pistolen dieser Art nie für's Scheibenschießen gedacht, die Ziele die man damit treffen können sollte waren etwas gro0er,


    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Nicht besonders spektakiulär,

    aber eine alte, solide Arbeit von Peter Neihard.


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    Somit eine Lehigh/Northampton County Pistole, und wenn

    sie auch nicht zu den besonders noblen Exemplaren ihrer

    Gattung zählt, lassen sich die Merkmale der Region durchaus

    erkennen.


    PNP0002.jpgWie schlank eine Waffe konstruiert wird, fällt interessanterweise bei Pistolen

    deutlich weniger auf als bei Gewehren, aber wenn man beachtet, wie "dünn"

    das Schloss eingerahmt ist, und wie knapp darunter bereits der eingelassene

    Abzugsrahmen sitzt, kann man eine Idee davon bekommen.


    PNP0003.jpg

    Dass die Schloss-Gegenplatte deutlich schräger liegt als das

    Schloss selbst liegt nur an ihrer geringeren Höhe und daran,

    dass Neihard offenbar die vordere Befestigungsschraube

    ohne zusätzlichen Aufwand eines in den Lauf geschnittenen

    Kanals unter dem Lauf durchführen wollte.


    PNP0004.jpg

    Einige Merkmale sind typisch für die Arbeit von Peter Neihard: Einerseits

    der vergleichsweise dicke Griff, andererseits der flach zugefeilte (nicht

    gerundete) Vorderschaft, und gewissermaßen auch der Verzicht auf

    eine Nasenkappe. Gerade Peter Neihard bevorzugte bei Büchsen lediglich

    eine vorne offene Nasenkappe, gebogen aus dünnem Messingblech.

    Der kurze Lauf einer Pistole war nicht einmal diesen Aufwand wert.


    PNP0005.jpg

    Leider gibt es keine Angaben zum Kaliber, nachdem aber keine

    Visierung verbaut ist, tippe ich auf einen glatten Lauf. Was bei einer

    durchgehend 8kantigen Laufform auch bemerkenswert ist.


    PNP0006.jpg

    Ganz unabhängig von dieser Pistole ist vielleicht erwähnenswert,

    dass bei sehr vielen der damaligen Büchsenmacher ihre deutsche

    Herkunft hierzulande nicht mehr erkannt wird. Peter Neihard's

    Familie hieß zubor Neuhardt, John Shuler stammt von den "Schullers" ab,

    eine vollständige Liste würde Seiten füllen. Was in unserer ach so

    hochkulturellen Gesellschaft aber niemanden interessiert...


    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.