Alte Dame!

  • Hier 'mal eine der Büchsen, die wirklich Geschichte erzählen kann.


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    Könnte man sich mit dem Gewehr beschäftigen wäre sicher einiges mehr herauszufinden als offiziell bekannt ist,

    aber immerhin weiß man, dass es gut 250 Jahre alt ist, und im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg mit dabei war.


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    Dort wurde es auf amerikanischer Seite gegen die Briten eingesetzt.

    Allerdings ist unbekannt, ob das von Beginn an so war. Immerhin hatten die

    Briten ein deutsches Jägerregiment angeheuert, zu dem dieser Gewehr durchaus

    gut passen könnte.


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    Leicht möglich also, dass wir hier ein amerikanisches Beutestück sehen, eine Waffe

    die zunächst gegen die Revolutionäre, anschließend von den Revolutionären benutzt

    wurde. Oder auch von einem Überläufer, sonderlich motiviert waren die deutschen

    Truppen nicht, auf der Seite der Briten zu kämpfen.


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    Theoretisch wäre es auch möglich, dass es sich um die Hardware einer deutschen Jägerbüchse handelt,

    die drüben neu geschäftet wurde. Einige Leute behaupten, der Schaft sei aus amerikanischer Walnuss,

    was für deutsche Waffen eher unwahrscheinlich ist. Die Fotos sind aber IMHO nicht ausreichend gut, um

    das zu bestätigen oder zu widerlegen. Wenn ich mir Exemplare des deutschen Infanteriegewehrs 1740

    ansehe, fallen mir vom Holz her keine Unterschiede auf. Aber Fotos sind eben Fotos und nicht das echte Ding.


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    Dass die Hardware selbst auf Deutschland stammt, lässt sich nicht bestreiten. Allerdings kämpften Deutsche auch

    auf der Seite der Revolutionäre, und Friedrich Wilhelm von Steuben reiste sogar auf eigene Faust nach Amerika,

    um die Revolutionsarmee zu (re-) organisieren. Von ihm stammt das erste Drillhandbuch der amerikanischen Armee.

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    Das Gewehr ist keine amerikanische Longrifle, stand diesen aber nicht nach. Zumindest nicht

    als Kriegswaffe. Die Besonderheiten der Longrifle spielten bei dieser Anwendung keine entscheidende

    Rolle, im Gegenteil, hier war die Handlichkeit und das große Kaliber eher von Vorteil.

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    Das Kaliber ist grob .66", die Gesamtlänge des Gewehrs .44", was für amerikanische

    Verhältnisse jener Tage extrem kurz bei extrem großem Kaliber ist, insbesondere

    für eine Büchse. Trotzdem darf man davon ausgehen, dass der damalige Schütze,

    der dieses Gewehr führte, es auch durchaus schätzte. Er musste halt etwas mehr

    Blei und Pulver mit sich schleppen als die Kameraden mit den Longrifles. Aber sonst...


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    Nicht viele dieser Jägerbüchsen sind erhalten, aber einige haben die

    bald 250 Jahre seit dem Revolutionskrieg durchaus überlebt. Eine diesem

    Exemplar sehr ähnliche kann man im West Point Museum begutachten.

    Auch ein Hinweis darauf, wie sehr die Amerikaner deutsche Waffentechnik

    schätzten. Schon damals.


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    Zwar habe ich keine Ahnung, wann dieses Gewehr zum Verkauf angeboten wurde,

    jedenfalls ging es für knapp unter US% 3.500,- über den Ladentisch. Was ich angesichts

    seiner Geschichte fast als Schnäppchen betrachten würde. Egal, - im Nachhinein Jammern

    bringt auch nichts - man muss sich einfach regelmäßig durch die aktuellen Angebote wühlen,

    wenn man ein solches Stück ergattern möchte...


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    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • ... aber immerhin weiß man, dass es gut 250 Jahre alt ist, und im amerikanischen Bürgerkrieg mit dabei war.

    Ich vermute, Du meinst den Unabhängigkeitskrieg.

    Ansonsten ist die Waffe nachträglich verändert worden, denn die Bajonetthalterung rechts am Lauf (in Mündungsnähe) wurde entfernt. Solche nachträglichen Veränderungen waren aber bei ehemaligen Militärwaffen, die zivil weiter verwendet wurden, durchaus üblich.

  • Noch eine Ergänzung: Die Büchse hat optisch große Ähnlichkeit mit einer Altpreußischen Jäger-Korpsbüchse. Bis auf den Ladestock (den ich so nicht für original halte) passt da sehr vieles. Die Büchse hatte auch eine Bajonetthalterung und keinen Stecher. 1789 war angeordnet worden, dass die Büchsen keinen Stecher haben sollten. 1801 wurde da noch einmal wiederholt und auch die in den Arsenalen lagernden Büchsen entsprechend geändert.

    Die Schlosse der Büchsen tragen die Beschriftung "POTZDAMMAGAZ".

  • Schloss, Schlossgegenplate und Abzugbügel deuten auf eine Hessische Jägerbüchse hin.wie sie fr die Hessischen Jäger, aus Hessen- Kassel, Hessen- Darmstadt und Bayreuth für den Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg, in der Manufaktur in Schmalkalden hergestellt wurden, allerdings hatten diese Büchsen alle einen Stecher.

  • Schloss, Schlossgegenplate und Abzugbügel deuten auf eine Hessische Jägerbüchse hin.wie sie fr die Hessischen Jäger, aus Hessen- Kassel, Hessen- Darmstadt und Bayreuth für den Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg, in der Manufaktur in Schmalkalden hergestellt wurden, allerdings hatten diese Büchsen alle einen Stecher.

    Auf dem Schloss steht deutlich "POTSDAM...", was nicht auf Schmalkhalden hinweist. Die Form des Abzugsbügels war so in Preußen vor 1811 auch üblich. Erst ab 1811 (mit der Korpsbüchse 1811) änderte sich das.

    Die von Greenhorn vorgestellte Büchse sieht für mich immer noch wie eine zwischen 1796 und 1810 in der Gewehrfabrik Potsdam hergestellte und durch Entfernen der Bajonetthalterung nachträglich veränderte preußische Jägerbüchse aus. Wie gesagt, der Ladestock passt dazu nicht; ich glaube aber nicht, dass dieser Ladestock original zur Büchse gehört. Ein Ladestock, der sich nicht vollständig einschieben lässt und dessen Kopf deutlich vor der Mündung steht, ist irgendwie "nicht ganz koscher".

  • Ich vermute, Du meinst den Unabhängigkeitskrieg.

    'türlich! Danke! Hatte ich vor dem 2. Kaffee geschrieben, daher || ...


    Ist mittlerweile ausgebessert...


    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Die von Greenhorn vorgestellte Büchse sieht für mich immer noch wie eine zwischen 1796 und 1810 in der Gewehrfabrik Potsdam hergestellte und durch Entfernen der Bajonetthalterung nachträglich veränderte preußische Jägerbüchse aus.

    Hmm! Vorausgesetzt die amerikanischen Aufzeichnungen sind korrekt, war die Büchse bereits vor 1780 "drüben" , insofern ist 1796 keine Zahl die mir gefällt. Was nichts ausschließt, auch die Amis können sich "irren". Glaube ich in dem Fall aber nicht, denn das frühe Datum wurde nicht verwendet um den Preis hochzutreiben, und es gibt das zweite Exemplar, das unabhängig von diesem gleich datiert wurde. Leider habe ich von der Anderen keine Fotos, von dieser aber schon noch ein paar.


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    Für den Zustand der Laufbohrung, wie sie sich im einleitenden Beitrag darstellt, wirft die Frage nach einer neuen Schäftung auf.

    Dass in dem Zusammenhang einfach Verfügbares zusammengestoppelt wurde, und die Bajonetthalterung "verschwunden" ist,

    erscheint mir plausibel. Trotzdem bleibt auch dieser Ansatz Spekulation.


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    Ich frage mich, wie viel der Hardware zu einer deutschen militärischen Jägerbüchse passt. Die Nasenkappe

    meiner Meinung nach nicht. Und der Abzugsrahmen? Eigentlich stört mich der nicht sonderlich, aber hier

    frage ich mich wiederum, ob sich ein derartig verziertes Teil mit der nüchternen, geradlinigen Schaftkappe verträgt?


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    Die Schloss-Gegenplatte erscheint mir Plausibel, die war damals nicht unüblich.

    Auch die Patchbox samt Gleitdeckel ist ein Standard 08-15 Teil, wage ich zu

    behaupten.


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    Bemerkenswert ist, dass der Schaft durch Keile mit dem Lauf verbunden ist, allerdings. ohne umrahmende

    Metallinlays. In Amerika nicht unüblich aber - in Deutschland auch???

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    Den Kennern deutscher Militär-Gewehre aus der Zeit sollte möglicherweise

    der Stempel am Lauf etwas sagen. Ich war heute zu faul um zu suchen, hole ich

    aber vielleicht noch nach...


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    besten Gruß

    Werner


    Besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Ich teile diese "Spekulation" voll und das bereits seit ich die ersten der Bilder gesehen habe !


    Abgesehen der von Dir erwähnten Einzelheiten - aber bei aller Liebe zur Ausdauer mancher Schäfte, wo man oft erstaunlich Altes erstaunlich gut erhalten vorfindet,

    aber

    ein Schaft einer reinen Gebrauchswaffe, der um die 250 Jahre auf dem Buckel und mindestens einen Krieg mitgemacht hat,

    also

    der sieht m.E. nicht SO aus, wie der hier aussieht . . .


    ::dry::

    "Im Leben braucht man zwei Dinge - Ignoranz und Überheblichkeit

    und

    der Erfolg ist einem sicher."

    (Mark Twain)

  • Die Büchse entspricht in der "Metallware" sehr genau der im DWJ 9/2007 beschriebenen Hessen-Hanauischen Jägerbüchse. Der Ladestock ist nicht original, der hat so auzusehen:

    Ladestock.jpg

    Das fehlende Daumenblech, einige fehlende oder anders ausgeführte Schnitzereien und die Ausführung in amerikanischer Walnuss (dieser Erkenntnis schließe ich mich an) spricht für eine Neuschäftung. Die Verwendung des preußischen Schlosses ist nicht verwunderlich. Zugekaufte Teile oder gar die Bestellung ganzer Büchsen in Preußen sind wahrscheinlich.

    Die Büchsen, die auf hessischer Seite im Unabhängigkeitskrieg verwendet wurden, hatten keine Vorrichtung zum Aufpflanzen eines Hirschfängers oder Bajonetts. Das kam erst Ende des 18ten Jahrunderts auf und fand seine Verbreitung erst in den Befreiungskriegen.


    Insgeamt kämpften in Amerika ca 20000 Hessen auf britischer Seite, davon ca 1800 Jäger (es war also durchaus mehr als ein Regiment, alleine Hessen Hanau stellte 1777 vier Regimenter a 100 Mann) . Truppen kamen aus Hessen-Darmstadt, Hessen-Hanua, Hessen-Nassau, Hessen-Kassel, Ansbach-Beyreuth und nicht zuletzt aus Braunschweig.

    Der Sold der Jäger war höher als der der Infanterie, Desertationen und Überläufer sind hier ausgesprochen selten. Bei der Infanterie war das durchaus anders. Die Herren dieser Einhiten wurden schon beim Rekrutieren anders behandelt als die Jäger und hatten es manchmal wirklich nicht leicht. Bei Infanterie und Jägern gab es, was den Respekt vor der Person betrifft, durchaus eklatante Unterschiede, was sich in der Motivation des Einzelnen durchaus widerspiegelt.

    Zurück zur Büchse,


    ich möchte davon ausgehen, dass das gezeigte Gewehr ein Beutestück ist. Es gibt einige Originalstücke in amerikanischen Sammlungen, im West-Point-Museum z. B. befindet sich eine Büchse mit der Signatur "FL" für Friedrich II. Landgraf von Hessen-Kassel.


    Lederstrumpf

  • Möglich ist vieles. Aber wenn mich nicht alles täuscht, hatte die hessische Jägerbüchse einen Stecher. Den hat diese Büchse nicht, und es sieht auch nicht so aus, als wenn er nachträglich entfernt wurde. Der Ladestock jedenfalls ist mit einiger Sicherheit von einer Baker-Rifle.
    Ich würde trotz allem eher hier eine neu geschäftete (ehemalige) preußische Büchse zu sehen. Die Art, den Lauf mit Keilen ohne Metallumfassung zu befestigen, war auch in Preußen üblich.

    Was mir aber auffällt: Die Schwanzschraube zeigt ein deutlich anderes Korrosionsmuster als der Lauf. Das kommt mir irgendwie komisch vor.

  • Die folgenden Fotos zeigen zwar keine alte Dame, aber die erstklassige Kopie einer solchen.

    Das Original stammt von John Newcomer. Genauer von einem John Newcomer, und zwar vom Vater.

    Der ist in den Steueraufzeichnungen von Lancaster bereits 1767 als "Gunsmith" registriert, und lebte

    bis in die 1780er Jahre.


    JNew001.jpg


    Das Gewehr hat seinen Reiz. Eine Smoothrifle mit einer für die Zeit typische Mischung deutscher

    und englischer Stilelementer. Derartiges wäre sehr weit oben auf meiner "Willhaben-Liste".

    Das Original könnte der Grund für John Newcomer's Steuereintrag sein, sprich - es dürfte ziemlich

    genau aus dieser Zeit stammen. Und - obwohl glattläufig - es ist durchaus wahrscheinlich, dass es

    im Unabhängigkeitskrieg bei den "Riflemen" mit von der Partie war. Denn im Gegensatz zur Legende

    verwendeten die nicht nur gezogene Gewehre, sondern auch glattläufige Smoothrifles.


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    Die Büchsen waren die Scharfschützen-Waffen. Für Angriffe auf Offiziere, für Überfälle, oder in Schlachten um

    den Gegner gezielt an erkannten Schwerpunkten zu dezimieren und zu demoralisieren. Zwei gezielte Salven,

    und verschwinden. Weil die Ladezeit der Büchsen zu lange dauerte, und man nach mehr als 2 Salven dezimiert

    worden wäre.


    Aber man hat nicht immer das Glück, sich auf die Offensive beschränken zu können. Entsprechend war es durchaus

    angenehm, auch glattläufige Gewehre bei der Hand zu haben, die sich schnell laden lassen, zumal bei der Verteidigung

    die Zielgenauigkeit auf große Distanzen nicht so sehr gefragt ist. So lange der Gegner auf Distanz ist, kann man ja die

    Büchsen benutzen.


    JNew 003.jpg


    Das Gewehr entspricht der frühen Lancaster Schule. Eine jener Waffen, die den guten

    Ruf dieses Counties inklusive Bezirkshauptstadt in Bezug auf hochwertige Gewehre

    begründete. Wo man auch sehr früh begann, deutsche Elemente in die bis dahin üblichen

    "Fowler" britischer Herkunft zu übernehmen. Betrachtet man dieses Gewehr, findet man

    praktisch ausschließlich britische Beschläge.


    JNew004.jpg

    Der Abzugsrahmen ist jener einer Flinte, die Schaftkappe ebenso. Die zeigt sogar den

    langen Fortsatz am Kamm, der zwecks besserer Fixierung gestiftet ist. Auch die Verschneidungen

    am Schaft entsprechen jenen britischer Flinten. Auch die Schloss-Gegenplatte ist englisch.


    JNew005.jpg


    Aber der Schaft ist bereits mit Backe ausgeführt, für rein britische Flinten ein "No Go",

    Dann hätten wir die Patchbox mit Gleitdeckel, auch ein Jägerbüchsen-Detail.

    und sogar die Unterseite des Kolbens ist bereits gerade und nicht halbrund geformt.

    Was zwar zunächst unwichtig war, bald aber zur Montage eines Schutzblechs führte,

    damit der Kolben beim Laden weniger abgenutzt wurde.


    Ein schönes Exemplar, dass die Anfänge der Entwicklung amerikanischer Longrifles

    gut erkennbar darstellt.


    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Möglich ist vieles. Aber wenn mich nicht alles täuscht, hatte die hessische Jägerbüchse einen Stecher.

    Nein, Sammler, kann man so nicht sagen. Zunächst mal ist es so, dass es "die hessische Jägerbüchse" gar nicht gibt. Hessen war im 18ten Jahrhundert wie so viele heutige Bundesländer in ungalublich viele Kleinstaaten zerteilt. Teils mit eigener Währung, eigenen Grenzen etc. und auch oft eigener Vorstellung der Bewaffnung für die Einheiten.

    Bei den Jägern kam noch dazu, dass sich in den Angfangsjahren der Subsidienleistungen die Jägereinheiten vorwiegend aus Leuten rekrutierten, die im Dienst des Landesherrn tatsächlich im Forstdienst tätig waren. Diese Männer hatten eigene Büchsen und Seitenwaffen. Gerade diese Männer waren gesucht, sie waren geschickt im Pirschen, konnten das Gelände lesen und zur Deckung ausnutzen, Fährten gut lesen und waren im Umgang mit der Büchse geübt. Ideale Voraussetzungen für den mlitärischen Einsatz als Kundschafter, Späher, Flankensicherer und Scharfschützen. Später wurden diese (Spezialisten) dann knapp und auch die Bewaffnung derselben ein Problem. Viele Jäger, die dann nach Amerika geschickt wurden, hatten nicht einmal eine Büchse, sondern wurden mit Musketen losgeschickt. Man ließ bei größeren Büchsenbetrieben arbeiten, in Hanau z. B. bei A. Albrecht und A. Schwalbach, Wienecke oder Stöhr. Gekauft wurden auch größere Koningente an Büchsen von Pistor in Schmalkalden. Keiner dieser Hersteller lieferte immer identische Büchsen, es gab zwar einen Anforderungskatalog aber keine detailgenauen Vorgaben. So unterscheiden sich die Büchsen der Hersteller doch beträchtlich. Glück für den Sammler, auch eine unbeschriftete Büchse lässt sich oft gut einer bestimmten Werkstatt zuordnen.

    Die Büchsen, die Eigentum des Jägers waren, hatten oft einen Stecher. Der ist beim ruhigen Schuss auf das Wild von großem Vorteil. Bei den fürs Militär explizit beschaftten Büchsen wurden viele aus Kostengründen ohne Stecher ausgeliefert. Eigentlich würde ich sagen, überwiegten die "stecherlosen Büchsen," aber das ist nur eine Vermutung. Aufzeichnungen gibt es darüber nicht. Realstücke zeigen allerdings viele Jägerbüchsen ohne Stecher.

    Aber auch viele private Jagdbüchsen hatten einen Direktabzug und keinen Stecher. Ich habe eine Büchse aus Bamberg um 1750, die hat einen Direktabzug. Der ist allerdings so fein, dass ich den Stecher nie vermisst habe. Allerdings muss ich zugeben, auch mit dieser Büchse nie auf Wild geschossen zu haben :/


    Lederstrumpf

  • Nachtrag:

    hier ein (zugegeben sehr schlechtes) Bild einer originalen Hessen-Hanauischen Jägerbüchse. Gefertigt von Andreas Schwalbach (1750 erwähnt) in Hanau. Auf dem Daumenblech das Monogramm WL für Wilhelm Landgraf.

    Jetzt vergleichen wir doch mal die von Werner gezeigte Büchse mit dieser hier. Und finden wir doch mal die Gemeinsamkeiten und die Unterschiede heraus. Unter Berücksichtigung der ziemlich sicheren Neuschäftung und des falschen Ladestocks von "Werners Büchse".

    Jaeger01.jpg

    Wilhelm (Landgraf von Hessen-Hanau) war übrigens ein Sohn des Hessen-Kasselschen Landgrafen Friedich II, der wiederum hat trotz seines Namens nichts mit dem preußischen König zu tun, außer dass er (der hessische Friedrich) den Subsidienhandel massiv betrieb, sehr zum Missfallen seines Namensvetters, dem preußischen König Friedrich II. Aber das nur am Rande.

  • ... die im Dienst des Landesherrn tatsächlich im Forstdienst tätig waren...

    Mir fällt in diesem Zusammenhang ein, dass ich hierzulande in Museen (meist Burgen am Land)

    viele ausgestellte Jagdbüchsen aus der Steinschloss-Ära finde, deren Mündung für die Aufnahme

    eines Bayonetts "umgebaut" wurde. Sieht irgendwie pervers aus, wenn man eine Büchse mit schönem

    8kantigen geschweiften Lauf hat, und die 5cm vor der Mündung sind zylindrisch gerundet.


    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • ...Jagdbüchsen aus der Steinschloss-Ära finde, deren Mündung für die Aufnahme

    eines Bayonetts "umgebaut" wurde. Sieht irgendwie pervers aus, wenn man eine Büchse mit schönem

    8kantigen geschweiften Lauf hat, und die 5cm vor der Mündung sind zylindrisch gerundet.

    Klingt österreichisch. Jägerbüchsen aus Deutschland hatten (wenn sie denn hatten) statt dessen einen Bajonetthaken, auf den (im Fall der Fälle) der Hirschfänger aufgeschoben wurde.

    Ist auf dem kleinen Bild hier schön zu sehen.pasted-from-clipboard.png

  • Bild einer originalen Hessen-Hanauischen Jägerbüchse. Gefertigt von Andreas Schwalbach (1750 erwähnt) in Hanau.

    Stimmt alles, allerdings hatte diese Büchse kein mit "Potzdam" beschriftetes Schloss. Die Beschriftung der Schlossplatte (mit den Strichen) ist so erst deutlich nach 1750 üblich gewesen.
    Möglicherweise ist die oben gezeigte Büchse auch ein "Sohn vieler Väter" und der unbekannte Schäfter hat Teile unterschiedlicher Waffen zu einer neuen (funktionsfähigen) Büchse kombiniert.

    Aber ich denke, wir werden das hier nicht aufklären können. Und falls wir uns irgendwann mal sehen sollten, lade ich Dich auf ein Bier zum Fachsimpeln ein. :drink:

  • hier ein (zugegeben sehr schlechtes) Bild einer originalen Hessen-Hanauischen Jägerbüchse.

    Bitte vielmals um Verzeihung, mein Photoshop hat protestiert... :saint:


    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Stimmt alles, allerdings hatte diese Büchse kein mit "Potzdam" beschriftetes Schloss. Die Beschriftung der Schlossplatte (mit den Strichen) ist so erst deutlich nach 1750 üblich gewesen.
    Möglicherweise ist die oben gezeigte Büchse auch ein "Sohn vieler Väter" und der unbekannte Schäfter hat Teile unterschiedlicher Waffen zu einer neuen (funktionsfähigen) Büchse kombiniert.

    Aber ich denke, wir werden das hier nicht aufklären können. Und falls wir uns irgendwann mal sehen sollten, lade ich Dich auf ein Bier zum Fachsimpeln ein. :drink:

    Sehr einverstanden, Sammler, vor allem mit den Angebot zum Bier!!


    Ja, das Potzdam-Schloss. Deine Theorie kann wirklich stimmen mit dem "Sohn vieler Väter". Auf jeden Fall scheint das Schloss tatsächlich recht spät gefertigt zu sein. Es ist kein Hersteller vermerkt und für eine frühere preußische Ordonanzwaffe müsste wohl POTZDAMMAGGAZ graviert sein.

    Je genauer ich mir das Schloss anschaue, desto mehr suspekt (oder heisst es suspekter?) kommt es mir vor. Die Schlossplatte hinten sieht aus wie von einer billigen indischen Kopie, der Hahn hat eine völlig falsche Form. Ich muss doch heute Abend mal den Wirtgen bemühen. Ich traue diesem Schloss nicht.


    Ist auf jeden Fall eine interessante und spannende Diskussion, macht Spaß