Tradeguns

  • sind hier längst ein ziemlich ausgelutschtes Thema. Ich bekenne mich schuldig! :saint:


    Andererseits aber: Soll ich's nicht aufwärmen, wenn schon 'mal Fotos von Orignalen auftauchen?

    So viele von denen gibt's nicht.

    Aber ich sag' auch nix. Wenn Fragen auftauchen sollten, kann ich ja immer noch... 8)


    besten Gruß

    Werner


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    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Besonders nett finde ich die hier:


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    Nicht so sehr, weil das Gewehr selbst so genial ist, das ist nur eine typische Tradegun die in

    ungewöhnlich gutem Zustand rund 200 Jahre überlebt hat. Genial ist allerdings der Fotosatz

    zu dem Gewehr.


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    Hier wird wirklich schön vermittelt, wie Tradeguns gefertigt wurden. Man könnte beinahe ein

    Gefühl dafür entwickeln, warum diese primitiven Gewehre für den Fellhandel mit den Natives

    vor dem Entstehen der Longrifles auch von Weißen bevorzugt wurden.


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    Wobei ich der Meinung bin, dass dieses 1670 entstandene Design eines der bedeutendsten

    Vorbilder für die Entwicklung der Longrifle ist. Aus meiner Sicht ist die Longrifle die perfekte

    Symbiose aus Tradegun und Deutscher Jägerbüchse. Vermutlich auch der mittlerweile wieder

    vergessene Grund dafür, warum man bei der Longrifle so gerne von einer Kombination deutscher

    und englischer Stilelemente spricht. Die Tradegun war ein englisches Produkt (Auch wenn ich mit

    dieser Behauptung die französische Konkurrenz sträflich ignoriere, nur war die vom Design her

    lediglich eine etwas abgespeckte Muskete).


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    Auch wenn es nach den üblichen fertigungstechnischen Betrachtungsweisen nicht

    stimmt, genaugenommen haben die Indianer die Tradegun entwickelt. Die Europäer

    wollten Biberfelle, und taten alles, um im Fellhandel eine vorherrschende Position zu

    erlangen. Die Indianer, selbst ein Steinzeitvolk (keine Metallverarbeitung, außer von

    gediegen auffindbarem Metall = Gold) hätten nie ein Gewehr bauen können, aber

    sie waren Praktiker, die alljährlich - für die Lieferung des kommenden Jahres - Forderungen

    zur Verbesserung der Gewehre stellten. Längerer Lauf, kleineres Kaliber, schlankerer Schaft,

    …, …, …! Als deutsche Büchsenmacher die Jägerbüchse zur Longrifle weiterentwickelten, hatte

    die Tradegun auf diese Weise bereits wenigstens 80 Verbesserungszyklen hinter sich, und war

    so bereits ziemlich optimal an die Gegebenheiten des Landes angepasst.


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    In diesem Zusammenhang ist auch die Theorie zu sehen, dass in Wahrheit nicht so

    sehr weiße Siedler, sondern eben Indianer die Hauptkunden für Longrifles waren.

    Was ich für sehr plausibel halte - waren Indianer während der Kolonialzeit die Eigentümer

    von wahrscheinlich 80% der in Amerika vorhandenen Gewehre, und die Büchsenmacher

    der beginnenden Longrifle-Ära immer an der Grenze zum Indianerland angesiedelt.


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    Von den paar weißen Händlern, Trappern und Waldläufern hätten die Büchsenmacher

    nicht leben können. Zwar stieg mit dem Unabhängigkeitskrieg die Nachfrage, zu der Zeit

    wanderten aber wenige Büchsenmacher ein, die bereits Anwesenden hatten auch davor

    schon überleben müssen. Natürlich kann man den davor ausgefochtenen "French and

    Indian War" als Faktor anführen, nur: Der heißt drüben nicht umsonst "... and INDIAN war ",

    sprich, - der wurde zu einem sehr relevanten Teil von indianischen "Hilfskräften" ausgefochten,

    und die benötigten eben auch Waffen.


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    Somit lernten die deutschen Büchsenmacher die Tradeguns kennen, und

    auch die Gründe der Indianer, deren Eigenschaften zu bevorzugen. Diese

    Informationen zur Überarbeitung der eigenen Produkte zu nutzen und so

    aus der Jägerbüchse die Longrifle werden zu lassen, war eine Frage von

    Geschäftssinn und gesundem Hausverstand.


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    Dass die gezeigte Tradegun zunächst mit einer Steinschloss-Zündung ausgestattet war ist

    leicht zu erkennen. Wahrscheinlich handelt es sich bereits um ein in Amerika nach dem

    Revolutionskrieg gefertigtes Gewehr, denn die Aufzeichnungen der Hudson's Bay Company

    führen keinen "Wheeler" als Lieferanten an, während die frühen USA nicht nur Tradeguns

    fertigen ließen, sondern für den Fellhandel sogar ein eigenes Ministerium eingerichtet hatten.

    Allerdings könnten auch britische Konkurrenten der Hudson's Bay Company für das Gewehr

    verantwortlich sein, dafür könnten die Stempelungen sprechen.



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    Die amerikanischen Produkte waren 1;1 Kopien der Hudson's Bay Company Tradeguns,

    es zahlte sich (noch) nicht aus, etwas eigenes zu entwickeln, zumal die Kunden ja nach dieser

    Form verlangten. Der typische indianische Krieger besaß übrigens nicht nur ein Gewehr,

    eher ein kleines Arsenal, mit unterschiedlichen Gewehren für unterschiedliche Aufgaben.

    Die gezogene Longrifle, eine oder mehrere glatte Tradeguns, letztere in voller Länge und

    auch abgesägt.


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    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.