Berühmtheiten und ihre Arbeit

  • Gewehre von jenem Büchsenmacher, der für das gezeigte Exemplar verantwortlich ist,

    werden heute gerne kopiert. Er zählt zu den Berühmtheiten unter den damaligen

    Büchsenmachern, zudem zu einem der fleißigsten.

    Wobei man den Begriff "Berühmtheit" durchaus auch relativieren muss, denn -

    "berühmt" heißt in diesem Zusammenhang: "Heutzutage berühmt". Was in der Praxis

    bedeutet: Man muss heute von dem Mann wissen, und das passiert (fast) nur, wenn

    ein Teil seiner Arbeit erhalten geblieben ist. Und signiert. So dass man weiß, wonach man

    suchen soll, wenn man etwas herausfinden will.


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    Schließlich ist es einigermaßen blöd, wenn man keinen Namen kennt. Wonach will man

    suchen. Mag der Mann auch - damals - bekannt gewesen sein, selbst wenn es Zeitungsberichte

    von damals über ihn gibt - die nennen zwar seinen Namen, woher aber wollen wir wissen, dass

    damit der "Namenlose" angesprochen ist, den wir suchen?

    Man braucht einen Punkt, an dem man ansetzen kann. Dann kann man beginnen zu suchen, weil

    man weiß wonach man sucht. Und man hat recht gute Chancen, über die Jahre hinweg brauchbare

    Informationen zu finden.


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    Auch wenn die Forschung zu Longrifles bereits 1920 quasi offiziell begann (tatsächlich ein paar Jahre

    früher, denn die Informationen für das auslösende Buch mussten auch erst einmal zusammengetragen

    werden), und bis in die frühen 1960er Jahre einige bedeutende Werke entstanden, gab es von einem der

    bedeutendsten und einflussreichsten Büchsenmacher keinerlei Information. Man hatte zwar bereits einige

    seiner Werke gefunden, wusste das aber nicht, da sie nicht signiert waren. Man kannte die handwerkliche

    Handschrift, wusste, dass die entsprechenden erhaltenen Exemplare von ein und dem selben Mann stammten,

    aber das war's dann auch schon. Erst als eine signierte Büchse mit dieser Handschrift auftauchte, konnte

    auch die intensivere Forschung beginnen. Man hatte herausgefunden, wonach man in Geburtsverzeichnissen,

    Sterbelisten, Steuerlisten etc. etc. zu suchen hatte.


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    Bezüglich des Schöpfers dieser Büchse ist es etwas einfacher. Auch wenn man es bei ihm mit der

    "Handschrift" nicht immer leicht hat. Aber man kannte seinen Namen schon sehr früh. Man weiß,

    dass er 1740 in Deutschland zur Welt kam, dass er mit seinen Eltern nach Amerika kam, als er

    8 Jahre alt war, somit weiß man auch, dass er das Büchsenmacher-Handwerk auch erst in Amerika

    erlernt hat.


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    Aus seinen Händen gibt es einige sehr noble Büchsen, aber auch sehr einfach, fast schon hastig

    gefertigte. Was wohl daran liegt, dass er im Revolutionskrieg Büchsen für die Revolutionäre fertigte,

    und denen Verfügbarkeit und Funktionalität wichtiger war als Optik. Er passte seine Arbeit zwar den

    an seinem Arbeitsort üblichen Stil an, aber insbesondere seine frühen Gewehre zeigen auch gerne

    einmal Elemente aus einer anderen Region Pennsylvanias. Was daran liegt, dass er das Handwerk

    eben nicht an dem Ort erlernte, an dem er später arbeiten sollte. Die Schablonen seines Meisters,

    und auch eventuell mitgenommene Komponenten also nicht zu dem Stil passten, der an seinem

    Arbeitsplatz üblich war.


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    Was weder ihn selbst noch seine Kunden kümmerte. Schablonen konnte man auch von den

    Gewehren der lokalen Kollegen abnehmen, dazu hatte man ja erlernt wie man das macht, und

    die mitgenommenen Teile wurden einfach verwendet - damals warf man nichts Brauchbares weg.

    Einige seiner erhaltenen Gewehre haben daher einen sehr reizvoll eigenwilligen Stil.


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    Spätestens in den 1790er Jahren trat das damalige Kriegsministerium an ihn heran, um ihn für

    die Herstellung von Gewehren für das Militär zu gewinnen. Er akzeptierte, was darauf schließen

    lässt, dass er einerseits Lehrlinge ausbildete, andererseits aber auch Journeymen beschäftigte.

    Denn wenn man für das Militär Stückzahlen liefern soll, kommt man im Alleingang nicht weit.


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    Da aus seiner Hand aber immer noch auch noble Gewehre entstanden, vermute ich fast,

    dass er die Arbeit an den Gewehren für das Militär hauptsächlich überwachte, die eigentliche

    Fertigung aber hauptsächlich seinen Beschäftigten überließ. Mir sind diesbezüglich zwar keine

    Informationen bekannt, aber auch bei perfekter Organisation lässt sich pro Tag nur ein bestimmtes

    Pensum an Arbeit erledigen, zumal in einer Zeit als es keine Werkzeugmaschinen gab, noch nicht

    einmal für diese Arbeit brauchbare künstliche Beleuchtung. Man also weitestgehend auf Tageslicht

    angewiesen war.


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    Heute ordnet man das gezeigte Gewehr einer der "Schulen" aus Pennsylvania zu. Kaum verwunderlich,

    man findet zu Hauf Elemente dieser Schule, aber bestenfalls zwei, drei Elemente die man auch der Gegend

    zuordnen könnte, wo der Mann ausgebildet wurde. Was weder damals noch heute irgendjemanden stört

    oder gestört hat.


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    Verstorben ist dieser Büchsenmacher 1822. Wie lange er seinen Beruf aktiv ausgeübt hat,

    ist mir nicht bekannt.


    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Und welche Elemente könnten bei der gezeigten Büchse auch der Gegend zugeordnet werden, in der dieser Büchsenmacher seine Lehrzeit absolvierte?


    Interessant wären für mich auch noch die anderen Gewehre, die nicht so typisch sind. Gibt es dazu empfehlenswerte Übersichtsartikel oder Bildergalerien im Netz?

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    In meinen Beiträgen verwende ich bewusst Satire, Ironie, Sarkasmus und Übertreibungen, um zu verdeutlichen. Auch ohne Kennzeichnung dieser Stilelemente sollte sich der Leser dessen bewusst sein.

  • Greenhorn , 1790 trat das Kriegsministerium an ihn heran. - ( kleiner Zahlen - Ausrutscher )

    Yep! Danke! ist korrigiert!


    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Falls es um Jacob Dickert geht:


    Er hat offenbar bis 2 Jahre vor seinem Tod als Büchsenmacher gearbeitet: "At seventy years old Dickert still lived on Queen Street in Lancaster, where he continued to work as a gunsmith. At Dickert’s death over a decade later, the Moravian minister noted that he had “followed… the trade of gunsmith… until 2 years before his” death “with industry and great skill.”

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    In meinen Beiträgen verwende ich bewusst Satire, Ironie, Sarkasmus und Übertreibungen, um zu verdeutlichen. Auch ohne Kennzeichnung dieser Stilelemente sollte sich der Leser dessen bewusst sein.

  • Und welche Elemente könnten bei der gezeigten Büchse auch der Gegend zugeordnet werden, in der dieser Büchsenmacher seine Lehrzeit absolvierte?

    Nun, der Kolben ist nicht ganz so "Lancaster-Geradlinig" wie das bei den 100% typischen Lancasters der Fall ist. Das findet man vergleichsweise häufig, fällt also nicht wirklich auf, aber streng genommen...! Wenn man den Quellen glaubt, welche die Ausbildung von Jacob Dickert in Christian Springs sehen, also Northampton County, passt das sehr gut. Und auch die Verschneidungen hinter der Backe zeigen einen recht reizvollen Mix aus Lancaster Konturen, die aber in Northampton Art ausgeführt sind, sprich eingeschnitten, mit zusätzlichen Wellenlinien und Punkten, ...


    Interessant wären für mich auch noch die anderen Gewehre, die nicht so typisch sind. Gibt es dazu empfehlenswerte Übersichtsartikel oder Bildergalerien im Netz?

    Ich glaube nicht, dass es da etwas Vorbereitetes gibt. Und - "typisch für Lancaster" sehe ich eigentlich alle Gewehre von Jacob Dickert. Das ist wie in der Mathematik: Wenn der Wert hinter dem Komma 0.5 oder größer ist, wird aufgerundet, ansonsten abgerundet. Und wegen einem oder zwei Elementen die man anderen Schulen zuordnen kann wertet man eine Büchse noch lange nicht als "untypisch".


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    Aber beispielsweise diese Patchbox ist sicher nicht Lancaster-typisch.

    Eine Sache die man bei Jacob Dickert immer wieder 'mal antrifft. George Shumway

    zeigt eine Dickert-Büchse mit seitlich öffnender Patchbox, wie sie in Christian Springs

    und später in Bucks County gefertigt wurden. Dann gibt es - auch bei Shumway - eine

    Büchse deren Box eher an eine unverzierte Northampton-Box erinnert, mit schmalen

    Seitenteilen und symmetrischem Tulpenkopf-Scharnier-Träger.

    Jene Büchsen, die mach militärischen Vorgaben gefertigt wurden, beachte ich in diesem

    Zusammenhang natürlich nicht.


    Und wie gesagt: Jacob Dickert hat da nichts "anstößiges" getan, sondern seine Arbeit

    erledigt. Und das sehr gut. Er hat seine Individualität gewahrt, was offenbar gut ankam.

    Es gab keine Regeln, nur persönliche Angewohnheiten. Diese als "Schulregeln" zu sehen

    ist eine Erfindung der Gegenwart.


    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Um diese Geschichte von den Longrifle Schulen besser ins Gefühl zu kriegen, muss man sich auch

    von einer verklärten Sichtweise verabschieden. Die Büchsenmacher "drüben" waren keine Modedesigner,

    sie waren "Schneider", die nach der lokalen Mode arbeiteten. Ob die ihnen gefallen hat oder nicht, sei

    dahingestellt - vermutlich ja, sonst hätten sie einen anderen Job gewählt. Aber in erster Linie ging es ihnen

    darum, ihre Produkte auch zu verkaufen.


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    Jeder durchschnittliche Büchsenmacher in Deutschland (oder Europa) konnte, wenn er nach Amerika

    auswanderte und dort eine Werkstatt eröffnete, sofort mit den dortigen "alteingesessenen" Kollegen

    mithalten. Vielleicht brauchte es eine gewisse Eingewöhnungszeit um die Unterschiede der Wünsche

    amerikanischer Käufer im Vergleich zu europäischen Käufern zu verstehen, handwerklich gab es aber

    keinerlei Probleme.


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    An der lokalen Mode musste man sich auch in Europa orientieren. Diese

    Vorstellungen waren in Europa häufig schwerer zu erfüllen als in der Neuen

    Welt, weil sie mehr durch Geschmack und prestigeorientierte Motive bestimmt

    waren als durch den sachlichen Wunsch nach einer Waffe, die das eigene

    Überleben unterstützen konnte.


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    Lancaster County Büchsen sind nicht so berühmt, weil sie so großartig gefertigt waren.

    Großartig gefertigt waren die Büchsen in den anderen Counties ebenfalls, und jene die

    in Europa entstanden nicht minder.

    Lancaster war nur schlicht und ergreifend der größte Marktplatz seiner Zeit, mit der

    höchsten Konzentration an Büchsenmachern, auf vergleichsweise engem Raum, nahe

    dem Grenzland zu den Indianergebieten - wo also auch viele Gewehre verloren gingen,

    wo ständig große Nachfrage herrschte, woher also auch relativ viele Gewehre erhalten

    geblieben sind.


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    Natürlich hielten sich die Büchsenmacher an lokale Moden, - minus individueller Details.

    Die Kunden - Frontiersmen, Indianer, Händler waren oft 12 Monate oder länger in der Wildnis

    unterwegs, die lokalen Büchsenmacher Pennsylvanias und deren Vorlieben waren bekannt.

    Wem die Mode X nicht gefiel, sei es optisch oder von der "Haptik", dem kam es nicht darauf an

    nach 12 Monaten vielleicht einen halben Tag oder Tag länger zu reisen, um zu Anbietern der

    Mode B oder C zu gelangen.


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    Unter den Büchsenmachern herrschte ein - meist freundschaftlicher - Wettbewerb. Zwar schaute

    man voneinander ab, aber man wollte das Kopierte auch verbessern . So entstanden lokale Details nicht nur,

    sie entwickelten sich auch weiter. Zumal die jeweils eigene Arbeitsweise ja auch an Lehrlinge weitergegeben

    wurde, Je mehr Büchsenmacher "auf einem Haufen", desto mehr nach einem gemeinsamen Grundschema

    aufgebaute Büchsen entstanden. Das Motiv war, nicht hinter dem Nachbar-Büchsenmacher zurückzustehen.

    Heute nennt man die lokalen Grundschemen halt Schulen, wenn die Büchsenmacher damals das gehört

    hätten, hätten sie sich vermutlich mit dem Finger an die Stirn getippt.


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    Die gezeigte Büchse ist ein weiteres Exemplar von Jacob Dickert. Und zeigt das oben beschriebene

    auf recht interessante Weise. Denn - Dickert war 10 Jahre älter als Isaac Haines, letzterer war einer,

    bzw. Anfang der 1770er Jahre DER bestimmende Büchsenmacher Lancasters. Obwohl der Einfluss

    Jacob Dickerts aufgrund seines Alters früher begonnen hat, und aufgrund der Qualität seiner Arbeit

    sicher sehr groß war, zeigt diese Büchse in den Schaft Verschneidungen die American Rococo Elemente,

    die Isaac Haines eingeführt und mit ihnen die zuvor beherrschenden Barock Formen abgelöst hatte.


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    Leider ist sehr wenig über das Verhältnis der Büchsenmacher untereinander bekannt. Ob man Kontakt hatte,

    einander duldete oder einander sogar bekämpfte. Die wenigen Informationen deuten mehr darauf hin, dass

    ein freundschaftliches Verhältnis überwog. Zumindest war es üblich, für den Fall des eigenen Ablebens

    andere Büchsenmacher als Erben des eigenen Werkstatt-Equipments einzusetzen, oder sie zumindest mit der

    Verwaltung zu beauftragen.


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    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Die Interpretation von Longrifle Fotos, insbesondere solche von signierten Longrifles, ist kein Hexenwerk.

    Es sind nicht einmal großartige Kenntnisse erforderlich. Einfaches Basiswissen reicht.

    Nicht umsonst haben Größen wie Dr. George Shumway ihre Bücher als (fast) reine Bildbände ausgelegt, ohne großartigen Textteil.

    Es ging ihnen darum, das Auge der Betrachter zu schulen, und das Mitdenken zu fördern.

    Bleiben wir bei Jacob Dickert. Geboren 1840 in Mainz, 1848 mit den Eltern nach Amerika ausgewandert, wird er wohl frühestens 1850

    seine Büchsenmacher-Lehre begonnen haben. Die Lehre dauerte wenigstens 10 Jahre. oft auch 12.


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    Der Mann hat in Christians Spring das Büchsenmacher Handwerk erlernt, während seine Eltern noch in Lancaster lebten. Nach der

    Ausbildung kehrte er dorthin zurück, und fügte sich in die Büchsenmacher-Gemeinde ein. In Christians Spring entstanden die ersten

    amerikanischen Metall-Patchboxes. Man experimentierte noch. Das Scharnier des Deckels lag an dessen Unterkante, entsprechend

    klappte der Deckel nach unten.


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    Was man hier sieht, ist eine typische Lancaster County Büchse. Oben und unten geradliniger

    Kolben Verlauf, Metall Patchbox mit Gänseblümchen am Scharnierträger. Aber:


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    Das Scharnier liegt unten am Deckel, der Deckel klappt nach unten. Wie man es ihm in Christians Spring

    beigebracht hatte. Und:


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    Die Verschneidungen hinter der Schwanzschraube sind symmetrisch. Barock Stil !

    Isaac Haines, der diese Mode in Lancaster revolutioniert hat, kam 1750 zur Welt, hat die Lehre wohl zwischen

    1768 und 1772 abgeschlossen, davor kann sein Einfluss in Lancaster nicht begonnen haben.

    Das obige Gewehr von Jacob Dickert ist offenbar vor dem Einfluss von Isaac Haines entstanden, also auch

    zu einem Zeitpunkt, als als der Einfluss seiner Ausbildung in Christans Spring noch stark nachwirkte,

    Eigenständigkeit sich erst entwickelte.

    Dementsprechend ist es naheliegend, das Gewehr auf einen Zeitraum zwischen 1765 und spätestens 1775

    zu datieren.

    Natürlich kann man auch daneben liegen, aber die Wahrscheinlichkeit ist gering. Große Magie braucht es

    nicht, nicht einmal großartiges Wissen. Bloß geöffnete Augen, und die Angewohnheit, sich auch bewusst

    zu machen, was man sieht. Das ist schon das ganze Geheimnis.


    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Auf den ersten Blick dachte ich "schau mal an, ein Holzschuber", aber dann ist mir das Scharnier aufgefallen. Ist wohl ein Messindeckel für die Patchbox á la Bucks County. Bei Farbe hätte ichs gleich gesehen. Der Fluch der SW-Fotografie ::c.o.l)

  • Frühe Arbeit mit Stilelementen aus Christian Springs?

    Schnitzereien symmetrisch, barocke Formgebung, Patchbox mit unten liegendem Scharnier. Schaftoberkante nicht ganz gerade?


    Die Linien oben auf der Schaftkappe sollen auf die Herkunft hinweisen?

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    In meinen Beiträgen verwende ich bewusst Satire, Ironie, Sarkasmus und Übertreibungen, um zu verdeutlichen. Auch ohne Kennzeichnung dieser Stilelemente sollte sich der Leser dessen bewusst sein.

  • Mehr Selbstvertrauen, Schwarzer Mann ! Du irrst Dich lediglich mit den Fragezeichen 8)


    Wobei, - DIESE Schaftoberkante geht schon als "gerade" durch. :saint:


    Besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Die letzten beide gezeigten Gewehr repräsentieren recht gut den Entwicklungsstand in Lancaster

    kurz vor 1770, Dann kam der zu der Zeit gerade 'mal 20jährige Isaac Haines mit seiner Arbeit. Hier

    einmal ein kurzer Eindruck dessen, was der angerichtet hat. Heute würde man "Kleinigkeit" sagen,

    denn die Neuerung ist lediglich anders aufgebrachtes MakeUp auf den selben Produkt. Damals

    war das eine Revolution, beeindruckte und beeinflusste die komplette Büchsenmacher-Gemeinde,

    weit über Lancaster, weit über Pennsylvania hinaus.


    besten Gruß

    Werner


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    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Moin in die Runde, Schwarzer Mann ,

    mir ist da so etwas, wie ein wenig lockerer Umgang mit Stilepochen aufgefallen. Deren Gültigkeit kann ich aber nur für Europa anführen, wie weit sich in den Staaten daran gehalten wurde, kann ich nicht beurteilen. Vielleicht muss hier auch der Unterschied in den Kunstrichtungen, wie Architektur, Möbel u.s.w. - Waffen der Büchsenmacher der entsprechenden Epochen gesucht werden. Aus meiner Sicht würde ich die vorgestellten Büchsen dem Spätbarock - Rokoko - Übergang zum Klassizismus zuschreiben. Dieses natürlich aus der Sicht des Europäers.


    Viele Grüße - Breuko

  • Durchaus richtig beobachet, Breuko , der Umgang mit den Stilepochen ist tatsächlich (zu?) locker.

    Es wird - auch drüben - lediglich festgestellt, dass um 1770 in der Büchsenmacherei der Übergang von

    Barockformen zum American Rococo stattfand, ausgelöst durch Isaac Haines. Vermutlich wäre das auch

    ohne ihn passiert, aber Haines war eben der Erste, - und wer zuerst kommt malt zuerst.


    Damit war's dass aber auch schon. Ab und an wird noch erwähnt, dass man erhaltene Gewehre von

    Andreas Albrecht nur zuordnen konnte, weil man ein von ihm gefertigtes und signiertes Möbelstück

    gefunden hat, und dadurch seine handwerkliche "Schrift" auch bei ein bis drei Büchsen nachweisen

    konnte. Das ist der einzige mir bekannte spartenübergreifende Hinweis in Bezug auf Stilrichtungen.


    Dann wird gelegentlich auf "Folk Art" hingewiesen, womit aber quasi mit Bauernmalerei geschmückte

    amerikanische Gewehre angesprochen sind. Das war's dann aber tatsächlich schon, tiefer wird das

    Thema "Stilepochen" praktisch nirgendwo behandelt. Zumindest nicht in der mir bekannten Fachliteratur

    bezüglich unseres Themas. Ob das ein Versäumnis ist, will ich gar nicht beurteilen. Mir geht nichts ab, ob

    die Berücksichtigung des Themas zu neuen Erkenntnissen führen könnte, weiß ich schlicht und ergreifend

    nicht. Hat mich bisher - zugegebenermaßen - auch nie wirklich interessiert,


    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.