One of Sixty-Nine

  • Wenn ein - zu seiner Zeit - bedeutender Waffenproduzent von einem

    erstklassigen Gewehr nur 69 Exemplare auflegt, darf man davon ausgehen,

    dass es sich um eine Spezialität handelt, für einen ausgewählten Kundenkreis

    handelt, die dann eventuell sogar schon vorab gewidmet sein können.


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    Hier handelt es sich um eine Sharps 1874 in (einer) Schützen Ausführung. Meiner

    Meinung nach ein wirklich schönes Gewehr, welches die Herzen von Sharps

    Fans wohl höher schlagen lassen könnte.


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    Dieses Exemplar stammt aus der Sammlung von einem Frank Sellers (wer immer das

    war oder ist) und wurde vor einigen Jahren berkauft. Um rund € 9.000,-- . Nicht unbedingt

    ein Schnäppchen, aber auch kein Preis der mich erschreckt.


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    Wobei man aus meiner Sicht wenig findet, was die Bezeichnung "Sonderausführung"

    rechtfertigt. OK, da ist der Kolben mit Backe, und natürlich die Handauflage, aber das

    war's dann auch schon. Mag sein, dass die "inneren Werte" - Toleranzen, Drall etc. -

    speziell auf den Zweck als Scheibengewehr gewählt sind, aber solche Details fallen eben

    von außen nicht auf.


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    Leider hab' ich keine Information bezüglich des Kalibers, würde einige der Sharps Schützen

    sicher interessieren. Offenbar handelt es sich auch um keines der "Creedmore" Exemplare

    mit Tunnelkorn inklusive Wasserwaage. Immerhin aber findet man genau dieses Exemplar

    im Buch "Sharps Firearms" genauer beschrieben - sofern man das Buch besitzt. Was nicht

    weiter verwunderlich ist, schließlich ist dieses Buch vom einstigen Besitzer dieses Gewehrs

    verfasst worden.


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    Beeindruckend finde ich, dass dieses Gewehr ausgesprochen ästhetisch wirkt, obwohl es

    keinerlei überflüssigen Schnickschnack aufweist, sondern ganz nüchtern für seine Funktion

    als Scheibenbüchse gefertigt ist. Neben der Qualität ist dieses kühle Ästhetik meiner Meinung

    nach eine der herausragenden und typischen Merkmale von Sharps Gewehren. Sie kommt

    auch bei diversen Replikas recht gut 'rüber, aber nicht so gut wie bei Originalen.


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    Woran genau das liegt, oder ob das nur Einbildung meinerseits ist, kann ich nicht

    beurteilen. Ich hatte schon den Verdacht, dass man den Originalen die damals noch

    übliche Handarbeit im Gegensatz zur NC-Fertigung ansieht, mittlerweile vermute ich

    eher, dass es die Gebrauchsspuren sind. Denn eine gebrauchte Replika kommt vom

    Aussehen her einer originalen Sharps Büchse deutlich näher als ein fabrikneues

    Exemplar.


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    So, ausgeschwafelt! Letztes Foto von dem Gewehr, und das war's dann auch schon.

    Wehren würde ich mich nicht, wenn mir so ein Stück in die Hände fällt, das geht

    Euch aber wohl auch so.


    SHSC008.jpg


    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Dieses Exemplar stammt aus der Sammlung von einem Frank Sellers (wer immer das

    war oder ist) und wurde vor einigen Jahren berkauft

    Frank Sellers war oder ist DER Sharps Spezialist, er hat 1978 das Buch "Sharps Firearms" herausgebracht, das natürlich auch in meiner Sammlung vorhanden ist.


    Ok, hätte deine Ausführungen erst ganz lesen sollen. ::c.o.l)

    Happy Trails


    Texas Jack


    SASS life # 55314


    BDS Western # 625


    “They Knew Their Duty And They Did It,” John S. “Rip” Ford, Texas Ranger

  • Es ist keine Sharps Modell 64, sondern ein Modell 1874, Die Serie (eine Sonderbestellung für einen Verein) wurde zwischen Juli 1877 und Oktober 1878 gefertigt. Auftraggeber war das "New York Central Schuetzen Corps", Präsident dieses Vereins war C.F.Gennerich.
    Im Verein wurde stehend freihändig geschossen, deshalb wählte man ein dafür besser geeignetes Kaliber als die recht leistungsstarken "Creedmoor-Kaliber". Das Kaliber dieser Waffe ist wahrscheinlich 40/60 1 11/16 Bottle necked.

  • Es ist keine Sharps Modell 64, sondern ein Modell 1874

    Tippfehler, sorry! Ist korrigiert. "64"er gab's nach meinem Wissen garnicht...:saint:


    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Dann will ich mal im Detail "pingelig" sein :

    Der Handstütze, genaugenommen der Verschraubung, fehlt es nach meinem Verständnis durchaus an "handwerklicher Eleganz",

    diese Verschraubung ist mir etwas zu einfach gehalten - aber das ist jetzt auch das Einzige, was ich nicht so gelungen finde.

    "Im Leben braucht man zwei Dinge - Ignoranz und Überheblichkeit

    und

    der Erfolg ist einem sicher."

    (Mark Twain)

  • Da bin ich durchaus bei Dir, Captain Cat ,

    und mir ist auch nicht ganz klar, warum da offenbar anderes Holz genommen wurde. Passt auch nicht soo toll.

    Offenbar war beides nicht so wichtig, gekonnt hätte man, offenbar wollte man nicht.


    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • und mir ist auch nicht ganz klar, warum da offenbar anderes Holz genommen wurde. Passt auch nicht soo toll.

    Da bin ich mir nicht so ganz sicher ob das wirklich völlig anderes Holz ist oder doch nur nutzungsbedingt heute so wirkt !


    Gewisse Kontraste sind bei Naturmaterial natürlich immer möglich, manchmal sogar gewollt, oder einfach nötig, weil nicht genug Restmaterial vom Schäftungsholz zur Verfügung stand.


    Manche der Bilder geben aber durchaus her, daß das ursprünglich zumindest ähnliches Holz gewesen sein könnte, da schimmert bei genauer Betrachtung

    noch heller Nußbaum an verschiedenen Stellen durch.


    Habe das erst kürzlich bei einer originalen und stark vernachlässigten Büchse gesehen, die ein Schützenkamerad vom "jahrhundertealten Handschweiß, Öl und Dreck"

    befreit hat : Vor der Prozedur war der Schaft praktisch "schwarz" - danach ein wirklich schöner Nußbaumschaft.


    Möchte deshalb auch hier nicht völlig ausschließen, daß das Holz ursprünglich dem Schaftmaterial zumindest deutlich ähnlicher war,

    als es jetzt wirkt.

    "Im Leben braucht man zwei Dinge - Ignoranz und Überheblichkeit

    und

    der Erfolg ist einem sicher."

    (Mark Twain)

  • Es gibt auch keinen Grund, sich sicher zu sein, Captain Cat , ich würde, sofern ich den Beitrag gelesen und nicht verfasst hätte, wahrscheinlich den selben Einwand vorbringen. Aus meiner Sicht spricht aber einiges dagegen. Einerseits trugen Bewerbsschützen damals gerne Handschuhe. Schweiß ist also nicht zwangsläufig ein Faktor. Und Pulver? Sollte auf das Gewehr zumindest Stellenweise intensiver wirken als auf die Handstütze.


    Dazu kommt: "Wegen 69 Stück selbst Aufwand betreiben?" Ich gehe durchaus davon aus, und ich habe mich wohl auch zu undeutlich ausgedrückt.

    Wenn man heute einen vorgefertigten Schaft mit Gleitbox bestellt, ist das Holz für den Gleitbox-Deckel nicht nur vom selben Baum, Sondern mit wenigen Zentimetern Spielraum (mehr Abstand) von genau jener Stelle, an der er dann auch eingesetzt werden soll. Mit dem Ergebnis, dass sogar die Maserung weitgehend genau mit jener des Kolbens an der entsprechenden Stelle übereinstimmt.


    Wenn der Schaft an der Backe und am Schafthals ähnlich dunkel wäre hättest Du mit Sicherheit recht, so tippe ich aber eher auf ein zugekauftes Teil. Vielleicht das gleiche Holz, aber anders Finish.


    100% sicher bin ich auch nicht...


    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Einerseits trugen Bewerbsschützen damals gerne Handschuhe. Schweiß ist also nicht zwangsläufig ein Faktor.


    100% sicher bin ich auch nicht...

    Ja, aber vermutlich trugen sie keine seidenen Glacehandschuhe sondern diejenigen aus Leder, mit denen man das Pferd sattelte, die Zügel hielt, den Pflug in die Furche drückte oder als Geschäftsmann die Waren im Lager stapelte und auch sonst den Tag über arbeitete ohne sie täglich zu wechseln - kurz deutlich speckiger als unsere coronadesinfizierten Pfötchen heute sind

    ;)


    Aber, wie Du richtig sagst, "sicher" kann sich niemand sein und so bleibt die Freude am Spekulieren und Ausleben der Fantasie -

    was doch bei fast allen historischen Themen ein Teil des Ganzen ist

    ::frinds::

    "Im Leben braucht man zwei Dinge - Ignoranz und Überheblichkeit

    und

    der Erfolg ist einem sicher."

    (Mark Twain)

  • Ist es denn sicher, dass die Handstütze nicht nachtäglich ergänzt wurde? Dies würde so Manches erklären.

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    In meinen Beiträgen verwende ich bewusst Satire, Ironie, Sarkasmus und Übertreibungen, um zu verdeutlichen. Auch ohne Kennzeichnung dieser Stilelemente sollte sich der Leser dessen bewusst sein.

  • Nachdem die nach meinen Informationen bei allen 69 Exemplaren dabei ist, eher nicht, Schwarzer Mann !


    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.