Stoudenour

  • Die Stoudenours waren eine kleine, aber nicht unbedeutende Büchsenmacherfamilie in Pennsylvania.

    Vater John, sowie dessen Söhne John Jr. und Jacob. Einige ihrer Arbeiten sind erhalten, darunter wirklich

    sehr schöne Exemplare. Die hier gezeigte ist allerdings leider nicht besonders gut erhalten.


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    Auch wenn es sich um keines der frühen Exemplare aus der Familie handelt,

    war es zunächst mit einer Steinschloss - Zündung ausgestattet. wurde aber irgendwann

    auf Perkussionszündung konvertiert. Und das leider nicht besonders sorgfältig sondern mit

    irgendeinem, möglicherweise militärischen Hahn.


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    Das Gewehr ist ein recht gutes Beispiel dafür, dass auch noble Rifles meistens

    keine Wallhanger waren, sondern durchaus intensiv genutzte -_Gebrauchsgegenstände

    gelegentlich eben auch verbraucht.


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    Die Herkunft des Gewehrs ist ziemlich eindeutig, der Stil unverwechselbar.

    Auch wenn das konvertierte Schloss die Merkmale etwas verwischt, wäre es

    auch ohne Signatur recht leicht zuzuordnen.


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    Nicht schwer zu erraten, das Gewehr stammt von John Jr., der Vater begann seine Karriere

    soweit ich weiß noch im 18 Jahrhundert und lebte in den 1830ern nicht mehr, arbeitete aber

    zumindest nicht mehr als Büchsenmacher.


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    Jacob und vermutlich auch John Jr. lernten das Handwerk nicht ausschließlich

    bei ihrem Vater, sondern auch bei dem wohl bedeutendsten und prägendsten

    Büchsenmacher der Region, Peter White, von dem sie auch viele seiner stilistischen

    Merkmale übernahmen.


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    In der Region setzte sich, nur lokal aber eben doch, eine sehr merkwürdige Einstellung

    zum Büchsenmacher Handwerk durch. Man fertigte alle Komponenten einer Büchse selbst,

    kaufte so gut wie nichts zu. Die Longrifles der Gegend waren zunächst stilistisch sehr modern,

    allerdings war man dermaßen stolz auf diese lokale Kunst, dass man sich gegenüber den

    tatsächlichen modernen Entwicklungen verschloss und bis ins 20. Jahrhundert hinein Longrifles

    fertigte.


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    Allerdings war man auch gut und bekannt genug, um ausreichend Käufer zu

    finden, auch in einer Zeit als Hinterlader mit mehrschüssigen Magazinen für

    vergleichsweise geringe Preise zu zehntausenden die Fabriken verließen.


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    Das Gewehr wäre es jedenfalls wert, einem guten Restaurator in die Hände zu fallen.

    Der Zustand ist eigentlich recht gut, das Schloss müsste stilgerecht rekonvertiert werden,

    zudem wären einige verlorengegangene bzw, gebrochene Inlays zu ersetzen sowie jede

    Menge Messing und/oder -´Silbernägel. Keine unlösbare Aufgabe,


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    Auch wenn der Stil den Anhängern der sachlich-nüchternen Büchsenmacherkunst

    nicht so sehr liegt, diese Schule gehört mit zu meinen absoluten Lieblingen. Leider

    nicht nur zu meinen, obwohl relativ viele Originale erhalten sind, sind die Preise

    für Menschen mit normalem Einkommen nicht bezahlbar.


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    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Nicht mein Ding. Dieser Flickenteppich in Messing und Silber ist überhaupt nix für mein Auge.

    Gottseidank sind die Geschmäcker unterschiedlich, wäre sonst langweilig.

    :thumbup::thumbup::thumbup:

    Ganz genau so ist es! Mehr noch - hätten alle den gleichen Geschmack, würde

    viel zu viel Anderes unter den Tisch fallen, das sich die Beachtung und Wertschätzung

    aber um Nichts weniger verdient.

    Auch wenn Menschen immer wieder blöd genug sind um über Geschmack zu streiten,

    die Unterschiede sind in Wahrheit von entscheidender Bedeutung für eine freie, offene

    Gesellschaft.


    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Anbei noch eine Arbeit des Bruders, sprich Jacob Stoudenour.

    Zu sagen gibt es nichts, die Bilder sprechen für sich.


    Nur eine Kleinigkeit: Vermutlich ein Frühwerk von Jacob. Heute vermutet man

    aufgrund von Details in den Arbeiten, dass Jacob Stoudenour seine erste Lehrzeit

    bei George Schroyer absolvierte, eventuell auch teilweise bei John Armstrong.

    Gerade diese Büchse enthält Elemente und Komponenten, die darauf hinweisen.


    Die abschließende Ausbildung erfolgte wie oben erwähnt durch Peter White. Vermutlich

    nicht ganz uneigennützig, denn White übersiedelte nach Uniontown, während Jacob dessen

    Werkstatt in Colerain übernahm.


    Besten Gruß

    Werner


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    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Unbekannt, Lederstrumpf, von der Optik her eher ja.


    Dieses Schloss wurde rekonvertiert, also von Perkussionszündung wieder auf Steinschlosszündung zurückgebaut.


    Es ist aber möglich, dass man "damals" das originale Steinschloss gar nicht konvertiert hat, sondern gleich durch ein vorhandenes

    bereits konvertiertes ersetzt hat. Geht flotter...


    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Die Art der Konvertierung ist typisch amerikanisch und nennt sich "nipple and drum"

    So ist es!

    Nur hat man für ein solches Gewehr meist einen passenderen Hahn gewählt, wenn's nicht gerade ganz dringend fertig werden musste. :saint:


    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Die folgende Büchse stammt von einem ebenfalls nicht ganz unbekannten Kollegen

    der Stoudenours, nämlich von George Slonaker.


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    Slonaker kam 1797 zur Welt, wo er das Büchsenmacher Handwerk erlernte habe

    ich noch nicht herausgefunden. Jedenfalls aber arbeitete er ab ca. 1820 als Büchsenmacher.

    Sein Stil entspricht jenem der sog. "Bedford Schule", was man aber nicht ganz so tierisch ernst

    nehmen darf, da dieser Stil in West Pennsylbania sehr verbreitet war, sei es in Somerset County,

    Indiana County, und einigen anderen Bezirken der Gegend.


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    George Slonaker dürfte nicht besonders seßhaft gewesen sein, man kennt mehrere Wohnorte von ihm.

    Seine Geschichte lässt vermuten, dass man in damaligen Siedlungen bemüht war, Waffenschmiede

    anzuwerben, so wie man hierzulande versuchte, Bäcker, Schneider oder Schuster direkt im eigenen Ort

    zu haben. 1827 bauten ihm George Steer und dessen Sohn Frederíck seine neue Werkstatt - das erste

    Gebäude der soeben gegründeten Ortschaft Smicksburg, West Mahoning Township, Indiana County.


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    Im Jahr 1848 findet man ihn in Union Township/Bedford, dort wird er auch im Stoeckl erwähnt.

    Von seiner Arbeitsweise war George Slonaker der typische Bedford County Büchsenmacher. Er

    kaufte keine Teile zu - abgesehen von Rohmaterial - sondern fertigte alle Teile selbst. Das begann

    mit dem Schieden des Laufs und der Schlossteile und endete beim Gießen der Rohlinge für

    die Messingbeschläge.


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    Für Silberbeschläge und Inlays mussten vermutlich Silberdollars herhalten,

    die damals günstigste und vor Allem schnellste Methode um an Silber zu

    kommen.


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    Die Gewehre aus Bedford sind so ziemlich die einzigen Longrifles,

    bei denen ich die Exemplare mit Perkussionszündung der Steinschloss-

    Variante vorziehe. Die dortige Variante den Hahn zu Formen finde ich

    einfach süß. beim Steinschloss findet man keine individuelle Ausprägung

    dieser Art.


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    Mein Geschmack reiht die Bedford Rifles gleich nach Northampton

    County auf Rang zwei. Was aber wirklich nur -Geschmack ist, denn

    was das Können und die Qualität betrifft, waren die Büchsenmacher

    quer durch's Land auf gleichermaßen hohem Niveau. George Slonaker

    wurde übrigens 78 Jahre alt, seine Grabstätte ist erhalten und kann in

    der Mount Union Cemetery in der Nähe von Lovely, Bedford Cty besucht

    werden.


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    Besten Gruß


    Wermer

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.