(Nicht ganz so ) Alte Longrifle

  • Es ist schon recht interessant, welche Objekte heutzutage auf

    dem Markt auftauchen. Ich kann mir gut vorstellen, dass man als

    Laie völlig überfordert ist. Selbst als vielleicht gerade 'mal Halbgebildeter

    wie ich kann man sich ganz schön in die Nesseln setzen. Eine Frage die

    sich auch bei vergleichsweise günstigen Preisen, in dem Fall grob € 2.200,-,

    stellt ist: "Kaufe ich da ein historisches Objekt, oder kaufe ich Schrott?"


    JS0001.jpgEin solches Gewehr würde durchaus in mein Beuteschema passen, allerdings

    sollte es die Ausgabe auch Wert sein. Wobei ich s noch vergleichsweise einfach

    habe, weil ich mir auf die Dinge die ich sehe einigermaßen einen Reim machen

    kann.


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    Nur ist es halt wie bei allen anderen Bereichen auch hier so: Wenn man sich

    mit dem Thema nicht jahrelang beschäftigt hat, wie will man denn mit

    einigermaßen ausreichender Wahrscheinlichkeit auf Distanz erkennen,

    was man da kauft?


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    Auf die Angaben der Anbieter kann man sich selten verlassen. Zum einen

    wollen die möglichst hochpreisig verkaufen, zum Anderen haben sie häufig

    selbst wenig Ahnung, speziell wenn es sich um Objekte handelt zu denen es

    wenig bzw. wenig passende Fachliteratur gibt.


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    Will man Information zu einem Revolver, von dem 300.000 Stück gefertigt

    wurden, kommt man vielleicht mit einem einzigen Buch aus. Will man aber

    Information zu einem aus vielleicht 300.000 von einander unabhängigen

    Einzelstücken verschiedenster Büchsenmacher, kommt man vielleicht mit

    einer ganzen Bibliothek nicht aus.


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    Da bleibt dann oftmals nicht viel übrig außer möglichst genau

    zu schauen, und aufgrund des Gesehenen zu interpretieren, vielleicht

    auch nur zu raten. 100%ige Treffer wird man nicht erzielen, mit etwas

    Glück kommt man aber auf die Fährte des Stücks, und somit auf ein

    brauchbares Gefühl dafür, ob man sein Geld bekommt, was man

    erwartet, oder ob es einfacher und auch nicht nutzloser gewesen

    wäre, sein Geld zum Fenster hinauszukippen.


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    Mit Sicherheit kann man sagen, dass das Gewehr nicht aus einem der modernen

    Longrifle Bausätze stammt. Also eine "Fälschung" in dem Sinn ist es nicht. Kann

    man sagen, aus welcher Zeit es stammt? Hmm? Nicht ganz einfach.


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    Wobei man durchaus feststellen kann, dass das Gewehr aus der Zeit zwischen

    1820 und 1850 stammen könnte, auch die Signatur weist darauf hin. Büchsenmacher

    "I. Sowers" oder auch "J.Sowers" war zu der Zeit in Philadelphia/PA aktiv, was zu der

    - hier kaum leserlichen - Signatur passen würde.


    JS0009.jpg

    Der wesentliche Hinweis ist also vorhanden. Man weiß, was man "in der Hand hat" -

    oder haben sollte. Die folgende Frage ist dann eben: Sieht man mehr? Und auch:

    Wie viel will man sehen? Hat man pingelig zu sein? Oder wird man zu pingelig?


    JS0010.jpg

    Ganz uninteressant ist das Gewehr jedenfalls nicht. Ob es das geforderte Geld auch

    wert ist, sei zunächst einmal dahingestellt.


    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Letztendlich wie bei allen historischen Originalen - es ist das "wert" was jemand dafür zu zahlen bereit ist.


    Wir hatten das ja schon öfter angesichts richtigen Schrottes, der aber aufgrund teils fragwürdiger Historie und "Einzigartigkeit" aberwitzige Summen erbrachte.


    Hier scheint es sich doch um ein insgesamt recht ordentlich erhaltenes Original zu halten, das insgesamt zu einem auch objektiv verständlichen Preis angeboten wird.

    Wer an so etwas Interesse hat, schmeißt sein Geld sicher nicht raus, wenn er zulangt - falls Laufinnenzustand und Mechanik in Ordnung sind.

    "Im Leben braucht man zwei Dinge - Ignoranz und Überheblichkeit

    und

    der Erfolg ist einem sicher."

    (Mark Twain)

  • Danke, Captain Cat ! :thumbup:


    Ich widerspreche gerne! grin-.)

    Nicht Deiner grundsätzlichen Aussage sondern bezüglich des "ordentlich erhaltenen Originals".


    Beim vorletzten Foto habe ich kapiert, was mich bereits zuvor etwas stutzig gemacht hatte. Übrigens der Grund,

    warum ich das Gewehr hier zeige.


    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Du hast recht. Das Gewehr sieht mir einfach zu gut aus.

    Angeblich wurden mit alten Teilen auch " Totalrestaurationen" gemacht.

    Wobei das, wenn es gut gemacht wurde, auch so seinen Wert hat.

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    In meinen Beiträgen verwende ich bewusst Satire, Ironie, Sarkasmus und Übertreibungen, um zu verdeutlichen. Auch ohne Kennzeichnung dieser Stilelemente sollte sich der Leser dessen bewusst sein.

  • Der Anzugsbügel könnte erneuert sein

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    In meinen Beiträgen verwende ich bewusst Satire, Ironie, Sarkasmus und Übertreibungen, um zu verdeutlichen. Auch ohne Kennzeichnung dieser Stilelemente sollte sich der Leser dessen bewusst sein.

  • Der Anzugsbügel könnte erneuert sein

    Gut möglich. Jedenfalls aber ist der Abzugsrahmen erneuert. Schön klassisch

    gestiftet, vorn möglicherweise durch die alte Bohrung, hinten durch eine neu gesetzte.

    Denn der originale Abzugsrahmen war zumindest hinten verschraubt, und um Einiges

    länger! Möglich, dass er auch vorne verschraubt war, dann ist die Bohrung durch den

    Neuen verdeckt. Jedenfalls ist hier nicht alles so alt, wie man dem Käufer glauben

    machen möchte.


    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Die Schlossgegenplatte - so etwas habe ich bisher auf keinem der von Dir eingestellten Schätzchen gesehen. Du kannst doch meist einige Ableitungen auf Grund von Stilelementen machen, Werner. Was gäbe es zu dieser Büchse zu sagen (vermuten)?

    Woher soll ich wissen was ich denke, bevor ich nicht gehört habe was ich sage?

  • Danke, Captain Cat ! :thumbup:


    Ich widerspreche gerne! grin-.)

    Nicht Deiner grundsätzlichen Aussage sondern bezüglich des "ordentlich erhaltenen Originals".

    Das mit dem gerne widersprechen ist mir gerade bei Dir noch nie aufgefallen

    :hyster:


    Ansonsten bedeutet ein "ordentlich erhaltenes Original" nach meinem Verständnis nicht Ursprünglichkeit bis zur letzten Schraube, dazu gehören ebenso selbstverständlich im Laufe des Lebens und Gebrauchs notwendige Reparaturen und Ergänzungen die sogar nicht zwingend dem ursprünglichem Teil 1:1 entsprechen müssen, durchaus der Zeit der durchgeführten Ergänzung oder Reparatur zuzuordnen sein dürfen.


    Das gilt doch im Prinzip für alle "Altertümer" - die Farben mit denen ein alter Meister restauriert wird sind genau so wenig zu 1:1 identisch, wie das Material aus dem ein Karosserieteil eines alten Kfz. geformt wird.


    "Altern heißt Leben und Leben heißt Veränderung" - es darf nur nicht völlig aus der Art schlagen.


    Ein Inliner oder ein Nachziehen des Laufes in einem Original VL ist für mich (!) historisch korrekt - eine Nirosta Neubelaufung wäre für mich nicht mehr tolerierbar.


    Also alles eine Frage der Wertung und Kompromißbereitschaft !

    "Im Leben braucht man zwei Dinge - Ignoranz und Überheblichkeit

    und

    der Erfolg ist einem sicher."

    (Mark Twain)

  • Was gäbe es zu dieser Büchse zu sagen (vermuten)?

    Müsste ich ragen, snigelfritt, würde ich meinen, dass hier einfach nur die Schraube zur Schlossbefestigung vorhanden war.

    Solche Schrauben waren gerne 'mal nur von einer Beilagscheibe unterlegt.

    Nachdem die Schlossbefestigung eines Steinschlosses mit nur einer Schraube etwas mager ist, kann es in dem Bereich zu

    Beschädigungen gekommen sein, die zu einer Reparatur mit einer größeren Platte geführt haben. Vermutlich ist auch diese

    verloren gegangen und wurde erst zur Vorbereitung des jetzigen Verkaufs durch irgendeine Schraube aus einem Hobbymarkt

    und einem Stück (zu klein) zugeschnittenen Messingblechs ersetzt. Zumindest sieht mir die Schraube nicht nach einer

    Eisenschraube des 19. Jahrhunderts aus.


    Merkwürdig an dem Gewehr - aber ohne echte Indizien auf eine Manipulation: Die Patchbox entspricht der Form, die in den

    1820er/1830er Jahren gerne verwendet wurde. Das Schloss eher jener deutscher Importware, die in den 1780er Jahren bis vielleicht

    1810 bevorzugt wurden. Sieht aber von der Kontur der Ausnehmung im Schaft wie das originale Schloss aus, es könnte aber auch ein

    modernes Schloss verkleinert worden sein um zu passen, das künstliche verwittern ist kein Problem. Wäre aber gut gemacht, was dann

    wiederum dem Pfusch an der Schlossgegenplatte widerspricht.


    Dermaßen lange, so weit über die Maße des Schlosses hinausgehende Schloss-Paneele habe ich auch noch nicht oft gesehen, nur - dieser

    Teil der Arbeit ist wirklich alt, sowas geht nachträglich nicht.


    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.