Remington Root Pocket Revolver

  • ist zugegebenermaßen nicht die korrekte Bezeichnung dieser Waffe,

    aber ein unter Sammlern üblicher Spitzname.

    Das "Warum" ist zumindest für Kenner der Revolver dieser Zeit vermutlich

    auf den ersten Blick zu sehen. Man braucht kein Experte zu sein.


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    Korrekter formuliert handelt es sich um den Beals Pocket Revolver. Fordyce Beals

    war in den 1850er Jahren vermutlich der einzige Konstrukteur, den Samuel Colt

    wirklich ernst nehmen musste - sieht man von dem aus der eigenen Firma stammenden

    Rollin White ab, der nach Ablehnung seines Hinterlader-Konzepts die Firma verließ und

    mit Horace Smith und Daniel Baird Wesson zusammenarbeitete. Dabei handelt es sich aber

    bereits um den zweiten Schritt der Entwicklung, den ersten ging der damals 47 Jahre alte

    Fordyce Beals.


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    Samuel Colts Revolverkonstruktion war patentrechtlich geschützt. Inhalt dieses Schutzes war Colts Erfindung,

    durch das Spannen des Hahns die Trommel zu rotieren, somit eine geladene Kammer hinter den Lauf zu bringen

    und dort zu arretieren. Durch diese Definition war es anderen Waffenproduzenten praktisch unmöglich, gleichwertige

    Revolver legal herzustellen. Lediglich Fordyce Beals hatte dazu Ideen, und erhielt 26. September 1854 das US Patent

    No. 11715 für einen Mechanismus, der die Trommelbewegung nicht über den Hahn, sondern über den Abzug steuerte.


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    Nachdem Beals bei Remington Gewehre fertigte und man bei Remington zu diesem Zeitpunkt von Faustfeuerwaffen nichts

    wissen wollte, hatte er bei Eli Whithney jun. angeheuert und entwickelte dort auf Basis seines Patents den "Walking Beam"

    Revolver. Nicht sehr erfolgreich, aber immerhin eine funktionierende Umgehung von Colts Patent. Die Einzige. Alle anderen

    Konstrukteure hatten lediglich manuell zu drehende Trommeln zusammengebracht. Oder eben Colts Patent verletzt,.


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    Bei Remington erkannte man die Bedeutung, die Faustfeuerwaffen gerade erhielten, und kauften Fordyce Beals von Whithney

    zurück. Beals erwarb zwei neue Patente - No. 15167 am 24. Juni 1856 und No. 17359 am 26 Mai 1057. Nachdem zu der Zeit Samuel

    Colts Patente auch ausgelaufen waren, fabrizierte Remington auf Basis dieser beiden Patente nun den Beals Pocket Revolver. Mod. 1


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    Dieser hatte einen normalen Abzug mit Abzugsrahmen, und sah noch etwas "zusammengestoppelt" aus,

    hatte aber bereits den für Remington Revolver typischen geschlossenen Rahmen. Anfang 1858 erschien

    das zweite Modell, des "Remington Beals Pocket", nun bereits mit Sporn Abzug. In September dieses Jahres

    erhielt Fordyce Beals dann das berühmte Patent 21478, das die Trommelachse durch die geschlossene

    Ladepresse arretierte bzw. sie im geöffneten Zustand zum schnellen Trommelwechsel freigab.


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    Diese Konstruktion wurde nicht nur für die Army und Navy Revolver Remingtons

    benutzt, sondern zunächst für das dritte Modell des Remington Beals Pocket, das den Spitznamen

    "Remington Root" erhielt. Wegen seiner Ähnlichkeit zum Colt 1855 Root, und aus Gefallen an dem Wortspiel,

    weiß der Revolver auch die "Wurzel" für die nun folgenden Remington Revolver wurde.



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    Womit eigentlich das Wesentliche erzählt ist, allerdings gibt es noch ein paar

    hübsche Bildchen, und die möchte ich nicht für mich behalten.


    besten Gruß

    Werner



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    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Danke für die Vorstellung.

    Der Revolver und seine Geschichte gefällt mir.

    Ich dachte immer, jeder Mensch sei gegen Krieg, bis ich herausfand, dass es welche gibt, die dafür sind, besonders die, die nicht hingehen müssen. (Erich Maria Remarque)


    Das Volk hat das Vertrauen der Regierung verscherzt. Wäre es da nicht doch einfacher, die Regierung löste das Volk auf und wählte ein anderes? (Berthold Brecht)

  • Auch Dankeschön, pgj !


    Ein paar Bilder von einem - ausgesprochen hübschen und gut erhaltenen - Brüderchen hab' ich noch...


    bei beiden Exemplaren ist übrigens bei den Aufnahmen von der linken Seite der - hier noch außen liegende -

    Mechanismus gut zu erkennen, mit dem Fordyce Beals für den Trommeltransport sorgte.


    besten Gruß

    Werner


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    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Nur der Vollständigkeit halber ein paar Bilder der Revolvers zum

    ersten Patent von Fordyce Beals, jenem aus dem Jahr 1854.


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    Die Mechanik sorgte dafür, dass durch das nach vorne Drücken

    und zurückziehen des Ringabzugs die Trommel rotiert und anschließend

    arretiert wurde. Zwar zu dieser Zeit noch nicht elegant, aber eine erste

    Idee die das Colt Patent umging. Und - bitte nicht vergessen - dieser

    Gedanke führte dann zur Double Action Mechanik, die schließlich

    die Trommelrotation UND das Spannen des Hahns über den Abzug

    steuert.


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    Unter der Abdeckung der Trommel auf der linken Seite des Rahmens

    befand sich die Mechanik welche durch den Ringabzug betätigt wurde.

    sie rotierte die Trommel und fixierte sie in der richtigen Position.

    Etwa 3.200 Exemplare des "Walking Beam" wurden gefertigt, in 3 Varianten:

    Zunächst mit Messingrahmen und Trommel mit sechs Kammern für das

    Kaliber .31", dann die Variante mit Stahlrahmen und siebenschüssiger

    Trommel im Kaliber .31", zuletzt eine Version mit sechs Kammern für das

    Kaliber .28". Die Lauflänge schwankte zwischen 2" und 6".



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    Die Stempelung hat sich Eli Whitney wohl abgeschaut, als er die Sam Colt's Walker

    Revolver herstellte.


    Adress E. Whithney

    Whithneyville CT


    nicht mit einem zweizeiligen Stempel angebracht, sondern mit zwei einzeiligen.


    Seriennummer dieses "Walking Beam" ist übrigens 577.


    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Mal etwas salopp ausgedrückt.

    Viel mir bei Deiner Beschreibung sofort ein.

    Der Ringabzug ist so etwas wie eine Art Unterhebelrepetierer. :)

    Ich dachte immer, jeder Mensch sei gegen Krieg, bis ich herausfand, dass es welche gibt, die dafür sind, besonders die, die nicht hingehen müssen. (Erich Maria Remarque)


    Das Volk hat das Vertrauen der Regierung verscherzt. Wäre es da nicht doch einfacher, die Regierung löste das Volk auf und wählte ein anderes? (Berthold Brecht)