Longrifle von Dikar

  • Hallo Freunde der langen Steinschlossgewehre,

    letzte Woche habe ich eine Longrifle aus dem Nachlass eines alten Bekannten übernommen. Es ist ein Steinschlossgewehr im Kaliber .50 mit einer gesamten Länge von ca. 140cm und einem Lauf von ca. 102cm also 40". Da ich mich mit diesen Gewehren nicht sonderlich gut auskenne habe ich die eine oder andere Frage. Wann wurden diese Waffen von Dikar gebaut? Sind diese Gewehre ab Werk mit der leichten Schnitzerei geliefert worden oder hat da einer das Gewehr nachträglich aufwerten oder seinem Geschmack anpassen wollen? Die Neusilbereinlagen hat wohl mein Bekannter gemacht, der hat alles Mögliche aus Silber, Neusilber, Kupfer oder Messing gemacht.
    Könnte man, vielleicht mit viel gutem Willen, dieses Gewehr einer der klassischen Schulen zuordnen?

    Ich lasse mal die Bilder für sich selbst sprechen.

    20200620_185916.jpg20200620_190001.jpg

    20200620_190046.jpg

    20200620_190007.jpg

    20200620_190014.jpg

    20200620_190025.jpg

    20200620_190053.jpg

    20200620_190147.jpg

    20200620_190213.jpg

    20200620_190154.jpg

    Happy Trails


    Texas Jack


    SASS life # 55314


    BDS Western # 625


    “They Knew Their Duty And They Did It,” John S. “Rip” Ford, Texas Ranger

  • hier noch ein paar Bilder der Rifle. Der Lauf wurde offensichtlich bearbeitet und die Brünierung abgeschliffen, die Markierungen von Dikar sind nur noch schwach zu erkennen, Beschussstempel finde ich gar nicht mehr

    20200620_190220.jpg

    20200620_190425.jpg

    20200620_190444.jpg

    20200620_190455.jpg

    20200620_190514.jpg

    Was würdet ihr an dem Gewehr ändern um es näher an die historischen Vorbilder anzupassen?

    Happy Trails


    Texas Jack


    SASS life # 55314


    BDS Western # 625


    “They Knew Their Duty And They Did It,” John S. “Rip” Ford, Texas Ranger

  • Hallo T.J.

    als Gesamtbild macht die Rifle ja einen ganz soliden Eindruck auf mich. In Punkto Stil kann ich da nicht wirklich eine Zuordnung finden. Weder Patschbox, Schwanzschraube oder Schlossgegenplatte können mir da etwas verraten. Ich fürchte, da war etwas Freistil mal wieder die einfachste Lösung. Die ersten oder frühen Repliken liefen meist unter dem Sammelbegriff - Kentucky - Rifle. Für mich kommt sie im Ganzen dem Lancaster - County am nächsten.

    Gottlob haben wir ja Experten im Forum, die dazu etwas mehr sagen können.


    Grüße Breuko


    P.s. - ist mir gerade noch aufgefallen, das Korn hat zwar einen Schwalbenschwanz, die Ausfräsung leider nicht ( da wurde mit Weichlot gekleckert )

  • Schau mal unter dem Lauf, ich hatte mal eine Dikar, da waren die Stempel vom Schaft verdeckt.

    Schönes Gewehr, Dikars mit Einlagen gibt es, ich kenne aber nur einen einfachen Stil im Messing, Die Verschneidungen können auch nachträglich angebracht worden sein...

    Erik - the master of desaster
    Gott hat den Menschen erschaffen, weil er vom Affen enttäuscht war. Danach hat er auf weitere Experimente verzichtet (Samuel Langhorne Clemens)

  • Das Gewehr war ursprünglich, bezüglich Authentizität, der übliche europäische Replika Mist.

    Allerdings hat jemand das bestmögliche daraus gemacht, und das durchaus geschickt.


    Ob das der Hersteller selbst war, - in einer Sonderedition des Standardmodells, oder der Käufer, kann ich nicht sagen.

    Müsste ich raten, würde ich sagen: eine Kombination aus beidem. Denn die Prägung auf dem buntgehärteten Schloss

    taue ich einem Privatier eher nicht zu, und wenn eine Waffe vom Hersteller derartiges verpasst bekommt, werden auch

    ein paar andere Verzierungen angebracht. Andererseits sind aber alle Fehler der Standard Serienmodelle vorhanden,

    es sind die selben unpassenden und unpassend befestigten Messingteile wie üblich. Löbliche Ausnahme: Die Backe.

    Wundert mich, aber es gibt eben auch positive Überraschungen. Theoretisch könnte auch alles - sprich auch die

    Schaftverschneidung vom Hersteller kommen. Ich hab' keine Ahnung wie aufwändig Sondermodelle damals gefertigt wurden.


    Dass die für ein Sondermodell nicht ein eigenes, historisch stimmiges Modell entwerfen ist klar. Aus dem was verfügbar war

    wurde in dem Fall tatsächlich das bestmögliche gemacht. Jede weitere Korrektur hätte anderes Material erfordert, ein

    solcher Aufwand hätte nur mehr Geld gekostet, ohne etwas zu bringen. Hätte ich an deren Stelle auch nicht getan.


    Hätte ich aber selbst Hand angelegt, hätte ich z.B. einen Abzugsrahmen gekauft den man stiften kann. Dass das - und ähnliches

    mehr nicht passiert ist, deutet darauf hin, dass es sich um die Arbeit von Dikar handelt.


    besten Gruß

    Werner

  • Greenhorn danke für deine Einschätzung. Hab jetzt selbst mal ein wenig recherchiert und bin hierauf gestossen https://www.s-mau.de/Siggis_Website/Waffenschmied.html

    Die Schaftform sieht meiner Meinung nach doch der von meiner Rifle schon durchaus ähnlich.

    Was könnte ich denn mit meiner anstellen um sie authentischer zu bekommen? Bin durchaus bereit etwas zu investieren und Teile in USA zu bestellen.

    Happy Trails


    Texas Jack


    SASS life # 55314


    BDS Western # 625


    “They Knew Their Duty And They Did It,” John S. “Rip” Ford, Texas Ranger

  • Kid,

    nicht wirklich!
    Der Schaft deiner Dikar ist wesentlich schmaler (Butt) als der der "echten" Longrifles.

    Die Rifle die du da hast wurde in den 80ern von Jakobi in Perk und Stein verkauft und als Bausatz - ich glaube sogar, dass es einen Satz mit Wechselschloß gab.
    Diese Maslin Schlösser taugen nicht viel wenn sie in Stein sind, die Batterien sind nicht wirklich gut gehärtet.
    Der Lauf ist eingiegermaßen, wenn man in gut hont.

    Mein Freund der Doppel D hatte mal eine in Perk. Darauf haben wir ein Diopterrohr gebaut und ich habe den Lauf gehont. Ging ganz passabel, wenn man die korrekte Ladung, Kugeln etc. hatte.

    Allerdings gebe ich Greenhorn Recht, wenn man was draus machen will, mus sman wirklich Geld in die Hand nehmen...
    Und ja, auch Breuko trifft den Nagel - das Korn ist ein anderes und es ist weichgelötet ohne dass es der "Macher" versäubert hat.

    Schade um das Teil...

    ---------------
    Ike Godsey


    --- Just a grumpy old man with a gun ---

    38692082ro.jpg

  • Da würde ich eher vorschlagen: Lass das Gewehr wie es ist. Ein besseres (und wahrscheinlich auch selteneres)

    Exemplar und Beispiel dafür, dass man aus konzeptionellen Mist etwas durchaus positiv Ansprechendes machen kann,

    wirst Du nicht finden. Und das Gewehr ist auf die verwendeten Teile zugefeilt, die Teile sind teils eingelassen, - um das

    sauber hinzukriegen müssten also die neuen Teile größer sein. Du kriegst entweder etwa Halbes, oder gibst mehr aus als

    würdest Du Dir ein neues Gewehr fertigen lassen.

    Dieses Gewehr ist so wie es ist eine Rarität. Meine Kritik daran ist "Jammern auf hohem Niveau", 99% der VL-Schützen würden

    darauf nicht achten, es nicht einmal bemerken.


    Das Problem entsteht ja vielfach dadurch, dass die Hersteller sparen. Da wird eine Schaftkontur des 18 Jahrhunderts verwendet,

    aber - weil's Geld spart, mit der schlankeren Schaftbreite des 19. Jahrhunderts. Das allein macht die Beschläge schon zweitrangig.

    Dann ein Abzug der 1850er Jahre, und die Beschläge eine Mixtur quer durch alle "Schulen". Nicht der einzelne Teil, sondern die

    Mixtur macht das Fantasieprodukt aus. Der Abzugsrahmen sollte gestiftet sein, nicht geschraubt. Dazu braucht es aber einen

    gegossenen Abzugsrahmen der die Gussnasen noch hat - und an den richtigen Stellen. Hat der Hersteller nicht, der kauft die

    fertigen Teile ein. Folglich wird geschraubt, auch für die vielleicht 50 Exemplare einer solchen Serie.


    Nö, das ist für seine Herkunft ein bemerkenswert schönes Stück. Würde ich so wie es ist behalten.


    besten Gruß

    Werner

  • Greenhorn danke, ich werde deinen letzten Satz berücksichtigen und das Gewehr, so wie es ist, behalten.

    Ike Godsey hiermit ist auch deine Frage aus deiner Mail beantwortet. ::c.o.l)

    Happy Trails


    Texas Jack


    SASS life # 55314


    BDS Western # 625


    “They Knew Their Duty And They Did It,” John S. “Rip” Ford, Texas Ranger

  • Hallo T.J.

    vielleicht möchtest du ja selbst etwas gutes für die Optik machen? Das ist meines Erachtens gar nicht so schwer. Mein Vorschlag: Zunächst die Visierung richten, und den Lauf entweder blank machen und mit Zappon versiegeln, oder halt brünieren. Anständige Brünierung bekommst du beim Flintknapper. Schloss und Patschbox sind ja schon ganz gute Eye - catcher, da würde ich nichts tun. Viel Freude und frohes Schaffen daran,-


    Breuko

  • Breuko, wenn ich mich da dran mache, wird der Lauf bräuniert nachdem das Korn gefixst ist. Ich denke, ich werde mich erst einmal ein wenig auf den einschlägigen Webseiten umsehen bevor ich dann wirklich Hand anlege.

    Happy Trails


    Texas Jack


    SASS life # 55314


    BDS Western # 625


    “They Knew Their Duty And They Did It,” John S. “Rip” Ford, Texas Ranger

  • Werner : das Schloss ist ein Standardschloss ab Werk, das gab es so in mehreren Waffen, Ob die "Gravuren" gerollt oder mit der Stanze aufgebracht wurden, kann ich nicht sagen

    Erik - the master of desaster
    Gott hat den Menschen erschaffen, weil er vom Affen enttäuscht war. Danach hat er auf weitere Experimente verzichtet (Samuel Langhorne Clemens)

  • Stimmt.

    Werner : das Schloss ist ein Standardschloss ab Werk, das gab es so in mehreren Waffen, Ob die "Gravuren" gerollt oder mit der Stanze aufgebracht wurden, kann ich nicht sagen

    Dieses Schloss hab ich auch an meiner Dikar "Colonial Pistol", einem etwas verkürzten "Kentucky"-Prügel.

    Erstaunlicherweise schießt das Ding nicht so viel schlechter als eine "Steinschloß-Duell-Pistole" aus dem Hause Ardesa, genannt Parker of London; hat nur keinen Stecher

    ---------------
    In meinen Beiträgen verwende ich bewusst Satire, Ironie, Sarkasmus und Übertreibungen, um zu verdeutlichen. Auch ohne Kennzeichnung dieser Stilelemente sollte sich der Leser dessen bewusst sein.

  • Greenhorn danke für deine Einschätzung. Hab jetzt selbst mal ein wenig recherchiert und bin hierauf gestossen https://www.s-mau.de/Siggis_Website/Waffenschmied.html

    Die Schaftform sieht meiner Meinung nach doch der von meiner Rifle schon durchaus ähnlich.

    Was könnte ich denn mit meiner anstellen um sie authentischer zu bekommen? Bin durchaus bereit etwas zu investieren und Teile in USA zu bestellen.

    Ich kenne Sigi Mau und seine Rifle, Jack.

    Nimms mir bitte nicht übel, aber seine Rifle und deine sind nicht zu vergleichen. Sigi hat seine perfekt gebaut und sie ist stilistisch korrekt, soweit ich das beurteilen kann. Aber hier überlasse ich Werner die anschließende Beurteilung.

    Was Sigi Mau macht, hat Hand und Fuß, er postet einige seiner Werke bei Contemporary Makers, hier z.B. ; http://contemporarymakers.blog…ols-by-siegfried-mau.html


    Lederstrumpf

  • Sigi hat seine perfekt gebaut und sie ist stilistisch korrekt, soweit ich das beurteilen kann. Aber hier überlasse ich Werner die anschließende Beurteilung.

    Der Unterschied ist recht einfach formuliert: Sigi baut seine Gewehre nicht sklavisch irgendwelchen Originalen nach sondern nimmt für sich jenen Interpretationsrahmen in Anspruch, den sich auch die Büchsenmacher des 18. Jahrhunderts gönnten.


    Replika-Hersteller interessiert das Produkt überhaupt nicht, die interessieren Verkaufszahlen und Gewinn. Je geringer die Produktionskosten, desto

    größer der Gewinn. Bevor man von 4 Teilen je 250 Stück bestellt, bestellt man von einem Teil 1.000 Stück und stattet alle Gewehre damit aus. Das ist billiger, und der Kunde der für so etwas Geld ausgibt merkt ohnehin nix. Die Teile selbst sind meist OK, durch die Denkweise passiert es aber zwangsläufig, dass dann eine Schaftform des 18. Jahrhunderts mit Komponenten-Designs aus dem 19. Jahrhundert gemischt werden, oder auch umgekehrt. Man kriegt einfach kein

    stimmiges Gewehr mehr hin.

    Mit ein Grund, warum ich das Gewehr von Texas Jack mag. Da hat sich ein Mitarbeiter den Richtlinien seines Arbeitgebers gefügt, und dennoch etwas stimmig erscheinendes entworfen. Die Unstimmigkeiten die durch die vorgegebenen Teile entstehen bestmöglich "getarnt" , weil das Auge von der durchaus ansprechenden Verarbeitung angezogen wird und die "Problemzonen" gar nicht wahrnimmt. Gewissermaßen also auch ein Kunstwerk.


    besten Gruß

    Werner

  • Ich kenne Sigi Mau und seine Rifle, Jack.

    Nimms mir bitte nicht übel, aber seine Rifle und deine sind nicht zu vergleichen. Sigi hat seine perfekt gebaut und sie ist stilistisch korrekt, soweit ich das beurteilen kann. Aber hier überlasse ich Werner die anschließende Beurteilung.

    Was Sigi Mau macht, hat Hand und Fuß, er postet einige seiner Werke bei Contemporary Makers, hier z.B. ; http://contemporarymakers.blog…ols-by-siegfried-mau.html


    Lederstrumpf

    warum sollte ich dir etwas übel nehmen? Du sagst wie es ist und das ist absolut ok. Ich habe für diese Gewehre einfach noch nicht das Auge um die beurteilen zu können, daher ja auch meine Fragen an euch Spezialisten. Der Siggi Mau wurde mir von einem Club Kollegen empfohlen, der auch in der 18.Jahrhundert Szene unterwegs ist.

    Happy Trails


    Texas Jack


    SASS life # 55314


    BDS Western # 625


    “They Knew Their Duty And They Did It,” John S. “Rip” Ford, Texas Ranger

  • Hallo Freunde,

    im großen und ganzem verstehe ich diese negative Einstellung und Kritik zu den damaligen Repliken überhaupt nicht! Ich für mein Teil war froh, das wir solche Waffen damals zur Verfügung hatten. Der Trend aus den U.S.A war ja auch noch längst nicht zu uns herüber-geschwappt. Wir wussten ja auch gar nicht viel mehr, sondern waren nur froh etwas für das neue Hobby zu verträglichen Preisen in die Hände zu bekommen.

    Ich maße es mir nicht an, diese Produkte mit heutigen Custom - Rifles aus den U:S.A zu vergleichen, geschweige denn, Schulen zu benennen.

    Im weiteren war die Fertigungstechnik zu der Zeit auch noch nicht so perfekt wie heute. Als Beispiel nenne ich eine Einlegearbeit wie das Schloss - Seitenblech: Mit der damaligen Kopiertechnik waren halt nur gewisse geometrische Formen umsetzbar,-meistens Rund. CNC fräst uns heute fast jede Form perfekt zurecht. Am ende bleibt natürlich stets etwas Nacharbeit über, in der Industrie immer mit mehr Aufwand und auch Kosten verbunden. Als mein Fazit bemerke ich folgendes: Industriearbeit ist nun mal Massenfertigung, - von dem Normalverbraucher auch stets akzeptiert. Einzelanfertigungen konnten sich wohl die wenigsten leisten. Auch die zur Zeit angebotenen, stilechten Rifles aus den U.S.A sind im Grunde Massenproduktionen mit Optionen. Auch hier gibt es wieder Unterschiede.

    Ich sehe auch an Gewinnoptimierung nichts was ich verdammen würde.

    Wenn ich mit heutigem Wissen zurückschaue, war schon gut, auch wenn ich heute vieles anders machen würde. Für Zweifler ist die Evolution ja auch ein Rindvieh, kaum hat man sich an etwas gewöhnt, wird es schon wieder zerstört.


    Grüße Breuko

  • Kann ich sehr gut nachvempfinden Breuko .


    Was wusste ich schon in den 1970er-Jahren von den amerikanischen Kentucky- oder Hawken-Rifles. Nicht mehr, als mal im DWJ drin stand, oder aus den Katalogen von Frankonia und Kettner. Ja, vom Flintknapper gab es auch einen hektographierten "Katalog", wo als high end Produkt eine echte longrifle drin war, die Hatfield-Squirrel-Rifle


    pasted-from-clipboard.png

    Bild aus: https://www.egunner.com/hatfie…uction_id,auction_details



    Ansonsten gab es halt die italienischen und spanischen Replikas


    Die hier von Bondini sah schon verdammt authentisch aus: (Und darüber gab es im DWJ auch einen Artikel, der das Gewehr als originalgetreuen Nachbau beschrieben hat)Angebot Frankonia Adams County Pennsylvania Lnag Rifle.jpg


    Jetzt weiß ich das dank Greenhorn natürlich besser. Das ist auch eine Art Fantasieprodukt.

    ---------------
    In meinen Beiträgen verwende ich bewusst Satire, Ironie, Sarkasmus und Übertreibungen, um zu verdeutlichen. Auch ohne Kennzeichnung dieser Stilelemente sollte sich der Leser dessen bewusst sein.

  • Hallo Freunde,

    im großen und ganzem verstehe ich diese negative Einstellung und Kritik zu den damaligen Repliken überhaupt nicht! ...

    Das ist eigentlich sehr einfach!

    Gegen die Waffen an sich ist nichts zu sagen! Gegen die Verarschung der Kunden seitens der Hersteller ist sehr viel zu sagen.


    Es geht nicht darum, dass diese Waffen Fantasieprodukte sind. Es ist niemanden verboten, Fantasieprodukte herzustellen und zu verkaufen.


    Es geht um die ewig verbreitete Behauptungen a la "Originalgetreu, von einem bei uns aufliegenden historischen Original detailgetreu kopiert, … bla bla bla…!

    Und dann haben Büchsen nicht einmal eine Backe (die Obige ist eine Ausnahme wie man sie normalerweise nicht findet), die verwendeten Komponenten haben eine Streuung von rund 120 Jahren, die Bauweisen haben mit jenen von Originalen wenig bis Garnichts zu tun.

    Wenn das als "Vorderlader Sportbüchse, frei nach amerikanischen Longrifles des 19. Jahrhunderts" verkauft wird, passt, keinerlei Problem.


    So wie das hier in der Praxis abläuft, spricht man in anderen Branchen aber von Betrug. Mangelndes Wissen ist da keine Ausrede, das Wissen ist seit 1919 durch Dillin dokumentiert, inklusive Fotos. Fachliteratur im Wert von vielleicht 100 - 200 Euro darf man einem Hersteller zumuten.


    Wäre die negative Einstellung genauso unverständlich, wenn Steinschloss-Pistolen als "Colt 1851 Navy, von einem bei uns aufliegenden Original kopiert" verkauft würden???? Und somit der Betrug am Kunden zumindest versucht wird??? In dem Fall bemerkt es halt jeder - und siehe da, auf einmal kann der Hersteller. Zumindest ein klein wenig besser. Immer noch ungenügend.


    Darf man von einem Waffenhersteller Fachwissen verlangen?

    Wenn selbst ein Idiot wie ich weiß, dass die Bezeichnungen "Pocket", "Navy" und "Army" in der Perkussions-Ära KALIBERANGABEN sind,

    wobei Pocket für .31" steht, Navy für .36" und Army für .44", warum schafft es dann ein Replika Anbieter, einen Colt Navy im Kaliber .44" anzubieten???

    Und die Waffe wird auch noch zu Bewerben zugelassen, wo doch der Nachweis eines historischen Vorbilds Bedingung für die Zulassung ist.


    Aber wenn in einer Unterhammer-Pistole in der Griffschale ein Silber-Inlay ist, wird die Waffe als "nicht Originalgetreu" aus dem Bewerb genommen, obwohl es im 19. Jahrhundert durchaus üblich war, Silberdollars ins Griffstück einzulassen. Hat halt damals mangels Foto-Handies niemand fotografiert, und die Literatur dazu gibt's nur drüben, die hat hierzulande kaum jemand, um die Originaltreue nachzuweisen.


    Aber Fantasie-Longrifles vom Replika-Anbieter dürfen teilnehmen. Auch wenn die Laufbefestigung am Schaft durch Einklemmen des Schafts zwischen Lauf und am Lauf festgeschraubten Ladestock-Halterungen erfolgt, was es in der 300jährigen Geschichte solcher Waffen nie gegeben hat, auch wenn Büchsen keine Backe haben, der Lauf nicht geschweift und die Waffe daher zu mündungslastig ist, etc. etc. etc.


    Über das Thema kann man sich endlos auslassen. Wie gesagt, wenn der Hersteller zum Fantasieprodukt steht, keinerlei Problem.

    Aber wenn ein Kunde sein Geld ausgibt, im Glauben ein Stück originalgetreuer Geschichte zu erwerben, und dafür überteuerte Schei$$e geliefert bekommt, dann habe ich dafür keinerlei Verständnis.


    besten Gruß

    Werner