Derringer

  • sind eigentlich einfach nur Taschenpistolen von Herstellern, welche den guten Ruf

    von Henry Deringer und dessen Erfindung nutzen wollten, um - meist - eigene Produkte

    zu vermarkten, ohne rechtliche Schwierigkeiten in Bezug auf Namens- und Patentrechte

    zu bekommen. Die Marke "Deringer" war geschützt, - "Derringer" durfte man frei verwenden.

    Was ein unhörbares "r" nicht alles ausmachen kann.


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    Auf den ersten Blick nichts besonderes, aber wie dem oft so ist,

    ein Geldschein kann die Perspektiven ändern!


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    T.J. Stafford hat für diese einschüssige Hinterlader Pistole im Jahr 1860 ein Patent erworben.

    In seinem Werk in New Haven fertigte er mehr als 2.000 Exemplare, wobei die Informationen

    über den Mann sehr mager sind, Der Stoeckl gibt gerade noch die Patentnummer 27507 her,

    und das war's dann auch schon.


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    Was soll's, wird man wenigstens nicht gleich mit Informationen überladen. Diese Art von

    Zwergin war für Kaliber .22" ausgelegt, und wurde in verschiedensten Ausführungen gefertigt.

    Will heißen mit Gold und/oder Silber Finish - plattiert, Holz, Elfenbein oder Perlmutt Griffen,

    glatt oder mit gewalzter Gravur, und auf Wunsch wohl auch noch in anderen Varianten.


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    Der Lauf wird zum Laden nach unten abgekippt, wäre man also leicht bösartig, könnte

    man von einem Smith & Wesson No. 1 ohne Trommel sprechen. Was aber wirklich fies

    wäre.


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    Jedenfalls sind derartige Taschenpistolen heute immer noch populär, dieses Stück,

    zugegeben in sehr gutem Zustand und als Komplettset, war für knapp $ 7.000,- zu

    haben. Ohne Box, ohne Gravur und mit (Resten der einstigen) Brünierung findet

    man mit etwas Glück schon um $ 500,- durchaus ansprechende Exemplare.


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    Gegen die große Konkurrenz hatte T.J. Stafford wohl einen schweren Stand. Taschenpistolen waren

    spätestens nach der Ermordung Abraham Lincolns mit einem Vorderlader-Deringer plötzlich sehr

    gefragt, und dass derartige Zwerge zunehmend auch als Hinterlader - und Massenware - verfügbar

    waren steigerte die Verkaufszahlen wohl auch noch.


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    Auch die großen Hersteller wie Colt, Remington oder Sharps rissen sich förmlich um

    das Geschäft, Taschenpistolen entstanden in den verschiedensten Ausführungen.

    Einschüssig, mit Kipplauf oder seitlich ausschwenkendem Lauf, Doppelläufig, oder

    mit 4 Läufen als "Pepperbox", und auch noch in anderen, exotischeren Varianten.


    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • ja, man könnte meinen, die Jungens hätten nur eine Trommel vergessen.

    Happy Trails


    Texas Jack


    SASS life # 55314


    BDS Western # 625


    “They Knew Their Duty And They Did It,” John S. “Rip” Ford, Texas Ranger

  • Na dann halt 'mal etwas anderes :saint:


    Dieses Kerlchen ist auch klein und handlich, und gar nicht sooo eindeutig festzulegen:

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    Ihr seht einen Remington Elliot Derringer. Wobei in dem Fall "einen" in allen Belangen

    richtiger ist als "den". Das gute Stück gab es einläufig, doppelläufig, mit vier feststehenden

    Läufen, mit fünf feststehenden Läufen, mit 6 rotierenden Läufen, als .22"er, als 32"er,

    die einläufigen und doppelläufigen auch als .41"er, kurz: Diese Waffe kann für sich alleine

    einen Sammler vor nahezu unlösbare Aufgaben stellen.


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    Zu ihrem Entwickler, W.H. Elliot, sage ich nichts, schlicht weil ich im Augenblick an keine zuverlässigen Daten komme.

    Aber vielleicht komme ich noch auf ihn zurück, nachdem er dermaßen viele Derringers für Remington gebaut hat.

    Diese vierläufige Version wurde - laut NRA - zwischen 1863 und 1888 gefertigt, und darf als "Gustostückerl" betrachtet

    werden, ihre Kolleginnen alleerdings ebenso.


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    Ein Grund der zu dieser Waffe geführt hat dürften wohl Smith & Wesson's Patentrechte auf

    vollstnändig durch die Trommel gebohrte Kammern. Trommeln also, die für Hinterlader-Revolver gedacht waren.

    Remington suchte in Konsequenz eine mehrschüssige Faustfeuerwaffe die eben nicht auf Trommeln angewiesen war.


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    Elliot's Lösung war genial. der Abzug rotierte den Schlagbolzen beim Abziehen

    von einer Kammer zur nächsten. Somit brauchte es "nur" ein feststehendes Laufbündel,

    Die Mechanik sorgte dafür, dass man eine winzige vierschüssige halbautomatische

    Pistole in Händen hatte.


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    Die vierschüssigen Varianten wurden als .32" Randfeuer Taschenpistolen gefertigt, die

    fünfläufigen als .22"er. Zum Laden musste man den Lauf abkippen. Die Hülsen mussten

    vermutlich händisch entfernt werden. Zumindest ist mir kein Auswurfmechanismus

    bekannt. Außer ein von vorn durch den Lauf zu führender Reinigungsstab.


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    Elliots zweiläufiger "Over and Under " Derringer wird von verschiedenen

    amerikanischen Herstellern bis heute gefertigt und vermarktet, die "Pepperboxes"

    sahen leider keine 2nd Generation. Dafür bekommt man durchaus brauchbare

    Originale mitunter um unter € 1.000,-, sowohl die vier- als auch die fünfläufigen.


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    Die Griffe des "Pistölchens" waren übringens damals schon häufig aus Gummi,

    Elfenbein und Perlmutt waren selten, Holz interessanterweise auch. Das gute Stück

    dürfte sich gut verkauft haben, - zwar fehlt mir die Literatur um produzierte Stückzahlen

    nachzuschlagen, aber wären die gering, wären die Originale auch wesentlich teurer.


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    Der hintere Hebel dient übrigens als "Anschlag" für den Ringabzug und - soweit ich weiß -

    zum Abkippen des Laufs. Für's Schießen ist der Ringabzug als Quasi "Double Action"

    zuständig.


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    Einige dieser Derringers wurden sogar noch im Bürgerkrieg als "Privatwaffe"

    getragen, als "Notfallreserve". Wie schon bei anderen Taschenrevolvern und

    Pistolen erwähnt häufiger um einen amputationswütigen Arzt zu bedrohen

    als um sich gegen gegnerische Soldaten zu wehren.


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    Besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • ... Die Mechanik sorgte dafür, dass man eine winzige vierschüssige halbautomatische Pistole in Händen hatte.

    Eine kleine notwendige Korrektur: Es ist, waffenrechtlich gesehen, keine halbautomatische Waffe.

    Aber zum Thema Derringer.

    Wer John-Wayne-Filme kennt, kennt sicher auch Rio Lobo. Das folgende Bild stammt aus diesem Film:

    Rio Lobo - Derringer.jpg

  • Eine kleine notwendige Korrektur: Es ist, waffenrechtlich gesehen, keine halbautomatische Waffe.

    Wen interessiert schon deutsches Waffenrecht... ? grin-.)

    Der Begriff stimmt auch technisch nicht wirklich, Dein Einwand ist durchaus berechtigt. In der Praxis allerdings - vier Schuss ohne "fummeln" trifft er ebenso wie auch bei einem Double Action Revolver zu.


    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Eine der wirklich intetressanten Konstruktionen ist der Moore Derringer.

    Simpel, handlich, eine der frühesten Hinterlader Taschenpistolen, und aus mehreren Gründen recht erfolgreich.

    Und auch sehenswert.

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    Eine Ganzmetall Konstruktion, die fast ohne bewegliche Teile auskommt.

    Da ist lediglich der Hahn, der Abzug, ein Verriegelungsknopf an der rechten

    Seite des Waffe, und der Lauf lässt sich über die von vorne als Achse befestigte

    Schraube seitlich aufklappen, um das Pistölchen mit einer Randfeuerpatrone

    zu laden.


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    Das Patent für diese Konstruktion erwarb Daniel Moore am 19. Februar 1861,

    somit nur kurz nach T.J. Stafford für seine zu Beginn des Threads gezeigte Derringer Variante.

    Nachdem Stafford aber mit .22"ern angefangen hatte, die Moore-Derringer aber von Beginn an

    im Kaliber .38", bald auch schon in 41" gefertigt wurden, gilt der Moore Derringer als erste

    Großkaliber Hinterlader Taschenpistole.


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    Auch Daniel Moore verstand es, sein Produkt geschickt zu vermarkten.

    Zum nächsten Exemplar sage ich gar nichts, außer: Kaliber .41", brünierter

    Lauf, Gold-plattiertes Griffstück.

    besten Gruß

    Werner


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    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Die "Moore's Patent Firearms Co." war in Brooklyn, New York ansässig. Daniel Moore erwarb

    am 24. Februar noch ein zweites Patent für seinen Derringer, dieses betraf aber lediglich die

    Gravuren bzw. Prägungen am Griffteil der Waffe. Manche Moore Derringer sind mit beiden

    Patent-Daten gestempelt, frühe Exemplare nur mit "Patent Applied For" an der Lauf-Oberseite.


    Moore fertigte auch Revolver, war aber - nicht zuletzt wegen Colt's Konkurrenz - damit nicht

    sonderlich erfolgreich. Es sollte umgekehrt kommen:


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    Nicht Moore erzielte mit der Produktion von Revolvern Erfolge, sondern Colt

    begann, Moore's Derringer unter eigenem Namen zu produzieren. Hier ein

    Colt Derringer No. 1.


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    Bei den Moore Derringern wäre ja noch zu erwähnen gewesen, dass sie mit

    Kimme und Korn ausgestattet waren, und dabei der gespannte Hahn als

    Kimme diente. Aber nachdem dies ein ohnehin bekanntes Detail an Colts

    Perkussionsrevolvern war, passt die Anmerkung hier irgendwie besser... .

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    Es ist mir übrigens (noch) nicht bekannt, ob die Verbindung zwischen Daniel Moore und

    (der Firma) Colt noch zu Lebzeiten von Samuel Colt vorbereitet wurde, jedenfalls aber

    entstanden die ersten Colt Derringer erst nach Sam Colt's Tod.


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    Der Colt Derringer No. 1 war praktisch 100% identisch mit dem Moore Derringer,

    sieht man einmal davon ab, dass bei Colt auch der Griffteil aus Stahl und nicht aus

    Messing war.

    Beim Colt Derringer No. 2 verwendete man dann hölzerne Griffschalen.


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    Colt's Derringer Mod. 3 war dann eine eigenständige Colt Konstruktion, entwickelt

    von Alexander Thuer, der schon die ersten Colt Conversion Revolver unter Umgehung

    des Rollin White/Smith&Wesson Patents konstruiert hatte.


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    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Die sind ein Wenig rätselhaft:


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    Derringer von Starr, meist .32" Randfeuer, Messingrahmen, abkippbarer Lauf.

    So weit so klar.


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    Dann wird es allerdings relativ dünn mit den Informationen. Produziert etwa

    zwischen 1865 und 1870, vermutlich - insgesamt? - rund 5.000 Stück, danach

    leise vom Markt verschwunden, weil die Qualität der Mitbewerber - genannt

    werden gerne Sharps, aber wohl auch Remington - zu gut war, um den Starr

    Derringern eine Chance zu lassen.


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    Und das, obwohl der Starr Derringer nicht nur einschüssig, sondern

    auch vierschüssig verfügbar war. Hier beginnt dann das rätselraten.


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    So war keine Information zu finden, ob die produzierten rund 5.000 Exemplare

    die vierschüssige Variante beinhalten oder nicht.


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    Zudem findet man keine Information zum Zündmechanismus. Ich gehe davon aus,

    dass nicht alle vier Schuss gleichzeitig gezündet wurden, sondern ähnlich wie beim

    Remington Elliot die Zündnadel zwischen den Läufen rotierte. Dezidiert erwähnt

    konnte ich das aber nicht finden.

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    Erst recht nicht, ob der Schütze selbst diesen Vorgang manuell steuern musste,

    oder ob er automatisch über die Mechanik des Hahns, - oder des Abzugs -

    erledigt wurde.


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    Ein Hinweis darauf, dass man mit dem Produkt und seiner Zuverlässigkeit nicht

    wirklich zufrieden war besteht darin, dass - obwohl nur grob 5 Jahre produziert,

    allein von der vierläufigen Variante wenigstens fünf Versionen bekannt sind, die

    sich in kleinen Details unterscheiden. Beispielsweise im Entriegelungs-Mechanismus

    zum Abkippen des Laufs.

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    Für den Sammler sind diese Zwerge häufig erschwinglich, die Preise beginnen, abhängig von Zustand

    irgendwo im hohen dreistelligen Bereich, und ich habe noch keinen mit fünfstelligem Preis gefunden.


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    Vielleicht nicht das erfolgreichste Produkt aus der amerikanischen Taschenpistolen-

    Geschichte, aber eben doch ein Stück Taschenpistolen Geschichte.


    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Auf den allerersten Blick könnte man meinen, lediglich ein

    anderes Modell aus der vierläufigen Starr Derringer Familie zu sehen, ...

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    ist in diesem Fall aber eben nicht so, sondern es handelt sich um

    die Konstruktion eines der weit erfolgreicheren Mitbewerber: Christian Sharps.

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    Das erste Patent für den Sharps Derringer wurde bereits 1849 vergeben, allerdings

    wurde die Waffe über 10 Jahre lang nicht gebaut bzw. auf den Markt gebracht. 1859

    erwarb Sharps ein zweites Patent für seinen Derringer, und erste Exemplare wurden

    verkauft, zunächst im Kalibert.22, kurz darauf auch in .30". Produziert von C.Sharps & Co.


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    Trotz des erfolgreichen Verkaufs von Büchsen an das US Militär ging es der Firma aber finanziell

    nicht gut, es reichte gerade zum Überleben. 1862 ging Christian Sharps eine Partnerschaft mit

    William Hankins ein, das Unternehmen wurde in "Sharps & Hankins" umbenannt. Zu dieser Zeit

    brachte die Firma auch die Variante im Kaliber .32" auf den Markt, nun mit Stahlrahmen.


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    Zum Laden ließ sich der Lauf entriegeln und nach vorne schieben, der Schlagbolzen

    rotierte beim Spannen des Hahns - ein Single Action System - und feuerte so einen

    Lauf nach dem Anderen ab.


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    Allerdings wurde die Modellreihe aufgegeben, als sich Christian Sharps und William Hankins 1867 wieder trennten.

    Die Firma hieß nun wieder "C.Sharps & Co", und es erschien das vierte Modell des Sharps Derringers, ebenfalls mit

    Stahlrahmen sowie im Kaliber .32, aber mit "Vogelkopf Griff".


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    An der Technik inklusive Zündmechanismus hatte sich seit dem

    ersten Modell des Jahres 1859 nichts geändert. Lediglich bei Äußerlichkeiten

    sowie das Material erfuhren Änderungen Die Basis blieb aber das Patent von

    1859.


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    Offenbar war das Sharps System aber einfacher und zuverlässiger, weshalb

    es trotz der äußerlichen Ähnlichkeit mit dem Starr System weit erfolgreicher war.


    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Fast überflüssig zu sagen, dass nun eine besondere Waffe beschrieben wird,

    irgendwie gilt das ohnehin für alle Taschenpistolen des 19. Jahrhunderts.

    Diesmal geht es um den schon weiter oben erwähnten "Zig Zag Derringer" von

    Remington, die erste Variante von Remingtons Elliot Derringern.


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    Der hier ist interessant, weil es kein weiteres dermaßen gut erhaltenes Exemplar gibt. Die Brünierung

    ist praktisch vollständig vorhanden, ebenso die Silber-Plattierung des Rahmens, sowie das Finish der

    Griffschalen. Spannend ist aber die Technik dieser Waffe, speziell auch, wenn man sie im richtigen Zeitrahmen

    betrachtet.


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    Im August 1954 hatten Smith & Wesson das Patent für Randfeuer-Patronen erworben

    (Pat. No. 11496). Sam Colt's Patent für den Trommeltransport und die Trommelarretierung

    beim Spannen des Hahns war noch gültig, Fordice Beals war gerade von Remington zu

    Whithney gewechselt, um dort Revolver zu konstruieren, und lernte, alternative Varianten

    des Trommeltransports zu konstruieren. Als er zu Remington zurückgeholt wurde,

    gab es natürlich auch einen Gedankenaustausch mit Dr. William Harvey Elliot. Letzterer

    hatte zwar ein Medizinstudium absolviert und war Zahnarzt, sein Interesse galt jedoch

    dem Waffen-Design.


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    1858 erwarb Elliot ein Patent, auf dessen Basis die obige "Taschen Pepperbox" konstruiert, und ab 1860

    auch produziert wurde. Für .22"er Randfeuer Patronen, mit einem Transport-System für das Laufbündel,

    welches Beals bei Whithney zumindest angedacht hatte, sowie mit innenliegender Double Action Mechanik.


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    Die Waffe war das Erste Modell einer Reihe sehr erfolgreicher Elliot Konstruktionen

    für Remington. Ein Meisterwerk ihrer Zeit, galt es doch, die Mechanik für eine

    mehrschüssige Waffe mit neuartiger Technologie (Patronen) auf engstem Raum

    unterzubringen, die Handhabung aber simpel zu gestalten. Da das Pistölchen dazu

    gedacht war, verdeckt getragen zu werden, waren Ecken und Kanten, an denen sie

    sich in einer Tasche verfangen konnte, natürlich auch unerwünscht.


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    Die Aufgabe wurde von Elliot genial gelöst. Der Ring-Abzug erlaubt es, den Abzug

    "mit Kraft" nach vorn zu bewegen und so das Laufbündel zu drehen sowie die

    Mechanik zu spannen, um dann mit dem selben Ringhebel die Waffe abzufeuern.


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    Der abzugähnliche Teil hinter dem Ringabzug ist lediglich ein feststehender Dorn

    der als Anschlag für den Ringabzug dient.


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    Mit diesem Teil besaß man einen "Sixshooter" der kleiner war als Smith & Wessons

    fünfschüssiger "No.1" Revolver, und das ohne Patentrechte zu brechen.


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    Das Bild zeit zwar ein etwas späteres Modell des Remington/Elliot Deringers, allerdings ist dieses

    gleich groß wie die Pepperbox.


    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Fast wäre ich versucht gewesen, für das folgende Stück einen neuen Thread

    zu starten. Nachdem wir gestern schon bei den VLs einen "Remington Rider"

    hatten, warum nicht hier gleich noch einmal. Der Gag wäre aber zu billig, daher

    bleibt dieses Stück in dem Thread in den es hingehört, bei den Hinterlader-

    Taschenpistolen oder "Derringrn".

    Es geht um die Remington Rider Magazinpistole.


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    Auf den ersten Blick könnte man meinen, eine Variante des Remington

    "Double Derringer" vor sich zu haben. Ist aber nicht. Joseph Rider war

    offenbar ein Tüftler vor dem Herrn, und hier hatte er sich etwas Spezielles

    vorgenommen. Sein Derringer sollte zwar nicht größer sein als der

    Double Derringer, aber mit wenigstens 5 Schuss geladen werden.


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    Durchaus eine Herausforderung! Und ein Wagnis. Rider entschied sich

    für ein Konzept mit Röhrenmagazin, daran waren schon Smith & Wesson

    gescheitert, als sie versuchten das Volcanic System auch als Faustfeuerwaffe

    umzusetzen. Was aber nicht so sehr am Röhrenmagazin lag, sondern daran,

    dass der Lademechanismus via Unterhebel für Faustfeuerwaffen untauglich

    war. Diesbezüglich brauchte Joseph Rider also etwas anderes.


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    Rider hatte beim richtigen Arbeitgeber angeheuert, er hatte die Lösung

    seines Problems quasi bereits im Haus - vielleicht sogar an der Entwicklung

    mitgearbeitet. Jedenfalls baute er für seinen Röhrenmagazin-Derringer

    eine Mini-Variante des Rolling Block Mechanismus, der auch den

    Patronentransport in die Kammer übernehmen konnte.


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    Ausgelegt war die Pistole für .32" "Extra Short" Randfeuer Patronen, von

    denen 5 Stück in das Röhrenmagazin passten. Zusätzlich konnte sich eine

    sechste Patrone in der Kammer befinden, somit hatte man eine wirklich

    winzige sechsschüssige Pistole.


    RRP005.jpg

    Die .32" Extra Short Patrone, die übrigens auch in die "Protector" Handballen Pistolen

    geladen wurde, mag nicht der stärkste aller Munitions-Typen gewesen sein, vor die

    Mündung einer solchen Waffe würde ich mich dennoch nicht stellen.


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    Die Rider Magazin Pistole wurde 1871 vorgestellt, und bis 1888 gefertigt.

    Sie funktionierte sehr zuverlässig, man konnte sogar, wenn das Magazin

    nicht voll war, die sich in der Kammer befindliche Patrone zurück ins

    Magazin schieben und die Waffe so sichern. Dennoch war Joseph Rider

    nicht ganz zufrieden. Es störte ihn, dass man das Röhrenmagazin beim

    Laden komplett abschrauben musste, und es beim Laden daher auch

    verlieren konnte.


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    Rider entwickelte ein Magazin, das über einen Ring mit dem Lauf verbunden war und zum Laden

    seitlich weggedreht wurde, nicht unähnlich dem entsprechenden Mechanismus der Henry Rifle.

    Dafür erwarb er sogar noch ein Patent, in die Serienproduktion wurde diese Modifikation allerdings

    nie übernommen.


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    Zu bedienen war der Mechanismus dieser Waffe recht einfach, man schob den

    "vorderen Hahn" nach hinten - spannte damit den eigentlichen Hahn und

    bewegte eine Patrone hinter das Patronenlager. Dann schob man diesen

    "Hahn" wieder nach vorne und führte die Patrone somit in das Patronenlager.

    Parallel wurde durch diese Bewegungen auch der Abzug gespannt.

    Erledigt - Schussbereit. Mit einem Finger, statt mit beiden Händen

    beim Volcanic System.


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    Leider gab es keinen eigenen Seriennummernkreis für diese

    Pistölchen, weshalb auch die produzierte Stückzahl nicht zuverlässig

    bekannt ist. Bemerkenswert ist, dass die Mehrzahl der Exemplare ab

    Werk graviert bzw. geprägt wurden, somit die "glatten" wie im sechsten

    Foto die "Rarität" sind.


    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Was es nicht alles an besonderen Konstruktionen gegeben hat. Danke fürs Zeigen Greenhorn Das ist schon etwas ganz Außergewöhnliches!


    Und der Mechanismus erscheint mir ziemlich genial!

    ---------------
    In meinen Beiträgen verwende ich bewusst Satire, Ironie, Sarkasmus und Übertreibungen, um zu verdeutlichen. Auch ohne Kennzeichnung dieser Stilelemente sollte sich der Leser dessen bewusst sein.

  • Der nächste in der Reihe. Den erkennt ohnehin jeder!


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    Gut, zugegeben, vielleicht nicht auf den ersten Blick, aber

    es ist jener, den unsere geliebten Italiener auch seit einiger Zeit

    anbieten.


    RVPD001.jpg

    Bekannt als "Vest Pocket Derringer" oder auch "Saw Handle Derringer", und

    schon wieder ein Remington Produkt. Diesmal (auch "wieder") eine Konstruktion

    von W.H. Elliot, diesmal eine ausschließlich einschüssige Variante.


    RVPD003.jpg



    Viele dieser Derringer tragen auf der Lauf-Oberseite eine Stempelung,

    der das Patent für diese Waffe mit 1. Oktober 1861 angibt. Gefüttert

    wurde der Derringer mit einer Randfeuerpatrone, wobei ich Varianten

    in den Kalibern .22", .30", .32" und .41" kenne, möglich, dass es noch

    mehr gibt.


    RVPD004.jpg

    Hergestellt wurde dieser Derringer von 1865 bis 1888. Der vierte Remington

    Derringer in diesem Thread, und noch nicht der letzte. Alle stammen aus der

    selben Zeit - zwischen 1860 und 1888, wobei die tatsächliche Produktion meist

    erst um 1865 begann, also nach dem Ende des Bürgerkriegs, da man zuvor

    mit der Fertigung von Militärwaffen ausgelastet war.



    RVPD005.jpg

    Die Vorgehensweise zeigt aber, dass man sich bei Remington gut

    auf die Zeit nach dem Bürgerkrieg vorbereitet hatte, sich ganz gezielt

    auf Privatwaffen für Zivilisten konzentrierte und das Geschäft mit

    dem Militär bzw. großkalibrigen Revolvern weitgehend Colt - und

    ev. Smith & Wesson - überließ.


    RVPD006.jpg

    Allein vom Vest-Pocket Derringer verließen immerhin gut 20.000

    Exemplare das Werk - und wurden auch verkauft. Remingtons

    Strategie ging also auf. Nicht in den Stückzahlen die man bei

    einem Vertrag mit der Armee erzielen konnte, dafür mit höherer

    Gewinnspanne, da man nicht von den Behörden "niederverhandelt"

    wurde. RVPD007.jpg

    Recht interessant beim Vest Pocket Derringer ist der Verschluss.

    Hier dient der Hahn bzw. die Hahn Mechanik gleichzeitig als Verschluss.

    Die Seitenteile links und rechts vom Hahn sitzen auf der selben Achse

    wie der Hahn, beim Schuss verschließen die Elemente gemeinsam

    das Patronenlager nach hinten.


    RVPD009.jpg

    Das System ist so simpel, dass es praktisch völlig unempfindlich gegen

    Störungen ist. Zudem so flexibel, dass sich nach Bedarf bei weitgehend

    identischen Bauteilen bzw. Rohlingen Waffen in verschiedensten Kalibern

    umsetzen lassen. Was damals noch nicht selbstverständlich war.

    Ein billiger Freund für den Notfall. Vor Allem das "billig" sorgte wohl dafür,

    dass er auch vom italienischen Replika-Hersteller entdeckt wurde.


    RVPD010.jpg

    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • der Remington Vest-Pocket Derringer wird nicht nur in Italien nachgebaut, er ist auch ein beliebtes Modell für die Hersteller von Miniaturen im Maßstab 1:2. Hier ist meiner, produziert von Daniel Osterman in Oregon, den ich hier schon einmal im Post #9 vorgestellt hatte neue Miniatur Revolver sind eingezogen

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  • er ist auch ein beliebtes Modell für die Hersteller von Miniaturen im Maßstab 1:2. Hier ist meiner, produziert von Daniel Osterman in Oregon

    Geil! Miniatur von der Miniatur sozusagen. Oder Miniatur zur Potenz.

    Sehr schickes Stück, und hervorragend gearbeitet!


    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Texas Jack , schickes Pistölchen!


    Könntest Du vielleicht eine Großaufnahme von den Patrönchen einstellen; mit einem Größenvergleich?

    bitte schön ::c.o.l) die Patrönchen haben ein Kaliber von 2mm und sind im Vergleich zu einer .22lr winzig

    20200625_115927.jpg


    20200625_120457.jpg

    die Aussparung für den Pin der Patrönchen ist nach unten gerichtet und der Hahn ist so konstruiert, dass er von unten auf den Pin schlägt

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    Die Handykamera ist im Makro-Modus doch nicht so super :pinch:

    Happy Trails


    Texas Jack


    SASS life # 55314


    BDS Western # 625


    “They Knew Their Duty And They Did It,” John S. “Rip” Ford, Texas Ranger

  • Die Handykamera ist im Makro-Modus doch nicht so super :pinch:

    Aber allemal ausreichend, um eine Vorstellung zu vermitteln...! :thumbup:Danke!


    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.