Massachusetts Arms Revovler

  • Wieder einmal ei Exemplar, dass sich unter der Rubrik

    "Unbekannte Perkussionsrevolver" einordnen lässt.

    Ich sage gerne "Verkehrter Colt" dazu, weil er zwar einen

    offenen Rahmen hat, dieser aber an der Unterseite offen ist.

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    Kein sehr erfolgreiches Design, trotzdem aus verschiedenen Gründen

    Repräsentanten einer sehr interessanten Geschichte. Das fängt damit an,

    dass die Massachusetts Arms Company 1849 von einem Herrn Joshua Stevens

    1849 gegründet wurde, gemeinsam mit einem Herrn Horace Smith, und einem

    Herrn Daniel Baird Wesson. Folglich ein Engagement von Smith und Wesson

    noch vor ihrer ebenfalls recht kurzem Übernahme der Volcanic Arms, die

    später zu Winchester wurden.


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    1849/50 ließ Christian Sharps seine ersten Gewehre bei Massachusetts Arms fertigen

    bevor er seine Sharps Rifle Company gründete. Und 1850/51 produzierte die

    Massachusetts Arms Company Wesson & Levitt Revolver, die ersten - zunächst - patentierten

    Revolver nach jenen von Samuel Colt.


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    Es kam wie es kommen musste: Sam Colt klagte, und gewann den Prozess.

    Woraufhin Massachusetts Arms nur mehr Revolver mit ziemlich unpopulärem Design

    fertigen konnte, wie den hier gezeigten von Edward Maynard.


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    Wobei Edward Maynard ja nicht nur Zahnarzt sondern durchaus auch ein sehr

    fähiger Konstrukteur war, wie seine späteren Waffenentwicklungen auch belegen.

    Aber zu diesem Zeitpunkt durfte er halt noch nicht, um Colts Patente nicht zu verletzen.

    Dennoch weist der Revolver einige recht interessante Details auf.

    So wird die Trommel zwar per Hand weitergedreht, ganz in der Tradition der alten

    Pepperboxes, aber vor dem Abzug befindet sich ein Verriegelungsstift, der die Trommel

    in den gewünschten Positionen fixiert. Nicht ganz toll, aber mehr war patentrechtlich

    vor 1857 nicht erlaubt.

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    Dafür verbaute Edwrard Maynard seinen "Primer", der etwas später auch

    in den Musketen von Springfield sowie Harpers Ferry eingesetzt wurde.

    Nicht unbedingt erfolgreich, dennoch eine für die Zeit sehr innovative Idee.


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    Kaliber des Revolvers ist .31", der Lauf ist 5" lang, Ungefähr 1.000 Stück

    wurden gefertigt, teils auch mit 3.5" langem Lauf. Nachdem John Brown,

    militanter Gegner der Sklaverei, 1857 200 Stück dieser Revolver kaufte,

    wird diese Waffe mitunter auch "John Brown Revolver" genannt.


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    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Dafür verbaute Edwrard Maynard seinen "Primer", der etwas später auch

    in den Musketen von Springfield sowie Harpers Ferry eingesetzt wurde.

    Nicht unbedingt erfolgreich, dennoch eine für die Zeit sehr innovative Idee.

    Dafür erinnert mich das ziemlich an die Zündplättchen-Rollen, die ich aus Kindertagen kenne.


    LG

    -Michael

  • Bei der Umgehung von Patenten sind die Konstukteure offenbar auf sehr interessante, heute abenteuerlich anmutende Lösungen gekommen. Danke fürs Zeigen!

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    In meinen Beiträgen verwende ich bewusst Satire, Ironie, Sarkasmus und Übertreibungen, um zu verdeutlichen. Auch ohne Kennzeichnung dieser Stilelemente sollte sich der Leser dessen bewusst sein.

  • ja aber hintereinander, was mich da eher Sorgen bereiten würden, ist das rel. große Loch, das zur Führung des Zündfunkens an der hinteren Trommelkante bei jeder Kammer sitzt. Wenn da Pulver raus rieselt, bzw. die Abdichtung bei schlechtem Wetter sollte es Probleme gegeben haben. Wenn es bei den Zündplättchen hakt... kann man das Teil nur noch werfen.



    Wundert mich nicht, das sich die Waffe nicht durchgesetzt hat.

    Erik - the master of desaster
    Gott hat den Menschen erschaffen, weil er vom Affen enttäuscht war. Danach hat er auf weitere Experimente verzichtet (Samuel Langhorne Clemens)

  • aber Hallo Erik, da kannst du dann immer noch ein ganz normales Zündhütchen aufsetzen. Ist zwar mühsam, für jeden Schuss ein einzelnes Zündhütchen zu setzen aber zur Not besser als das Eisen wegzuschmeißen

    Happy Trails


    Texas Jack


    SASS life # 55314


    BDS Western # 625


    “They Knew Their Duty And They Did It,” John S. “Rip” Ford, Texas Ranger

  • Das stimmt Jack, aber mit dem Zündplättchensetzer ist das ziemlich knapp, und das Entfernen wird auch zum Problem...

    Erik - the master of desaster
    Gott hat den Menschen erschaffen, weil er vom Affen enttäuscht war. Danach hat er auf weitere Experimente verzichtet (Samuel Langhorne Clemens)

  • Hätte mich noch interessiert wie Maynard sich gedacht hat die Trommel zu laden. Da hat bestimmt ein externes Ladewerkzeug für existiert.

    Eine Nahaufnahme der Trommel von hinten betrachtet wäre schön. Denke, nicht nur die sichere Zündung bei jeder Witterung war reine Glückssache, das ganze System an sich war eigentlich prädistiniert für Nebenkammerzündungen. Nicht ohne Grund liegen die andren Kammern alle im Freien. Wenn eine losging war es nicht so schlimm wenn es nebenan nochmal rumpelte.


    Mein Leben im Nahkampf hätte ich diesem Teil freiwillig gewiss nicht, bzw. nur in größter Not und aus Ermangelung geeigneterer Alternativen anvertraut. .::t.ü.r::.


    Trotzdem ein dolles Teil früher Sechsschüsser-Geschichte. Danke fürs herzeigen!

    Fott is' fott.

    Uralte kölsche Weisheit

  • Lustiger Zufall (oder auch nicht), aber gerade hat der selbe

    Anbieter der den obigen Maynard Revolver im Angebot hat

    auch den oben erwähnten, ebenfalls bei Massachusetts Arms

    produzierten Wesson und Levitt Revolver online gestellt.


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    Das ist die Kanone, gegen die Sam Colt erfolgreich klagte. Weil die

    Trommel Durch Spannen des Hahns mitgedreht wird. Vermutlich

    hatten Wesson und Levitt gehofft, dass die durch den seitlichen

    Hahn erforderliche andere Technik ausreicht, um Colts Patent zu

    umgehen, aber das klappte nicht, da Colt dezidiert die "Trommelrotation

    durch Spannen des Hahns" hatte patentieren lassen.


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    Entstanden sind diese Revolver 1850/51, der Lauf war 6" lang,

    Kaliber .31", also "Pocket". Somit Konkurrenz zu Colts Mod. 1849,

    zumindest theoretisch. In der Praxis glaube ich nicht, dass dieser

    Six-Shooter Colt's 1849er das Wasser reichen konnte.


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    Wie auch beim Colt sind Abzugsrahmen und Griffrahmen

    aus Messing und versilbert. Vom ursprünglichen Silber ist

    bei diesem Exemplar noch viel erhalten, wenn auch mittlerweile

    schwarz angelaufen. Wen wundert's, nach 170 Jahren.


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    Der Revolver gehörte einem J.W. Walker. Die Initialien

    sind an der Griff-Unterseitegraviert, an der Rückseite

    des Rahmens ist JW Walker ausgeschrieben graviert.

    Viele von denen sind nicht erhalten, fällt unter Rarität.

    Immerhin, dieser ist gut erhalten und arbeitet mechanisch

    einwandfrei. Offenbar wenig gebraucht. Hübsches Stück!

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    Besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • J.W. Walker? Jou, das war John Whitneyville Walker.


    Der hat sich über diesen seinen Revolver im Mädchen-Kaliber und den winzigen Ladungen dermaßen geärgert, das er schließlich was Eigenes, wirkungsvolleres erfand. Selbstredend in Diensten des Marktführers, mit allen zugehörigen Patenten.

    So die Legende. :sla:











    War Spaß.


    Allen ein sonniges Wochenende, in eingeschränkten, schwierigen Zeiten.

    :drink:

    Fott is' fott.

    Uralte kölsche Weisheit