Nicht nur ein Unterhammer Gewehr

  • sondern ganz nebenbei auch noch ein Hinterlader.

    Wäre so richtig spannend zu sehen, was die Bewerbsrichter

    zu so etwas sagen würden, Wenn's überhaupt Bewerbe gibt,

    bei denen ein solches Gewehr zugelassen wäre.


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    Jedenfalls handelt es sich nicht um ein originalgetreu nachgebautes

    Gewehr, sondern um das Original selbst. Leider, wie bei vielen

    Unterhammer Waffen, unsigniert, aber rund 150 - 170 Jahre alt,

    vermutlich aus der Gegend von Vermont oder New Hampshire


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    Der Lauf ist gerade 'mal 60cm lang, Kaliber .36". Zudem durch den

    geringen Materialaufwand ein echtes Leichtgewicht. Ob man das bei

    einem Scheibengewehr schätzt, ist eine andere Frage.


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    Die Art der Mechanik ist mir schon 'mal über den Weg gelaufen, allerdings

    weiß ich leider nicht mehr, ob das damals auch eine Unterhammer-Waffe

    war. Jedenfalls gibt es von dieser "Turret" Konstruktion einige erhaltene

    Exemplare.

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    KEINE Ahnung was ich von der Visierung halten soll. Das Nickelsilber-

    Korn ist OK, die verstellbare Kimme sicher auch, aber der nach unten

    zu klappende Diopter ist freundlich ausgedrückt etwas ungewöhnlich.

    Ob der - hochgeklappt - seine Position stabil beibehält - Fixierung ist

    keine erkennbar - sei dahingestellt. Andererseits erwarte ich nicht, dass

    man auf einem solchen Gewehr Mist verbaut.




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    Der Mechanismus ist einfach. Den Hebel an der linken Seite

    des Zylinders 90 Grad drehen, und das System ist offen.


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    Kugel setzen, die Bohrung mit Pulver auffüllen, Hebel

    zum Verschließen wieder nach vorne drehen, fertig.

    OK, zugegeben, Zündhütchen nicht vergessen.


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    Wäre sicher einmal interessant, die Kleine auszuführen, da würden

    nicht nur die neugierigen Blicke der Kollegen Spaß machen, sondern

    auch das Experimentieren. Leider habe ich keine Daten bezüglich

    Drall und bevorzugten Geschossen, aber das ließe sich erarbeiten.


    TBU007.jpg


    Der Zustand des Gewehrs ist laut Anbieter perfekt, sauberer Lauf,

    einwandfreie Mechanik. Schusstauglich. Hersteller unbekannt,

    keinerlei Stempelungen. Zumindest keine die im zusammengebauten

    Zustand sichtbar sind.


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    Sieht man nicht alle Tage, hat seinen Reiz, das gute Stück.

    Wirkt auf mich auch stabiler als die meisten anderen Unterhammer-

    Gewehre die mir bekannt sind.


    TBU010.jpg

    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.




  • Interessant allemal , aber das Dingens ist m.E. kein Scheibengewehr sondern eine "Kochtopfflinte" für kleineres Wild.


    Unterhammerwaffen und ihre Varianten, waren im Gegensatz zu den heutigen Wettkampf optimierten Produkten von Dedinski, Kümmerle, Krebs. etc. damals aufgrund ihrer simplen Technik typische Gebrauchswaffen im ländlichen Farmbetrieb.


    Denke, genau dorthin paßt das Teil.

    Wer oft genug ans Hohle klopft schenkt der Leere ein Geräusch

  • Möglich, Captain Cat , aus meiner Sicht dafür aber doch zu viel Aufwand, und zu aufwändige Visierung.

    Trotzdem sicher keine Konkurrenz zu den Sharps, Remington und Winchester Gewehren der "National Matches",

    Aber Schießbewerbe gab es damals als Volksfest auf Dorfebene, und ungefähr dort schätze ich das Gewehr ein.


    Kann auch gut sein, dass Deine Sicht die richtigere ist, ich fürchte wir können's nicht mehr feststellen...


    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Nach der sehr schwachen Ladung und der Visierung zu urteilen, würde ich eher auf gallery tippen. Außerdem glaube ich nicht, das hier mit losem Pulver gearbeitet wurde. Die Gefahr, etwas zu verschütten, ist sehr hoch; ich würde eher auf Papierpatronen bzw. abgepackte Ladungen tippen.

    Übrigens denke ich, dass die Reihenfolge der Ladung genau anders herum war: Ich würde hier erst Pulver einfüllen und dann die Kugel setzen.

    Die gleiche Ladungsart, aber mit Nadelzündung hat F.v.Dreyse in seinen Salongewehren (bzw. Damengewehren) verwendet.
    Zwei davon (in allerdings sehr unterschiedlichen Erhaltungszuständen) werden gerade in egun angeboten:
    https://www.egun.de/market/item.php?id=8220556

    https://www.egun.de/market/item.php?id=8227599


    Ergänzung: Wer etwas zur Zündnadelvariante wissen will, wie man dafür Patronen machen kann und was so ein Teil früher mal gekostet hat, sollte sich VISIER Heft 4/2020 kaufen, da wird so ein Zündnadel-Damengewehr vorgestellt und getestet.

  • Übrigens denke ich, dass die Reihenfolge der Ladung genau anders herum war: Ich würde hier erst Pulver einfüllen und dann die Kugel setzen.

    :thumbup:Das ist auch richtig! Ich hatte die Drehrichtung falsch interpretiert. "Meine" Reihenfolge wäre gegeben, wenn man den Hebel nach unten dreht.


    Loses Pulver nehme ich schon an, und - soo gering ist die Ladung nicht. Man nehme die Ferguson Rifle als vergleich, da ist's auch nicht weniger. Und "meine" Reihenfolge - davon habe ich mich täuschen lassen... :whistling:


    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • ... soo gering ist die Ladung nicht. Man nehme die Ferguson Rifle als vergleich, da ist's auch nicht weniger. ...

    ich schätze mal, da passen 8-10 Grain Pulver rein; maximal. Die Waffe hat Kaliber .36"; wenn ich mir die Geometrie der Waffe ansehe, wird die Kammer etwa 0,7" tief sein, aber das Volumen kann nicht allein für das Pulver ansetzen, denn da muss ja auch noch die Kugel in die Kammer.

    Die Ferguson-Rifle hat ein Kaliber von etwa .62", das Volumen eines Zylinders (die Kammer hat etwa diese Form) wächst mit dem Quadrat des Radius.

  • ist ein Diopter und wird durch den verschiebbaren Winkel in der Höhe verstellt

    Erik - the master of desaster
    Gott hat den Menschen erschaffen, weil er vom Affen enttäuscht war. Danach hat er auf weitere Experimente verzichtet (Samuel Langhorne Clemens)

  • ist ein Diopter und wird durch den verschiebbaren Winkel in der Höhe verstellt

    Na ich meine, "Diopter" ist ein großes Wort für so ein Einfachst -Teil.

    "Lochkimme" träfe es wohl besser ::dry::.


    Funktionell durchaus brauchbar, aber als Diopter ist doch eigentlich etwas mechanisch Höherwertiges mit Höhen - und Seitenverstellung zu definieren.

    Wer oft genug ans Hohle klopft schenkt der Leere ein Geräusch

  • Ein 36er Kügelchen mit 8 - vielleicht 11 grains auf Fahrt zu bringen gelingt mit einer Pistole erstaunlich gut und bringt auf 25m enge Streukreise.

    Büchsen wurden und werden aber doch eigentlich auf etwas weitere Entfernungen geschossen, zumindest sportlich. Mir dünkt, hier kommt die bauartbedingte Maximalladung schnell an ihre Grenzen, weshalb ich an eine Verwendung als Scheibenbüchse zumindest bei den üblichen Entfernungen nicht recht glaube.


    Es gab die "dollsten" Versuchsstadien von Patronen- und Verschlusssystemen, grade in der Übergangszeit vom Vorder- zum Hinterlader. Hier gings darum den Ladevorgang zu vereinfachen, zu beschleunigen. Schon angesprochene Herrschaften wie Nikolaus von Dreyse aus Sömmerda der um 1827 als Erfinder der Stiftfeuerzündung genannt wird wurde bereits erwähnt. Walter Hunts Rocket Ball und die Vulcanic als Vorläufer der Henry Rifle waren auch gewisse Entwicklungsstadien, wenn auch Jahre später. Wohin sie führten wissen wir längst.


    Was, wenn dieses Gewehr hier einfach zu einer Reihe von Prototypen eines im wahrsten Sinne Querdenkers gehörte, zwar Leistungsmäßig noch unterlegen war aber technisch neue Wege aufzeigte? Ich sehe Paralellen zum genialen Walter Hunt.


    Du schriebst von einem Anbieter Werner, für wieviel Geriebenes soll dies Stück denn seinen Besitzer wechseln?

    Fott is' fott.

    Uralte kölsche Weisheit

  • Wenn Ihr euch das Gewehr anseht, kann man herauslesen, dass es ursprünglich nicht mit der Visierung ausgestattet war und es war wohl zur Jagd auf Kleintiere, wie Eichhörnchen oder ähnliche Raubtiere gedacht. Dazu passt dann auch das Kaliber und die kleine Pulverladung.

    C.C es ist ein Diopter und das hat nichts mit der Einfachheit zu tun, Diopter kommt von "Hindurchsehen" und die Ursprünglichen waren als "Irisblende" gedacht. Deshalb hatten die meisten ursprünglichen Scheibenbüchsen auch noch eine Kimme.

    Dieser Diopter ist eindeutig nachträglich angebracht worden, denn bei der qualitativ guten Verarbeitung des Gewehres hätte kein Erbauer die vordere Schraube in den Übergang vom Lauf zum Schaft eingesetzt. Somit gehe ich davon aus, dass die Büchse ursprünglich nur mit Kimme und einem anderen, wahrscheinlich kleineren Korn, ausgerüstet war.

  • Die Idee mit der Squirrel-Rifle gefällt mir echt gut! Das ist für mich absolut nachvollziehbar.

    Auch die Herkunft aus den New England Staaten könnte die These stützen, denn an der Ostküste soll Mitte des 19. Jahrhunderts das grössere Wild einschliesslich Truthähne ziemlich knapp geworden sein.

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    In meinen Beiträgen verwende ich bewusst Satire, Ironie, Sarkasmus und Übertreibungen, um zu verdeutlichen. Auch ohne Kennzeichnung dieser Stilelemente sollte sich der Leser dessen bewusst sein.

  • Wobei ich mit der These der "schwachen" Ladung etwas vorsichtig wäre.

    Man geht aus Gewohnheit von einer zylindrischen Bohrung aus, aber -

    muss das sein, außer in dem Bereich in dem die Kugel gesetzt wird?

    Man müsste das gute Stück natürlich zur Prüfung in den eigenen Händen

    halten, aber - durchaus möglich, dass die Pulverkammer erweitert ist,

    die Ladung entsprechend größer. Die Form würde eine solche Konstruktion

    erlauben.


    besten Gruß

    'Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.