Catskill

  • ist kein Aufruf zum Meucheln von Katzen, sondern der Name eines Orts

    in New York. Dort gründete Patriarch JOHN F. Van Schaack TOLLEY , geboren

    vermutl. 1813, eine Büchsenmacher Familie.



    CK001.jpg

    Erhaltene Exemplare sind rar, was wohl daran liegt, dass das Unternehmen offenbar

    Gebrauchsgewehre erzeugte, also Waffen die nicht als repräsentative Wallhanger dienen

    sondern eher verbraucht wurden. Waffen die trotz diverser Besonderheiten nicht auf

    Ausstellungen gezeigt werden, sondern bei den Familien ihrer Eigentümer oft über

    Generationen hinweg ihren Zweck erfüllen. Sei es als Scheibengewehr, oder als Jagdwaffe.


    CK002.jpg

    Das gezeigte Gewehr ist mit einem Messing-Zielfernrohr ausgestattet, mit für die

    Zeit typischer Optik, feinem Fadenkreuz, und einer Montage die heute fast schon

    unbekannt ist. Den das Zielfernrohr wird nicht durch Bewegen es Fadenkreuzes

    justiert, sondern die Montage erlaubt seitliche Verstellung und Höhenverstellung

    des ganzen Zielfernrohrs.


    CK003.jpg

    Die Büchse ist mit ihren 10.5 kg kein Leichtgewicht, wobei das Zielfernrohr kaum Anteil

    an diesem Gewicht hat, der extraschwere Lauf um so mehr. Das Kaliber des Gewehrs ist

    .45", die Schlüsselweite des 8kantigen Laufs jenseits der 1.5". Erfreulich ist, dass bei diesem

    Exemplar auch die falsche Mündung erhalten ist.


    CK004.jpg

    Tolley verstarb 1885, 1880 ist er in den Steuerpapieren als "pensionierter Büchsenmacher"

    angeführt, die Jahre davor wurden die Gewehre des Unternehmens mit "Tolley & Son" gestempelt.

    Es darf also angenommen werden, dass diese Büchse etwa aus den 1850er Jahren stammt,

    aus einer Zeit, als Tolley's Sohn noch nicht aktiv im Unternehmen mitarbeitet.


    CK007.jpg

    Das Backaction Schloss ist offenbar zugekauft, die Gravur ist eine Werksgravur.

    Der Stempel "Moore" meint vermutlich die Schloss-Manufaktur von Charles Moore

    in London, zumindest habe ich noch keinen amerikanischen Schloss-Hersteller

    namens Moore gefunden, und auch das Jagdmotiv spricht eher für eine britische

    Herkunft.


    CK006.jpg

    Als "Schönheit" würde ich dieses Gewehr nun nicht gerade einordnen,

    aber dafür als solides, gekonnt hergestelltes Gebrauchsgewehr. Ob als

    Jagdwaffe, als Scheibengewehr oder als Scharfschützen-Waffe kann ich

    nicht sagen, mangels Daten zum Drall auch nichts über die der Waffe

    zugedachten Geschoße. Ähnlich den Hawken Rifles dienten auch hier

    englische Jagdbüchsen der 1830er/1840er Jahre als Vorbild.

    Und - da keine Ladestock-Halterung vorhanden ist, dafür aber die

    falsche Mündung, ist die Verwendung als Scheibengewehr wohl die

    wahrscheinlichste.


    CK008.jpg

    Trotz seiner schlichten Bauweise jedenfalls ein bemerkenswertes Stück Geschichte, - uns

    Technik. Wirklich nicht mein Interessensgebiet, - ich bevorzuge Älteres. Aber wenn mir so

    etwas zufällt, würde ich mich auch nicht mit Händen und Füßen wehren. :saint:


    CK009.jpg

    Ach ja - der Lauf ist 84,5cm lang, das Zielfernrohr etwas länger.

    Die Bohrung des Laufs ist sauber, alle mechanischen Komponenten

    arbeiten einwandfrei.


    CK005.jpg

    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • ... Und - da keine Ladestock-Halterung vorhanden ist, dafür aber die falsche Mündung, ist die Verwendung als Scheibengewehr wohl die wahrscheinlichste.

    Das ist mit Sicherheit eine Scheibenwaffe, einerseits des Gewichts wegen (10,5kg schleppt niemand rum auf die Jagd), andererseits aber auch wegen des Zielfernrohrs. Wenn man nicht gerade auf große Distanz z.B. Büffel schießen will, braucht der Jäger eine Waffe, de sich schnell anschlagen lässt und bei der man das Ziel schnell auffassen kann.

    Nach den Bildern zu urteilen, ist das Zielfernrohr erst später auf die Waffe montiert worden, in der Nähe der Mündung sind die (verschlossenen) Aussparungen für eine offene Kimme noch deutlich zu erkennen.

  • Nach den Bildern zu urteilen, ist das Zielfernrohr erst später auf die Waffe montiert worden, in der Nähe der Mündung sind die (verschlossenen) Aussparungen für eine offene Kimme noch deutlich zu erkennen.

    Das ist ziemlich sicher so und genaugenommen sind es sogar zwei Aussparungen, was mich etwas verwundert hat :think:

    Wer oft genug ans Hohle klopft schenkt der Leere ein Geräusch

  • sammler hat vollkommen recht, Du ebenfalls, Captain Cat . Ich dachte beim Schreiben das selbe, wollte aber

    bei den Angaben des Anbieters bleiben. Ich vermute, dass das Gewehr ursprünglich eine Visierung per Diopter und

    Tunnelkorn hatte, Tunnelkorn auf doppeltem Schwalbenschwanz trifft man öfter 'mal an. Zwar wurden ähnlich schwere

    Gewehre durchaus auch zur Büffeljagd verwendet, diese "Jäger" stiegen ja bloß vom Pferd und hielten in die Herde, -

    aber dazu Kaliber .45" halte ich für weit hergeholt! Und für Scharfschützen ist mir die Konstruktion des Zielfernrohres zu

    filigran, zudem: damalige (= militärische) Scharfschützen und ein Gewehr in .45" mit falscher Mündung??? Nö!


    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Tunnelkorn auf doppeltem Schwalbenschwanz trifft man öfter 'mal an.

    Das wußte bzw. kannte ich so bisher nicht.


    Trotzdem, natürlich ist das jetzt Spekulation, könnte die Tatsache unterschiedlicher Materialien zum Verschluß der Schwalbenschwänze auf Ausführung zu unterschiedlicher Zeit hindeuten, denn die Überlegung, das dieselbe Arbeit, ausgeführt zum selben Zeitpunkt, mit unterschiedlichen Materialien erfolgte, ist schwer nachvollziehbar.


    Natürlich ist auch ein späterer Ersatz denkbar -

    jedenfalls fand ich das auffällig und konnte mir keinen vernünftigen Reim darauf machen.

    Wer oft genug ans Hohle klopft schenkt der Leere ein Geräusch

  • Die Erklärung könnte ganz einfach sein.

    Mit den unterschiedlichen Verschlussmaterialien hat CC recht und deshalb werde sie wohl zu unterschiedlichen Zeiten eingebracht worden sein. Sehr auffällig ist der Abstand des vorderen Schwalbenschwanzes zur Mündung.

    Wegen des gesamten Bildes gehe ich davon aus, dass der vordere Schalbenschwanz der ursprüngliche ist und die Falschemündung noch nicht war. Dann wurde aus aus dem vorderen Laufstück die Falschemündung gefertit und das Korn, in diesm Fall ohne Korntunnel musste nach hinten weichen.

    Auch die hintere Aufnahme des Glases ist untypisch. Deshalb wird dort wohl der "Ausleger" der ehemaliegen, gefederten, Kimme verwendt worden sein.