US Steinschloss Muskete

  • Keine große Besonderheit, aber recht typisch für die Gegebenheiten

    in Amerika zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Die gezeigte Muskete entspricht

    dem in Springfield ab 1795 produzierten Gewehr. Es stammt allerdings von

    einem privaten Hersteller.

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    Der Bedarf an Musketen war in der Zeit größer als die Stückzahlen, welche

    die staatlichen Arsenale in Springfield und Harper's Ferry liefern konnten.

    Dementsprechend gingen auch Aufträge an private Unternehmen.

    Im Jahr 1808 erhielt Ethan Stillman in Burlington/Conneticut eine Bestellung

    über 2.500 Musketen nach dem Muster des aktuell in den staatlichen

    "Armories" gefertigten Waffen.


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    Fälschlicherweise wird dieses Gewehr gerne als "M1808" bezeichnet, was so aber

    nicht richtig ist, da zu diesem Zeitpunkt keine - geschweige denn neue - Spezifikationen

    von der Regierung ausgegeben wurden. Die offizielle Modifikation der 1795er Ausschreibung

    sollte erst vier Jahre später, also 1812, kommen. Diese "M1812" wurden dann 1815 ausgeliefert,

    gerade ein Jahr bevor die M1816 Richtlinie ausgegeben wurde.


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    Stillman lieferte 1810 75 der Musketen aus, 1811 325, 1812 425, sowie im Jahr

    1814 600 Stück. Was insgesamt 1450 Exemplare bedeutet. Ob der Auftrag dann

    storniert wurde oder ob die verbleibenden 1050 Waffen nach der neuen

    Spezifikation gefertigt wurden, konnte ich noch nicht herausfinden.


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    Jedenfalls handelt es sich um eine Muskete mit 42" langem Lauf im Kaliber .69".

    Aufgrund der Erfahrungen im Feld war man auch in Springfield und Harper's

    Ferry dazu übergegangen, die Lauflänge auf 42" zu reduzieren. Ohne ausdrückliche

    Änderung der originalen Ausschreibung.


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    Das gezeigte Exemplar ist eines aus dem letzten Jahr von Stillman's 1795er

    Produktion. Parallel fertigte er den selben Musketentyp auf für den

    Bundesstaat Conneticut, diese Musketen tragen einen zusätzlichen

    Stempel am Schaft, gegenüber dem Schloss. Was für dieses Exemplar

    offenbar nicht zutrifft - also eine Muskete des Regierungsauftrags.


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    Im Prinzip ist die 1795er Muskete eine sehr exakte Kopie der französischen Charleville Musketem

    was logisch ist, da diese von den Franzosen während des Unabhängigkeitskrieges an die Revolutionäre

    geliefert worden war. Genaugenommen behielt man die Schablone bei, bis ab 1855 die Musketen mit

    gezogenem Lauf die glattläufigen Musketen ablösten. Durch die Mobilmachungen Anfangs des

    Bürgerkriegs sowie den dadurch entstehenden Mangel an Gewehren fanden selbst diese zu dem

    Zeitpunkt bereits längst eingemotteten Musketen aber wieder Verwendung. SM180806.JPG

    In Springfield waren 80.000 dieser Gewehre hergestellt worden, in Harper's Ferry

    70.000. Dazu Exemplare wie dieses von diversen privaten Unternehmern. Eingesetzt wurden sie

    neben den lokalen Konflikten mit Indianern unter Anderem im Krieg von 1812 gegen England,

    im Amerikanisch Mexikanischen Krieg und wie gerade erwähnt bis in den Bürgerkrieg, auf

    konföderierter Seite sogar bis ins Jahr 1865.


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    Aufgrund der Gebrauchsspuren sowie der Reparaturen - vor offenbar recht

    langer Zeit getauschte Schrauben etc. - darf man davon ausgehen, dass dieses

    Gewehr einiges zu erzählen hätte. Der Zustand ist nicht berauschend, aber durchaus

    gut, auch wenn der Schaft vor dem Schloss einen Sprung aufweist. Das Schloss

    funktioniert gut, auch wenn die Hauptfeder nach mehr als 200 Jahren etwas schwach

    ist.


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    Soweit die Information, die Andernorts zu angebotenen alten Steinschloss-Musketen

    zur Verfügung gestellt werden. Zugegeben, ich bin da ein Wenig verwöhnt,

    andererseits - warum soll man sich mit weniger zufriedengeben?


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    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Die wie oben erwähnt gerne fälschlicherweise als M1808 bezeichnete US-Muskete

    ist eigentlich ein gefundenes Fressen für Sammler. Mit der kann man sich vermutlich

    Jahrzehnte lang beschäftigen. Und das aus einem recht einfachen Grund:


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    Die zu diesem Zeitpunkt offiziell gefertigte Muskete war eben das Modell 1795, das

    in Harper's Ferry und in Springfield hergestellt wurde. Allerdings war der Ausstoß zu

    gering für die Anforderungen, die sich der US-Regierung stellten. Zu der Bezeichnung

    "M1808" kommt es ja nicht ganz umsonst, nur handelt es sich eben nicht um eine neue

    Ausschreibung, sondern um Verträge die im Jahr 1808 mit privaten Unternehmern

    abgeschlossen wurden. Diese sollten zusätzlich zu den staatlichen Produktionsstätten

    Musketen des Modells 1795 fertigen.


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    Der Punkt für den Sammler: Nicht weniger als 19 private Unternehmen

    erhielten von der US-Regierung den Auftrag, 1795er Musketen zu fertigen.

    Von all diesen Unternehmen ein überlebendes Exemplar zu finden wäre

    nach mehr al 200 Jahren sicher eine nette Herausforderung.


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    Das in dem Beitrag abgebildete Exemplar finde ich persönlich besonders

    interessant. Es stammt aus der Fertigung von Stephen Jenks, and Sons,

    Providence / Rhode Island. Und - obwohl im Jahr 1813 entstanden, ignoriert

    es alle Erkenntnisse die seit 1795 bei der Produktion dieser Musketen

    gewonnen wurden.


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    Vermutlich wurde Jenks als Vorbild für seine Arbeit eine der ersten 1795er

    Musketen zur Verfügung gestellt, und der hat dieses Gewehr eben vorbildlich

    genau für seine Produktion übernommen. Entsprechend ist der Lauf noch 44.5"

    lang, nicht wie längst üblich 42", und auch der Dorn zur Verriegelung des

    Bajonetts befindet sich noch an der Unterseite des Laufs.


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    Wenn die erhaltenen Aufzeichnungen stimmen, lieferte Jenks 3.925 Musketen

    nach diesem Muster aus, die allesamt eine bewegte Geschichte erzählen können,

    da sie nicht zuletzt im Krieg von 1812 gegen England Verwendung fanden, von

    Kanada und den Great Lakes über Washington DC, wo die Briten das damalige

    Weiße Haus niederbrannte bis weiter nach Florida.


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    Die Muskete trägt am Lauf die Nummer 1247, ob dies eine Seriennummer

    des Laufs oder eine für die gesamte Muskete ist, ist unbekannt. links "oberhalb"

    der Nummer befindet sich ein ovaler Proof-Stempel, ein Detail welches an

    amerikanischen Musketen jener Tage selten zu finden ist.


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    Die Muskete ist erstaunlich gut erhalten, der Schaft ist durchgehend

    stabil und ohne Risse, der Lauf ist einwandfrei und die Mechanik des

    Schlosses arbeitet problemlos. Im Gegensatz zum ersten gezeigten

    Exemplar dürften hier auch noch alle Schrauben Originale sein.


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    Die im Schaft eingeschnittenen Buchstaben C P sind vermutlich

    die Initialen des Soldaten, der diese Muskete getragen hat.

    Tolle Muskete - bei dem Stück könnte ich schwach werden.


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    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Wenn ich schon über den Vertrag von 1808 plaudere, vielleicht ein paar

    Worte dazu. Der Inhalt des Vertrags wurde 1808 offiziell von der

    US-Regierung genehmigt, die Aufträge an die verschiedenen Unternehmen

    ergingen zwischen 1808 und 1810. Mit der Ausnahme von Eli Whithney als

    20. Vertragspartner, der aber bereits seit 1798 einen Vertrag mit er Regierung

    hatte, der lediglich verlängert wurde.


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    19 Unternehmen erhielten Verträge, insgesamt 85.200 Musketen, jeweils

    inklusive Bajonett, sollten von diesen privaten Unternehmen geliefert

    werden. Pro Muskete bezahlte der Staat US$ 10.75. Muster wurden

    sowohl von Harper's Ferry als auch von Springfield geliefert, offenbar

    nicht aus einer einheitlichen Charge, da die Musketen der privaten

    Unternehmen zwar pro Unternehmen einem Original entsprachen,

    aber mehrere Varianten der 1795er Muskete vertreten waren.


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    Die 19 Vertragspartner:

    Barstow (Exeter, NH), 2.500 Stk.

    Bartlett (Springfield, MA), 2.500 Stk.

    Bidwell (Middletownd, CT), 4.000 Stk.

    Brooke (Chester Township, PA), 4.000 Stk.

    Evans (Evansburg, PA) 4.000 Stk.

    French, Blake & Kinsley (Canton, MA), 4.000 Stk.

    Gilbert *) (Mansfield, MA), 5.000 Stk.

    Goetz & Westphal (Philadelphia, PA), 2.500 Stk.

    Henry (Philadelphia, PA), 10.000 Stk.

    Jenks (Providence, RI), 4.000 Stk.

    Leonard (Canton, MA), 5.000 Stk.

    Miles (Bordertown, NJ), 9.200 Stk.

    Perkins *) (Bridgewater, CT), 2.500 Stk.

    Shabbib (Philadelphia, PA), 4.000 Stk.

    Stillman (Burlington, PA), 2.400 Stk.

    Sweet & Jenks *) (N. Providence, RI), 3.000 Stk.

    Waters & Witmore (Sutton, MA), 5.000 Stk.,

    Wheeler & Morrison *) (Stevensburg, VA), 2.500 Stk.

    Winner, Nippes & Steinman (Philadelphia, PA), 9.000 Stk.


    Von 15 dieser Vertragspartner sind erhaltene Exemplare bekannt, von den vier markierten (*))

    kennt man derzeit keine überlebenden Musketen.


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    Wer glaubt, das Thema damit durchschaut zu haben, ist auf dem Holzweg.

    Die abgebildete Muskete wurde ebenfalls für die US-Regierung hergesellt,

    basiert ebenfalls auf dem Vertrag von 1808, und stammt von einem

    Lemuel Pomeroy, Pittsfield, Massachusetts. Die Stempelung am Schloss

    ist "S.CT" was für "State Contract" steht. In der obigen Liste finden wir

    Herrn Pomeroy aber nicht. Was ist los?


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    Nun, nix genaues weiß ich nicht, aber auf den zweiten Blick fällt auf,

    dass auf dieser Muskete ein Schloss mit Messing-Pfanne verbaut ist,

    was offiziell erst 1812 beauftragt und ab 1815 umgesetzt wurde. Ich vermute

    also, dass Pomeroy zwar im Auftrag der Regierung und nach dem Text

    des 1808er Vertrags agierte, aber bereits Musketen nach dem Schema des

    Modells 1816 herstellte, seien es Vorserienmodelle zum Test für die Truppe,

    oder bereits reguläre Modelle. Nachdem die Muskete keinen Datums-Stempel

    trägt, und die Stempelung "S.CT" anstelle des gewohnten "US" etwas dubios ist,

    tippe ich derzeit auf eine Vorserie.


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    Jedenfalls ein Thema, in das man sich "vergraben" kann. Nix von wegen

    "Primitive Legalwaffenbesitzer" wie unsere lieben Freunde der Staatsmacht

    so gerne behaupten. Was ich aber hier ohnehin nicht erklären muss.


    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Werner, könnte es evtl. sein das Herr Pomeroy ein Subunternehmer war, der für einen anderen Fabrikanten mitbaute?

    Erik - the master of desaster
    Gott hat den Menschen erschaffen, weil er vom Affen enttäuscht war. Danach hat er auf weitere Experimente verzichtet (Samuel Langhorne Clemens)

  • Wäre möglich, Erik, aber bisher spricht (noch?) nichts dafür. Zudem er vom

    Sitz seiner Werkstatt her etwas zu abgelegen scheint, um mit einem der Anderen

    zusammengearbeitet zu haben. Aber 'mal sehen, sollte nicht all zu schwer

    herauszufinden sein, nachdem das gezeigte Gewehr sicher nicht seine einzige

    Arbeit war.


    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • So lange es nicht zu langweilig wird, kann ich ja 'mal schauen, wie die einzelnen Vertragspartner gearbeitet haben.


    Barstow war der erste in der Liste, hier eine seiner Musketen:


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    Ist ja nicht nötig, den ganzen Sermon zur 1795er jedesmal auf's

    Neue aufzuwärmen, die paar relevanten Details sollten reichen.

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    In dem Fall: Die Fa. J&C Barstow - für Joshua und Charles - war in Exeter,

    New Hampshire ansässig, entsprechend ist auch das Schloss gestempelt.


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    Vor dem Hammer der amerikanischer Adler,

    der halt bei jedem der Betriebe etwas anders aussah.

    Nach 200 Jahren hätte ich eher "gerupftes Kücken" dazu

    gesagt, aber was soll's. Wenn da auch 'mal ein Schriftzug

    gewesen sein sollte - der ist nicht mehr zu lesen.


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    Nicht ganz normal ist die Schloss Gegenplatte.

    Die wurde normalerweise nicht gestempelt, schon

    gar nicht so:


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    "In Arms we Trust. E.Blood. 1800"


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    Keine Ahnung, wer den Schriftzug wann hier angebracht hat,

    wäre aber ein netter Leitspruch für die Legalwaffenbesitzer

    der Gegenwart. :saint:


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    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Die nächste, bitte!

    Mittlerweile nichts außergewöhnliches mehr, halt eine erhaltene Muskete von Bartlett.

    Erwähnenswert sind einerseits die Reste der Stempelung auf dem Holz, sowie die

    "Gebrauchsspuren" von 200 Jahre altem Schweiß.


    besten Gruß

    Werner


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    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Werner, Herstellermarke Bartlett ... guggt der Adler nicht auf die falsche Seite? :/

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    Wer ned liabt und wer ned lacht, wer nia kloane Fehler macht,

    wer nia guad isst und trinkt zugleich, der is lebendig scho a Leich.

  • Werner, Herstellermarke Bartlett ... guggt der Adler nicht auf die falsche Seite? :/

    Nein, aber - frag' mich bitte nicht warum!

    Ich kenne beide Varianten - sowohl von damals als auch in der Gegenwart. Offenbar nehmen die es damit nicht ganz so streng.

    Oder sie reklamieren einfach jeden Adler für sich :saint:


    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Die ist von einer "Maryland Arms Company", Kriegsberichter .

    keine Ahnung von welcher - ist nicht angegeben.

    Die haben mehrere Filialen.

    Auf Guns International sollte sie ebenfalls zu finden sein.


    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Die hier gehört nicht ganz zu der hier angeführten Gruppe,

    und eigentlich doch wieder dazu.

    Der 20. private Hersteller von den 19. Vertragspartnern, die 1808

    Regierungsaufträge erhielten.

    Sprich, eine Whithney 1798 Muskete.


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    Eli Whitney (8.12.1765 - 8.1.1825) lieferte ab 1798 Musketen

    an die US-Regierung, wie weiter oben schon geschrieben erhielt

    er 1808 keinen neuen Vertrag, sondern sein alter wurde lediglich

    verlängert. Seine jahrelange Erfahrung bei der Herstellung von
    Musketen führte dazu, dass er auch eigenständig Verbesserungen

    entwickelte und umsetzte.

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    So lieferte er - inspiriert durch das französische Vorbild der Springfield

    1795 Muskete - das dritte Modell seiner Variante mit einer Messing.-

    Pulverpfanne am Schloss aus. Die staatlichen Arsenale übernahmen

    diese Bauweise erst im Jahr 1815, auf Basis der Ausschreibung von 1812.


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    Vor dem Hammer ist das Schloss mit dem amerikanischen

    Adler gestempelt, und mit "New Haven" als Herstellungsort

    des Gewehrs.


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    Am hinteren Ende trägt die Schlossplatte die

    Stempelung "U.STATES".


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    Der runde, glatte Lauf ist der damaligen Norm entsprechend im Kaliber .69"

    gebohrt, er ist 43" lang. Er trägt den Prüfstempel es Inspekteurs Robert Orr.


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    Außerdem ist der Stempel "6". am Lauf und mehrfach am Schaftholz zu finden.

    Ob es sich dabei um einen Prüfstempel oder um ein Zeichen der Einheit, an welche die

    Muskete ausgeliefert wurde, handelt weiß ich nicht.


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    Jedenfalls erarbeitete Eli Whithney seinem Unternehmen durch

    die hohe Qualität seiner Musketen einen ausgezeichneten Ruf.

    Nicht umsonst ließ Samuel Colt knapp 40 Jahre später den

    "Walker" bei Eli Whithney Jr. produzieren.


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    Eli Whithney lieferte rund 10.000 dieser Musketen aus,

    ab und an kann man ein Exemplar im Angebot einer

    Auktion finden.


    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Hier ein Exemplar von J. Henry, Philadelphia, PA.

    Auch gut erhalten, von der Produktion her keine Besonderheiten.

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    Die üblichen Daten: .60 Kalier, .44.5" langer Lauf, auch eines der

    nach dem Muster des ersten Modells der Springfield 1795 Muskete

    gefertigten Exemplare, am leichtesten erkennbar durch die unten

    liegende Nase der Bayonett-Halterung.


    JH1808002.JPG

    Wenn man kein echter Insider ist, braucht man aber die Stempelung am Schloss

    um festzustellen, wer das jeweilige Exemplar hergestellt hat. Hinten an der

    Schlossplatte findet man "J.HENRY" und "PHILA" vor dem Hammer den

    amerikanischen Adler über "U.S."


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    Besonderheit an diesem Exemplar: Die Einheit der diese Charge Musketen

    zugewiesen wurde hat selbige offenbar personalisiert. Und deshalb wissen wir,

    dass sie von einem George Kerhart getragen wurde. Was nun tatsächlich sehr

    interessant ist, denn George Kerhart diente im amerikanischen Bürgerkrieg, also

    rund 50 Jahre nachdem diese Muskete gefertigt wurde. Die Archive der US. Army

    führen ihn als Mitglied der Kompanie D der 90ten Pennsylvania Volunteer Infantry,

    unter Anderem Veteran von Gettysburg und Antietam, beides zwar vermutlich

    nicht mehr mit dieser Muskete, dennoch erzählt sie eine Geschichte.



    JH1808004.JPG


    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Man darf nicht glauben, dass die Produktion von Musketen

    frei von Kuriositäten war. Hier ein nettes Beispiel:


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    Auch das ist eine Muskete des 1808 Vertrags, wie es zu dieser

    Ausführung gekommen ist, wurde leider nicht überliefert. Aber

    die Kuriosität endet nicht mit den Silber Inlays und den Gravuren.


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    Ungwöhnlich ist auch, dass der Lauf dieser Muskete im Kaliber .73"

    gebohrt ist. Ob er ursprünglich wie üblich vom Kaliber .69" war und

    aufgebohrt wurde oder von Beginn an in .73" gefertigt wurde, ist heute

    nicht mehr feststellbar weil - wenn aufgebohrt dann geschah auch das

    vor rund 200 Jahren.


    EW1798103.jpg

    Die Muskete ist von Eli Whithneys Produktionsstätte signiert, stammt

    aber aus den Händen von J. Henry. Offenbar hat Whithney zeitweise

    bei Henry produzieren lassen. Nicht nur dieses Sonderexemplar.

    Beide Firmen haben - zumindest zeitweise - recht eng zusammengearbeitet.


    EW1798104.jpg

    Die 13 Sterne stehen übrigens für die 13 ursprünglichen Bundesstaaten der jungen

    USA. Mangels Widmung ist leider nicht herauszufinden für wen diese Muskete

    bestimmt war, oder ob sie als firmeninternes Erinnerungsstück gefertigt worden war.


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    Abgesehen von der Verzierung ist bemerkenswert, dass das Schloss

    der Muskete mit der von Whithney bereits vor 1812 bekannten

    Messingpfanne ausgestattet ist, obwohl von Henry produziert.

    Wieder ein Exemplar bei dem man sich wünscht, dass es erzählen könnte...

    Wäre ja auch möglich - oder wahrscheinlich - dass Whithney wenigstens

    das Schloss geliefert hat.


    EW1798106.jpg

    Wobei aufgrund des Kalibers und der Inlays - durchaus plausibel - vermutet

    wird, dass es sich bei dem Gewehr um das erste Exemplar der Produktions-

    Serie handelt. Wäre das bestätigt, würden die Sammler Schlange stehen...!

    Bei der letzten Auktion hat sie US§7.250,- erzielt.


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    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Das schöne Stück hatte ich auch ins Auge gefasst.

    Ist aber für rund 3600€ verkauft worden. Ganz schöner Brocken. Aber echt ein super Klasse Teil !

    Am interessantesten natürlich mit der Widmung !