Schweizer Feldstutzer M.1851

  • Da vom Weihnachtsgeld noch was über war, habe ich mir diesen Feldstutzer per Sofortkauf aus einer uns allen bekannten Internetplattform gezogen. Schweizer Waffen sind nun überhaupt nicht so mein Ding aber in diesem Fall haben mich der günstige Preis sowie der Zustand zum Kauf verleitet. Das Laufinnere ist spiegelblank. Alle 8 Züge sind gestochen scharf. Das gemessene Kaliber beträgt tatsächlich 10,5mm. Der Stecher ist voll funktionsfähig. Allein das Korn ist für Leute mit beginnender Alterssehschwäche schon extrem fein.

    Mich wundert, dass sich auf dem Gewehr keine Nummern oder sonstigen Abnahmestempel befinden. Kenne ich bei militärischen Waffen anders. Kann man zu der Schlossplattenbeschriftung etwas sagen? "Vevey" ist ein Ort in der Schweiz und "Vulliamy" sollte ein Familienname sein. Leider hat Google - mal wieder - wenig Brauchbares ausgespuckt. Auch den einzigen "Abnahme-" Stempel in Form eines Wappens konnte ich nicht deuten. Wird wohl eine Kantonszuordnung sein. Ist das überhaupt ein Militärgewehr oder hat sich da etwa ein Offizier aus Vevey Namens Vulliamy sein eigenes Gewehr privat beschafft?

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  • Vulliamy, Charles, Vevey, Kanton Vaud (Waadt), erwähnt von 1850 bis ca. 1886.

    Der Ausführung nach ist es ein eidgenössischer Scharfschützenstutzer nach der Ordonnanz von 1851 (Feldstutzer Mod. 1851). Ob Militär oder zivil beschafft kann ich nicht sagen, aber auch die Schützen beschafften sich ordonnanzmäßige Modelle.

    Das Wappenschild (letztes Bild) ähnelt sehr dem Kantonswappen von Vaudt (zweigeteiltes Schild, oberes Feld weiß, unteres Feld grün), was dann wieder für eine militärische Verwendung sprechen könnte.

  • Danke für die interessanten Ausführungen. Scheint gar nicht so einfach zu sein militärische von privat beschafften Waffen zu unterscheiden. Hier macht mich eigentlich stutzig, dass keine Waffen-Nr. eingestempelt wurde. Zu der Schützentheorie würde ggf. auch passen, dass der Stutzer auf der Rohrhalterung zwei Gewinde für eine Dioptermontage hat. Eine weitere Gewindeöffnung befindet sich zudem vor dem Abzugsbügel. Anbei mal noch Bilder davon und von den einzigen beiden noch vorhandenen Stempeln auf der Unterseite des Laufes.

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  • Bohrungen für die Aufnahme eines Diopters (Kreuzteil) und einer Handstütze (vor dem Abzugsbügel) deuten stark auf eine zivile Verwendung hin. Aber die können auch später (also nach einer militärischen Verwendung) angebracht worden sein. Die Bohrungen sehen jedenfalls nicht so aus, als wenn sie bereits "zur Bauzeit" der Waffe angebracht worden wären. Ich würde sie für nachträglich angebracht halten.
    Wie schon mal gesagt, die Verbindung Militär - "zivile" Schützenvereine war durch das Schweizer Milizsystem sehr eng, der Wehrmann, der seine Rekrutenausbildung hinter sich gebracht hatte, erprobte und verbesserte seine Schießfertigkeit im "zivilen" Schützenverein, und das natürlich mit seiner ordonnanzmäßigen Militärwaffe.

    Aber: Im Gegensatz zu heute hatten die Bürger damals sehr viel weniger "freies Geld" für weitere Waffen, deshalb wurden gut schießende Gewehre sehr lange genutzt, sogar vererbt. Und sie wurden immer wieder an das Schießen angepasst. Für das Feldschießen (300m) waren Diopter und Handstütze nicht zugelassen (also musste man sie demontieren können) , dafür waren sie aber beim Standschießen (125 bis 175m) zulässig. Wenn man mit der gleichen Waffe Feld- und Standschießen betreiben wollte, brauchte man also einen demontierbaren Diopter und eine demontierbare Handstütze.

  • … Wozu diente eigentlich diese linksseitig eingelassene wappenförmige Platte? Sieht aus wie Perlmut.

    ??? Oder: Keine Ahnung.

    Ich kenne solche Platten (n der Regel aus Metall) auch, aber auf den Waffen, die ich in der Hand hatte, waren diese Platten nie beschriftet. Auch nicht mir einem Monogramm.

  • Was das am linken Schlosspaneel eingelassene Inlay betrifft, global betrachtet: Mitunter wurden bei militärischen Gewehren die Daten oder Wappen der Einheiten, an die sie ausgeliefert wurden, angebracht, im Extremfall (Garde) bis hin zum Namen des Soldaten, dem sie zugeteilt wurde.

    Derartiges wird es auch in der Schweiz gegeben haben, in dem Bereich würde ich mit der Suche nach dem Zweck des Inlays beginnen. Derartiges dient nicht als Signatur des Herstellers sondern wird auf Wunsch des Auftraggebers angebracht. Entsprechend...


    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • ...Mitunter wurden bei militärischen Gewehren die Daten oder Wappen der Einheiten, an die sie ausgeliefert wurden, angebracht, im Extremfall (Garde) bis hin zum Namen des Soldaten, dem sie zugeteilt wurde. Derartiges wird es auch in der Schweiz gegeben haben, ...

    Hm, möglich ist sicher vieles, aber ich kenne solche eingelassenen (leeren) Plaketten eigentlich nur von Scheibenbüchsen,. Hier eine Plakette auf einer 100% zivilen Martini-Scheibenbüchse, Kaliber 10,4x38R (Zentralfeuer), hergestellt von G. Rickenbach in Basel.Bild_07.jpg

  • Hm, möglich ist sicher vieles, aber ich kenne solche eingelassenen (leeren) Plaketten eigentlich nur von Scheibenbüchsen,. Hier eine Plakette auf einer 100% zivilen Martini-Scheibenbüchse, Kaliber 10,4x38R (Zentralfeuer), hergestellt von G. Rickenbach in Basel.

    Dem will ich gar nicht widersprechen, sammler , bloß: Irgendwo muss man anfangen, und - das Inlay war mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht Idee des Büchsenmachers sondern Auftrag des Kunden, und - nur weil es heute leer ist (ist es das wirklich?) heißt das nicht, dass es auch vor 170 Jahren schon leer war.


    besten Gruß

    Werner

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  • Also das Inlay scheint doch aus Messing zu sein und offenbar wurde mal darauf herumgehobelt. Denke das war nicht immer blank. Aber würde ja ganz gut zu einer ggf. privat beschafften Waffe passen. Da waren verm. mal die Initialen des Erstkäufers drauf.

  • Tja, wir werden es wohl nie erfahren welchen Zweck diese Einlage hatte bzw. was mal drauf stand. Interessant wären halt mal Vergleichsbilder entsprechender Stutzer. Leider scheint die Informationslage zu diesem Waffentyp - zumindest im WWW - eher übersichtlich zu sein.

  • Ich denke das sind private "Inlays", das Kreuz könnte das "Schweitzer Kreuz" darstellen; die ovale Scheibe könnte für Monogramme vorgesehen sein. Die Teile sind so unregelmäßig, daß es eher keine Massenware ist. Vielleicht könnte man alle Forum-Nutzer, die ähnliche Teile haben, "zusammenführen" .?

  • Das ovale Inlay liegt auffällig genau an dem Ort, an dem sich normalerweise die zweite Schloss-Schraube befindet.

    Steinschlosse wurden bevorzugt mit zwei Schrauben befestigt, weil mehr kinetische Energie auf die Schlossplatte übertragen wird.

    Perkussionsschlosse kommen bequem mit nur einer Schraube klar.

    Das eine Foto ist für eine Bewertung zu wenig, aber - eine Spekulation dürfte sein, dass das Gewehr mit Steinschloss gebaut wurde, irgendwann umgebaut wurde, und der Büchsenmacher es bevorzugte, dem neuen Schloss nicht eine zweite Schraube "aufzuzwingen", sondern stattdessen das hässliche Loch durch ein Inlay abzudecken. Das Schweizer Kreuz war dann eventuell nur mehr eine Folge dieser Aktion, um quasi das "ästhetische Gleichgewicht" wieder herzustellen.


    besten Gruß

    Werner

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  • Auch gut! Wäre eine Möglichkeit gewesen. Weiß man in der Praxis immer erst, nachdem man das gute Stück zerlegt hatte.


    besten Gruß

    Werner

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