Berks County

  • Büchsen stellen die am schwierigsten zu erfassende Schule unter den klassischen Longrifle Gruppen dar.

    Nicht so sehr, weil die Merkmale so kompliziert sind, sondern weil sich in Berks County jede Menge Untergruppen entwickelten.

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    Der Bogen spannt sich von den frühen Büchsen aus der County-Hauptstadt Reading über die die Blue Mountain Büchsenmacher,

    den Tulpehocken Gunsmiths, jenen aus dem Oley Valley, und nicht zuletzt den Waffenschmieden aus Schuylkill.

    Da darf man schon einigermaßen tüfteln, um einen groben Überblick zu erlangen.


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    Dazu kommt, dass das Büchsenmacher-Handwerk in Berks County bereits vor 1760 begann sich zu entwickeln, und man auch nach 1820 noch

    traditionelle Longrifles fertigte. Man muss also neben den Entstehungsorten auch die zeitliche Achse im Auge behalten, die bei den damaligen

    aktiven Zeiten der Büchsenmacher gut 3 Generationen umfasst.


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    Einige der frühen Büchsenmacher in Berks County waren nicht nur in Mitteleuropa zur Welt gekommen, sondern hatten auch das Büchsenmacher-

    Handwerk noch in Europa erlernt, wie beispielsweise Wolfgang Haga (oder Hachen) aus der Schweiz.

    Das gezeigte Gewehr repräsentiert eine der frühen Büchsen aus der Gegend um Reading, wobei der Büchsenmacher die Schaftkappe aus "Blech" kalt gehämmert

    hat, die anderen Beschläge wurden in der eigenen Werkstatt gegossen, sieht man vom Lauf und vom Schloss ab, reine Handarbeit. Und auch das Schloss wurde

    zwecks Originaltreue modifiziert.


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    Darüberhinaus ein schönes Beispiel eines typischen Gebrauchsgewehrs, das neben vom Waffenschmied gekonnt aber

    einfach gefertigt, aber ein Wenig persönliche Note muss ja doch sein. Die Oberfläche ist zu ihrem endgültigen Aussehen

    geschabt - Schleifpapier gab es damals noch nicht - und anschließend ungebeizt mit Leinöl geölt.


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    Ein aus meiner Sicht wirklich tolles Gewehr, mit 38" langem geschweiften Lauf, Kaliber .54" wie damals, als die Verwandschaft

    zur deutschen Jägerbüchse noch recht eng war, durchaus üblich. Durch die breite und wenig gekrümmte Schaftkappe dennoch

    sehr angenehm zu schießen. Wäre am STand sicher ein echter Hingucker, wenn - ja wenn ...


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    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Um Werners profunden Ausführungen zu einem wieder hochinteressanten Gewehr noch etwas handwerkliches hinzuzufügen:


    Schleifpapier gab es noch nicht, das ist richtig. Aber das Abziehen mit Ziehklinge oder Glas- bzw. Tonscherben macht schon eine recht glatte Oberfläche, Schleifen konnte man auch recht gut mit Schachtelhalm, desssen rauhe Oberfläche mit dem heutigen Schleifpapier durchaus vergleichbar ist. Und die Politur mit Bimsmehl war sowohl bei Metall- als auch bei Holzoberflächen gang und gäbe.


    Lederstrumpf

  • Die Variante mit dem Schachtelhalm kannte ich noch nicht, Lederstrumpf, jene mit den Ziehklingen dafür um so länger.

    Faszinierend dabei ist, wie sehr die Form der Ziehkingen, sprich die Kontur der in die Klingen geschmiedeten Formen/Kurven letztendlich die Form des ganzen Gewehrs bestimmt. Und auch, dass die Oberfläche nicht nur glatter, sondern zudem auch geradlieniger als von Hand mit Schleifklötzen wird.


    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Tatsächlich verwenden Instrumentenbauer (z. B. für Klarinettenblätter) auch heute noch den Schachtelhalm.


    Aus Wikipedia:

    "Eine Eigenart der Schachtelhalme ist die Einlagerung von Silicat (als Ligninersatz) in die Zellwand. Die Pflanze enthält bis zu 7 % Kieselsäure. Diese Einlagerungen machen Schachtelhalme zu einem sanften Scheuermittel (Zinnkraut)."


    Und aus einer anderen Quelle:

    "In den Zellen der sehr derben Epidermis (Oberhaut) finden sich Silikatkristalle. Aus diesem Grund wurden Schachtelhalme früher zum Glätten und Polieren von Holz, Knochen, Horn und Metall, insbesondere Zinn, verwendet. Daher auch der Name Zinnkraut. Auch Vergolder und Geigenbauer schätzen den Feinen Schliff des Schachtelhalms."


    Lederstrumpf

  • Man lernt eben nie aus! Danke, Lederstrumpf! :thumbup:


    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Tatsächlich verwenden Instrumentenbauer (z. B. für Klarinettenblätter) auch heute noch den Schachtelhalm.

    Die Preußen haben Schachtelhalm zum Polieren der Schäfte von Zündnadelgewehren verwendet. Allerdings nicht die frische Pflanze, sondern entweder getrocknete Stengel oder die Asche solcher Pflanzen.

  • Das Oley Valley zählt zu den früh besiedelten Gebieten in Berks County/PA. Es liegt nordöstlich der County-Hauptstadt Reading, und wird im Süden durch den Schuykill River begrenzt. Die frühen Siedler kamen aus Schweden, aus der Schweiz, dazu kamen französische Hugenotten, englische und walisische Quäker, und ab 1730 auch eine große Zahl deutscher Siedler.


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    Die Familie des bekannten Pioniers Daniel Boone stammt von britischen Quäkern ab, sie siedelte ursprünglich in Exeter Township im Oley Valley, zumindest von Edward Boone und Samuel Boone ist bekannt, dass sie Büchsen gefertigt haben, Eine signierte Büchse "E. Boone, Oley Valley, PA, 1817" hat überlebt. Samuel verließ Berks 1770 und zog nach Frederick/Maryland, wo er die Frederick Gunlock Factory leitete.


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    Von einem Antony Lee am Manatawny Creek ist eine Smooth-Rifle erhalten, was so ziemlich das Einzige ist, was man heute über den Mann weiß.

    Bekannter ist Henry Mauger aus Douglass Township, in Deutschland geboren, im Alter von 12 Jahren 1762 mit seiner Familie nach Amerika ausgewandert und in den Steueraufzeichnungen ab 1781 als Büchsenmacher registriert. Das Handwerk erlernt hat er vermutlich bei einem Büchsenmacher in Reading, da in der Umgebung von Douglass Township zu dieser Zeit keine anderen Waffenschmiede verzeichnet sind. Mauger gilt als einer der begabtesten Handwerker der Region, nicht nur wegen seiner eleganten Büchsen mit eingelassenen Verschneidungen, er baute zudem auch einige Steinhäuser, die heute noch stehen und besichtigt werden können.


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    Ein weiterer Büchsenmacher des Oley Valley war John Derr (Dürr), der Lehrling bei Henry Mauger war und dessen Arbeit das gezeigte Gewehr nachempfunden ist. Auch Derr bildete Büchsenmacher aus, sein Nachfolger war Joseph Faust. Ich habe noch keine näheren Daten über die beiden, würde aebr vom Namen her vermuten, dass es sich auch um deutschstämmige Siedler handelte. Obwohl im Stoeckel verzeichnet, gibt der dazu keine Aussage her.


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    Die Familie der Derrs ist in Berks sehr bekannt, ihr entstammen viele bekannte Handwerker, wenigstens noch ein Büchsenmacher (("Peter Derr's Berks County Rifle Manufactory, 1820 - 1830), andere Familienmitglieder bauten Möbel oder auch landwirtschaftliche Maschinen. 1950 erschien über die Familie das Buch "THe House Of Derrs". Von John Derr sind einige signierte Büchsen erhalten.


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    Ein Michael Aldenderfer arbeitete Anfang des 19. Jahrhunderts in Colebrookdale Township. Seine Büchsen zeigen auch Einflüsse aus dem Lehigh County, bemerkenswert sind auch seine selbst gefertigten Schlosse, nicht selten mit Schlossplatten aus Messing, zumindest in Berks County sehr ungewöhnlich.


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    Der geschweifte Lauf der gezeigten Büchse stammt noch aus den Händen von Don Getz, tatsächlich handgefertigt um dem erhaltenen Original zu entsprechen, Kaliber .45", 43" lang. Das Gewehr selbst wiegt 3,9kg. Gewehre dieser Art entstanden im Oley Valley in der Zeit zwischen 1800 und 1810.


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    Auch wenn Viele hier reine Gebrauchsgewehre bevorzugen, ich muss sagen: Mir wär's nicht zu nobel! :saint:


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    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Fantastisch schöne Kunst.


    Was ist jetzt aber mit dem "-ja wenn....." aus dem Eingangspost. Was ist das Haar in der Suppe? Was stimmt mit der Gewehr nicht?

    Ist es nur die Tatsache, dass es nicht Dir gehört?


    "Wäre am STand sicher ein echter Hingucker, wenn - ja wenn ..." sie mir gehören würde .....:think:

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    In meinen Beiträgen verwende ich bewusst Satire, Ironie, Sarkasmus und Übertreibungen, um zu verdeutlichen. Auch ohne Kennzeichnung dieser Stilelemente sollte sich der Leser dessen bewusst sein.

  • Handelt es sich hier um Stifte oder Keile?

    Geschlitzte Keile. Hierzulande soweit ich weiß nicht sonderlich üblich, drüben zu der Zeit eine Art Standard. Durch den Schlitz des Keils wird ein "Nagel" geschlagen, damit ist der Keil am Schaft fixiert und lässt sich nur so weit bewegen, dass der Lauf freigegeben werden kann. Man verliert aber keinen Keil. Die Länge muss man natürlich anpassen, aber dass derartige Teile nichts Endgültiges sind sondern quasi "Rohstoff" brauche ich Dir nicht erklären!

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    Ist es nur die Tatsache, dass es nicht Dir gehört?

    Fast! "Wenn sie in Reichweite wäre", sprich wenn man sie 'mal in die Pfoten kriegen könnte. Nicht alles von dem man lernen kann muss auch Eigentum sein, aber das Objekt mal eigenhändig und "eigenäugig" zu inspizieren ist immer lehrreich!


    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Für Europa hat man sich nie die Mühe gemacht, Schusswaffengeschichte mit modernen Mitteln wirklich in die Tiefe zu erforschen. Diesbezügliche Bestrebungen wurden größtenteils bereits im 19. Jahrhundert beendet. Bedauerlich, denn mit einiger Wahrscheinlichkeit ist die europäische Waffengeschichte deutlich komplexer als die Amerikanische. Und selbst dort kann man schon leicht überfordert werden, selbst wenn man sich auf das 18/19 Jahrhundert beschränkt, und auf Pennsylvania.


    BCM.JPGDie Karte zeigt einen Bruchteil Pennsysvanias, nordöstlich von Lancaster. Im linken Bereich Berks County (ganz unten im linken Drittel Reading), etwas nördlich die "Oley Hills", noch weiter nördlich die Blue Mountains. Rechts oben ist allerdings schon Northampton County, südlich davon Bucks County. Vergleichsweise kleine Bezirke, und was die Büchsenmacherei der Pionierzeit betrifft, fließende Grenzen.

    Wie diese Büchse aus der Blue Mountain Region von Berks County wunderschön zeigt.


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    Auf den erstn Blick fällt nichts besonderes auf. Aufgrund des "Adlernasen"-Profils, der noch vor dem Abzug beginnenden Krümmung der Laufunterseite und der letztendlich stärkeren Krümmung der Kolbenunterseite im Vergleich zur Oberseite kann man schon auf die Idee kommen, dass es sich um eine Berks County Büchse handelt. Der hölzerne Gleitdeckel deutet eventuell auf eine recht frühe Büchse hin, kein besonders nobles Gewehr, zumindest fallen zunächst keine Verzierungen auf. Was aber ein Wenig täuscht.


    BM005.jpgGut, ein paar Schaftverschneidungen sind offenbar vorhanden. Zudem weiß man, dass diese Berks County Büchse aus der Blue Mountain

    Region stammt, aber besonders Außergewöhnliche Dinge? Nö! Schaftform passt, die Verschneidungen sind symmetrisch, also Barock, was zu

    "alt (vor 1770) passt, alles erkannt und gegessen, Thema erledigt. Oder?


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    Hmm - beim letzten Foto war doch schon die Fahne der Schwanzschraube spitz zugeformt, nun

    ist auch hier noch die Schloss-Gegenplatte hinten Spitz? Sind das nicht Northampton/Lehigh Merkmale.

    Und - ach du Schreck:


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    Da findet sich die für die Northampton County Schule typische Indianerin vor dem Abzugsrahmen.

    Und - auch wenn am ersten Blick nicht aufgefallen, da sind doch mehr Verzierungen als man zunächst bemerkt hat.

    Zudem wirkt das Schloss für die Zeit eigentlich erstaunlich modern.


    BM009.jpgWenn nicht alles täuscht ist an der Stirnseite unter der Mündung das nackte Schaftholz zu sehen, die Mündungskappe

    beschränkt sich auf zugeformtes Blech. Und der Vorderschaft ist flach zugeformt. zwei weitere Details die an die Northampton

    County Schule denken lassen.


    BM012.jpgDie "aufgesetzte" Schaftkappe ist wiederum Berks, in Northampton hat man sie eingelassen. Man könnte also

    schon ein Wenig ins Grübeln kommen. Aber - alles nicht so tragisch.

    Die Büchsenmacher hielten untereinander Kontakt, und mitunter lebten und arbeiteten jene einer "Nachbarschule"

    näher als der nächste welcher der eigenen Schule angehörte. Da man unter Handwerkern sympathische Ideen von

    befreundeten Kollegen gerne übernimmt und die Schuleinteilung ohnehin mehr ein in unserer Gegenwart entstandenes

    Hilfsmittel zur Bestimmung der Herkunft als eine damals gelebte Doktrin ist, sollte man sich nicht beirren lassen.

    Wir haben hier eben eine Berks County Blue Mountain Büchse - die Schaftform kommt von den vom einstigen Lehrmeister

    erhaltenen Schablonen - mit einigen deutlichen Northampton County Merkmalen. Derartiges macht das Salz in der Suppe.


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    Der "Willhaben" Effekt wäre bei mir in dem Fall recht groß, dafür müsste ich aber den Jahresgehalt monatlich verdienen,

    bleibt also ein Traum. BM007.jpgMan sollte gleich genau schauen - das hintere Visier mit mittig auf der Grundplatte liegender Kimme ist auch Northampton County-typisch.

    Was keinen Unterschied macht. Theoretisch wär's ja auch möglich, dass der Täter einen Kollegen aus dem Nachbarcounty beerbt hat, und einfach dessen

    vorhandene Bestandteile verarbeitet hat.


    BM002.jpgEgal! Hübsches Schießgewehr halt!


    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Interessante Studie, Wernber.

    Zunächst fällt mir das Schaftholz auf, scheint sich mal nicht um Ahorn zu handeln. Sieht aus wie Nussbaum.

    Beim Schloss hätte ich auf eine Entstehungszeit um 1810-1820 getippt. Diese Hahnform und Batteriefeder mit Rolle sind vor 1800 ziemlich selten. Aber immerhin ist es auch denkbar, dass es sich um eine perfekte Modernisierung um 1820 handelt!?


    Lederstrumpf

  • Du liegst, denke ich, ziemlich richtig, Lederstrumpf.

    Walnuss war durchaus verbreitet, wenn auch häufiger für militärische Gewehre als für Longrifles.

    Die Ausführung des Schafts lässt auf 1765 - 1775 schließen, nur liegt es in der Natur der Sache, dass

    es leichter ist einen Schaft in einer aus der Mode gekommenen Form zu fertigen als ein Schloss zu

    verwenden das noch gar nicht entwickelt wurde.

    Theoretisch kann es sich zwar um ein vom Büchsenmacher gefertigtes sehr innovatives Schloss in einer

    zukunftsweisenden Form handeln, nur die Wahrscheinlichkeit dafür liegt näher bei Null als sonstwo.


    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Noch ein recht hübsches Gewehr im Stil der frühen Rifles aus Reading.

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    Nichts Besonders, aber gerade deshalb reizvoll. In dem Fall ein von einem Könner gebautes Gewehr,

    das der Kunde eben schmucklos haben wollte, entsprechend auch schmucklos bekommen hat.

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    Eine Büchse mit 40" langem, geschweiften Lauf, Kaliber .54", 5kg. schwer, der

    einfache Abzug sitzt 35,5cm vor der Schaftkappe. Der Schaft ist aus Ahorn,

    aber - traditionell mit Aqua Fortis - dunkel gebeizt.


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    Auf ein Schutzbleich an der Kolbenunterseite wurde verzichtet, der Abzugsrahmen ist - wie bei frühen Berks County

    Rifles recht häufig, vorne gestiftet, hinten von einer Holzschraube gehalten. Ein paar Jahre später hat man auch hinten

    gestiftet. Die Ladestockhalterungen sind aus Messinblech gebogen und mit einfachen, gefeilten Rillen verziert.


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    Dazu ein deutsches Steinschloss aus moderner amerikanischer Produktion,

    und - peinlicherweise - die Dinger zünden um Längen besser als alles, was

    heutzutage in Europa produziert wird.


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    Alle Beschläge sind entweder handgefertigt oder so modifiziert,

    dass sie den historischen Originalen 100% entsprechen.

    Eine der wenigen Büchsen die einerseits hochwertig und aus

    erstklassigen Komponenten gefertigt ist, aber schmucklos, fast

    schon wie eine "Barn Rifle" ausgeführt ist.


    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • OK, bei der hier lasse ich nur die Bilder sprechen.

    Nicht so sehr weil es nichts zu sagen gibt, eher weil ich im Moment noch anstehe.

    Gut, eine Berks County Rifle, aber mehr - im Moment - Nein, leider. Da muss ich noch

    etwas mehr wühlen, keine Information.


    Egal, das Stückerl ist es dennoch wert, 'mal angekuckt zu werden! Ob die am Stand

    wohl Spaß machen würde??


    Besten Gruß

    Werner


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    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Die ist aber bestimmt eine sehr frühe, hat noch sehr viele Ähnlichkeiten mit einer dt Jägerbüchse, zB Schuber, Kolbenabschlussblech und noch kein Steg zwischen Pfanne und Befestigung der Batterie.

    Leider kein Stecher, aber es gab auch Jägerbüchsen ohne Stecher.

  • Na ja, syola , Du hast recht und auch nicht. DIE ist ungefähr 2 Jahre alt! :saint:, Deine Einschätzung des Vorbildes ist aber natürlich korrekt.

    Wieder einmal eine jener Büchsen, die sehr glaubwürdig künstlich gealtert wurden, inklusive Patina und Abnützungserscheinungen.

    Ich tippe auf ein Vorbild aus Reading, was dann auch etwa Deiner Einschätzung bezüglich des Alters nahekommt. Das zumindest in Ansätzen noch in "Bananenform" ausgeführte Scheinschloss ist da mehr Indiz als der Gleitdeckel/Schuber - den hat man teils sogar noch 30 Jahre nachdem die ersten Lonfrifles entstanden waren eingesetzt, auch wenn er im Allgemeinen längst aus der Mode gekommen war.


    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Wenn man sich mit Longrifles beschäftigt, fragt man sich manchmal, von welchem Kontinent man eigentlich spricht.

    Bei der Betrachtung der Berks County Schule fehlen uns (unter Anderem) noch die Büchsenmacher der Tulpehocken Gruppe.

    Unter dem Begriff fasst man jene Waffenschmiede zusammen, die in der Gegend um Womelsdorf tätig waren. Und - Womelsdorf

    liegt nicht in Deutschland, sondern in Pennsylvania, westlich von Reading, nördlich von Lancaster.


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    Der bekannteste Büchsenmacher dieser Gruppe ist Johannes (John) Bonewitz, dessen Arbeit etwa vom Unabhängigkeitskrieg bis 1812

    nachgewiesen werden kann. Einer seiner besten Lehrlinge, Andrew Fighthorn, steht ihm kaum nach. Die erhaltenen Gewehre von beiden

    werden heute in einer Preisklasse von € 10.000,- bis € 15.000,- gehandelt, Tendenz, wie könnte es anders sein, steigend.


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    Hier abgebildet eine der erhaltenen Büchsen von Andrew Fighthorn. Er arbeitete von 1779 bis 1827,

    dürfte also einer der ersten Schüler von John Bonewitz gewesen sein. Zudem arbeitete er auch eine

    Zeit lang in Reading. Nach den Arbeiten von Patrick Hornberger über die Büchsenmacher von Berks County

    aber hauptsächlich in Womelsdorf.

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    Das Gewehr basiert auch einen Lauf der von einem 8kantigem Profil auf ein Rundes übergeht, anders

    als üblich für diese Konfiguration aber gezogen ist. Der Lauf ist 44" lang, das Kaliber ist .54".



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    Die vierteilige Patchbox ist sparsam graviert, der Deckel wird von einem einfachen

    Federmechanismus gehalten und mit einem von hinten an der Schaftkappe zugänglichen

    Riegel geöffnet. Eine der unkomplizierten aber gerade deshalb auch verbreiteten Methoden

    der damaligen Zeit.


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    Die Schaftverschneidungen sind teils eingeschnitten, teils 3dimensional abgehoben - wenigstens waren sie

    das einmal, und bereits im von Isaac Haines eingeführten Stil des American Roccoco asymmetrisch ausgeführt.

    Was auch zu erwarten ist, da Fighthorn seine Tätigkeit erst 10 Jahre nach Einführung des American Roccoco begann.


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    Das Gewehr dürfte zudem keine der frühen Arbeiten Andrew Fighthorns sein,

    das Schloss lässt auf eine Entstehung nach 1805 schließen, wobei ich leider nicht

    weiß, ab wann deutsche Schlosse mit einer Rolle an der Batteriefeder ausgestattet

    wurden, oder ob ich das Schloss - auch aufgrund der runden Pfanne - eher als

    englisches Produkt sehen soll. Auch ein Eigenbau des Büchsenmachers ist möglich,

    die Herren waren allesamt dazu fähig, meist vermieden sie aber den Arbeitsaufwand,

    wenn er nicht notwendig war.


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    Der einfache Abzug war zu der Zeit verbreitet. Insbesondere bei Gebrauchsgewehren

    wurde meist auf den Stecher verzichtet. Die Schraube hinter der Abzugsplatte stammt

    von der Reparatur des gebrochenen Schafts, leicht möglich , dass diese Reparatur noch

    in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts stattfand.


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    Zum Abschluss noch zwei Aufnahmen von der linken Seite des Kolbens.

    Ich würde auf jedem Fall vermuten, dass die Büchse kein Wallhanger sondern ein

    echtes Gebrauchsgewehr ihrer Tage war. Die Abnutzung der Holzoberflächen spricht

    dafür, die kommt nicht von unsachgemäßer Handhabung sondern vom ständigen Tragen

    der Waffe.

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    Zudem die beiden zurechtgebogenen Nägel die unter der Backe eingeschlagen wurden, zum

    Halten einer Zündloch-Nadel. In dieser Form eher die Methode von Praktikern, die Besitzer von

    Wallhangern wählten hierfür eine noblere Umsetzung.

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    Besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.