Schweizer Perkussionsbüchse

  • Hallo,

    da ist mir eine schöne Original Schweizer Perkussionsbüchse ins Haus geschneit, die wohl "hundert Jahre" irgendwo an der Wand schlummerte. Ich möchte sie gern erwecken und wieder zum "Sprechen" bringen. Aber schon der Lauf gibt mir Rätsel auf: 80 cm lang, Drall ca. 1,60 m , 8 Balkenzüge , Bleidurchtrieb ergab Feldmaß 11,6 mm , Zugmaß 11,9 / 12,0 mm . Also nicht das in der Schweiz übliche 10,5 mm . Eingesenkte Mündung. Geätzter Schriftzug " ? Fifel in Chur ". Voll geschäftet, Stecher, Diopter, Hakenkappe.

    Drall 1,6 m ist doch eindeutig für Pflasterkugel, aber 1,5 / 2 mm Zugtiefe ist doch bisschen wenig !? Und wozu dann die eingesenkte Mündung ? Für ein Langgeschoß ist der Drall zu lang.

    Eine Nachfrage beim Stadtarchiv Chur ergab um 1850 nur einen Büma "Nutin de Fifel " .

    Auf der Unterseite des Laufs nur dieses Zeichen:

    Danke für Hilfe.

  • Drall 1,6 m ist doch eindeutig für Pflasterkugel, aber 1,5 / 2 mm Zugtiefe ist doch bisschen wenig !? Und wozu dann die eingesenkte Mündung ? Für ein Langgeschoß ist der Drall zu lang.

    Auch eine Originalbüchse muß nicht unbedingt den ursprünglichen Lauf haben.


    Die Zugtiefe ist m.E. vollkommen in Ordnung

    und

    die eingesenkte Mündung könnte möglicherweise ganz einfach der Hinweis auf einen gut eingesetzten Liner sein.


    Wäre eine für mich denkbare Erklärung der von Dir geschilderten Details.

    "Im Leben braucht man zwei Dinge - Ignoranz und Überheblichkeit

    und

    der Erfolg ist einem sicher."

    (Mark Twain)

  • Meine von Paul Müller aus Chur,1852 hat das selbe Cal.ich schieße 45. Kugel, 031 Pflaster.

    Die Mündung ist eingedrängt um das Pflaster schön mittig zu platzieren .

    Ich war mit der Waffe auf drei EM und einer WM Veranstalltung, die Waffe war hervorragend mir jetzt im Alter nur mit fast 8 kg zu schwer.

    Wünsch Gut Schuss und viel Erfolg mit der Waffe.

  • Mit etwas Glück ist Deine Büchse ein Unikat, sprich die einzige erhaltene Büchse von Herrn N. Fifel.

    Zumindest sagt der Stoeckl als vermutlich genauestes Verzeichnis europäischer Büchsenmacher (für Amerika gibt es umfangreichere als den Stoeckl)

    nicht mehr als die Information her, die bei Deinem Gewehr am Lauf steht, bzw. vermutlich aus der Bauweise zu erraten ist (ca. 1850).


    besten Gruß

    Werner

  • Eure Beiträge haben mich sehr gefreut, vielen Dank.

    Inzwischen hat sich ein neues Problem ergeben: Das Piston ist abgebrochen, ging aber gut rausdrehen, hat aber ein ausgefallenes Gewinde, von dem ich nicht weiß, wo ein neues herkriegen. Gemessen außen 6,6 mm , 32 Gänge. Stifters Gunflints, bei dem ich bisher immer fündig wurde, hat leider nichts dergleichen.

    Was tun ?

  • Ich habe ausgebohrt und eine Büchse mit m 6 Gewinde hart ein gelötet. Bei uns kein Problem, da wir keine Beschusspflicht haben.

    In Deutschland müsste der Lauf neu

    Beschossen werden, wo bei du darauf achten muss, das das Beschussamt nicht auf den Lauf stempelt, sondern Dir nur eine Beschussbescheinigung ausstellt, da man sonst International nicht mehr in der Klasse Orignal starten kann und nur noch bei den Repliken zugelassen wird.

  • Ich habe vor Jahren mal einige Original-Pistons nachgefertigt bekommen. Ein Bekannter war Ausbilder in einer Lehrlingswerkstätte eines großen metallverarbeitenden Betriebs, und hat mit seinen Lehrlingen die Pistons nachgebaut. Die sollte eigentlich ein ausgebildeter Dreher anfertigen können.

    Vielleicht kennt jemand einen betrieb, der Einzelanfertigungen oder Kleinstserien von Metallteilen herstellt?

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    In meinen Beiträgen verwende ich bewusst Satire, Ironie, Sarkasmus und Übertreibungen, um zu verdeutlichen. Auch ohne Kennzeichnung dieser Stilelemente sollte sich der Leser dessen bewusst sein.

  • Hallo, Erik,

    ich war eine Woche offline, deshalb erst jetzt: das wäre schön, die Teile gibt es, ich habe sogar eines. Aber im Durchmesser leider zu klein - 6,35 mm -. Ich brauche 6,6 mm , Steigung ist o k .

    ,

    Ueli Eichelberger, der Super-Läufe und Futterläufe macht, macht auch Pistons; da will ich es mal versuchen.

  • Ueli Eichelberger, der Super-Läufe und Futterläufe macht, macht auch Pistons; da will ich es mal versuchen.

    Macht oder machte ``?

    Ich habe gehört, daß der sich in den Ruhestand begeben hat - oder begeben will.

    Wäre wieder eine gute Adresse weniger ::dry::

    "Im Leben braucht man zwei Dinge - Ignoranz und Überheblichkeit

    und

    der Erfolg ist einem sicher."

    (Mark Twain)

  • Hallo,

    noch eine Besonderheit (wenigstens für mich) an der Büchse: Sie hat keine Pulverkammer in der Schwanzschraube, nur eine 5 mm - tiefe Mulde. Der gezogene Teil geht bis an den Stoßboden der Schwanzschraube ! ? :think:


    Wie schön daß es solche Besonderheiten gibt!

  • Wie schön daß es solche Besonderheiten gibt!

    Wobei: eigentlich ist das bei Vorderlader-Büchsen Standard (gewesen), Gewehre mit Pulverkammer kamen erst um 1800 auf, und blieben in der Minderheit.

    Die Pulverkammer wurde für Gewehre mit aushakbarem Lauf verwendet, das System geht auf Henry Nock (1741 - 1804) zurück, er erhielt 1787 für seine

    Patentschwanzschraube das britische Patent No. 1598. Ziel war eigentlich das schnellere und geleichmäßigere Abbrennen des Pulvers, was auch gut funktionierte. Insbesondere ein paar Jahrzehnte später, als die Perkussionszündung aufkam.


    HN01.jpg


    Heute bevorzugen Schützen den aushakbaren Lauf wegen der einfacheren Reinigung, die Pulverkammer kriegt man dann quasi gratis mit. Deshalb ist auch die Pulverkammer heute mehr verbreitet als zur historischen Vorderlader-Zeit, als man für einfache Gebrauchsgewehre den Aufwand nicht trieb.


    besten Gruß

    Werner


    besten Gruß

    Werner

  • CF gespiegelt.jpgDanke, Werner, für Deinen Beitrag. Ich bin immer wieder begeistert, welches Fachwissen die Herren (und Damen) von der schwarzen Zunft hier bereitstellen.


    Inzwischen konnte ich auch die Bedeutung des eingeschlagenen Zeichens auf der Lauf-Unterseite erkennen, das zunächst für mich wie ein kleines Boot mit einem Männchen drin aussah. Durch mehrfaches Drehen und Spiegeln erkennt man jetzt deutlich, daß es ein F in einem C ist. F für Fifel, das C wohl für einen Vornamen. Allerdings ist das nicht der selbe Initial wie auf der Ätzung am Laufende oben.

  • Hallo, Syola,

    eine Frage zu Deiner Empfehlung Kugel .45 + Pflaster .31 - welchen Kugel-Durchmesser genau empfiehlst Du, wie dick ist Pflaster .31 ? Ich habe mit Pflaster keinerlei Erfahrung (feucht, Spucke, Fett, Oel ? ).

    Danke und Gruß

    Uwe