Revolver: Merwin and

  • Bray 8o! Ca. 1865. Hierzulande weitestgehend unbekannt.

    Recht interessant ist seine Entstehungsgeschichte, die ist nicht ganz so unbekannt,

    auch wenn man sie sich kaum 'mal bewusst macht:


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    Rollin White, Mitarbeiter bei Colt in Hartford, hatte einen Hinterlader-Revolver konzipiert. Samuel Colt

    war aber an der Umsetzung der Pläne nicht interessiert. Nicht, weil der die Zeichen der Zeit ignorierte,

    sondern weil er vom Geschäft mit dem - konservativen - Militär lebte, und er mit einer neuen, "avantgardistischen"

    Technologie die Aufträge über hunderttausende Revolver verloren hätte.


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    Rollin White erwarb das Patent, verließ Colt, und ließ sich von dem "Faustfeuerwaffen-geilen"

    Paar Horace Smith und Daniel Baird Wesson einfangen. Die beiden machten das große Geld

    und wurden Namensspender der Firma, Rollin White ging weitestgehend leer aus. auch wenn

    er die Waffenmechanik entwickelt hatte.

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    Der wesentliche Punkt; Das Patent wurde von Smith & Wesson finanziert und ging auf deren Namen, Mit

    Verlängerung galt es von April 1855 bis April 1869. Smith & Wesson vergaben in dieser Zeit keine Lizenzen

    für dieses Patent.

    Wer in diesem Zeitraum einen Revolver entwickeln und auf den Markt bringen wollte, hatte genau 3 Möglichkeiten:

    * Er baute einen Perkussionsrevolver.

    * Er verletzte die Smith & Wesson Patente und riskierte eine entsprechende Klage

    * Er entwickelte eine eigene Technologie, die das S&W-Patent der durchgehenden Trommelkammern umging.

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    Merwin & Bray entschieden sich für die letztere Möglichkeit, und für eine Technik die

    wir von Colt's Thuer Conversion kennen: Die Patronen wurden von vorn in die Trommel

    geladen, weshalb die Trommel nicht mit durchgehend zylindrisch durchgebohrte Kammern

    gefertigt war.

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    Der Rahmen dieses Revolvers orientiert sich offenbar an den frühen Smith & Wesson Revolvern No. 1, No. 1 1/2

    und No. 2, war allerdings "nur" 6schüssig, hatte keinen aufklappbaren Rahmen sondern rechts hinten einen

    Auswerfer, der die "Hülsen" nach vorne auf der Trommel stieß, das ganze für eine .30" Zündhütchen Patrone.

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    Die Produktions-Verhältnisse bei Merwin & Bray dürften damals noch recht chaotisch gewesen sein,

    die technische Qualität der Waffen war zwar sehr gut, sie waren - nicht beim Militär aber bei privaten

    Kunden - auch recht erfolgreich, allerdings sind keine erhaltenen Zahlen über die produzierte Stückzahl

    bekannt, und auch was Seriennummern betrifft sieht die Sache eher mager aus.

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    Der gezeigte Revolver dürfte 1865 entstanden sein, und ist sehr gut erhalten. Sowohl die Brünierung als auch die

    Silberbeschichtung am Rahmen sind größtenteils erhalten, und auch die - originalen - Elfenbeingriffschalen sind

    in sehr gutem Zustand. Was für die Qualität des Revolvers spricht, denn um ein "köfferchengepflegtes Spielzeug"

    handelt es sich offenbar nicht. offenbar durfte er einige Male auch als Hammer herhalten.


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    Eine hübsche Waffe aus der Zeit, als Patronenrevolver noch Exoten waren. Das einzige eigene

    Projekt von Merwin & Bray, 1874 wandte sich Joseph Merwin den Brüdern Milan und William

    Hulbert zu, mit dem bekannten, durch diverse Unfälle aber erfolglosen, Resultat.


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    Das war's dann auch schon, mehr fällt mir nicht mehr ein... :saint:

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    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.