Wie Waffen richtig vererben?

  • Hallo zusammen,


    jedes Leben ist endlich, auch das von LWBs.

    Und jeder tut gut daran, beizeiten den Nachlass zu regeln, denn man will ja den Hinterbliebenen durch ein Nachlass-Chaos nicht noch zusätzliche Belastungen aufbürden.


    Ein Problem für Hinterbliebene sind oftmals die Waffen, insbesondere, wenn die direkten gesetzlichen Erben selbst keine LWBs sind.


    Im folgenden ein paar Gedanken dazu, in der Hoffnung, dass noch viel dazu kommt.

    Mit Glück hat man die gesetzlichen Erben informiert, dass sie unverzüglich auf der zuständigen Behörde den Erbfall melden müssen, und eine Erben-WBK beantragen müssen, wenn sie die Waffen behalten wollen.

    1. Hürde: Da aber Unbefugte keinen Zugang zu den Waffen haben dürfen, dürfen sie auch zu Lebzeiten nicht wissen, wo der Schlüssel zum Waffenschrank ist, oder wie die Tresorkombination ist. Also diese Info zugriffssicher hinterlegen!

    2. Hürde: Erb-WBK beantragen. Da die offizielle Politik lautet, dass so wenige Waffen wie möglich im Volk sein sollen, soll der SB in der Regel versuchen, die Erben zum Waffenverkauf oder zur Waffenabgabe zu überreden. Dabei spielt auch eine Rolle, dass er dann die Kosten für die Waffenblockierung (die er anordnen muss) herausstellt. Alternativen bekommt ein Erbe normalerweise nicht genannt

    3. Hürde: Es wird wohl normalerweise der Nachweis der sicheren Lagerung verlangt, und da auf die neuesten Tresornormen hingewiesen. Auf Ausnahmen im Rahmen der Erbschaft wird kaum hingewiesen

    4. Fallstrick: Waffenfachkunde. Auf Blockierung kann verzichtet werden, wenn ein Sachkundenachweis erbracht wird. ABER! Wer seine Erbwaffen in der Zwischenzeit einem Verwandten überträgt (mit Eintrag auf dessen WBK), der bekommt diese Waffen hinterher nicht mehr als Erbwaffen eingetragen. Also nur per Leihschein abgeben, oder bei einem Händler einlagern.

    5. Überlegen, ob man die Waffen nicht gleich den Enkeln vererbt (ohne Regelung im Rahmen der gesetzlichen Erbfolge gehen die Erbwaffen meist auf die Ehefrau oder einen Sohn)

    6. Eventuell nicht einem einzelnen Erben, sondern auf mehrere gemeinsam übertragen und eine gemeinsame WBK eintragen lassen. Geht das?


    Für einen LWB geht es also nicht ohne Testament. Besser noch ist wohl ein Koffer, in dem alle wichtigen Infos und Handlungsanweisungen zusammengefasst sind. Es wäre ja schade, wenn die Erben die Waffen zu dem preis veräußern würden, den man "seiner Holden" genannt hat. "Oooch. Die SIG hab ich ganz billig für nur 150 Euro bekommen...... Ich rauche ja auch nicht."



    Welche Ideen habt Ihr noch dazu?

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    In meinen Beiträgen verwende ich bewusst Satire, Ironie, Sarkasmus und Übertreibungen, um zu verdeutlichen. Auch ohne Kennzeichnung dieser Stilelemente sollte sich der Leser dessen bewusst sein.

  • Ein einfaches Gespräch mit den zukünftig Erbberechtigten reicht eigentlich schon.


    So weiss ich, was zu tun ist, wenn mein Vater mal aus dem Leben scheidet.


    Noch Schweiz-spezifisch:

    Auch in der Schweiz habe ich schon gehört, dass die Behörden versuchen, die Waffen im Namen der Erbberechtigten zu veräussern, was eine verdxxxxx Schweinerei ist.

    Der Erbe hat, sofern sein Leumund gut ist, das Recht, die Waffen legal zu übernehmen, auch Vollautomaten etc. Dazu benötigt er nicht pro Waffe eine Bewilligung, sonder es reicht, pro Waffenkategorie eine Bewilligung zu beantragen. So können hunderte Waffen mit einem einzigen Waffenerwerbschein für CHF 50.- und Dutzende Vollautomaten auf eine Ausnahmebewilligung für CHF 150.- an den Erben übertragen werden.


    Falls die Waffen veräussert werden sollen ist es ratsam, diese auf EINEN Erben zu übertragen; beim Verkauf hilft das. Das Aufteilen auf mehrere Erben ist auch möglich, wobei dann jeder Erbe die Bewilligung beantragen muss.

  • Die nötigen Informationen kannst du den Erben im Testament hinterlassen. Es gibt zwar Formvorschriften (vollständig handschriftlich, Unterschrift oder notariell beurkundet), aber es gibt keine inhaltliche Vorschriften. Der Wille des Erblassers muss nur zum Ausdruck kommen. Du kannst in das Testament reinschreiben, wo der Waffenschrankschlüssel liegt, ob die einen neuen Waffenschrank brauchen oder nicht, Pflegehinweise für die Waffen gehen auch. Das Testament hinterlegst du beim Nachlassgericht. Dafür brauchst du keinen Notar. Gegen geringe Gebühr wird es dort verwahrt. Im Todesfall erfährt das Nachlassgericht automatisch über das Standesamt vom Todesfall und informiert die Erben. (Zentrales Testamentsregister). Wenn du befürchtest, dass jemand dass Testament anfechtet, (der Alte war bei der Abfassung nicht mehr richtig im Kopf etc.), dann mach es beim Notar. Der Notar darf nur beurkunden, wenn er überzeugt ist, dass der Erblasser voll geschäftsfähig ist. Testamente, die beim Notar verfasst sind, kann zwar jemand anfechten, aber es ist aussichtslos. Hier stellt die Rechtsprechung Rechtssicherheit über Restzweifel. Es ist zu überlegen, ob die Erben die Waffen überhaupt haben wollen. Lieber die zu Bedenkenden als Haupterben einsetzen und Waffen/Munition/Schrank an einen WBK-Besitzer vererben, der hat die einmalige Chance mehr Kurzwaffen auf seine WBK zu bringen, als es sonst möglich ist. Das Testament ist eine einseitige Willenserklärung. Aber es steht nichts entgegen, einen zusätzlichen Vertrag zu schließen, der Waffenerbe muss an die Haupterben Summe x zahlen. Das Testament ist nur eine Möglichkeit den Nachlass zu Regeln. Genauer ist ein Erbvertrag zwischen Erblasser und Erben. Da kann geregelt werden, das Jagdgewehr bekommt der Sohn, die Pistole der WBK-Besitzer, dafür zahlt er an den Sohn Summe x. Das geht nur notariell beurkundet. Alle müssen anwesend oder vertreten sein. Für die Erben gibt es keine Überraschung. Falls du spannende Kurzwaffen hast und die Erben die Waffen eh nicht wollen, kannst du mich kontaktieren. Bis zum Todesfall passiert es mal gar nichts. Die Waffen sind dein Eigentum. Du kannst sie verkaufen, im Wald verlieren etc. Das ganze wird erst wirksam nach dem Todesfall und wenn bis dahin die Waffen noch zur Erbmasse gehören. Wenn deine Erben keine WBK haben, werden sie die Waffen sowieso verkaufen. Das jemand extra Waffensachkunde etc. macht nur um die Erbwaffen verwenden zu können ist unwahrscheinlich. Entweder die Erben haben eine WBK, dann hast du deine Probleme nicht, oder sie werden sie verkaufen, dann hast du die Probleme auch nicht. Zum Büma. Die Waffen für Geld blockieren lassen, damit sie doch nur rumliegen..... das macht in Realität dich kaum jemand.

  • Zitat

    Lieber die zu Bedenkenden als Haupterben einsetzen und Waffen/Munition/Schrank an einen WBK-Besitzer vererben, der hat die einmalige Chance mehr Kurzwaffen auf seine WBK zu bringen, als es sonst möglich ist.

    Heißt es, dass wenn Erbe eine WBK hat, dann kann er ALLE vererbten Waffen einfach auf seine WBK eingetragen bekommen?

  • Das steht in den

    Allgemeine Verwaltungsvorschrift

    zum Waffengesetz

    (WaffVwV)

    Zu Paragraph 20 Waffengesetz unter 20.2.2


    „Geerbte Schusswaffen werden auf die nach den §§ 13 oder 14 bestehenden Waffenkontingente nicht angerechnet“.


    13 ist Jäger, 14 Sportschütze.


    Die Antwort auf deine Frage ist „Ja“ Gilt nicht für Kriegswaffen oder dergleichen. Den Panzer, den Opa sei dem Ende des Zweiten Weltkriegs in der Scheune versteckt hat, kriegst du nicht in deine WBK eingetragen. Das MG auch nicht.

  • Eine meiner Fragen, auf die ich noch keine Antwort gefunden habe:


    1) Kann ich Waffen an eine Gruppe benannter Erben gemeinsam vererben, und bekommen die dann auch eine gemeinsame Erben-WBK?


    2) Hat jemand Anspruch auf eine Erben-WBK, bzw. die Eintragung als Erbwaffe bei schon vorhandener waffenrechtlicher Erlaubnis, der nur mit einem Vermächtnis (d.h. jemand der nicht zur Gruppe der gesetzlichen Erben zählt) betraut ist?

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  • Zu 1) Weiß ich nicht

    Zu 2) Der Erbe einer Waffe ist der Erbe einer Waffe. Ob gesetzlich, Vermächtnis ist egal. Es ändert an den Möglichkeiten bei seiner WBK nichts. Er muss nur konkret der Erbe der Waffe sein. „Onkel Holger darf sich etwas im Wert von 5000 Euro aussuchen“ sind ganz üble, zweideutige Formulierungen.

  • Nachtrag: Klar gibt es Erbengemeinschaften. „Meinen Vorderlader, Modell Nr usw. vermache ich meinem lieben Sohn Holger und meiner garstigen Tochter Ingrid zu gleichen Teilen. Die Erben müssen sich dann auseinandersetzen. Holger nimmt die Waffe und zahlt Ingrid aus, die Waffe wird verkauft und beide teilen sich das Geld. Oder sehr wahrscheinlich: Sie werden sich nicht einig und den Wert der Waffe haben die Anwaltskosten längst aufgezehrt. Aber, ob es eine gemeinsame WBK gibt? Keine Ahnung.

  • Es gibt ganz normal gemeinsame WBKs


    Dazu habe ich folgendes Urteil gefunden:

    "BVerwG, Urteil vom 27.01.2016 - Aktenzeichen 6 C 36.14

    DRsp Nr. 2016/5339

    Ausstellung einer gemeinsamen Waffenbesitzkarte durch Mitbesitz von mehreren Personen an einer Schusswaffe; Erteilung einer Besitzerlaubnis für eine Person mit einem waffenrechtlichen Bedürfnis für Schusswaffen mit einem generellen Benutzungsverbot (hier: Erbwaffen)

    Die Ausstellung einer gemeinsamen Waffenbesitzkarte setzt voraus, dass mehrere Personen Mitbesitz an ein- und derselben Schusswaffe haben und jede Person einen Anspruch auf Erteilung der Erlaubnis für den Schusswaffenbesitz hat.Personen mit einem waffenrechtlichen Bedürfnis darf keine Besitzerlaubnis für Schusswaffen erteilt werden, die einem generellen Benutzungsverbot unterliegen.Schusswaffen im berechtigten Besitz von Erben ohne waffenrechtliches Bedürfnis unterliegen einem umfassenden, durch die Blockierpflicht gesicherten Benutzungsverbot. Dies schließt berechtigten Mitbesitz von Personen mit einem waffenrechtlichen Bedürfnis aus. ....."



    Folglich können nur die Erben ohne waffenrechtliches Bedürfnis oder alternativ Erben, die alle ein waffenrechtliches Bedürfnis zusammen eine gemeinsame WBK haben.


    Es geht also nicht, wenn nur einer der Erben Jäger, Sammler oder Schütze ist, aber die Anderen nicht.


    Hintergrund meiner Überlegung:

    Wird eine Waffe vererbt, so gelten Regeln zu Besitzsstandswahrung. Warum also nicht eine Waffe 1. und 2. Generation gemeinsam vererben?

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  • Ich meine WBKs sind immer personengebunden. Selbst im Verein ist die WBK nicht auf den Verein ausgestellt, sondern auf eine Person. Von daher wird es wohl eine Gruppen WBK nicht geben.

    Da muss ich dir leider kein Recht geben,!

    Unsere WBKs sind alle auf den Verein ausgestellt.

    Unter amtlichen Eintragungen werden dann die Personen eingetragen,die verantwortlich sind.



    Der Hauptgrund für Stress ist der tägliche Kontakt mit Idioten
    (Albert Einstein)

    animiertes-wolf-bild-0013.gif


  • Da muss ich dir leider kein Recht geben,!

    Unsere WBKs sind alle auf den Verein ausgestellt.

    Unter amtlichen Eintragungen werden dann die Personen eingetragen,die verantwortlich sind.

    ok. Wieder was gelernt. Ich muss mal bei uns im Verein nachfragen. Da hieß es mal, dass die WBK nicht auf Verein ausgestellt werden kann, sondern einer Person zugeordnet ist. Kann aber im Grunde auch dem entsprechen, was Du geschrieben hast.

  • Interessant. Das mit der gemeinsamen WBK wusste ich auch nicht. Aber meine Überlegung wäre eher, wer hat echtes Interesse an den Waffen und will nicht nur nett zu Opa/Vater/etc. sein. Ist bei den Erben keine WBK vorhanden, würde ich echtes Interesse verneinen. Für jede Waffe 150 bis 250 Euro an den Büma zu zahlen, damit sie blockiert wird + Gebühr für WBK + Gebühr für Einträge, damit das Zeug ewig nur rumliegt? Ich interessiere mich für Waffen. Aber würde mir die WBK aus irgendeinem Grund entzogen, (beispielsweise ein Nervenleiden mit chronischem Zittern) und ich würde Waffen erben, würde ich die verkaufen. Je nach Anzahl der Waffen lege ich nicht einige Tausend Euro hin, damit die Waffen in einem Panzerschrank liegen. Für den Erben ohne WBK ist es eine Belastung und kein Gewinn.

  • ok. Wieder was gelernt. Ich muss mal bei uns im Verein nachfragen. Da hieß es mal, dass die WBK nicht auf Verein ausgestellt werden kann, sondern einer Person zugeordnet ist. Kann aber im Grunde auch dem entsprechen, was Du geschrieben hast.


    WaffG §10 (2)

    ---- BDMP ---- DSB ----- ProLegal ---- German Rifle Association ----


    "Ein Grüner ist erst dann zufrieden, wenn er einem anderen Menschen etwas verboten hat!"

  • duffmanohyeahr


    Das war tatsächlich früher mal so. In meinem DSB Stammverein waren die "ersten VereinsWBK's" auch "normale WBK's" die der erste Vorsitzende "zusätzlich" hatte und die auf ihn ausgestellt waren.

    Irgendwann wurde der von mir oben gepostete Paragraph im WaffG geändert/eingeführt und seit dem gibt es die VereinsWBK in der Form, wie wie die heute kennen. das Dokument selbst ist ja auch von der gelben oder grünen abweichend und ermöglicht die Eintragung von bis zu 6 Berechtigten.


    Gruß

    Frank

    ---- BDMP ---- DSB ----- ProLegal ---- German Rifle Association ----


    "Ein Grüner ist erst dann zufrieden, wenn er einem anderen Menschen etwas verboten hat!"

  • Ein Verein ist eine juristische Person... wieso sollte hier keien WBK ausgestellt werden können?

    Alles Gut, ich hatte ja schon geschrieben, dass mir das so nicht bekannt war. Hoffe das beantwortet Deine Frage ?


    Ist auch bei uns tatsächlich so, WBK auf Verein ausgestellt, aber verantwortliche / berechtigte Person(en) muss angegeben sein. Nur auf Verein geht nicht ohne Angabe verantwortliche / berechtigte Person geht nicht.


    Im Verein wurde bislang immer nur gesagt, ne ne die Vereins WBK ist auf Vorsitzenden ausgestellt. Gemeint ist aber ,dass der Vorsitzende verantwortliche / berechtigte Person ist.