.400 Cor-Bon

  • Wer das Kaliber nicht kennt, .400 Cor-Bon ist bei uns noch kein CIP reguliertes Kaliber sondern Wildcat. Daher ist bei uns in Deutschland keine Fabrikmunition verfügbar. Für den Wiederlader ist es jedoch ein sehr interessantes Kaliber. Das grundsätzliche Prinzip ist ähnlich wie bei .357SIG wo eine .40S&W Hülse auf ein 9mm Geschoss mit Flaschenhals eingezogen wird. Nur bei .400 Cor-Bon halt eine Nummer größer eine .45ACP Hülse auf 10mm. Geschosse sind reichlich verfügbar, da eben Geschosse Verwendung finden die sonst in 10mm Auto und .40S&W verladen werden. Hülsen kann man sich theoretisch aus .45ACP Hülsen selbst umformen i.d.R. sogar ohne extra Umformmatrize sondern mit der normalen Recalibriermatrize mit viel fetten (muss nur ganz runter auf Anschlag gedreht werden, oder alternativ den Hülsenhalter um 0,1mm abschleifen sodass die Position des Flaschenhalses stimmt). Noch besser sind natürlich direkte .400 Cor-Bon Hülsen verfügbar von Starline, die sind auch etwas stabiler haben nur halt Zündglocken für Small Pistol statt Large Pistol Zünder (je nach Ladung und Pulver kann es notwendig sein dann Small Pistol Magnum Zünder zu verwenden um eine gute vollständige Anzündung zu garantieren). Die .400er Starline Hülsen können auch häufiger wiedergeladen werden. Umgeformte Hülsen insbesondere aus abgefeuerten .45ACP Patronen müssen früher aussortiert werden weil z.B. der Hülsenmund einreißt. Den Hülsenmund wieder weich glühen wie bei Gewehrhülsen üblich, sollte man lieber lassen, nicht das der sichere Geschosssitz dadurch zu nichte gemacht wird.

    Wiederlade-Matrizensätze gibt es von RCBS, Lee und Redding. Ich verwende die von RCBS. Dieser besteht nur aus 2 Matrizen (Die Setzmatrize hat die Möglichkeit einen Rollcrimp anzubringen vorgesehen). Je nach Geschoss benötigt man noch eine Aufweitmatrize die dort nicht enthalten ist. Ich nutze eine extra Universalaufweitmarize für eine ganze Kaliberspanne die eigentlich für Gewehrhülsen gedacht ist, diese weitet nur sehr kurz aber steil auf. Wenn man diese sauber einstellt optimal. Der Matrizensatz von Lee besteht aus 3 Matrizen mit Aufweitmatrize, da spaart man sich die zusätzliche Aufweitmatrize.

    Zusätzlich verwende ich von LEE eine Factory-Crimp Matrize für .400 Cor-Bon um einen festen Geschosssitz zu garantieren, wenn Geschosse ohne Grimprille verwendet werden (Wie die meisten üblichen Geschosse die eigentlich für 10mm Auto oder .40S&W vorgesehen sind). Auf einen festen Geschosssitz muss immer geachtet werden, da das Geschoss ja nur in dem recht kurzen Hülsenhals gehalten wird (In sofern sollte man auch wenn ein Hülsenmund Aufweiten zum Geschoss setzen notwendig ist hier sparsam mit dem Aufweiten umgehen). Ein zu lose sitzendes Geschoss könnte beim Zuführen der Patrone in der Halbautomatischen Pistole im ungünstigen Fall weiter in die Hülse rein geschoben werden, was einen deutlichen Druckanstieg verursachen würde!!!

    In der .400 Cor-Bon finden wie gesagt Mantel- und Vollgeschosse Verwendung die eigentlich für 10mm Auto und .40S&W gedacht sind, also i.d.R. ohne Crimprille. Spezielle Geschosse für .400 Cor-Bon mit Crimprille für einen Rollcrimp sind bei uns kaum zu bekommen. Macht aber nix, wenn man beim glatten Geschoss ein Factory-Crimp macht. Für gefettete Bleigeschosse ist das Kaliber nicht geeignet, da die Fettrillen i.d.R. durch den kurzen Hülsenhals schon im Pulver frei liegen würden. Auch normale Gaschecks reichen da nicht.


    .400 CorBon

    https://loaddata.com/Cartridge/400-CorBon/351

    http://reloadammo.com/400corbn.htm


    .400 Cor-Bon ist auch desshalb interessant weil man für viele robustere .45 ACP Pistolen lediglich einen Austauschlauf benötigt. Der Rest bleibt gleich, kein ganzes Wechselsystem, kein anderen Auswerfer oder Auszieher etc. Die .400 Patronen werden auch in das normale .45er Magazin geladen, es werden keine anderen Magazine benötigt. Nur zu lasche Magazinfedern mag das Kaliber nicht, wenn man das Magazin komplett auffüllt, kann es bei zu laschen Magazinfedern zu Zuführstörungen kommen. Ein paar Pistolen wie z.B. 1911er mit einfachem Browningsystem ohne zusätzliche Bufferfeder brauchen eine stärkere Schließfeder oder zumindest eine erhöhte Federvorspannung.

    Ich verwende zur Zeit eine H&K Mark23 mit Austauschlauf von IGB Austria in .400 Cor-Bon ohne weitere Modifikationen.


    .400 Cor-Bon

    140grs Barnes TAC-XP 40005 .400

    OAL 31,10mm

    7,3grs Reload Swiss RS20

    Hülse: .400 Cor-Bon Starline (Innenvolumen ca. 1,600 cm3 bei 22,80mm)

    Zünder: RWS 4047 SP-M

    mittlerer LEE Factory Crimp

    V0 aus 149mm ca. 393m/s ca. 702 Joule

    Gasdruck ca. 1801 bar


    Eine brauchbare Blei freie Laborierung auch zum Fangschuss auf Wild geeignet.

    Dadurch dass das Barnes Kupfergeschoss für das Auge optisch kaum wahrnehmbar nach hinten hin verjüngt und nur in er Mitte auf einem kurzen Stück volles Zugmaß besitzt (dadurch senkt Barnes bei dem glatten Kupfergeschoss ohne Druckentlastungsflächen oder Führbänder den Einpressdruck im Lauf auf ein erträgliches Maß) kann hier i.d.R. auf ein Aufweiten der Hülse zum Setzen des Geschosses meist verzichtet werden. Sollte man eine Hülse beim stetzen des Geschosses ein ganz klein wenig gestaucht haben kann man das meist reparieren in dem man die Hülse mit entferntem Ausstosser mit einer .45ACP Recalibriermatrize überkalibriert.

    Der Rückstoss ist schärfer aber deutlich kürzer als bei .45ACP, meiner Meinung nach fast angenehmer zu schießen als .45 ACP mit 230grs. Der verbesserte Browningverschluß der Mark23 verriegelt damit sehr zuverlässig. Der Verschluß schlägt gefühlt nicht stärker an als mit .45ACP.


    Und wie immer auf eigene Gefahr, jeder Wiederlader handelt eigenverantwortlich!


    weitere Laborierungen in Kürze.

  • Gibt es bei der Cor-Bon eigentlich auch das Problem der OAL wie bei der. 357SIG? Denn da hat man leider nicht so eine große Geschossauswahl, wegen der Magazinabmessungen.

    Ist ein interessantes Kaliber. Ich mag Flaschenhülsen bei Kurzwaffen.

  • Eigentlich nicht, grundsätzlich kann fast jede OAL wie bei der .45ACP verwendet werden. Man muss halt nur darauf achten dass die Geschosse fest sitzen. Und von 10mm Auto / .40S&W gibt es reichlich brauchbare Geschosse.

  • Die .400 CorBon ist ein Hülsen-Schulteranlieger, der Flaschenhals entscheidet also, das bedeutet natürlich, wenn man Hülsen selbst von .45ACP aus umformen sollte, muss man genau darauf achten das der Flaschenhals auf der richtigen Höhe geformt wird.

    Dafür kann man dann auch problemlos einen stärkeren Factory-Crimp ansetzen ohne dass die Patrone Gefahr läuft weiter in das Lager zu rutschen, und eben sollte man auch Geschosse mit Crimprille bekommen einen kräftigen Rollcrimp.

    Soweit mir bekannt ist aber auch die .357 SIG ebenfalls ein Schulteranlieger und kein Hülsenmundanlieger, was die DEVA dazu bewogen hat in Ihrem Buch von Hülsenmundanlieger zu sprechen weis ich nicht, vielleicht einfach nur ein Druckfehler?

  • So hier noch ein paar weitere Laborierungen mit normalen Geschossen.


    .400 Cor-Bon

    155grs Speer TMJ 4399 .400

    OAL 31,10mm

    8,7grs Reload Swiss RS20

    Hülse: .400 Cor-Bon Starline (Innenvolumen ca. 1,600 cm3 bei 22,80mm)

    Zünder: RWS 4066 SP Sintox

    mittlerer LEE Factory Crimp

    V0 aus 149mm ca. 382m/s ca. 731 Joule

    Gasdruck ca. 1451 bar


    Eine sehr angenehm zu schießende Scheibenlaborierung, die mit einem komplett gekapselten Vollmantelgeschoss, sowie einem Schwermetall freiem Zünder, die Anforderungen für Non-Tox Munition erfüllt. Auch hier schlägt der Verschluß gefühlt nicht stärker an als mit .45ACP. Der Rückschlag selbst etwas schärfer aber kürzer. Interessanter Weise funktioniert diese Laborierung mit dem normalen standard Small Pistol Zünder in Non-Tox ganz gut. Die anderen Laborierungen hatten dagegen mit dem Zünder Schwierigkeiten und laufen nur mit dem Magnumzünder zufriedenstellend.


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    .400 Cor-Bon

    165grs Speer Gold Dot Hollow Point 4397 .400

    OAL 31,10mm

    8,2grs Reload Swiss RS20

    Hülse: .400 Cor-Bon Starline (Innenvolumen ca. 1,600 cm3 bei 22,80mm)

    Zünder: RWS 4047 SP-M
    mittlerer LEE Factory Crimp

    V0 aus 149mm ca. 372m/s ca. 739 Joule

    Gasdruck ca. 1554 bar


    Die Laborierung war bei mir äußerst präzise. Das Gleiche mit 8,4grs RS20 geladen bringt zwar etwas mehr Geschwindigkeit und Energie dafür ging bei mir der Streukreis ein klein wenig weiter auseinander, aber immer noch o.k. Zum Rückschlag und Anschlagen des Verschlusses das Gleiche wie oben schon erwähnt.

    Die Laborierung ist für den jagdlichen Fangschuss durchaus geeignet.


    Und wie immer auf eigene Gefahr, jeder Wiederlader handelt eigenverantwortlich!

  • So und nun zu den Spaßlaborierungen die zumindest ein wenig Richtung Full House gehen.


    .400 Cor-Bon

    155grs Speer TMJ 4399 .400

    OAL 31,10mm

    12,6grs Alliant Blue Dot

    Hülse: .400 Cor-Bon Starline (Innenvolumen ca. 1,600 cm3 bei 22,80mm)

    Zünder: RWS 4047 SP-M

    kräftiger LEE Factory Crimp

    V0 aus 149mm ca. 403m/s ca. 817 Joule


    .400 Cor-Bon

    165grs Speer Gold Dot Hollow Point 4397 .400

    OAL 31,10mm

    12,2grs Alliant Blue Dot

    Hülse: .400 Cor-Bon Starline (Innenvolumen ca. 1,600 cm3 bei 22,80mm)

    Zünder: RWS 4047 SP-M

    kräftiger LEE Factory Crimp

    V0 aus 149mm ca. 393m/s ca. 824 Joule


    Gasdruck sollte bei beiden Laborierungen eigentlich noch im grünen Bereich sein. Schießen tun sie beide sogar relativ präzise, wenn auch nicht mit ganz so gutem Streukreis wie die oben mit RS Pulver.

    Auch wenn die Laborierung mit dem Gold Dot HP mit Blue Dot geladen energie- und präzisionstechnisch auch jagdlich tauglich wäre, würde ich davon abraten, allein schon wegen dem unnötig kräftigen Mündungsfeuer.

    Der Rückschlag ist deutlichst kräftiger. Auch wenn der verbesserte Browning Verschluß der Mark23 hier gut verriegelt so schlägt der Verschluß gefühlt dennoch deutlich kräftiger hinten an (Ich gehe mal davon aus, dass der deutlich höhere Mündungsgasdruck dieser Laborierung mit unvollständigem Abbrand dafür verantwortlich ist, dass der Verschluß dann nach Entriegelung auch wenn das Projektil vielleicht schon aus dem Lauf raus ist, immer noch sehr kräftig nach hinten beschleunigt wird und entsprechend anschlägt). Die Mark23 welche ich z.Z. verwende, ist zwar eine sehr robuste Pistole. Dennoch wären hier, wenn man diese Laborierung regelmäßig dauerhaft schießen möchte, entsprechend verstärkte Federn bestimmt keine schlechte Idee (Welche man von der Stange für diese Waffe nicht so einfach bekommt), oder zumindest eine erhöhte Vorspannung! Aber für andere Waffen bei denen man andere Federstärken fast von der Stange kaufen kann bestimmt nicht schlecht mit Funfaktor.


    Und wie immer auf eigene Gefahr, jeder Wiederlader handelt eigenverantwortlich!

  • So sehr interessant die obigen Ladungen und Geschosse aus der Mark23 mit dem 149mm IGB Lauf mal auf ballistische Gelatine getestet


    Das 140grs Barnes TAC-XP mit der .400 Corbon RS20 Ladung von oben drang ca. 14 Zoll tief ein und vergrößerte den Querschnitt auf 0,75 Zoll


    Das 165grs Speer Gold Dot mit der .400 Corbon RS20 Ladung aus Beitrag 6 drang genau 16,5 Zoll tief ein und vergrößerte den Querschnitt auf 0,66 Zoll


    Das 155grs Speer TMJ mit der .400 Corbon RS20 Ladung aus Beitrag 6 durchschlug den 22,5 Zoll langen Gelatineblock komplett und verschwand Dahinter im Geschossfangsand.


    Das Kupfergeschoss behielt 100% seines Gewichtes. Das Gold Dot verlor ca. 0,3% seines Gewichtes wahrscheinlich durch Abschmierung, Fragmente waren keine zu erkennen es blieb in einem Stück.

  • In der zielballistischen Leistung übertrifft die .400 Corbon 140grs Barnes TAC-XP Laborierung mit RS20 aus 149mm Lauf aus dem ersten Beitrag sogar minimal die hier im Video getestete 10mm Auto 140grs Barnes TAC-XP. Wobei man natürlich schon sagen muss dass die Waffe im Video einen kürzeren Lauf hat. Allerdings hatte ich auch auf 25m geschossen und nicht auf 3 bis 5m wie wohl im Video.

  • Das 165grs Speer Gold Dot mit der .400 Corbon RS20 Ladung aus Beitrag 6 etwas verstärkt auf 8,4grs RS20 erhöht, macht dann schon 18 Zoll ballistische Gelatine mit ähnlicher Querschnittsvergrößerung. Allerdings wird der Streukreis ein ganz klein wenig größer.


    Generell macht sich das Kaliber .400 Corbon sehr gut mit 155 bis 165grs schweren Mantelgeschossen mit Bleikern. Hier kann man auch problemlos die Energie einer 10mm Auto duplizieren.

    Bis 180grs Bleikerngeschosse zu verwenden ist kein Problem, allerdings muss man dann schon genau auf festen Geschosssitz bzw. auf entsprechenden Crimp achten und auch nicht zu viel aufweiten.

    200grs Geschosse könnte man zwar theoretisch auch verladen, hier geht aber erstens zu viel Hülsenvolumen verloren, sodass man bei den niedrigeren Gasdrücken der .400 Corbon nicht mehr über die Leistung einer .40 S&W hinaus kommt. Zweitens hätte ich hier Bedenken in Hinsicht auf festen Geschosssitz.


    Beim Blei freien Barnes TAC-XP aus Kupfer erreicht das 140grs Geschoss Leistungsmäßig das Optimum (Von der Länge und dem Hülsenvolumenverbrauch ist das ähnlich eines 180grs Mantelgeschosses mit Bleikern)

    Das 155grs Barnes TAC-XP ist so lang und verbraucht so viel Hülsenvolumen wie ein 200grs Mantelgeschoss mit Bleikern, sodass hier eine schlechtere Leistung zu erwarten wäre.