Geschossenergie - Lauflänge

  • Ich habe zwei Fragen:

    1) Die Energieangaben auf der Munitionspackung, bei Kurzwaffen E0 oder bei Langwaffen E0, E100 etc., auf welche Lauflängen beziehen sich diese Angaben?

    2) Gibt es eine Formel, die Energie auf Lauflängen umzurechnen? Beispielsweise: Dieselbe Munition aus einem 5 Zoll Lauf, hätte aus einem 2 Zoll Lauf, wieviel Prozent weniger Energie?

  • 1) Das steht normalerweise in den Datenblättern des Munitionsherstellers,

    z.B. hier für GGG .308 168gr HPBT Matchmunition: barrel length 600 mm, twist 11“

    http://www.ggg-ammo.lt/en/ggg-308-win-design-gpx13

    Wie Du siehst, spielt nicht nur die Lauflänge sondern auch der Drall eine Rolle.


    2) Umrechnen kannst Du das mit einem Ballistikprogramm, welches die Munitionsdaten beinhaltet.

    In der Praxis zeigt sich aber, daß man das besser nochmal nachmißt, z.B. mittels Labradar o.ä.

  • .......


    2) Gibt es eine Formel, die Energie auf Lauflängen umzurechnen? Beispielsweise: Dieselbe Munition aus einem 5 Zoll Lauf, hätte aus einem 2 Zoll Lauf, wieviel Prozent weniger Energie?

    die Energie kann nicht einfach per Prozentrechnung von einer Lauflänge auf eine andere übertragen werden.

    Die kinetische Energie ergibt sich aus der Masse des Projektils und der Geschwindigkeit.

    Genau aus der Hälfte der Masse und dem Quadrat der Geschwindigkeit.

    Es spielen zuviele Variablen eine Rolle um die Lauflängenänderung in diese Formel zu implementieren.

  • Das kostenlose "Gordons Reloading Tool" (wurde hier im Forum mal empfohlen, so kam ich drauf) erlaubt auch die Eingabe der Lauflänge. Habe gerade mal probiert: Halbierung der Lauflänge meines Navy .38 Long Colt ergab ca. 20% weniger Geschossenergie.

  • Habe gerade mal probiert: Halbierung der Lauflänge meines Navy .38 Long Colt ergab ca. 20% weniger Geschossenergie.


    Dann ist dieses Programm m. M. nichts wert! Bei der Berechnung der Geschossenergie macht das Geschossgewicht nur einen halben Wert, die Geschwindigkeit jedoch einen Quadrarwert aus. So wenig verliert man nicht durch eine Laufkürzung, es sei denn vielleicht, Du kürzst einen 1 7/8" Snubby auf 15/16"


    Mitr

    Ich bin immun gegen Marketing. Aus diesem Grunde trinke ich kein Red Bull und habe keine Waffen von H+K!

  • Erstaunlich, dass niemand eine Formel kennt. Ein Jäger der für einen Fangschuss 200 Joule braucht (Schalenwild) um gesetzeskonform zu sein, hat keine Ahnung, was er eigentlich abschießt. Auf der Munitionspackung steht eben irgendwas. Ob das auf seine Waffe auch zutrifft, mehr oder weniger ist, muss er fühlen.

  • Erstaunlich, dass niemand eine Formel kennt. Ein Jäger der für einen Fangschuss 200 Joule braucht (Schalenwild) um gesetzeskonform zu sein, hat keine Ahnung, was er eigentlich abschießt. Auf der Munitionspackung steht eben irgendwas. Ob das auf seine Waffe auch zutrifft, mehr oder weniger ist, muss er fühlen.

    es gilt halt einfach m halbe multipliziert mit V Quadrat.


    Und E100 (oder sonst eine Entfernung ) hängt dann von der Geschwindigkeit bei dieser Entfernung ab. Die Masse ist konstant.

    Die Lauflänge spielt bei unterschiedlichen Kalibern auch unterschiedliche Rollen.


    Es gibt Kaliber, da ändert sich vor allem der Geschossabfall, bei anderen die Geschwindigkeit. Bei manchen leidet die Genauigkeit und bei manchen Kalibern nur gering, wenn der Lauf etwas kürzer wird. usw, usw, usw


    Die Formel für die kinetksche Energie ist schlicht. Da kann kein einfacher Zusatztherm so viele Variablen treffend mit einbinden ... auch wenn es augenscheinlich "nur" um die Lauflänge geht.


    Bei der Startrampe einer Rakete kann man auch nicht ablesen, mit wieviel G das Teil dann in Richtung All beschleunigt.

  • Erstaunlich, dass niemand eine Formel kennt.

    Es gibt durchaus Formeln, die sind aber so komplex und benötigen so viele (häufig unbekannte oder schwer messbare) Variablen, dass sie schlichtweg in der Praxis nicht anwendbar sind.



    Ob das auf seine Waffe auch zutrifft, mehr oder weniger ist, muss er fühlen.

    Nein, messen. Dafür gibt es entsprechende V(o) Messgeräte.

  • Näherungsformel würde mir reichen. :) Oder anders ausgedrückt. Welchen Wert haben die gesetzlichen Regelungen bei der Jagd , wenn es eigentlich niemand kontrollieren kann?


    Ich nehme diese Munition


    https://www.frankonia.de/p/cci/22-lfb-velocitor-hv-hp/113152


    Hat laut Packungsaufschrift Eo=248 Joule und ich kann den Fangschuss gesetzeskonform mit einer Kleinkaliberpistole ausführen. Macht bei einem ausgewachsenen Keiler wenig Sinn, aber gesetzeskonform wäre es auch mit dieser Waffe


    https://www.progun.de/de/shop/…&s_hk=1&s_sk=22&o=preis_a


    Irgendwie absurd. Welcher Jäger hat ein Vo-Messgerät? ich weiß es ja wirklich nicht, welche Energie die KK-Munition aus dem Deringer hat. Und ich kann es auch nicht wissen.

  • Bei der Berechnung der Geschossenergie macht das Geschossgewicht nur einen halben Wert, die Geschwindigkeit jedoch einen Quadrarwert aus.

    Eben darum: wenn die Pulvergase länger das Geschoss beschleunigen können (weil der Lauf noch nicht zu Ende ist, anstatt einen "schönen" Mündungsblitz zu erzeugen), geht der Effekt in die Geschwindigkeit und damit quadratisch in die Energie ein.

    Bis jetzt bin ich mit dem Tool sehr zufrieden: die berechnete Energie habe ich mit dem Chrono nachgemessen. Meine .38 LC hatten berechnet 220 Joule, gemessen 195 Joule (allerdings 3 m vor dem Lauf - musste wegen der Lichtverhältnisse etwas weiter weg). Liegt gar nicht mal so weit daneben, finde ich.


    Tja, wenn ich nun noch einen Lauf hätte, der nur halb so lang ist ... :-)

  • Gemeint ist, dass die Änderung der Lauflänge bei verschiednen Kalibern unterschiedlichen Einfluss auf Werte, wie Geschwindigkeit, Abfall oder Präzision hat.

    Geschossabfall und Geschossgeschwindigkeit stehen aber untrennbar in direkter Korrelation.


    So wie Du das geschrieben hattest, klingt das so, dass bei Änderung der Lauflänge bei manchen Kalibern nur die Geschossgeschwindigkeit ändern würde und bei anderen nur der Geschossabfall. Das ist aber nicht so.


    Daher die verwirrte Nachfrage und hier jetzt nochmal die Klarstellung für den unbedarften Leser.


    Korrekt ist, dass bei unterschiedlichen Kalibern (und unterschiedlichen Ladungen im gleichen Kaliber) die Lauflängenänderung unterschiedliche Auswirkungen auf die Mündungsgeschwindigkeit haben kann, abhängig davon was für ein Pulvertyp geladen ist, wie und wann die maximalen Gasdrücke erreicht werden und wie groß das resultierende Laufvolumen ist.

  • ergänzend zu den guten Links von Phil noch einer für die .223


    https://www.all4shooters.com/d…ngton-ballistik-buechsen/

    Interessant: aus dem Diagramm kann man die Mündungsgeschwindigkeit der Sig 550 und 552 gut vergleichen, der eine Lauf ist ziemlich genau halb so lang wie der andere und ergibt tatsächlich um 20% Unterschied!

    Kann natürlich Zufall sein - und ob das für Kurzwaffen auch so gilt - da sind es ja nur ein paar cm ...