Unbekannte Steinschlossbüchse "Long Rifle" Kal. 45 Bj. 1991 ?

  • Sicher. Nur wurden (im ländlichen Raum) Vorderlader deutlich länger genutzt als allgemein angenommen. Schwarzpulver war immer verfügbar und günstig zu erwerben, Passende Patronen waren deutlich seltener verfügbar und zudem viel teurer. Und zur Fleischbeschaffung reichten die Vorderlader allemal aus,und die Farmer hatten zudem auch kein Geld übrig für irgendwelche neuen Gewehre, so lange die alten noch funktionierten.

    Aus den Anfangszeiten der Neubesinnung auf das Vorderladerschießen in den USA ist bekannt, dass in etlichen ländlichen Geschäften immer noch Feuersteine verfügbar waren. sicherlich nicht im vorderen Bereich, eher in hinteren, verstaubten Ecken, aber sie waren verfügbar.

    Damit gebe ich dir absolut recht. Mit meinem Post wollte ich lediglich darauf hinweisen, dass solche Studioaufnahmen zur Untermauerung der gemachten Aussagen nicht taugen. Du kannst auch diese auch damals schon berühmten Scouts nicht mit der einfachen Landbevölkerung vergleichen.

    Happy Trails


    Texas Jack


    SASS life # 55314


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    “They Knew Their Duty And They Did It,” John S. “Rip” Ford, Texas Ranger

  • ...Studioaufnahmen zur Untermauerung der gemachten Aussagen ….

    Ich habe ähnliche Studioaufnahmen aus den Jahren des ersten WK liegen, da ließen sich die Soldaten noch in der Heimat und bevor es an die Front ging vom Fotografen ablichten, natürlich mit einem Gewehr. Und da wurde dann das genommen, was der Fotograf so in seinem Fundus hatte wie z.B. Vorderlader oder preußische Zündnadelgewehre.
    Die Bilder sind oft das Einzige, was von dem Abgebildeten übrig geblieben sind; nur lassen sich aus diesen Fotos eben keine Rückschlüsse auf die tatsächliche Bewaffnung ziehen.

  • Ich habe ähnliche Studioaufnahmen aus den Jahren des ersten WK liegen, ....nur lassen sich aus diesen Fotos eben keine Rückschlüsse auf die tatsächliche Bewaffnung ziehen.

    sag ich doch :thumbsup:

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  • Man muss, wenn man aus Fotos Informationen (Kleidung, Bewaffnung, Ausrüstung …) gewinnen will, sehr deutlich zwischen im Studio entstandenen Aufnahmen und anderen Fotos unterscheiden. Zudem muss man immer berücksichtigen, dass bei der damaligen Fototechnik (vor ca. 1900) keine echten Schnappschüsse möglich waren, Aufnahmen (zumindest von Menschen) also immer "gestellt" waren.

  • Man kann wohl doch aus den Fotos schließen, dass die Bewaffnung nicht als unpassend angesehen wurde.

    Ich kann mir gut vorstellen, dass die "Berühmtheiten" die Ausstaffierung wohl nicht so akzeptiert hätten, wenn die Waffen lächerlich, aus der Zeit gefallen, ausgesehen hätten.

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    In meinen Beiträgen verwende ich bewusst Satire, Ironie, Sarkasmus und Übertreibungen, um zu verdeutlichen. Auch ohne Kennzeichnung dieser Stilelemente sollte sich der Leser dessen bewusst sein.

  • Versteht mich nicht falsch, ich habe absolut nichts gegen Studioaufnahmen; oft sind sie das Einzige, was wir aus der betreffenden Zeit/von der abgebildeten Person haben. Nur sollte man eben wissen (und berücksichtigen), das es Studioaufnahmen und keine "Schnappschüsse" sind.

  • Die Ausstaffierung im Photostudio wurde wohl als passend angesehen, was mich schließen lässt, dass die Longrifles zu der Zeit als die Aufnahmen entstanden (ca. 1870) immer noch in Gebrauch waren.

    Ein Reenactor, der sich an der Mitte des 19.Jahrhunderts orientiert, wird auch nichts Gravierendes falsch machen, wenn er als Waffe eine Longrifle führt. Und für frühere Darstellungen ab 1780 wird er mit der oben vorgestellten Waffe auch nicht negativ auffallen. (obwohl eher in die Zeit nach 1800 passend)

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  • ... die Longrifles zu der Zeit als die Aufnahmen entstanden (ca. 1870) immer noch in Gebrauch waren....

    Ich habe zwar keine Zahlen aus den USA, weiss aber, dass im nicht-militärischen Bereich der Übergang vom Vorder- zum Hinterlader deutlich langsamer ablief als heute vielfach vermutet.

    Für Deutschland kann ich belegen, dass 1872 maximal 500 Schützen einen Hinterlader hatten und dass 1878/79 noch etwa die Hälfte aller deutschen Schützen mit Vorderladern schossen.

  • Auch vom Gewerbeverein München wurden noch Steinschlosswaffen hergestellt. (gegründet in den 1840er Jahren) Ich habe ein Exemplar, das ein deutscher Auswanderer erworben hatte. Es gab wohl die Vorstellung, dass die modernen Zündhütchen nicht überall zu haben seien.

    Und Du sammler hast wohl einmal erwähnt, dass es noch in den 1860er Jahren Wettbewerbe mit Steinschlosswaffen gab.

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    In meinen Beiträgen verwende ich bewusst Satire, Ironie, Sarkasmus und Übertreibungen, um zu verdeutlichen. Auch ohne Kennzeichnung dieser Stilelemente sollte sich der Leser dessen bewusst sein.

  • Ich suche eine Waffe allgemein für die zweite Hälfte des 18.Jahrhunderts. Ab 1800, bzw. die Napoleonik, habe ich bereits die erforderlichen Waffen.

    Wenn also jemand jemanden kennt der... einfach mal melden. Im Moment bin ich da noch ganz offen.

  • Auch vom Gewerbeverein München wurden noch Steinschlosswaffen hergestellt. (gegründet in den 1840er Jahren) Ich habe ein Exemplar, das ein deutscher Auswanderer erworben hatte. Es gab wohl die Vorstellung, dass die modernen Zündhütchen nicht überall zu haben seien.

    Die belgische Waffenindustrie hat noch um 1920 Vorderlader gefertigt, für den Export nach Afrika. Andere Waffen waren für die dortigen Eingeborenen verboten.

  • Wenn es um die 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts in Nordamerika geht, passt die obige Waffe.

    Zwar ist das Schloss etwas zu modern, - war wohl Wunsch des Käufers, weil die restlichen Komponenten stimmen,

    nur ist das ein Detail auf das kein Mensch achtet. Nach dem Motto "Steinschloss ist Steinschloss". Die englische Herkunft

    des Schlosses passt für York County.


    Was Vorderlader im 19. Jahrhundert betrifft. Da gab es sehr unterschiedliche Präferenzen, abhängig von den persönlichen

    Bedürfnissen. Waldläufer, insbesondere Einzelgänger, bevorzugten Steinschlossgewehre. Feuersteine konnten sie finden,

    sie benötigten wenig Blei - die Kugeln wurden aus dem geschossenen Wild "geborgen" und neu gegossen, lediglich Pulver musste

    ab und an gekauft werden.

    Wer nicht an militärische (einschüssige) Hinterlader kam, und sich deren - teure - zivile Varianten nicht leisten konnte (Sharps, …),

    bevorzugte für die Jagd Perkussionsgewehre, da Repetierer a la Winchester bis in die 1880er zu wenig Geschoßenergie für

    größere Tiere lieferten. Und auch für die - sehr populären - Schießbewerbe der breiten Bevölkerung wurden Steinschloss- und

    Perkussionsvorderlader bevorzugt. Hinterlader kamen nur bei den prestigeträchtigen großen Bewerben der "Stars" zum Einsatz.


    Wirklich Bedeutung verloren haben Vorderlader erst, als Marlin seine Unterhebelrepetierer für die .45-70 Patrone auf den Markt brachte

    - ab 1879 wenn ich's richtig im Kopf habe, und Winchester so in Bedrängnis brachte, dass die John Moses Browning engagierten und dessen

    Gewehr als Winchester 1886 ebenfalls für die .45-70 Munition anbieten konnten.


    Aber immer noch, - wer sich hauptsächlich in der Wildnis aufhielt, und keine Menschenjagd betrieb, wollte nicht von der Möglichkeit,

    Patronen, Zündhütchen und sonstige "Kleinigkeiten" einkaufen zu können, abhängig sein, entsprechend blieben sie immer noch beim

    Steinschloss Gewehr, das die größte Unabhängigkeit bot.


    Und der 2. Mann auf den Postkutschen bevorzugte kurze, zweiläufige Schrotflinten. In den 1840ern noch Vorderlader, sobald verfügbar

    aber Hinterlader.


    Viele unterschiedliche Bedürfnisse - viele parallel nebeneinander existierende, oft sehr individuelle Lösungen.


    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Allright! Das Gesamtbild verschiebt die Büchse etwa in die 1820er Jahre - sprich "späteres" York County.

    Damit passt das Schloss dann doch, und die Büchse ist quasi 100% korrekt gebaut.


    besten Gruß
    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.