Susquehanna River

  • Der Susquehanna River entspringt im Bundesstaat New York, letztlich gebildet aus

    aus zwei Quellflüssen die sich in Northumberland/Pennsylvania zusammenschließen.

    Erstmals erwähnt wird er auf einer Landkarte von einem John Smiths,

    aus dem Jahr 1612, auf der er als Sasquesahanough eingetragen ist.


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    Nachdem wir uns hier nicht mit Geographie beschäftigen, obiges nur als Hintergrundinformation.

    Warum?

    Weil - wie könnte es in dem Fall anders sein - das abgebildete Gewehr als Northern Susquehanna Rifle

    bezeichnet wird. Sie stammt von einem unbekannten Büchsenmacher aus dem nördlichen Bereich des

    "Susquehanna Tals". Was genau "nördlich" bedeutet, sei bei einem 715km langen Fluss dahingestellt,

    von der Bauweise her würde ich aber auf auf Northumberland County/PA tippen, also die Gegend wo die

    beiden Quellflüsse des Susquehanna sich vereinen.


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    Kein großartig nobles Gewehr aus der Blütezeit der Longrifles, allemal aber das Produkteines eines nicht nur begabten

    sondern auch recht verspielten Büchsenmachers. Noch war ich zu faul, die Silber- und Messing Inlays zu zählen,

    jedenfalls aber sind es "ausreichend viele".

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    Dem Trend der Zeit folgend sind die Inlays - nicht zuletzt auch die Patchbox - von der Kontur her aufwändig gestaltet,

    dafür aber nur recht spärlich - wenn überhaupt - graviert. Verschneidungen am - sehr schönen - Ahorn-Schaft

    sind überhaupt nicht zu finden. Typisch für Longrifles, die etwa um 1825 - 1840 entstanden sind.


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    Sieht man von den Schlossgegenplatten ab - da ist's ja notwendig - ist kein Inlay verschraubt, nicht

    einmal die Teile der Patchbox, alle sind mit Silbernägeln befestigt.


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    Das Gewehr ist bemerkenswert gut erhalten, es sind keine Reperaturen erkennbar, das Holz ist nirgendwo gebrochen,

    alle Inlays sind vorhanden. ein bemerkenswert hübsches Exemplar, wage ich zu behaupten.


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    Typisch auch, dass die Inlays nicht vollständig im Holz eingelassen sind, sondern nur etwa zur Hälfte,

    die Inlays also über die Holzoberfläche hinausstehen. Das war so beabsichtigt und hat nichts mit

    Holzschrumpfung zu tun. Sus008.JPG


    Leider ist das Gewehr nicht signiert, - würde mich durchaus interessieren wer diese

    Arbeit abgeliefert hat. Mal sehen, ob meine Bibliothek da noch ein paar Informationen hergibt.

    Es ist ja durchaus wahrscheinlich, dass das Gewehr auch in der Vergangenheit schon einmal

    abgelichtet wurde, vielleicht mit mehr zusätzlicher Information.


    Sus009.JPG


    Apropos Information: ´Der Lauf des Gewehrs ist 42" lang, in einem Kaliber von .45".

    Relativ dickwandig, entsprechend ist das Gewehr auch kein ganz leichtes Exemplar seiner Gattung.


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    Viel mehr gibt es nicht zu sagen. Der Stecher wird aufgefallen sein, nicht so sehr vielleicht die

    Öse unter der Backe, zur Aufbewahrung einer Zündlochnadel

    Jedenfalls ein Gewehr das ich gerne hätte, damit bin ich aber vermutlich nicht alleine.


    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Ein sehr schönes Original. Weisst Du warum es seinerzeit Mode war die Inlays nur zur Hälfte einzubetten? Griffigkeit?

    Die Kimme ist ja ziemlich weit vorne, fällt mir so auf.

    Woher soll ich wissen was ich denke, bevor ich nicht gehört habe was ich sage?

  • Was die Kimme betrifft: Kundenwunsch! Und - reine Spekulation, aber nicht ganz unlogisch: ich denke da an Altersweitsichtigkeit. Ja älter ein Schütze ist, desto mehr schätzt er ein Wenig Distanz zur Kimme. Vielleicht nicht in 100% der Fälle, aber nicht weit davon entfernt.


    Was die Inlays betrifft- ursprünglich war es üblich, Inlays überhaupt nicht einzulassen. Vielleicht die Schaftkappe, aber Schloss-Gegenplatte und Abzugsrahmen waren zunächst meistens nur aufgesetzt, mehr "Inlays" gab es zunächst nicht. Später hat man diese versenkt, sie nicht vollständig einzubetten ist - vermute ich - eher eine Folge des Arbeitsprozesses. Man bettet die Inlays ein, bevor man den Schaft endgültig in Form bringt. Wenn man die passend einlässt um sie anschließend zu entfernen und den Schaft seine Endbearbeitung zukommen lässt - damals hat man Schaber verwendet, Schleifpapier gab es noch nicht - ist das Metall dann eben nicht zu 100% versenkt. Je mehr schnelle "Massenfabrikation" gefragt war, desto weniger kümmerte man sich um zeitraubende künstlerische Details wie einen 100% glatten Verlauf zwischen Holz und Metall.

    Auch nur eine Vermutung, fundiert kann ich's nicht sagen.

    Man könnte auch behaupten, dass durch die Handhabung das Holz "abgegriffen" wird, während das härtere Metall keine Abnutzungserscheinungen zeigt, dann wäre der Effekt aber nicht auf der kompletten Waffe gleichmäßig vorhanden.


    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Gerade über den - virtuellen - Weg gelaufen,

    und da man von der Stilrichtung her eine gewisse Verwandtschaft vermuten könnte,

    einmal kurz hier eingestellt:


    JTB001.jpg

    Wobei: Verwandtschaft bezieht sich in dem Fall auf die "Schule", nicht auf den Büchsenmacher.

    Den muss ich erst suchen. Ein "J.T. Brewer" aber der Stoeckl ist gerade nicht bei der Hand.

    JTB002.jpgDas Schloss ist ein in Philadelphia gefertigtes Allen & Armstrong, vom Büchsenmacher

    also zugekauft, zu dem Zeitpunkt bereits amerikanische Ware und kein englisches oder

    deutsches Importschloss.


    JTB003.jpgAbgesehen von der Patchbox finden sich auf dem Schaft 32 Inlays, angeblich Silber,

    Messing und Horn. Wenn ich mir den Schaft so ansehe würde ich zumindest teilweise

    eher auf versilbertes Messing tippen, mit der üblichen Unsicherheit von Ferndiagnosen.


    JTB006.jpgJTB004.jpg

    Im Prinzip ist das auch völlig unbedeutend, die Arbeit des Büchsenmachers ist so oder so die selbe,

    im einen Fall war der Kunde halt bereit mehr auszugeben als im Anderen...


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    Warum ich dieses Gewehr ebenso wie die Eingangs gezeigte Büchse

    für eine Susquehanna Rifle halte, dürfte einigermaßen klar sein.

    Mir sind zumindest keine anderen Schulen bekannt, die extensive

    Verwendung von Inlays mit dieser Schaftform kombinierten.


    JTB008.jpg

    Das Gewehr ist übrigens 142cm lang, zur Lauflänge gibt es keine Angaben,

    aber ich würde auf 38" - 40" tippen. Kaliber ist 48".

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    Der Lauf trägt eine "saubere" Signatur des angesprochenen J.T. Brewer,

    wenn auch auf dem Foto kaum lesbar.

    JTB010.jpgEine hübsche, späte Steinschlossbüchse, zur Auktion bei "Invaluable",

    bin 'mal gespannt, welcher Preis erzielt wird. Rufpreis ist €1.500,-,

    gerechnet wird mit $ 3.000,- bis 5.000,-, bisher keine Gebote.

    Man wird sehen.


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    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.