Wann Johann Michael Limmer

  • zur Welt kam ist unbekannt, offenbar wurde er in Kronach/Bayern geboren und

    begann die Büchsenmacher-Lehre 1702 in Wien. Nach deren Abschluss kehrte er

    nach Kronach zurück und arbeitete von 1716 bis 1735 als Büchsenmacher. Soweit

    die spärlichen Daten zur Person, die mir bekannt sind.


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    Sehr wahrscheinlich war er verwandt mit dem Büchsenmacher Johann (Hans) Limmer aus

    Kronach (erwähnt zwischen 1664 - 1591), vielleicht dessen Sohn.

    Johann begann seine Lehre ebenfalls in Wien, aber eben schon 1664.


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    Die Familie dürfte einige Büchsenmacher hervorgebracht haben, zumindest wird ein weiterer

    Johan Limmer aus Stadt Steinach/Bayern , geboren 1689 und tätig in Bamberg/Bayern erwähnt,

    und ein Johann Friedrich Limmer, geboren 1681, beginnt seine Büchsenmacher-Lehre (Laut Stöckel)

    1700 (im Alter von 19 Jahren???) in - wie könnte es anders sein? - Wien.


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    Alles ziemlich gleichgültig, denn das hier gezeigte Gewehr stammt

    eben von dem eingangs erwähnten

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    Die Waffe finde ich durchaus interessant, weil sie traditionelle Radschloss Technik

    mit Elementen vereint, die zwar durchaus in die angesprochene Zeit passen,

    die in dieser Form aber dennoch meist - wenn auch fälschlicherweise - einem

    späteren Zeitraum zugeordnet werden. Hier praktisch der "lebende" Beweis

    dafür, dass es Stecher oder Faltkimmen, oder - zumindest Ansatzweise - Diopter

    schon ein bisserle früher gab als gerne angenommen wird.


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    Der Schaft ist relativ schlicht gearbeitet, dafür sind die Metallteile hübsch und

    durchaus gekonnt graviert.

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    Keine übertrieben prunkvolle Waffe, die Beschläge durchwegs aus Stahl-

    sieht man von der Kimme ab - aber doch ein recht nobles Jagdgewehr das

    sich ein einfacher Bauer wohl eher nicht leisten konnte-


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    Der geschweifte Lauf ist 66cm lang, die Gesamtlänge der Büchse

    beträgt 93cm - bei der Mehrzahl der amerikanischen "Konkurrenz" ist

    allein schon der Lauf länger als hier das gesamte Gewehr. Dennoch

    war es mit Sicherheit eine zuverlässige und treffgenaue Waffe, aber eben

    für andere Notwendigkeiten optimiert.


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    Jedenfalls ist auch dieses Gewehr - einigermaßen wohlbehalten - in der

    Neuen Welt gelandet und wird für grob € 6.500,- angeboten. Ein Preis

    der mich für eine mehr als 300 Jahre alte Büchse in dem Zustand nicht

    unbedingt schreckt. Auch wenn ich sie mir nicht kaufen würde.


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    Wie dem auch sei, jedenfalls 'mal wieder eine Kleinigkeit für's Auge.


    besten Gruß

    Werner

    Wenn Schusswaffen die Ursache für Gewalt und Leid sind, muss die Menschheit vor dem 13. Jahrhundert friedfertig und glücklich gelebt haben.



  • Hallo Werner,


    endlich mal etwas zum Thema Radschloss! Das Diopter bzw die Lochkimme ist tatsächlich interessant. Ich vermute, dass hier eine Doppelnutzung dieser Büchse zur Jagd und zum Scheibenschießen vorlag. Weißt Du etwas zum Laufprofil bzw. zum Kaliber?


    Gruß!


    whitesmoke

    H. L. Mencken: "For every complex problem there is an answer that is clear, simpel and wrong!" ::hahah::

  • Die Kombination Kimme und Diopter habe ich schon häufiger gesehen.

    Man schaut durch das Diopter und sieht Kimme, Korn und Ziel deutlich schärfer.

    Für meine mittlerweile in die Jahre gekommenen Augen sehr hilfreich. Ich könnte mir vorstellen, dass das auch bei der Jagd benutzt worden ist. Bei einer meiner Steinschloss-Jägerbüchen gibt es das Teil auch:

    waffenforum.gun-forum.de/wcf/attachment/52255/


    Immer wieder erstaunlich, dass so ein kleines, loses Teil im Laufe der Jahrhunderte nicht verloren gegangen ist.


    Lederstrumpf

  • ...

    Immer wieder erstaunlich, dass so ein kleines, loses Teil im Laufe der Jahrhunderte nicht verloren gegangen ist.


    Lederstrumpf


    Na wenn alle Besitzer schon älter und halb blind waren,

    dann war das ein wesentliches Teil ohne das Schießen unmöglich war.

    Insoweit für mich schon nachvollziehbar.


    grin-.)

    gender political correctness sagt - Fraustoppwirkung!

  • Das ist noch kein Diopter (dazu fehlt die Verstellung in Höhe und Seite) sondern so etwas wie eine aufgesteckte Iris-Blende oder ein Ghost Ring und hilft, gleichzeitig Kimme, Korn und Ziel scharf zu sehen. Lyman hat dann etwas sehr ähnliches später noch einmal "erfunden" und sich patentieren lassen.

    Wenn mich nicht alles täuscht, heisst so ein Teil im österreichischen "Guckerl".


    Das es auch früher schon Schützen mit Altersweitsichtigkeit gab, kann man daran sehen, dass auf etlichen Scheibenbüchsen die Kimmen recht weit vorn (also näher an der Mündung) sitzen.


    Ergänzung: Radschlossbüchsen waren bei den Schützen noch lange beliebt, denn die Schussabgabe ist ruhiger, die Hahnbewegung stört nicht. Auch zu den Dingen, die ein Büchsenmacher als Meisterstück vorlegen musste, gehörte (zumindest in Suhl) bis weit ins 19. Jahrhundert auch eine Radschlossbüchse.