"Papierpatrone" für Palmetto Sharps Karabiner .54

  • Hallo zusammen,



    vor rund 30 Jahren kaufte ich mir einen Palmetto Sharps Karabiner, dem


    ich versuchte mit den passend erhältlichen Ladehülsen etwas zu entlocken,


    was man als Präzision bezeichnen konnte, leider ohne Erfolg.


    Grund war vor allem die geringe Pulvermenge, die in die Hülse passte und der


    Umstand, dass aufgrund des sehr kurzen „Patronenlagers“ nur Rundkugeln zu


    verwenden waren. Das führte dann dazu, dass das Gewehrchen in den Waffenschrank


    nach ganz hinten wanderte, wo es bis Mitte diesen Jahres Dornröschenschlaf hielt.


    Der wieder aufkeimende Spaß am Schwarzpulver verleitete mich nun dazu, doch noch


    mal an das Teil zu gehen und…………… jetzt geht’s. Die vielen Fehlversuche werde ich


    hier nicht beschreiben sondern nur, was zum Erfolg geführt hat. Alle Maße die ich


    angebe beziehen sich auf besagten Palmetto Karabiner. Die Art der Herstellung ist


    natürlich auch auf andere Waffen übertragbar. Nicht alle Arbeitsschritte und verwendete


    Materialien sind auf meinem Mist gewachsen, teilweise habe ich sie in den Tiefen dieses


    Forums gefunden. Allerdings habe ich im Netzt keine wirklich vollständige Beschreibung


    der Herstellung der Patronen gefunden und wenn ja, waren keine Angaben zur Präzision


    enthalten.Das versuche ich jetzt zu ändern:



    Als Ausgangsmaterial der Hülse dient dünner (0,1mm) Baumwollstoff.


    Dieser wird in handliche Stücke Geschnitten (A4 oder so), auf eine nicht saugfähige Unterlage gelegt und mit einer Lösung aus 3 Teilen Archäocoll und 7 Teilen Aceton mit Hilfe eines Pinsels so bestrichen, dass der Stoff gleichmäßig getränkt ist.
    Danach den Stoff zum Trocknen aufhängen. Die Patronenböden werden aus Zigarettenpapier gemacht, das ebenfalls mit der Lösung auf gleiche Art behandelt wurde.


    Der trockene Baumwollstoff wird in Streifen zu 50x30 mm geschnitten und um einen


    Dorn mit14,5 mm Durchmesser zu einer Hülse verklebt (Archäocoll, wird auch für alle anderen Klebearbeiten verwendet). Für den Boden schneidet


    man aus dem Zigarettenpapier Rechtecke mit 23mm Kantenlänge (Locheisen geht auch, habe


    ich aber nicht in passender Größe), drückt diese mit dem Handballen gegen das Ende eines Dornes


    mit 14mm Durchmesser und schiebt das Ganze in die Hülse. Dann drückt man den Boden bis fast


    zum anderen Ende dieser, bestreicht die letzten 3 mm mit Kleber und setzt den Boden weiter bis


    zum Ende der Hülse. Etwas andrücken, kurz warten, Dorn rausziehen und fertig ist die Hülse.

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  • Jetzt ist es so, dass ich (verwendet wird ein „Classic“ Sharpsgeschoss aus der Pedersoli Kokille) auf


    eine Max. Patronenlänge von 48mm kommen muss und bei loser Schüttung des Pulvers nicht genug


    da rein bekomme. Also muss die Ladung etwas gestaucht werden. Dazu habe ich mir eine „Press-Matrize“ gebaut. Quasi ein Stück Messing mit 15mm innen Durchmesser mit passendem Stempel,


    der mir erlaubt (in der RockChucker), die Pulversäule um 6mm zu stauchen. Die Pulverkörner überleben das! Also, die Hülse in die Matrize, 60 gr. WANO PP rein, ein Tetrapack drauf und pressen.


    Wie auf dem Bild zu sehen, zieht sich dabei auch die Hülse im Gewebe etwas zusammen, wird also


    kürzer.Jetzt die Hülse soweit aus der Matrize drücken, dass das Geschoss aufgesetzt werden kann.


    Die Fuge des „Bürzels“ vorher mit Kleber bestreichen und zügig in das „Mitstahlseilschlingestoffhülseindiebürzelnutwürg-Gerät“ spannen. :D
    Siehe Bilder, das Seil hat 0,2mm Durchmesser. Darin hängen lassen, bis die nächste Hülse vorbereitet ist.

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  • Das Geschoss der fertigen Patrone noch fetten. Was man da nimmt, bleibt jedem selber überlassen.
    Ich verwende eine Mischung aus Bienenwachs, Lanolin und Crisco. Die Mischung ist bei Raumtemperatur fest genug, um nicht aus der Rille zu laufen.
    So, mit der beschriebenen Patrone schießt meine kleine Palmetto Sharps super.
    Sie ist von der Länge so bemessen, dass das Geschoss am Übergang anliegt, also zentriert wird,
    der Boden aber plan mit dem Laufende abschließt. Er wird nicht abgeschnitten, der Zündstrahl
    durchschlägt das Papier zuverlässig.
    Ich habe versucht, die Beschreibung nachvollziehbar zu gestalten, da wo mir das nicht gelungen ist,
    bitte ich nachzufragen.
    Alle Angaben zu Pulvermengen natürlich ohne Gewähr!
    Und weil ich es gerade sehe, wie auf dem Bild des „Mitstahlseilschlingestoffhülseindiebürzelnutwürg-Gerätes“ zu erkennen ist,
    verwende ich bei meinen spontanen Ideen zur Lösung umfangreicher Probleme gerne der Materialien, die ich gerade greifen kann.
    Ich bitte also die eher rustikale Ausführung zu entschluldigen. :happy:
    Das Trefferbild wurde aufgelegt auf 50 Meter geschossen und misst 43mm.
    Solche Trefferbilder sind reproduzierbar und meiner Meinung nach für so eine Waffe ganz ok.


    Grüße
    Karsten

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  • Toller Beitrag! :thumbsup:


    Dadurch entfallen schon mal paar Fragen die ich hier im Forum stellen wollte.


    Trotzdem bleiben noch paar, ich habe in einem anderen Thread gelesen, das deine Lagerhülse nur 22mm lang ist, wie lang ist jetzt bei der Gesamtlänge von 48mm die Pulverladung?


    Wie lang ist dein Geschoss?


    Da ja das Geschoss bis in den Konus bzw. in die Züge geht, was an länge bleibt dir dahinter?


    Ich habe eine Palmetto 1863 Rifle mit einer Lagerhülse von 33mm und davor noch eine Expansionkammer bevor der Konus bzw. Lauf beginnt.
    Bei mir wäre, wenn ich diese Art von Geschoss verwenden würde und die Masse an meinen Sharps anpassen würde, die Pulverladung länger als meine Ladehülse.


    Beste Grüße Smoky

  • Danke für die Infos, scheint ja alleine bei den Palmetto Sharps schon wesentlich Unterschiede zu geben.


    Habe meine erst seit paar Wochen und bin noch am Tipps zusammen tragen, sie zu optimieren und zu experimentieren.


    Vor meiner 33mm Hülsen habe ich noch ca. 7mm, ich nenne das mal Expansionkammer, bis zum Konus, schwer zu messen, den einen Abguss kann ich nicht machen, würde ich nicht raus bekommen.


    Mit den bis jetzt getesteten „New Style“ Geschossen (27,2mm) habe ich 26mm Platz fürs Pulver.
    Das sind bei mir 65 vol. gr. die ich da problemlos reinpacken kann, mit deiner pressmethode wären es sicherlich mehr! :saint: Gesamtlänge bei mir 53,2mm


    Deinen Geschoss Typ will ich auch noch ausprobieren, da müsste noch mehr Pulverladung möglich sein, da dieses Geschoss Tiefer sitzen sollte.


    Grüße

  • Moin zusammen,


    ich grabe das hier noch mal aus, da ich gestern endlich dazu gekommen bin die V0 von verschiedenen Ladungen zu testen.

    Mit 60gr. WANO PP bewegt sich das "Classic"-Geschoss von Pedersoli mit 320 ms in Richtung Ziel.

    Mit 60gr. Schweizer 2 sind es 450 ms, also beachtiliche 120 ms mehr! Auch ist die Gleichmäßigkeit in der V"0" bei S2 besser und

    (für die Leistungsjunkies unter uns) das Gewehrchen knackt damit die 3000 Joule (Geschoss wiegt 30gr.), was schon in Richtung "sportlich" geht.:mk:

    Auch ist die Schussentwicklungszeit beim WANO länger, man nimmt das Platzen des Zündhütchens und brechen des Schusses einzeln war,

    beim Schweizer ist alles eins.

    ABER:

    Schießen 5 Schuss mit dem PP auf 50 Meter auf 43 mm zusammen, zeigt die Schweizer Ladung üble Höhenstreuung bis 25cm (Seite bleibt bei rund 40mm).

    Ich muss mich also mit der 1500 Joule zum Löchlestanzen begnügen.::abschi::


    Grüße

    Karsten