12/70 - 12/67,5 Kupferschrot Normallaborierung

  • 12/70 - 12/67,5 Kupferschrot Normalladung Blei frei


    So, heute geht es explizit um eine Blei freie Kupferschrot Normalladung für die Jagd, die man ohne Gefahr aus einer vernünftigen aber durch aus älteren Flinte ohne Stahlschrotbeschuss unabhängig vom Choke (das heißt bis hin zum Vollchoke, so Spirenzchen wie Extra Full Choke etc. sollte man allerdings lassen) verschießen kann. Bei älteren sehr leichten und dünnwandigen Englischen Flinten sowie bei Flinten mit extrem kurzen und daher vom Winkel her steilen Chokes wäre ich aber dennoch vorsichtig im Zweifel lieber nicht.
    Grundsätzlich gelten erstmal die gleichen Überlegungen wie im Beitrag für Blei freies Kupferschrot in 12/76 Magnum mit ausschließlich für Stahlschrot geeignetem Choke.


    12/76 Schrot Blei frei auch mit Vollkupferschrot


    Für eine 12/70 bzw. 12/67,5 Normalladung, das heißt für Flinten ohne Stahlschrotbeschuss muss man allerdings noch weitere Dinge bedenken. Wir brauchen nicht nur spezielle Schrotbecher für Stahlschrot welche den Lauf vor den härteren Schroten schützen und der Gasdruck muss nicht nur unter 740 Bar (statt 1050 Bar bei Hochleistungspatronen für Flinten mit verstärktem Beschuss und Stahlschrotchoke) bleiben, sondern auch der Mündungsimpuls muss begrenzt werden um die Chokes bis hin zum Vollchoke zu schützen, damit diese nicht aufgedehnt werden. Ebenfalls muss die maximale Schrotkorngröße begrenzt werden.
    Genaue Vorgaben für reines Vollkupferschrot gibt es bisher nicht. Das liegt mommentan einfach im Ermessen des Wiederladers.


    Als Vergleich die Vorgaben für Stahlschrot in der 12/70er und 12/67,5 Normalpatrone (kleinere Kaliber wie 16 oder 20 sind noch weiter eingeschränkt, sodass diese jagdlich mit einer Normalpatrone quasi keinen Sinn machen):
    Max 740 bar
    Maximaler Mündungsimpuls 12 Ns
    Maximale V0 400m/s (nach anderen Angaben 425m/s)
    Maximaler Schrotkorndurchmesser 3,25mm!!!


    http://www.jagd-bayern.de/file…06_Alternativ_Schrote.pdf


    Wenn man diese Vorgaben analog mit Vollkupferschrot umsetzt hat man recht enge Grenzen für eine brauchbare Blei freie Kupferschrotladung. Kupfer ist im Vergleich zu Stahlschrot deutlich weicher, aber immer noch deutlich härter als Blei. Die Dichte dagegen liegt deutlich unter Blei aber auch noch deutlich über Weicheisen.
    Von daher sollte eine Kupferschrotladung nach diesen Vorgaben etwas besser wirken als eine vergleichbare Stahlschrotladung aber gleichzeitig noch etwas Flinten schonender als Stahlschrot sein. Ebenfalls sollte die Gefahr von Abprallern geringer sein als bei Stahlschrot.
    Mit Hochleistungspatronen könnte man entweder etwas mehr Vorlage rein packen oder die V0 etwas höher ziehen. Da ich allerdings keine Flinte in 12/70 oder 12/65 mit verstärkten Beschuss und Stahlschrotbeschuss besitze, sondern entweder nur eine moderne Flinte gleich mit anständigem 12/76er Magnumlager und Wechselchokes für Stahlschrot oder eben nur eine normale 12/70er ohne verstärkten- oder Stahlschrotbeschuss habe ich nur eine Normalladung und eine kräftige Magnumladung in dem angesprochenen anderen Beitrag entwickelt.
    Beim Vorlagegewicht habe ich etwas rum experimentiert. Eine sonst eigentlich schöne Vorlage mit anständigem Gewicht macht hier wenig Sinn, da man damit die V0 der sowieso gegenüber Blei schneller abbremsenden Blei freien Schrote von Anfang an niedriger halten muss um den Maximalen Mündungsimpuls von 12Ns nicht zu überschreiten für eine Normalschrotpatrone. Allerdings zu wenig Vorlagegewicht ergiebt eine zu schlechte Deckung mit dem Schrotschuss.
    Bei mir ist es am Ende ein brauchbarer Kompromiss mit 1 1/16oz (30,121g) Vollkupferschrot geworden. Damit liegt die Maximale V0 knapp über 398m/s die nicht überschritten werden sollte um unter 12Ns Mündungsimpuls zu bleiben.
    Als Pulver wurde es Reload Swiss RS20, eigentlich für dieses Vorlagegewicht etwas zu langsam. Das brennt in dieser Kombination zwar noch mit ein wenig sichtbaren unverbrannten Pulverresten im Lauf, aber dafür schiebt es die Ladung noch ziemlich sanft an, was es gerade für ältere Normalflinten noch etwas schonender gestaltet.
    Getestet wurde auch RS12, das brennt bei etwas über 30g Vorlage vollständig und deutlich sauberer, aber mit dem Stahlschrotbecher und der geringen Kompressionshöhe der Ladung sind die 740 bar Maxdruck schnell erreicht, sodass man bei brauchbarer V0 da deutlich zu eng an der Grenze operieren würde. Ebenfalls getestet wurde Alliant Blue Dot als klassisches Allroundpulver auch für Blei freie Ladungen. Hier ist es leider bei dieser Vorlage zu langsam brennt sehr unsauber und erzeugt stärkere Schwankungen wenn man mehrere Patronen mit dem Chrony misst. Vihtavuori N340 wäre eigentlich auch brauchbar für diesen Zweck braucht in der Schrothülse um die gleiche V0 zu erreichen trotz geringfügig weniger Ladungsgewicht allerdings ein wenig mehr Raum sodass man sich am besten einen anderen Schrotbecher dafür raussuchen müsste.


    Bei der Körnung ersezt man z.B. 2,7mm Blei durch 2,8mm Kupfer oder 3,1mm Blei durch 3,25mm Kupfer


    Von der jagdlichen Wirkung her, darf man jetzt allerdings nicht All zu Viel erwarten!!! Die ist zwar nach ersten eigenen Erfahrungen wie erwartet immerhin besser als bei einer Stahlschrot Normalladung, aber Wunder kann die natürlich nicht bewirken!
    In sofern muss man gegenüber der kräftigen Magnumladung mit Kupferschrot oder gegenüber normaler 12/70er Bleischrotladung bei der hiesigen 12/70er Normalladung mit Kupferschrot die Schussentfernung schon etwas kürzer halten bzw. Einschränken. Dafür kann sie eben aus normal beschossenen Flinten bis hin zum Vollchoke verwendet werden, wenn man wo auf die Jagd geht, wo man leider auf Bleischrot verzichten muss.


    12/70
    Hülse: Fiocchi 12/70 T2 Plastic
    Pulver: 33,4grs (ca. 2,16g) Reload Swiss RS20
    Zünder: Fiocchi 616
    Schrotbecher: Baschieri&Pellagri Steel32 + 2 Kal.20 Pappscheiben1,2mm + 1 Kal.20 Korkscheibe 3,2mm
    Vorlage: 1 1/16oz (30,121g) Kupferschrot 2,8mm oder 3,25mm Blei frei Härte <50 Vickers HV/1
    Crimp: Rollcrimp mit dickem Schrotabdeckplättchen aus Kunststoff (oder zwei Kal.12 Pappscheiben 1,2mm)
    V2 aus 71cm Flintenlauf: 398m/s


    mit 34,0grs RS20 aus 70cm Messlauf 411m/s und Max Gasdruck von 605 bar (was dann schon eine Hochleistungspatrone nur für Stahlschrot beschossene Waffen wäre, weil z.B. der Mündungsimpuls überschritten würde)


    Auch durch den Rollcrimp ist die Gesamtlänge der geschlossenen Patrone dieser Laborierung relativ hoch, kein Problem aus Bockflinten, Querflinten oder sonstigen Einzellader Kipplaufwaffen wie BBF oder Drillingen. Bei 12/70er Selbsladeflinten oder Repetierflinten kann das je nach Flinte und System zu Störungen der Selbstladefunktion bzw. beim Repetiervorgang führen. Aus 12/76er Selbsladeflinten läuft sie störungesfrei, dafür ist jedoch meine 12/76er Magnum Kupferladung mit Sterncrimp eine sinnvollere und wirkungsvollere Sache, sofern man über Stahlschrot geeignete Chokes verfügt. Für 12/70er Selbstladeflinten kann man die untere Laborierung mit Sterncrimp verwenden oder die kürzere mit Rollcrimp aus der 12/67,5 Hülse.




    12/70
    Hülse: Fiocchi 12/70 T2 Plastic
    Pulver: 32,4grs (ca. 2,10g) Reload Swiss RS20
    Zünder: Fiocchi 616
    Schrotbecher: Baschieri&Pellagri Steel32 + 2 Kal.20 Pappscheiben1,2mm + 1 Kal.20 Korkscheibe 3,2mm
    Vorlage: 1 1/16oz (30,121g) Kupferschrot 2,8mm oder 3,25mm Blei frei Härte <50 Vickers HV/1
    Crimp: Sterncrimp (8er Sterncrimp bei 2,8mm und 6er Sterncrimp bei 3,25mm Kupferschrot)
    V2 aus 71cm Flintenlauf: 393m/s


    mit 33,0grs RS20 aus 70cm Messlauf 408m/s und Max Gasdruck 586 bar (was ebenfalls schon eine Hochleistungspatrone nur für Stahlschrot beschossene Waffen wäre)


    Durch den Sterncrimp ist diese Laborierung auch gut für Selbstlade- und Repetierflinten geeignet




    12/67,5
    Hülse: Fiocchi 12/67,5 T2 Plastic
    Pulver: 33,4grs (ca. 2,16g) Reload Swiss RS20
    Zünder: Fiocchi 616
    Schrotbecher: Baschieri&Pellagri Steel32 + 2 Kal.20 Pappscheiben1,2mm + 1 Kal.20 Korkscheibe 3,2mm
    Vorlage: 1 1/16oz (30,121g) Kupferschrot 2,8mm oder 3,25mm Blei frei Härte <50 Vickers HV/1
    Crimp: Rollcrimp mit sehr dünnem Tyvek Schrotabdeckplättchen (sehr dünne aber dichte und feste Pappe ca. 0,8mm Dicke)
    V2 aus 71cm Flintenlauf: 391m/s


    Die Laborierung eigent sich auch für ältere Kipplauflinten im Kaliber 12/65 oder durch die geringere Gesamtlänge auch für 12/70er Selbstlade- und Repetierflinten bei denen die 12/70er Laborierung mit Rollcrimp etwas zickt.




    Für alle drei Laborierungen gilt:
    Der Schrotbecher muss vor dem Laden unbedingt mit einem scharfen Messer möglichst gleichmäßig kreuzweise geschlitzt bzw. eingeschnitten werden, und zwar zwischen 2/3 bis 100% der verwendeten Schrothöhe (damit kann man die Stärke der Streuung auch etwas steuern). Ohne diese Maßnahme ist es möglich, dass der Becher sich während dem Flug dreht und mit einem Teil der Schrotladung mit Slug ähnlicher Wirkung irgendwo einschlägt, statt die Schrotgarbe gleichmäßig zu verteilen.
    Oder wie Baschieri&Pellagri es ausdrückt: "It is recommended to cut the container before loading it into the
    shell in order to avoid dangerous “slug-like” flight behaviour."


    Und wie immer auf eigene Gefahr, jeder Wiederlader handelt eigenverantwortlich!!!


    Die Verteilung der Schrotgarbe ist aus meinen Waffen sehr schön gleichmäßig, so wie das sein soll. Flintenchokes wirken auf Kupferschrot etwas stärker als auf Bleischrot. Der 1/4 Choke hat auf Kupfer ungefähr die Wirkung eines 1/2 Chokes auf Blei. Der 1/2 Choke auf Kupfer ungefähr wie der 3/4 Choke auf Blei. Mit dem 3/4 Choke erreicht man die engste gleichmäßige Streuung, ungefähr so weit wie mit einem Vollchoke auf Blei. Verwendet man für die obigen Kupferschrotlaborierungen einen Vollchoke, wird die Streuung ganz geringfügig ungleichmäßiger, geht aber nicht mehr weiter zusammen wie mit dem 3/4 Choke. Dennoch sieht sie auch aus dem Vollchoke immer noch ganz brauchbar aus.

  • Der Schrotbecher B&P Steel 32 wird in US-Shops anders bezeichnet i.d.R. als CSD118 (Cushioned Steel Driver 118 für 1-1/8oz Stahlschrot) und ist eben für ca. 32g Stahlschrot gedacht. Mit dem dichteren Kupferschrot würden je nach Korngröße 35 bis 36g rein gehen. Da wir für die Normalpatrone nur mit 1-1/16oz laden muss der restliche Platz aufgefüllt werden mit den Pappscheiben und der Korkscheibe. Die Korkscheibe drückt sich bei Abschuss zusammen und mindert mit dem enstehenden Kompressionsbereich den Gasdruck etwas. Im Übrigen ist es richtig, dass bei diesem Becher unter den 2 Pappscheiben noch ein klein wenig Luft bleibt das ist so erwünscht und sorgt auch für etwas Gasdruckminderung.