Gibt in DE legale digitale Zielfernrohre?

  • Hallo zusammen,


    ich frage hier mal in die Runde. Gibt es in Deutschland legal zugelassene elektronische Zielfernrohre? Also mit Zielbilddarstellung
    auf einem LCD Bildschirm in der Okularebene. Hintergrund der Frage ist, dass man bei dieser Zielbilddarstellung nur noch eine Bildeebene betrachten muss und man bei bestimmten Augenproblemen dann Ziel und Absehen scharf erkennen kann.


    Alles was ich so im Netz gefunden habe sind immer day/night Versionen die meiner Lesart im Nachtmodus zumindest eine Restlichtverstärkung benutzten. Also dann in DE böse Pfui sind.


    Vielleicht hab ich ja irgend etwas übersehen,oder gibt unser Waffengesetz den Einsatz solcher ZFs auch ohne IR Leuchte und ohne Restlichverstärkung gar nicht her?


    Wie gesagt es geht um eine vollständig legale Lösung, ready to use ohne rumbasteln und ohne Nutzung gesetzlicher Grauzonen.


    Vorab schon mal vielen Dank für eine hoffentlich rege Beteiligung.

  • Das Problem kann tatsächlich nur das BKA beantworten, Das von @Schmitz75 hat zwar ein schönes Display - aber bei so einem Dingen habe ich zwei Probleme - kann ich es im Hellen gut ablesen, ist es im Dunklen sichtbar. - maches Wild, wie Damwild reagiert so empfindlich die können schon den Roten Punkt im ZF in der Augenreflexion (oder Brille erkennen) und abspringen.


    Der gesetzliche Teil hat was mit der Berner Artenschutzkonvention zu tun, das Thema Zielgeräte gehört wie schon der Schalldämpfer längst auf den Prüfstand. So wie sich Sauen, Waschbär und Marderhund ausbreiten, der Druck wird zunehmen.


    Die Politik wird aber noch eine Weile brauchen. An moderner Technik, die in anderen Ländern normal ist.. wird man auch in D irgendwann nicht vorbeikommen. Vor allem dann, wenn es in anderen EU Ländern erlaubt ist und es zu kaufen gibt.


    Wenn hier ein Jäger mit Feldrevier bei Wildschaden mit dem Insolvenzrisiko zu kämpfen hat. - Dann wird die entscheidung sein, Ich geb das Revier auf, F**k you - dann werden die Landwirte Druck machen, weil die selbst keine Lust haben auf dem Schaden sitzen zu bleiben oder einfach machen, schweigen und das 11. Gebot befolgen. Was bin ich froh, das ich ein Waldrevier mit wenig Feldanteil habe, und auch nicht der schadenersatzpflichtige Pächter bin... sondern "nur ein Begehungsschein habe" Ich kann entspannt zur Jagd gehen.

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    Landesreferent BDMP Hessen für DP DR SAR - ,dazu BDS, ProLegal und Jäger im HLJV

  • Ja es ist zu befürchten, dass es da nix legales geben wird. Im Zweifel wird wohl das Display schon als verbotener bildwandler gelten. Ehrlich gesagt wäre mein Anwendungsfall eher das Scheiben schießen somit ist das mit der Wildaufschtreckung nicht relevant. Nachtsicht etc. wird auch nicht gebraucht, aufm Stand is immer genug Licht. Ich fürchte das von @Schmitz75 genannte Modell fällt wegen dem externen Bildschirm raus, dass wird wohl von der Sportordnung gekippt. Ist schon schade dass es im Alles-Smart-Zeitalter noch keiner auf die Reihe bekommen hat so ein ZF auf den Markt zu bringen. Die überfrachteten ZFs mit Ballistig Rechner etc. sind extrem teuer und blenden die Werte und Haltepunkte wie ein Reddot ein, haben aber auch kein LCD Panel als "Absehen". Na ja und wie schon festgestellt, haben die Geräte aus dem Ausland eben die Restlichtverstärkung, was in DE in jedem Fall nicht geht. Vielleicht werde ich tatsächlich mal direkt beim BKA anfragen, was denn erlaubt wäre, mal sehen ob die überhaupt auf solche Anfragen von Privaten reagieren.

  • @HansDampf, ich weiß mehr über den Versuch als du ahnst. Das BKA hatte nicht mal was dagegen, aufgrund der Berner Artenschutz Kommission und anderer Regeln hätte ein Nachtzielgerät wie ein Schalldämpfer einer Waffe gleichgestellt und mit Seriennummer versehen und in der WBK eingetragen werden müssen. Das ist aber undurchführbar, da man die Dinger trotzdem nicht einschränken kann im Verkauf, da sie quasi bereits jetzt beliebig erworben werden können. Sie sind Erlaubnisfrei im Besitz, sie werden erst illegal wenn sie auf der Waffe sind. Wie will man das unterscheiden. Wenn die Teile erlaubt sind kann man auf den ersten Blick nicht mehr unterscheiden, legal oder illegal?
    Das BKA handelt nur auf gesetzlicher Grundlage. Es wird gehört bei Entscheidungen, aber wenn der Bunte Tag das Waffen und Jagdgesetz entsprechend ändern würde, analog unserer Nachbarn, das durchaus auch Artenschutz konform ist, wäre das kein Problem.

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    Landesreferent BDMP Hessen für DP DR SAR - ,dazu BDS, ProLegal und Jäger im HLJV

  • Na das sind ja mal interessante Infos. Allein der Glaube an eine Gesetzesänderung zu unseren Gunsten fehlt mir da. Eher wird die EU Zentrale sich an das deutsche Gesetz anlehnen als dass wir eine Erleichterung zu erwarten haben. Den Jägern unter Euch währe es zu gönnen, wenn es zu der von @HansDampf genannten Lösung kommt und sich das dann auf andere Bundesländer übertragen ließe. Für den Sportschützen wirds wohl eher keine Anpassung an die moderne Technik geben. Schade drum.

  • Die Ahnung kann gar nicht so gross sein.



    Das BKA hat eine schriftliche Stellungnahme geschrieben, in dem ganz klar Nein zu Nachtzielgeräte für Jäger sagen (explizit zu dem Feldversuch).


    Und Nachtzielfernrohre sind in D verbotene Gegenstände, einfach mal das WaffG unter Anlage 2 1.2.4.2 gucken.


    Was du meinst sind Nachtsichtvorsatzgeräte.
    Und eine Nummer, wäre überhaupt kein Problem, ist bei einigen Modellen auch am Gehäuse drauf und bei allen Geräten auf der Bildröhre



    Und wenn es gemäß Berner Artenschutz Kommission nicht erlaubt wäre, dürfte man auch nicht mit Nachsichtbrille und NV tauglichen Zielgerät jagen, was aber in D erlaubt ist.

  • @HansDampf, ich habe mit einem der Beteiligten des Feldversuches gesprochen. Das BKA bezieht sich in der Tat auf die Regelungen des WaffG, ist aber auch berechtigt Ausnahmegenehmigungen zu erteilen.
    Der mit dem ich sprach arbeitet für den bayrischen Forst, d.h. Beim Land Bayern.
    Es ging dabei um jede Form der elektronischen Zielhilfe für die Nacht. Vorsatzgerät, bildwandler ZF was streng verboten ist und das in NL beliebte WärmeZF..


    Massenhafte Ausnahmen und wie z.B. auch beim Schalldämpfer Auflagen in die WBK ist in dem Fall verwaltungsmäßig nicht möglich. Das müsste im Gesetz grundsätzlich geregelt werden wie ich schon schrieb.
    Es gibt auch innerhalb des BKA grundsätzlich unterschiedliche Auffassungen zur Sache. Und da sind auch immer noch genug die drauf sind wie Jürgen Brenneke (der uns Fremde Heere Mitte) nennt.
    Der Gesetzgeber ist gefragt. Ich für meinen Teil glaube nicht, das Vorsatzgeräte auf dem ZF, Zielfernrohre mit Wärmebild oder integrierter Bildverstärkung bzw Elektronik Zielfernrohre erlaubt werden. Die sind schon kritisch bei ZF die mittels Laser Entfernung und Haltepunkt errechnen.


    Da haben genug Leuts die Buchs' gestrichen voll.. wenn man gesetzestreuen Bürgern den Missbrauch und eh unter Generalverdacht stellt. Was andres ist das nicht.
    Die Vorsatzteile findet man mittlerweile beim HessenJäger als ganzseitige Anzeigen. Das andere Zeug gibt's in NL zu kaufen. Ohne Auflagen. Die Niederländer werden hierzulande nicht andere Technik benutzen als daheim. Fest steht das BKA hat es weiterhin verboten, und daran wird sich auf absehbare Zeit nichts ändern.

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    Landesreferent BDMP Hessen für DP DR SAR - ,dazu BDS, ProLegal und Jäger im HLJV

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  • Massenhafte Ausnahmen und wie z.B. auch beim Schalldämpfer Auflagen in die WBK ist in dem Fall verwaltungsmäßig nicht möglich.

    Blödsinn, wäre gar kein Problem, dies zu regeln.
    Welche Auflage in der WBK vom SD meinst du?
    Weil in meiner WBK habe ich keine Auflage zum SD
    Nur in der Ausnahmegenehmigung für die Jagd steht, nur für Jagdlangwaffen.


    Es gibt dazu Offizielle Schriftstücke vom BKA, da kann dir dein Bekannter noch so viel erzählen, dass es nicht am BKA lag.
    Ich kenne übrigens auch Staatsbedienstete, was die erzählen, muss oft nicht der Wahrheit entsprechen.


    Nach dem Projekt "Brennpunkt Schwarzwild" sind genau 30 Ausnahmeanträge gestellt worden, alle durch das BKA abgelehnt.



    Die sind schon kritisch bei ZF die mittels Laser Entfernung und Haltepunkt errechnen.

    Fakt ist, die sind erlaubt.

  • Ich bin in Hessen, und bei mir ist die Auflage "nur für Jagdlangwaffen im schalenwildtauglichem Kaliber" hinten eingetragen. D.h. Ein Einsatz auf einer .22Hornet etc ist nicht erlaubt.
    Das die abgelehnt wurden wusste ich. Ich gebe nur weiter, was an mich berichtet wurde, und die Ausnahme wurde weder privaten Jägern noch dem öffentlich Dienst d.h. Förstern erteilt.
    Es geht dabei um die persönliche mündliche Aussage eines BKA Sachbearbeiters gegenüber dem Förster, nicht um irgendwelche schriftlichen Bescheide. Nur das wir uns richtig verstehen. in der Sache hast du recht, die Ablehnung begründet sich offiziell aus dem Gesetz, das eine Ausnahmegenehmigung auch in Verbindung mit dem Jagdgesetz nicht zulässt.. Mündlich und schriftlich geht immer auseinander, das sehen wir doch überall.


    Ich weiß das die ZF mit Entfernungsmessung erlaubt sind.


    Letztlich können wir hier noch so lange diskutieren, wir wissen das Nachtzieltechnik auf Schusswaffen verboten ist.

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    Landesreferent BDMP Hessen für DP DR SAR - ,dazu BDS, ProLegal und Jäger im HLJV

  • ...weil sich das BKA querstellt.


    Nein, die Begründung gegen eine Ausnahmegenehmigung begründet sich eben nicht aufgrund des Jagdgesetzes.


    Sonst wäre das Projekt Brennpunkt Schwarzwild gar nicht möglich gewesen.


    Einfach mal den §19BJG komplett lesen.

  • Hm, ich hab noch mal gefragt.. und bekam den Link hier und auch da findet das Waff G & JG Anwendung Ab Seite 5. -
    Das BKA darf aber eben keine Ausnahme erteilen, dürfen und wollen ist ein Unterschied.

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  • Oh Mann.


    Dürfte man keine Nachtsichttechnik einsetzen (aufgrund Waidgerechtigkeit) wäre der Einsatz von Nachtsichtbrille und NV Fähigen Zielgerät(Eotech/Aimpoint) verboten.
    Ist es aber nicht.
    Aufgrund Waidgerechtigkeit soll man ja Zielfernrohre nutzen.



    Der §19 lässt die sachlichen Verbote durch die jeweiligen Landesjagdgesetze einschränken.


    Das BKA darf eben schon Ausnahmegenehmigungen für verbotene Gegenstände/Waffen ausstellen, wenn ein berechtigtes Anliegen vorliegt.
    Es ist nicht gewollt.


    Für das Projekt Brennpunkt Schwarzwild, gab es ja eine Ausnahmegenehmigung.


    Und Manfred Erbinger (der vom SD Buch) hatte mal vor ein paar Jahren auch Jäger gesucht, welche an solch einem Feldversuch teilnehmen.
    Ausnahmegenehmigung vom BKA lag vor, fiel aber trotzdem ins Wasser.


    Btw.
    Für Sicherheitsdienste, welche Schiffsbewachungen durchführen, wurden auch Ausnahmegenehmigungen in Aussicht gestellt.
    Kann mal nachfragen, ob die die auch bekommen haben.

    Dieser Beitrag wurde bereits 1 Mal editiert, zuletzt von HansDampf ()

  • Kurzzeitig befristete (einmalige) Ausnahmegenehmigungen liegen im Ermessensspielraum, da Forschungscharakter. Dauerhaft ist was anderes.


    Das mit den Schiffsbewachungen - das würde mich interessieren, -
    Nachtsicht von Privat auf Schiffsbewachung mit Waffe, wann da öffentliches Interesse pro NZG für Private über den Sicherheitsinteressen zum Schutz vor verbotenen Waffen stehen, das würde mich schon sehr wundern.


    Bewacher auf Schiffseinsätzen gegen Piraterie in Somalia - das ist OffShore - Nochmal was anderes, je nach dem unter welcher Flagge ein Kahn fährt. Aber auch da sehe ich es kritisch, das könnte schnell unter Söldnertum gesehen werden und zudem frage ich mich ob das noch in den Zuständigkeitsbereich des BKA fällt.


    Im Hamburger Hafen z.B. da ist Zoll und Hafenpolizei, - Ich kann mir nicht vorstellen, dass da das BKA sowas dauerhaft als Ausnahme für Private zulassen darf, es sei den im Auftrag der Bundespolizei - im Freihafen... aber die Begründung und Auflagen möchte ich gerne sehen.


    Auch da ist, ein NZG auf einer Langwaffe im Hafen sehr merkwürdig. :think: Wenn das Schiffe mit spezieller Fracht sind.. da seh ich eher dass die Polizei & Zoll selbst ein Auge drauf hat.

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    Landesreferent BDMP Hessen für DP DR SAR - ,dazu BDS, ProLegal und Jäger im HLJV

  • Kurzzeitig befristete (einmalige) Ausnahmegenehmigungen liegen im Ermessensspielraum, da Forschungscharakter. Dauerhaft ist was anderes.

    eben nicht.
    Es wäre genau auf den speziellen Fall zur Bejagung von Schwarzwild eine Ausnahmegenehmigung (sogar Datum/Uhrzeit/genaues Revier ect.) möglich



    Aber auch da sehe ich es kritisch, das könnte schnell unter Söldnertum gesehen werden und zudem frage ich mich ob das noch in den Zuständigkeitsbereich des BKA fällt.

    Ob du es kritisch siehst, ....
    Fakt ist, es gibt Deutsche Firmen, welche eine Zulassung haben. Und ja, das BKA ist für die Ausnahmegenehmigung von verbotenen Gegenständen/Waffen zuständig.


    http://www.bafa.de/DE/Aussenwi…schiffbewachung_node.html

  • Das ist in der Tat gegen Piraterie, also auf deutschen Schiffen In internationalen Gewässern, da kann es tatsächlich sein, das öffentliche Sicherheit ein berechtigtes Interesse hat, das private Nutzer sowas bekommen, da man auf den Schiffen keine Polizei mitnehmen kann. Bin wirklich gespannt, ob die tatsächlich ne Ausnahmegenehmigung bekommen haben oder ob es beim in Aussicht gestellt geblieben ist.

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    Landesreferent BDMP Hessen für DP DR SAR - ,dazu BDS, ProLegal und Jäger im HLJV


  • Bewacher auf Schiffseinsätzen gegen Piraterie in Somalia - das ist OffShore - Nochmal was anderes, je nach dem unter welcher Flagge ein Kahn fährt. Aber auch da sehe ich es kritisch, das könnte schnell unter Söldnertum gesehen werden und zudem frage ich mich ob das noch in den Zuständigkeitsbereich des BKA fällt.


    Im Hamburger Hafen z.B. da ist Zoll und Hafenpolizei, - Ich kann mir nicht vorstellen, dass da das BKA sowas dauerhaft als Ausnahme für Private zulassen darf, es sei den im Auftrag der Bundespolizei - im Freihafen... aber die Begründung und Auflagen möchte ich gerne sehen.


    Auch da ist, ein NZG auf einer Langwaffe im Hafen sehr merkwürdig. :think: Wenn das Schiffe mit spezieller Fracht sind.. da seh ich eher dass die Polizei & Zoll selbst ein Auge drauf hat.


    Nicht zu sehr verkopfen. ;)


    Dafür wurde extra ein Gesetz verabschiedet und die Seeschiffbewachungsverordnung und die Seeschiffbewachungsdurchführungsverordnung geschaffen und im WaffG extra der §28a eingefügt. Die Zuständigkeiten zwischen lokaler Waffenbehörde, der Waffenbehörde von Hamburg, dem BKA, der Bundespolizei und dem BAFA sind da ziemlich genau festgelegt.


    Und es gibt mehr dieser Ausnahmen als man sich allgemein vorstellen mag, allerdings besteht da kein besonderes Interesse, dass das öffentlich wird.