12/76 Schrot Blei frei auch mit Vollkupferschrot

  • Um Blei freies Schrot zu laden muss man einige Dinge beachten die man so sonst bei Bleischrot nicht hat.
    Zunächst allgemein sind die meisten Blei freien Schrote aus Materialien die weniger Dicht sind bzw. bei gleicher Korngröße deutlich leichter sind als Blei. Damit nimmt die Wirkung und die effektive Reichweite der Schrotladung ab. Selbst wenn man zur Kompensation die Korngröße erhöht damit das Einzelschrotkorn wieder ein ähnliches Gewicht wie bei Bleischrot bekommt und längere Magnumpatronen, wo eine größere Vorlage rein passt verwendet um eine ausreichende Deckung bzw. eine ähnliche Anzahl an Schrotkörnern trotz gröberen Schrot zu erhalten so bleibt die effektive Reichweite geringer, da die größeren ähnliche schweren Schrote natürlich durch den ebenfalls größeren Luftwiederstand schneller abgebremst werden als die gleich schweren aber kleineren Bleischrote.
    Dann sind die meisten Blei freien Schrote wie Stahl bzw. Weicheisenschrot deutlich härter als Bleischrot. Das hat mehrere Folgen.
    Innenbalistisch muss der Schrotlauf vor den harten Eisenschroten geschützt werden. Wir brauchen also spezielle Schrotbecher, welche relativ dickwandig sind und bei Druck weich werden und nicht federn sowie welche die komplette Schrotladung ohne Laufwandungskontakt aufnehmen, damit wird dann neben der abrasiven Wirkung von harten Schroten auf den Flintenlauf auch der sogenannte Billiardeffekt gedämpft der sonst die Schrote von der Wandung prallen lassen würde. Doch das ist nur die erste Sache dann kommt der Choke. Harte Blei freie Schrote können normale Chokes auf Dauer aufbauchen dehnen bzw. beschädigen. Diese sollten also erstens wie ein Magnumlauf auch generell dickere Wandstärken aufweisen, zweitens nicht ganz so stark verengen und drittens die Verengung mit einem kleinerem Winkel über eine längere Strecke aufbauen. Wenn man eine moderne Flinte mit Stahlschrotbeschuss hat und die Chokes vom Hersteller zur Verwendung mit Stahlschrot gekennzeichnet sind sollte das alles passen.
    Außenballistisch ist bei hartem Blei freien Schrot dann noch die deutlich verstärkte Abprallneigung zu nennen welche die Umlandgefährdung erhöht. Schießt man als Jäger im Wald z.B. mit Stahlschrot dann sollte man sich selbst als Schütze dringend überlegen eine Schutzbrille aufzusetzen! Je weicher das Metall der Schrote ist, je mehr Energie geht beim Abprall durch Verformung verloren und je geringer sind auch die Abprallwinkel und umgekehrt!


    Sucht man nun Ladedaten für die Flinte findet man häufig insbesondere bei Blei freien Ladungen nur viel US-Datenmaterial. Dabei ist es nützlich zu wissen dass sich die erlaubten Gasdrücke nach SAAMI und CIP grundlegend unterscheiden. Alte Angaben in LUP bringen einem reichlich wenig, da aufgrund der alten Messmethode so gut wie nicht vergleichbar! Moderne Angaben in PSI und Bar kann man schon einfach umrechnen, obwohl die Messmethoden nicht unbedingt gleich sind, so sind die Werte zumindest weitgehend vergleichbar.


    Maximaler Gasdruck nach SAAMI.
    SAAMI 12/70 und 12/76 beide max 11500 PSI = max 792 Bar
    SAAMI 12/89 max 14000PSI = max 965 Bar


    Maximaler Gasdruck nach CIP.
    CIP 12/70 max 740 Bar, verstärkter Beschuss 12/70 max 1050 Bar
    CIP 12/76 max 1050 Bar
    CIP 12/89 max 1050 Bar


    Bei Bleischrotladungen liegt man i.d.R. sehr weit unter dem erlaubten Gasdruck da bei höherem Druck sehr häufig die gleichmäßige Deckung verloren geht.
    Bei vielen Blei freien Ladungen insbesondere bei Schrotmaterialien mit geringerer Dichte liegt der Gasdruck häufig relativ hoch, allein schon weil die Schrote mehr Raum in der Hülse einnehmen und so z.B. viele Stahlschrotbecher nur einen sehr kleinen bis keinen Kompressionsbereich haben der den Gasdruck sonst bei Bleischrotladungen trotz ausreichend Energie senkt.
    Betrachten wir die verschiedenen Materialien bzw. Legierungen mal einzeln welche für Schrot Verwendung finden:


    Bleischrot: Je nach Legierung Oberflächenbehandlung und oder Beschichtung Dichte 10,9 bis 11,3g/cm3, Härte 15 bis 25 Vickers HV, Deckung i.d.R. gleichmäßig verteilt, Preis günstig


    Wismut- oder Bismuthschrot: Dichte ca. 9,0 bis 9,6g/cm3 (Wismut muss stärker mit Zinn legiert sein sonst zerstäubt das kristaline und spröde Metall beim Auftreffen, was aber auch dann nicht ganz zu beseitigen ist), Härte ca. 20 Vickers HV, Deckung i.d.R. gleichmäßig verteilt, Preis sehr teuer


    Zinnschrot: Dichte ca. 7,3g/cm3 (muss wegen Zinnpestgefahr legiert werden), Härte ca. 15 Vickers HV, Deckung i.d.R. gleichmäßig verteilt, Preis recht teuer


    Zinkschrot: Dichte ca. 7,14g/cm3, Härte ca. 30 Vickers HV, Deckung eher ungleichmäßiger, Preis einiger maßen günstig


    Stahlschrot (Weicheisen sehr rein mit möglichst geringem Kohlenstoffanteil): Dichte 7,86g/cm3, nach CIP kleiner gleich 100 Vickers HV, Deckung mehr zur Mitte hin verdichtend, Preis günstig


    Vollkupferschrot (Weichkupfer): Dichte ca. 8,93g/cm3, kleiner gleich 50 Vickers HV, Deckung i.d.R. gleichmäßig verteilt, Preis teuer


    Hevi Shot (Wolfram-Eisen-Nickel-Legierung): Dichte: 14,5g/cm3, Härte 260 Vickers HV, Deckung zur Mitte hin verdichtend (früher durch noch häufiger unrunde Hevi-Schrote ungleichmäßiger als heute), Preis recht teuer


    Sphero-Tungsten (Sintermaterial aus Wolfram-Eisen-Kupfer-Nickel): Dichte 12,0g/cm3, kleiner gleich 200 Vickers HV, mehr zur Mitte hin verdichtend, Preis sehr teuer


    Polyester-Tungsten-Matrix-Schrot (Innen Sphero-Tungsten ummantelt von Polyester: Dichte 10,8g/cm3, Härte außen Polyester 8 und innen Sphero-Tungsten 200 Vickers HV, Deckung ?, Preis ?

  • Meine persönliche Meinung zu Blei freien Geschossen bei der Jagd völlig unabhängig von der Frage ob das wirklich sinnvoll oder nötig ist; Bei der Büchse kann ich mit Bleifrei einiger Maßen gut mit Leben, dort bin ich z.B. mit den präzisen CNC gedrehten Messing Jagd Geschossen mit schmalen Führbändern von Lutz Möller recht zufrieden. Die sind zwar ziemlich teuer, aber treffen genau und reichen weit und wirken auch auf Entferunung noch gut. Von harten Oberflächen ist natürlich auch hier die Abprallgefahr wahrscheinlich erhöht gegenüber Bleigeschosssen.


    Bei Kurzwaffen zum Fangschuss etc. gibt es bisher nur sehr wenig brauchbare Blei freie Munition für, aber grundsätzlich würde hier ein ähnliches Prinzip durchaus ähnlich funktionieren.


    Bei KK Büchsen gibt es zur Zeit nur eine einzige in Deutschland verfügbare Blei freie Munition die leider nur eine sehr begrenzte sinnvolle Schussentfernung hat und nicht besonders gute Streukreise liefert.


    Bei der Flinte wird es leider deutlich krittischer. Blei freie Flintenlaufgeschosse aus Lebensmittel echtem Zinn sind zwar sehr teuer funktionieren aber durch aus zufriedenstellend aber nur auf eingeschrenkte Entfernung max 50m (Diese obwohl anfangs deutlich schneller unterwegs verlieren die Energie einfach deutlich schneller aufgrund der niedrigeren Masse). Aus der normalen Flinte kann man eh nicht weiter brauchbar mit einem Flintenlaufgeschoss treffen, allerdings aus der Kombinierten mit ZF oder speziellen Flinten mit gezogenen Läufen und Zielgerät kann man damit nicht mehr Entfernungen von 80 bis 100m sinnvoll anvisieren, dass lässt sich nur mit Blei vertreten.
    Bei Blei freiem Schrot wird es nun richtig unschön.
    Eine wirklich gleichwertige Alternative für Bleischrot gibt es meiner Meinung bisher überhaupt nicht!!!


    Stahlschrot bzw. Weicheisenschrot hat einfach nur eine miserabele Wirkung auch dann wenn man eine Magnumflinte mit Magnumpatronen nutzt, da muss man schon auf 20m ran damit das vertretbar gut wirkt, was in sehr vielen Fällen insbesondere bei der Jagd auf Wasserwild gar nicht möglich ist! Bei deutlich weiteren Schüssen ist Stahlschrot nichts anderes als staatlich verordnete Tierquälerrei!!! Dann kommt die deutlich höhere Abprallgefahr und damit Umland- und im Wald sogar Eigengefährdung hinzu. Je nach Ladung und Körnung braucht man moderne für Stahlschrot geeignete Flinten und Flintenchokes und besser ein Magnumlager. Es wird vor allem deshalb als Ersatz für Blei genommen weil es vergleichsweise billig ist. Stahlschrote (weil aus sehr reinem Weicheisen) können übrigens auch rosten und dann zusammen backen, was wenn man eine selche Patrone abfeuert sogar schlecht für die Flinte ausgehen könnte, also immer entsprechend trocken lagern.


    Zinn- und Zinkschrot sind ein Versuch für Blei freie Schrote die man aus normalen älteren Flinten ohne Gefahr verschießen kann. Zinn ist dabei unverhältnismäßig teuer, Zink halbwegs günstig aber auch nicht ungiftig. Nur beides liefert aufgrund der noch niedrigeren Dichte noch schlechtere Wirkung als Eisenschrot, also eigentlich völlig unbrauchbar und daher quasi wieder vom Markt verschwunden!


    Wismut- oder Bismuthschrot ist da schon besser, aber sehr sehr teuer und für großflächigen Einsatz ist das Metall einfach viel zu selten bzw. zu wenig vorhanden. Es hat zudem den Nachteil das dieses kristalline Metall sehr spröde ist und trotz der notwendigen Legierung mit Zinn beim Aufreffen insbesondere bei niedrigeren Temperaturen zerstäuben kann und damit die sichere Wirkung wieder reduziert. Ob es wirklich unbedenktlich ist in Sachen Giftigkeit ist wenig untersucht.


    Die ganzen verschiedenen Wolfram bzw. Tungsten Schrote haben eine gute Wirkung, angeblich fast besser als Blei (die Schockwirkung soll jedoch wegen der nicht vorhandenen Verformbarkeit geringer sein und dafür die Penetrationswirkung höher) und reichen Entfernungsmäßig sogar noch weiter als Blei. ABER sie sind sehr sehr hart. Hevi-Shot sagt man in USA nach, auch aus speziellen Schrotbechern für Hevi-Shot, selbst Stahlschrot geeignete Chokes und Flinten auf Dauer zu beschädigen!!! Der Preis ist auch nicht gerade ansprechend. ABER was für mich einfach das NO-GO dabei ist. Die Abprallgefahr und damit Umlandgefährdung scheint sogar noch DEUTLICH höher zu sein als bei Stahlschrot!!! Ganz nebenbei Hevi-Shot ist NICHT CIP konform. Wie es damit aktuell bei Sphero-Tungsten und den ganz neuen Polyester-Tungsten-Matrix-Schrot aussieht konnte ich nicht ermitteln, es gibt jedoch inzwischen Fabrikpatronen auf dem Markt die Tungstenschrote enthalten. Dann sollten die eigentlich CIP haben?
    Nebenbei soll es noch eine Studie geben (ich hab sie nicht gefunden) die nahe legt, dass Wolframstückchen oder Splitter im Gewebe Krebs auslösen können.


    So und nun kommen wir nun zum Vollkupferschrot, für dass ich noch eine selbst entwickelte Laborierung einstellen werden. Zugegeben Kupfer ist relativ teuer, daher für Sportpatronen völlig ungeeignet. Bei der Jagd stellt es jedoch zumindest eine interessante Alternative dar, wenn man je nach dem wo man jagen geht gezwungen ist auf Bleischrot zu verzichten. Bei Büchsenmunition ist Kupfer inzwischen ein Metall wo man Erfahrung mit hat. Bei Schrot habe ich bisher absolut keine Laborierungsdaten für gefunden, also steht selbst entwickeln und probieren an. Es gibt inzwischen einen Hersteller der Kupferfabrikschrotpatronen in Deutschland ausliefert (Rotweil: Copper Unlimited Magnum) Die Dichte von Kupfer ist deutlich höher als bei Eisen, wenn auch nicht so gut wie bei Blei. Die Härte liegt deutlich unter Stahlschrot aber auch noch deutlich über Bleischrot. Das legt zumindest nahe, dass die Abprallgefahr geringer sein sollte als bei Stahlschrot. Die effektive Wirkungsreichweite sieht schon deutlich besser aus als bei Stahlschrot. Nach bisheriger eigener Erfahrung ist 35m zumindest mit 12/76er Magnumpatronen ganz locker vollkommen waidgerecht drinnen. Vielleicht auch mehr. Da es laut Beschussamt bisher für Kupferschrote keine eigenen Regeln gibt, sollte man sich vorsichtshalber an alle Regelungen halten die sonst für Stahlschrot gelten. Sprich Kupferschrot nur aus Stahlschrot geeigneten Flinten und Chokes verschießen, und bei der Entwicklung einer Laborierung auch die maximalen Werte für Geschwindigkeit und Mündungsimpuls einhalten. Dann sollte man für seine Flinte vollkommen auf der Sicheren Seite sein. Wenn es besser untersucht wäre, könnte man da auch vielleicht etwas weiter mit gehen, oder vielleicht Normalpatronen für alte Flinten mit entwickeln aber das ist natürlich nur Spekulation.


    http://www.jagd-bayern.de/file…Infoblatt_Stahlschrot.pdf
    http://www.flintenschuetze.de/…ont_content.php?idcat=119
    (hiernach sollte einem übrigens auch klar werden, warum es sinnlos ist sich für mehr Wirkung bei Stahlschrot eine 10/89er Super Magnum Flinte zuzulegen. Nach den CIP Vorgaben welche die Chokes schützen sollen, hätte eine 10/89er Patrone mit Stahlschrot mit dem maximalen Mündungsimpuls kein Bischen mehr drinnen als eine 12/89er und auch nur sehr wenig mehr als eine 12/76er. Nur die 12/76er schafft noch eine deutliche Steigerung gegenüber der 12/70er Patrone)


    Von der Schrotkörnung her würde man für den gleichen Einsatz z.B. 2,7mm Blei durch 2,8mm Kupfer oder 3,0mm Eisen ersetzen.
    Bzw. 3,3mm Blei durch 3,5mm Kupfer oder 3,8mm Eisen.


    Wenn man allerdings keine längeren Magnumpatronen mit entsprechender Vorlage nutzt dann ist das so auch nicht praktikabel, sonst wird die Deckung allein schon durch die geringere Anzahl von Einzelschroten insbesondere bei Eisen viel zu gering, dann muss man bei einer kleineren Körnung bleiben.

  • Um eine eigene Kupferschrotpatrone zu laden, brauchen wir zunächst Vollkupferschrot. In Italien gibt es das ganz problemlos zu erwerben,
    man kann es sich z.B. auch von SIARM nach Deutschland schicken lassen (lohnt sich aber so richtig nur bei größeren Gesamtbestellungen undwirklich günstig ist Kupfer natürlich nicht). Selbst verständlich müssen wir das Schrot nach Gewicht mit einer Feinwage abwiegen, die
    üblichen volumetrischen Werte stimmen natürlich nur für Bleischrot.


    Dann brauchen wir vorsichtshalber wegen der höheren Härte von Kupferschrot gegenüber Bleischrot einen guten Schrotbecher der eigentlich für Stahlschrot gedacht ist und der bei uns problemlos ohne unmögliche Lieferzeiten verfügbar ist. Für das Kaliber 12/76 ganz brauchbar wären z.B. der Gualandi TUB 48 aus Italien (in USA unter der Bezeichnung LBC50), nicht für quer gestreifte Schrothülsen wie Winchester AA, Fiocchi ist längs gestreift und ginge dafür optimal. Oder der Baschieri&Pellagri STEEL 35 CAL.12 H.7.
    Beide wären brauchbar und sind verfügbar und sind für 35g bis 37g Stahlschrot gedacht. Mit Kupferschrot passt wegen her höheren Dichte natürlich etwas mehr Vorlage rein. Beide Schrotbecher werden übrigens auch von Rotweil in der 12/76er Steel Game Magnum bzw. der Copper Unlimited verwendet. Da der B&P STEEL 35 Becher etwas günstiger und völlig ausreichend für Kupferschrot ist, habe ich mich für diesen entschieden. Hochwertige Patronen mit härteren Blei freien Schroten schließt man am besten mit Rollcrimp und dickem Schrotabdeckplättchen aus Kunststoff, so ist im Gegensatz zum Sterncrimp besser garantiert, dass keine einzelnen Schrote
    außerhalb des schützenden Bechers zu liegen kommen. Fabrikpatronenhersteller nutzen hier häufig trotzdem den Sterncrimp da
    dieser in der Massenproduktion einfacher schneller und billiger zu bewerkstelligen ist.


    Als Treibladung brauchen wir, so gerne ich sonst einbasige niedrig nitrierte Pulver wie Vhitavuori bevorzuge, hier Zwei- oder Mehrbasige relativ langsame Pulver um aus der Schrotpatrone ohne großen Kompressionsbereich, der sonst den Gasdruck etwas im Zaum halten würde, bei nicht zu hohem Gasdruck eine brauchbare Leistung heraus zu holen.
    Ein geeignetes gängiges Allroundpulver das man auch für andere Ladungen, sowohl bei Magnum-Blei-Schrot als auch sehr gut bei Magnum Kurzwaffenpatronen verwenden kann und wo Hitze und Verschleiß noch im Rahmen sind wäre z.B. Alliant Blue Dot.
    Für maximale Vorlage und Leistung würde man spezialisierte hoch gezüchtete heiß brennende Pulver wie z.B. Alliant Steel mit hohem Nitroglyceringehalt und entsprechend hohen Zugaben vom Abbrand bremsenden Zusätzen verwenden. Da bei uns in Deutschland die erlaubte Lagerkapazität von Pulver für Wiederlader doch sehr eingeschränkt ist, versuche ich es erst mal mit Blue Dot.


    Eine leichtere Ladung mit 1 1/4 oz Vollkupferschrot für die kleineren Körnungen und eine etwas schwerere mit 40g Vollkupferschrot für gröbere Körnungen sind in Arbeit. Erste Ergebnisse sehen sehr gut aus. Stelle ich aber erst ein, wenn ich die ersten Gasdruckmessungen habe.

  • So, habe jetzt auch die ersten Ergebnisse. Zumindest die 40g Ladung ist schon brauchbar. An der leichteren muss ich noch feilen.
    Wie schon erwähnt sollte man vorsichtshalber auch wenn Kupfer mit 50 Vickers HV deutlich weicher als Stahlschrot ist, mangels Erfahrung solche Ladungen nur aus Stahlschrot geeigneten Chokes und Läufen verschießen.


    12/76 Magnum
    Hülse: Fiocchi 12/76 T5-M Plastic
    Pulver: 36,0grs Alliant Blue Dot
    Zünder: Fiocchi 616
    Zwischenmittel: Schrotbecher B&P STEEL35 Cal.12H.7 + Cal.20 Korkscheibe3,2mm innen in den Becher unter das Schrot
    Vorlage: 40g Vollkupferschrot 3,5mm
    Rollcrimp mit Schrotabdeckplättchen aus Kunststoff + Schrotabdeckplättchen Pappe1,2mm
    V2 aus 70cm Lauf: 383m/s
    Max Gasdruck: 786 bar (das wäre sogar gerade noch so im SAAMI Bereich)


    Der Schrotbecher muss vor dem Laden unbedingt mit einem scharfen Messer möglichst gleichmäßig kreuzweise geschlitzt bzw. eingeschnitten werden, und zwar zwischen 2/3 bis 100% der verwendeten Schrothöhe (damit kann man die Stärke der Streuung auch etwas steuern). Ohne diese Maßnahme ist es möglich, dass der Becher sich während dem Flug dreht und mit einem Teil der Schrotladung mit Slug ähnlicher Wirkung irgendwo einschlägt, statt die Schrotgarbe gleichmäßig zu verteilen.
    Oder wie Baschieri&Pellagri es ausdrückt: "It is recommended to cut the container before loading it into the
    shell in order to avoid dangerous “slug-like” flight behaviour."


    Und wie immer auf eigene Gefahr, jeder Wiederlader handelt eigenverantwortlich!


    Die Laborierung liefert sehr gleichmäßige Deckung. Streuung aus 1/2 Choke ungefähr so eng wie eine entsprechende Bleischrotladung aus 3/4 Choke.
    Das Schrot muss etwas eingeklopft werden damit es möglichst dicht liegt und alles ohne Wandungskontakt in den Schrotbecher passt. Das Dickere Schrotabdeckplättchen aus Kunststoff plus das zweite aus Pappe sorgt zuverlässig dafür, dass alle Schrotkörner im Becher bleiben. Bei gröberen Schrot als 3,5mm könnte es eng werden mit dem Platz im Schrotbecher.


    Mal sehen, ob man sich die Ladung noch etwas weiter steigern lässt, ohne dass die schöne Deckung verloren geht.


    Ein vorheriger Versuch ohne den Einsatz der Cal.20 Korkscheibe und statt dessen mit einer Cal.20 Pappscheibe zur Höheneinstellung und sonst gleicher Ladung (Da hätte man dann noch etwas mehr Platz im Becher auch für noch gröberes Schrot gehabt), hatte bei nur ganz unwesentlich mehr V2 einen Max Gasdruck von 900 bar (nach CIP ist bis 1050 bar erlaubt) und leider eine deutlich schlechtere Deckung.

  • Die obige 40g Kupferschrot-Ladung mit


    36,5grs Alliant Blue Dot
    V2 aus 70cm Lauf: 391m/s
    Max Gasdruck 821 bar


    Deckung ähnlich gut wie die obige Ladung.
    Versucht man die Ladung noch weiter zu steigern wird die Deckung sofort ungleichmäßiger (was keinen Sinn macht, denn mehr Geschwindigkeit hilft wenig, wenn dann zu wenige Schrote sicher treffen) und der Gasdruck steigt schnell in die Nähe des maximal zulässigen.
    Will man noch mehr Geschwindigkeit raus holen bleiben nur hoch gezüchtete Spezialpulver wie Alliant Steel etc.


    Bei der leichteren Ladung dauert es immer noch, die will noch nicht so richtig.

  • So, und nun endlich auch die leichtere Ladung


    12/76 Magnum
    Hülse: Fiocchi 12/76 T5-M Plastic
    Pulver: 38,0 grs Alliant Blue Dot
    Zünder: Fiocchi 616
    Zwischenmittel: Schrotbecher B&P STEEL35 Cal.12H.7 + 2 mal eine Cal.20 Korkscheiben3,2mm über ein ander innen in den Becher unter das Schrot
    Vorlage: 1 1/4 oz (35,44g) Vollkupferschrot 2,8mm
    Rollcrimp mit Schrotabdeckplättchen aus Kunststoff + Schrotabdeckplättchen Pappe1,2mm
    V2 aus 70cm Lauf: 410 m/s
    Max Gasdruck: 671 bar


    Der Schrotbecher muss wie oben schon beschrieben mit einem scharfen Messer kreuzweise geschlitzt werden!


    Und wie immer auf eigene Gefahr, jeder Wiederlader handelt eigenverantwortlich!

  • wenn man feinere Kupfer-Körnungen lädt und dadurch etwas Spiel in der Schrotlage entsteht, kann man ohne dass dies relevante Auswirkungen auf V0, Gasdruck oder Schrotgarbe hat, problemos noch eine dünne Kaliber 20 Pappscheibe (Schrotabdeckplättchen) in den Kaliber 12 Schrotbecher unter die Korkscheibe / Korkscheiben einfügen und so den Platz der durch die feinere Körnung entsteht ausfüllen. Das ist sinnvoll, weil bei zu viel Platz in der Schrotlage die Schwankungen der Laborierung zunehmen.

  • Bei halbautomatischen Flinten in 12/76 ist es möglich dass die Patronen der obigen beiden Ladungen bei Zuführung der nächsten Patrone etwas haken, das liegt daran weil die Patronen geschlossen mit Rollcrimp und dickem Schrotabdeckplättchen aus Kunststoff nah an der Maximallänge liegen. Sollte das der Fall sein, kann man das beheben, indem man doch nur mit einem dünnen Schrotabdeckplättchen aus Pappe schließt und den Rollcrimp etwas weiter umbördelt dann läuft das störungsfrei. Alternativ kann man die 12/76er Hülse vor dem Laden um ca. 2mm kürzen und dann normal wie beschrieben laden, die Hülsenlänge genügt dann noch voll und ganz die Patrone sicher mit Rollcrimp zu schließen.

  • So und ausgehend vom Vorlagegewicht noch eine Ladung zwischen den beiden anderen allerdings mit Reload Swiss Pulver und Gualandi Becher


    12/76 Magnum
    Hülse: Fiocchi 12/76 T4-M Plastic
    Pulver: 36,0grs Reload Swiss RS24
    Zünder: Fiocchi 616
    Zwischenmittel: Schrotbecher Gualandi TUBO48 (in USA unter LBC50) +2 mal eine Kal.20 Korkscheibe 3,2mm innen in den Becher unter das Schrot
    Vorlage: 1 3/8oz (38,98g) 3,5 oder 2,8mm Vollkupferschrot Härte < 50 HV/1
    6er Sterncrimp
    V2 aus 74cm Lauf: 386m/s
    Max Gasdruck: ca. 900 bar


    Der Schrotbecher muss wie oben schon beschrieben mit einem scharfen Messer kreuzweise geschlitzt werden!


    Und wie immer auf eigene Gefahr, jeder Wiederlader handelt eigenverantwortlich!


    Die beiden Korkscheiben unter dem Schrot sind essenziellfür diese Ladung, ohne wäre es durchaus denkbar, dass der Max-Gasdruck nach CIP überschritten würde! Aufgrund des Sterncrimp ist diese Ladung auch optimal für Selbstladeflinten geeignet.

  • Aufgrund einer Nachfrage stelle ich noch mal heraus, sicherheitshalber sollten die ganzen obigen Kupferschrotladungen nur aus für Stahlschrot geeigneten Flintenchokes verschossen werden.
    Etwas offenere Chokes reichen aber i.d.R. da diese einen etwas stärkeren Effekt auf Kupferschrot haben als auf Bleischrot. Der 1/4 Choke hat bei Kupfer ungefähr die Wirkung wie ein 1/2 auf Blei und der 1/2 auf Kupfer ungefähr wie der 3/4 auf Blei.