Infos zum Gewerbeverein München gesucht

  • Hallo zusammen


    hat jemand Literatur zum Gewerbeverein München.
    Dort wurden auch Waffen gebaut. Ich habe mitbekommen, dass der Gewerbeverein München wohl Musketen und Mousquetons in der Art der französischen Modelle M 1777 und den verschiedenen Varianten hergestellt hat, und Aufträge ausgeführt hat, die für Amberg zu klein oder speziell gewesen waren. Leider habe ich dazu keine Quellen und Literatur gefunden.
    Wer kann mir helfen?


    Gruß
    Schwarzer Mann

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    In meinen Beiträgen verwende ich bewusst Satire, Ironie, Sarkasmus und Übertreibungen, um zu verdeutlichen. Auch ohne Kennzeichnung dieser Stilelemente sollte sich der Leser dessen bewusst sein.

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  • Hat mich auch gewundert.


    Ich scheine da auf eine Rarität gestoßen zu sein. Ein originales Gewehr im Kal. 18 mm mit 4 flachen Zügen im Stil eines mousquetons de cavalerie an IX. Das Steinschloß hat die Gravur "Gewerbeverein München". Der wurde aber erst 1848 gegründet, also lange nach der Zeit, als Steinschloßwaffen aktuell waren.


    Ein Kollege meinte, dass er gelesen hatte, dass in Bayern und Österreich noch lange auf Schützenfesten mit Steinschloßwaffen Wettbewerbe ausgetragen worden wären, und der Gewerbeverein München aus Restbeständen aus Amberg Waffen zusammengebaut hätte.
    Die Belgier haben ja auch lange Zeit Steinschloßwaffen für Eingeborenen in den Kolonien hergestellt, da man denen moderne Waffen nicht gerne überlassen wollte.


    Vieleicht gibt es in den Unterlagen zum Gewerbeverein Hinweise auf die Herstellung solcher Waffen? Ggf. auch anhand der Seriennummer des Laufs.

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  • Ich habe deine Bilder und die dazugehörige Geschichte einem Sachverständigem eines großen Auktions Hauses gezeigt, er würde die Waffe mit einem Einstellpreis von 2200 Schweizer Franken einstellen.

  • Ich habe deine Bilder und die dazugehörige Geschichte einem Sachverständigem eines großen Auktions Hauses gezeigt, er würde die Waffe mit einem Einstellpreis von 2200 Schweizer Franken einstellen.
    Die flachen Züge deuten daraufhin das man zB den Lauf aus Beständen von Minieläufen genommen hat, die man ja schon ab Anfang der 1840. Jahren gezogen hat.

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    Die flachen Züge deuten daraufhin das man zB den Lauf aus Beständen von Minieläufen genommen hat, die man ja schon ab Anfang der 1840. Jahren gezogen hat.

    Das ist schon mal eine sehr interessante Info.Jede Detailinfo hilft mir da sehr weiter!


    Ich stelle mir jetzt aber vor, dass es mit einem Minie-Batzen in einem Kal. 69 Lauf und einem recht leichten Gewehr ganz gewaltig schieben wird. Und mit den Zügen war das Gewehr auch nicht als Schrotflinte zu gebrauchen, da es zu stark streuen würde. Vielleicht erklärt sich auch daraus der gute Erhaltungszustand?


    Der Lauf mit den leichten Zügen spricht auch für die Vermutung, dass das Gewehr nach der eigentlichen Steinschloßzeit gebaut wurde, oder vielleicht überarbeitet wurde.

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  • ...Minieläufen genommen hat, die man ja schon ab Anfang der 1840. Jahren gezogen hat.

    Nein. Minie hat seine Arbeit erst 1846 veröffentlicht, das Ziehen der alten (glatten) Gewehre und die Umstellung auf Minie-Geschosse ging erst Ende der 40er Jahre des 19. Jahrhunderts los, eigentlich sogar erst nach 1850.


    Und noch etwas: Steinschloss und Minie-Geschosse passen innenballistisch nicht so richtig zusammen.

  • Das würde doch zum Gewerbeverein München passen, der 1848 gegründet wurde.

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  • Das würde doch zum Gewerbeverein München passen, der 1848 gegründet wurde.

    Jein, denn eigentlich hat 1848 (oder später) niemand mehr Gewehre mit Steinschloss neu gebaut.
    Es gäbe allerdings eine mögliche Ausnahme: Ich habe mal in einem Seminar gesessen, da wurde (auch) etwas über neuzeitlich gefälschte Radschlossbüchsen erzählt. Der Referent erzählte von wunderschön gefertigten perfekten Stücken, die neuzeitliche Fälschungen wären, klar erkennbar daran, dass die Einlegearbeiten nicht aus Elfenbein, sondern aus Celluloid bestünden.
    Der Mann war dann arg verblüfft, als ihm erklärt wurde, dass in Suhl (aber nicht nur dort) bis weit ins 19. JH üblich war, das zu den Stücken, die ein angehender Büchsenmachermeister vorzulegen hatte, auch eine Radschlossbüchse gehörte.
    Ich könnte mir bei dieser Büchse etwas ähnliches vorstellen, also z.B. ein Gesellenstück. Und da Kommissionen bekanntlich konservativ sind ....

  • Hallo Sammler,


    das mit dem Gesellenstück ist eine durchaus denkbare Option. Noch heutzutage werden als Gesellenstück besondere Waffen angefertigt, gerne auch nach historischen Vorbildern.
    Andererseits wurden gerade in Belgien bis ins 20.Jahrhundert Steinschloßwaffen für die Eingeborenen in den Kolonien hergestellt. Es war also durchaus ein Markt dafür da.
    Denkbar wäre auch, dass ein Büchsenmacher des Gewerbevereins München auf Kundenwunsch eine Steinschloßwaffe hergestellt hat, vielleicht aus vorhandenen Teilen aus Amberg. Das neumodische Zeugs mit Perkussion und Zündhütchen ist vielleicht nicht jedem, der in ein "wildes Land" auswandern wollte, nicht so geheuer gewesen. Wer weiß, ob man überall Zündhütchen für ein Perkussionsschloß bekommt?
    Denkbar wäre aber auch, dass eine ältere Muskete "aufgefrischt" wurde. Um etwas genaueres dazu sagen zu können, wäre es interessant, Unterlagen aus den Gründungsjahren des Gewerbevereins einsehen zu können.


    Gruß
    Schwarzer Mann

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  • ... Das neumodische Zeugs mit Perkussion und Zündhütchen ist vielleicht nicht jedem, der in ein "wildes Land" auswandern wollte, nicht so geheuer gewesen. ...

    Auch wenn Perkussionswaffen so etwa ab 1835/40 üblich waren, heisst das nicht, dass Steinschlosswaffen völlig verschwunden waren.
    Es gibt ein kleines Büchlein, das Friedrich Gerstäcker (genau, der, der auch "Streif- und Jagdzüge ...", die Flusspiraten..." usw. geschrieben hat) 1848 als kleines Lehrbuch für Bürgergarden usw. geschrieben hat.


    http://www.deutschestextarchiv…er_schiesswaffen_1848?p=1


    Dort ist der Umgang mit dem Steinschlosswaffen beschrieben, Steinschlosswaffen waren also 1848 durchaus noch vorhanden. Zwar schon älter, aber eben auch in Deutschland noch in Gebrauch.

  • Auch in Frankreich wurden noch Steinschloss Waffen nach 1850 gebaut, meist aus noch vorhandenen Teilen, ein Sammler in Luxembourg hat noch einen wunderschönen Ehrenkarabiner, der von Napoleon 3 verliehen wurde.

  • Nein. Minie hat seine Arbeit erst 1846 veröffentlicht, das Ziehen der alten (glatten) Gewehre und die Umstellung auf Minie-Geschosse ging erst Ende der 40er Jahre des 19. Jahrhunderts los, eigentlich sogar erst nach 1850.
    Und noch etwas: Steinschloss und Minie-Geschosse passen innenballistisch nicht so richtig zusammen.

    Der Anfangsdruk eines Steinschlosses reicht tatsächlich nicht für ein Minie Geschoss, aber eine Stramm geladene Rundkugel mit dünnen Pflaster nimmt den Drall an.
    Ich besitze einen Minielauf, den ich wieder mit Zündloch versehen habe, Kimme weg geflext und in meiner Muskete versucht habe. Der hat ein Traumhaftes Schußbild, leider darf ich ihn im Wettkampf nicht schiessen.