Infos zu antiker (?) Perkussionspistole?

  • Hallo


    Ich konnte vor kurzem eine antike Pistole erwerben, von der ich vermute, dass sie militärischen Ursprungs ist.


    Das Schloß ist offensichtlich von Stein auf Perkussion umgebaut worden. Auf der Innenseite ist ein Stempel von dem ich die Buchstaben DIN klar erkennen kann, dazu noch davor schwach den Buchstaben O, also ODIN. Großbuchstaben mit Serifen.
    Das Schloß ist außen stark abgeschliffen worden, wohl um Rost zu entfernen. Dabei wurde auch die Signatur des Schlossmachers weitgehend gelöscht. Nur der Anfangsbuchstabe A. in Script ist eindeutig zu erkennen. Es folgt dann ein Name bei dem ich den Anfangsbuchstaben F und in der Folge ein g oder y zu erkennen meine.


    Der Lauf ist rund und war mal mit Goldbronce angepinselt worden. Laufdurchmesser ca. 18 mm ( ist wohl beim Wegschleifen von Rost aufgeweitet worden) Auf der Laufunterseite in der Nähe der Schwanzschraube ist eine Marke in Schlüsselform, und ein stilisiertes Männchen eingeschlagen. Dazu die Buchstabenfolge FRIEL oder PRIEL.
    Der Lauf scheint keine eingeschraubte Schwanzschraube zu haben, sondern sieht aus, wie wenn das Ende zugeschmiedet wäre.
    Auf dem Schaft findet man auf der dem Schloss gegenüberliegenden Seite schwach eingeprägt den Namen I*B*FAURE
    Und dann darunter eine Marke, die für mich wie ein Anker aussieht


    Darunter dann wieder ein eingeprägte Stempel
    S * R (E). oder H


    B Marke H. oder R


    Die Marke sieht aus wie Bogen mit zwei Blasen (könnte aber auch ein Anker sein)


    Die Laufhalterung aus Messing, die von einer Feder gehalten wird, hat innen die Markierung B,L oder BiL



    Der Vorbesitzer hatte die Pistole von seinem Großvater geerbt, hat aber keine Informationen zur Geschichte und Herkunft der Waffe. Für mich ist sie ein spannendes Stück Geschichte und es interessiert mich, mehr zu dieser Antiken Vorderladerpistole herauszufinden.



    Ich vermute, dass es sich bei dem vorliegenden Stück um eine ursprünglich militärische Steinschloßpistole handelt, die später auf Perkussion umgebaut wurde. Eventuell wurde auch ein anderer Lauf hinzugefügt, (es ist ein "Underlug", der keine Funktion hat am. Lauf angelötet, oder wie man das Teil auf deutsch bezeichnet) oder die Waffe wurde mit antiken Teilen ergänzt. Der Ladestock ist mit Sicherheit ein später ergänztes Holzstäbchen. Ich vermute, dass da ursprünglich ein eiserner Ladestock dazu gehörte.


    Ich hab gelesen, dass zu Kolonialzeiten alte Vorderlader in die Kolonien gebracht wurden, denn den Einheimischen war der Besitz von modernen Waffen verboten. Hilfstruppen wurde ebenfalls oft mit alten ausgedienten Waffen ausgerüstet, und später aus den Arsenalen an Sammler verkauft. Frankonia hatte ja lange Zeit "antike Waffen" aus indischen Arsenalen in den Geschäften. Vielleicht ist das solch eine Waffe, die irgendwann mal aus antiken Teilen zusammengebaut wurde?


    Gruß
    Schwarzer Mann




    P.S.: Leider habe ich nicht bessere Bilder machen können, hänge diese Fotos aber zur Orientierung mal an. Später gibt es vielleicht bessere Bilder.



    Ich erhoffe mir von den Experten weitere Infos und Einschätzungen zu der Waffe. Der Wert dürfte sich im Dekobereich bewegen, weil die Erhaltung insgesamt recht schlecht ist, und grobe Rostentfernung (Spuren von groben Schleifpapier) und sonstige "Restaurierungen" ihre Spuren hinterlassen haben.

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    In meinen Beiträgen verwende ich bewusst Satire, Ironie, Sarkasmus und Übertreibungen, um zu verdeutlichen. Auch ohne Kennzeichnung dieser Stilelemente sollte sich der Leser dessen bewusst sein.

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  • Um das Thema aufzuwärmen.


    Nachdem ich den Lauf von einigen Ablagerungen innen befreit habe, glaube ich, dass der Kal. 69 hat.


    Die Hauptfeder ist gebrochen. Wo könnte ich einen passenden Rohling bekommen? Bzw. wer würde mir einen Rohling schmieden, den ich dann zurechtfeilen könnte? Kann mir jemand helfen? (Leider hab ich werder Schmiede noch Werkzeugbauer im Familien- oder Freundeskreis. Auch im Verein bin ich der einzige "Spinner", der sich intensiver mit VL abgibt)image.jpg

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  • Hallo


    ich bin etwas weiter gekommen bei der Recherche.


    Die Pistole ähnelt sehr stark der Französischen Ordonnanzpistole Modell 1763/66 (siehe auch: http://www.icollector.com/Revo…und-untouched-or_i8787594). Sie ist wohl später auf Perkussion aptiert worden.


    Kann einer der Experten meine Vermutung bestätigen?


    Gruß
    Schwarzer Mann

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  • Nächster Punkt auf der Agenda. Hat jemand von Euch eine komplette originale M1763/66 ?


    Wie sieht der originale Ladesuock aus? Welche Maße hat dieser?
    Bislang habe ich zum originalen Ladestock noch kein Foto und auch keine Angaben zum Durchmesser des eisernen Ladestocks, sowie zur Ausformung des vorderen Endes gefunden.

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  • Anbei Bilder von mehreren Pistolen M 1763/66 aus den Manufakturen Maubeuge und Charleville. Der eiserne Ladestzock mit nagelförmigem KOpf hat eine Gesamtlänge von 225mm, unter dem Kopf eine Dicke 5,99mm, am Ende eine Dicke von 5,25mm und am Ende ein Gewinde zum Aufschrauben eines Krätzers.
    corrado26

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  • Vielen Dank


    Jetzt brauch ich nur noch einen Schmied, der mir so einen Ladestock anfertigt.

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  • Hab es inzwischen mit einem "Pfennignagel" hinbekommen

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