Langwaffenbilderfred!

  • Eben. Habe ich mir gedacht. Dann geht meine Theorie auf.


    Die ersten hergestellten Dolch-Bajonette 1918 hatten den Hersteller Waffenfabrik Neuhausen (Picture).

    Dann kam bis 1949 die Bezeichnung "Elsener Schwyz" (bis und mit dem Jahr 1949, Picture)

    Schliesslich wurden sie ab 1950 mit "Elsener Schwyz Victoria" (ab dem Jahr 1950, Picture) bezeichnet.


    1950 wurden die Langgewehre bereits liquidiert und sicher nicht mehr neu eingesetzt. Bajonette der letzten Serie waren noch viele unnummeriert in den Zeughäusern, als diese dann ebenfalls liquidiert wurden.


    Und da kommen heute findige Köpfe drauf, solche Bajonette mit einer Waffe nummerngleich zu schlagen. Ob das nun "Betrug" oder eine "Sammleranfertigung" ist, sei mal dahingestellt.

    Weil diese Leute eben doch nicht so findige Köpfe haben, bedenken sie nicht, dass zu gewissen Gewehrtypen nur gewisse Bajonette ausgegeben wurden und dass dann der Hersteller stimmen muss.


    Fazit: das Bajonett Deines Langgewehrs ist der falsche Typ und wurde nachträglich nummerngleich gemacht.

  • Und da kommen heute findige Köpfe drauf, solche Bajonette mit einer Waffe nummerngleich zu schlagen. Ob das nun "Betrug" oder eine "Sammleranfertigung" ist, sei mal dahingestellt.

    War es denn nicht original so, dass die Bajonette in den Zeughäusern genau deshalb unnumeriert waren, damit man sie dann

    bei der Ausgabe zusammen mit einem Gewehr mit dessen Nummer versehen konnte ?


    LG

    -Michael

  • Doch, das war so. Nur wurden die von den "Zeughäusern" ausgegeben und von den "Zeughäusern" nummeriert und es wurden die korrekten Bajonette ausgegeben. Und das Ganze wurde dann durch die "Zeughäuser" ins Dienstbüchlein des Soldaten eingetragen.


    Wenn dies nachträglich ausserhalb der Armeelaufbahn geschieht, dann ist das aus meiner Sicht nicht mehr original. Eine "Sammleranfertigung", sofern das kommuniziert wird, oder dann eine "Fälschung", wenn es nicht kommuniziert wird.


    Oft werden dann:

    - die falschen Bajonetttypen verwendet (wie im aktuellen Beispiel)

    - Bajonette verwendet, welche vom Alter her nicht passen (wenn das aktuelle Beispiel jetzt ein K11 wäre, mit korrektem Bajonetttyp, dann würde das Bajonett aufgrund der Herstellung nach 1950 mit allergrösster Wahrscheinlichkeit nicht stimmig sein)

    - falsche Schlagzahlen verwendet bzw. die Nummern werden gar graviert statt geschlagen

    - Nummer auf der falschen Seite des Bajonetts eingeschlagen/graviert


    Es darf sich jeder selbst ein Bild davon machen, ob das noch Original ist oder nicht.


    Mir wurde schon ein seltenes Infanteriegewehr 1889/96 in der Armeeversion angeboten. Als Original. Mit gravierten Nummern und nummerngleichem Bajonett 1918. Beides absolut unmöglich!


    Oder Zielfernrohrkarabiner 55 mit nummerngleichem Bajonett. Die hatten nie ein Bajonett mitgeliefert.


    Wenn man nun so etwas an einer Waffe entdeckt, dann stellt sich ganz schnell die Frage, ob das die einzige "Manipulation" an der Waffe ist, oder ob da eventuell noch andere Dinge "aufgefrischt", "ersetzt", "angepasst" oder "verschönert" wurden.


    Apropos Zielfernrohrkarabiner 55: nach Ausmusterung des ZFK und dem Verkauf aller Ersatzteile an eine private Firma, wurden aus den Teilen ca. 100 solche ZFK neu zusammengesetzt und nummeriert. Auch da stellt sich die Frage, ob das ein Original ist oder nicht.


    Noch allgemein: die Schweizer Waffen waren NIE im Ernsteinsatz. Somit sind 98 bis 99% der Waffen nummerngleich. Und die 1 bis 2 Prozent beziehen sich meistens auf ein Magazin, welches NACH der Armeekarriere vertauscht oder ersetzt wurde; oder dann auf ein Gebastel in Privatbesitz. Die Waffen waren persönlich und jeder Soldat musste seine Waffe an periodischen Inspektionen vorzeigen. Und dort wurden der Zustand und ALLE Nummern geprüft. Ersetzte Teile erhielten von den Waffenmechanikern die Nummer der Waffe. Ein Magazin, welches im Dienst ersetzt wurde, war also wieder nummerngleich.


    Darum setze ich persönlich bei Schweizer Waffen den Massstab bezüglich Nummerngleichheit und Originalität um Welten höher als zum Beispiel bei einer P08 oder einem K98 aus dem 2. Weltkrieg. Die hatten einiges mehr erlebt und es wurde einiges mehr daran verändert; und da ist es dann auch nicht einfach zu bestimmen, was Original ist und was nicht.


    Ich habe in meiner Sammlung einen Revolver 1882, bei welchem die Trommelachse eine Nummer +1 der Waffennummer hat. Da kann man von einer Verwechslung bei der Montage in der Fabrik ausgehen.


    Fazit: für mich ist bei Schweizer Waffen alles Original, was durch den Hersteller oder die Zeughäuser vorgenommen wurde. Alles was nach Ende der Dienstzeit passiert ist, ist für mich nicht mehr Original. Wie gesagt: das ist mein Standpunkt.

  • Fazit: für mich ist bei Schweizer Waffen alles Original, was durch den Hersteller oder die Zeughäuser vorgenommen wurde. Alles was nach Ende der Dienstzeit passiert ist, ist für mich nicht mehr Original

    Mit diesem Standpunkt kann ich gut leben !

    Bzw. ich würde es ähnlich sehen.


    Zeitgenössische Änderungen/Reparaturen gehen auch für mich als "original" durch - was aber dann später von

    irgendwelchen Leuten (meist in Gewinnerzielungsabsicht) "Angepasst" wurde, sehe ich als "nicht Original".


    LG

    -Michael

  • Und da kommen heute findige Köpfe drauf, solche Bajonette mit einer Waffe nummerngleich zu schlagen. Ob das nun "Betrug" oder eine "Sammleranfertigung" ist, sei mal dahingestellt.

    Danke für Deine Erklärung. Ich denke mal die Waffe an sich ist ok. Der Verkäufer hatte nicht explizit hingewiesen ,dass das Bajonett nummerngleich ist. Auch der Preis war eher vollkommen normal für die Waffe.


    Ich denke, er hatte es auch so gekauft.


    Vielen Dank für Deinen klasse Beitrag. Tatsächlich habe ich den Schweizer zum sportlichen Schießen gekauft, weniger zum Sammeln, Da sind dann eher Engländer mein DIng. Aber dennoch ... wieder einiges gelernt und vielleicht finde ich ja ein Bajonett was eher zum IG11 passt. Ich denke .. alles in allem wird das IG11 eine schöne Waffe zum schießen sein.

  • Vielen Dank, swisswaffen , für Deinen klasse Beitrag.... ( sinnvoll angepasst )

    Ja, da schliesse ich mich an!

    Diese Ansicht kann ich teilen. Ich vermute, dass - leider - viele ( naive, dumme, ahnungslose, ??? ) Käufer gar nicht über das nötige Detailwissen verfügen, welches geiles Sammlerstück ( Beispiel ZFK mit Bajo ) sie da gerade gekauft haben.

    Zeitgenössische Änderungen/Reparaturen gehen auch für mich als "original" durch

    Auch das sehe ich so...

    Wenn ich mal - weit ausgeholt - ein 150 Jahre altes Original kaufe, dann ist es nur Bestandteil des Lebenslaufes dieser Waffe, wenn 30 Jahre später eine Veränderung erfolgte.

    Selbst, wenn hier Dinge "angepasst" wurden, die im Ergebnis vom ursprünglichen Zustand schon weit entfernt sind.


    Jens

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