Bleihärte selbst prüfen

  • Moin


    Murmelhat mal drei Bleibarren aus verschiedenen Schmelzlosen gemessen. Das Ploi stammt immer aus 25m Kugelfängen und es wird überall 22er, GK und VL geschossen.
    Die Stände liegen sehr weit auseinander. Rheinhessen, Pfalz, Hessen.
    Die Barren sind älter und ausgehärtet.
    Alle drei Kugeleindrücke hatten 2mm (mit einer japanischen Messlupe gemessen)
    Man könnte zwar die Bleioberfläche polieren um es für die Pedanten im Bord genauer zu machen, aber das würde den Bogen überspannen.
    Fazit: Wird gemischt geschossen, ist wie von mich schon erwähnt, die Bleihärte sehr wiederholgenau. Man braucht deshalb immer nur das neue Gießlos zu messen, hat es ~2mm, dann ist das ok. Dafür braucht es keinen Härtetester.
    Zum besseren Fließen kann man Zinn zusetzen, aber es wird sich im Lauf auslöten, deswegen nicht zu viel reintun. Im Kugelfangbloi ist sowieso alles drinn was man so braucht. Beim Barren gießen kann man schon anfangen Flußmittel beizumischen.
    Dachdeckerblei ist gut für Long Range Geschosse mit Schwarzpulver 1:20 Zinn Blei.
    Bei Nitro mache ich es härter bzw. benutze gerade das was im Topf schwimmt.
    Zum Aufheizen der Kokille ein Murmeltrick. Man legt die Kokille über die Ofen-Bleischmelze und decke Alufolie drüber. Der Kokillenboden darf dabei die Schmelze nicht berühren. Die Kokille erreicht dabei die optimale Gießthemperatur. Mit LEE Krempel würde ich das aber nicht machen, da reicht es eine Kante der Kokille in die Schmelze zu halten. Beim Aufschlagen niemals auf das Butteraluminium hauen, besser auf die Spritzgusszange. Die Oberfläche der Kokille mit einem weichen Bleistift graphitieren, daß verhindert das Fressen des Abschneiders, was nur anfangs funzt.
    Bei Alukokillen bringt es was wenn man die Cavernen mit einer Weihnachtskerze anrußen tut, es gibt bessere Güsse. Den Turnus muß man selber raustüfteln.
    Als Flussmittel die üblichen Verdächtigen.
    Dann braucht noch einen Kratzer um die Schlacke im Ofen zu entfernen und einen Esslöffel um das Flussmittel unterzukleppern. Ich benutze einen alten Stechbeitel von meinem Opa. Röhrig würde sagen "der ist noch von Vaddi "
    Die Abschneider der Kokillen sind in der Regel zu fest angezogen und stehen dadurch vorne hoch. Locker drehen und gegen das Licht halten bis der Lichtspalt gleichmäßig durchscheint. Bei LEE geht das nicht, weil der Abschneider nicht verstellbar ist. Mit etwas Geschick und einem guten Kreuzdreher geht es zur Not auch.
    Die Madenschrauben zum fixieren der Abschneiderschraube tun sich gerne lockern. Einen alten Schraubendreher spitz anschleifen und zwischen Made und Gewindebohrung einen Körnpunkt setzen, aber erst dann wenn die Kokille zur Zufriedenheit arbeitet. Bitte mit Gefühl hauen.
    Ich schneide da M 4/5 rein, drehe eine Steckdosenschraube rein und nagle eine Kontermutter drauf.
    Die Griffe wechsle ich meistens gegen lange Feilengriffe aus, die greifen sich wesentlich besser.
    Beim Aufschlagen der gefüllten Kokille hält man den Linken Griff, läßt den Rechten frei und schlägt mit dem Klopfholz so auf den linken Griff, daß sich die Mummeln in den Kavernen lösen und herausfallen. Die optimale Klopfstelle muß man selber rausfinden.
    Ebenso die optimale Gießthemperathur.
    Beim Einfüllen in die Cavernen darf das Blei nicht schwappen.
    Den Abstand zwischen Ausgießer und Eingießloch muß man auch austesten.
    Bei Langgeschossen kommt es gut wenn man die Kokille an den Ausgießer drückt und sie kurz vor dem Vollwerden nach unten etwas wegzieht. Daß gibt tolle Güsse, erfordert aber viel Fingerspitzengefühl.


    Und nicht vergessen, Kokillen, Matritzen u.ähnl. sind Werkzeuge und keine Kultgegenstände.


    Viel Schbass und immer Brandsalbe in der Tasche. ::happy2::


  • ...
    Und nicht vergessen, Kokillen, Matritzen u.ähnl. sind Werkzeuge und keine Kultgegenstände.


    Viel Schbass und immer Brandsalbe in der Tasche. ::happy2::



    Hi Murmel,
    werd ich mir ausdrucken, damit ich es noch ein paar Mal lesen kann!


    Lee hab ich mich nicht getraut zu kaufen, die erste Kokille ist ne Lyman (460) geworden.


    :drink:

    From all the things I´ve lost, I miss my mind the least.

  • Das kommt darauf an welche Geschosse dort versenkt wurden. Übliche Vollmantelgeschosse haben max 4 % Antimon drinnen und sonst nur Blei. Ist aber je nach Hersteller unterschiedlich. Ganz grob würde ich sagen BHN ca. 11 ist aber wie sagt ein Schuss ins blaue. Da hilft richtiger weise nur messen.

    Ich verwende für

    9x19 , .44Magnum etc. i.d.R. Pb90 Sb5 Sn5 mit ca. BHN15

    Für .45ACP , .44SPL , Buckshot etc. i.d.R. Pb95 Sb2,5 Sn2,5 mit ca. BHN12

    Vorderlader Maxiball für starke Ladungen Pb97,5 Sn2,5 BHN cs.8,5

    Vorderlader Rundkugeln i.d.R, Pb99 Sn1 BHN ca. 6

    reines Weichblei hätte BHN 5 ginge für Pflasterkugeln auch, lässt sich aber schlechter gießen und oxidiert zudem schnell. Zudem werden die Kugeln beim Laden alles andere als rund.

  • OK, das haut iwie hin. Habe mit LEE nachgemessen, komme auf 10-12,5 BH.

    Was anderes... Wie bringst du Antomon zum schmelzen? In meinem Ofen mit max. 450 Grad Celsius würde das nicht gehen, oder?

    Oder die Frage ganz anders formuliert... wie bekomme ich mein Blei ( 10-12 BH ) auf 15-16 BH hin? Wie könnte ich das machen?

  • Antimon alleine schmelze ich nicht.

    i.d.R. verwende ich zum legieren Letternblei Lynotype mit ca. Pb83 Sb12 Sn5 , Weichblei Pb99,9 z.B. Dachdeckerbleiabfälle, und reines Sn Zinn. Damit bekommt man eigentlich jede Mischung hin. Oder eben mit Kugelfangblei nach entsprechender Härtemessung und schätzen.

    Selbst Antimon Minidrops zum zu legieren sind. i.d.R. Sb99 Sn1 die schmelzen deutlich früher als reines Antimon.

    Zudem mit viel Geduld würde auch reines Antimon sich in einer flüssigen Bleischmelz langsam lösen, auch dann wenn die Temperatur um reines Antimon zu verflüssigen nicht erreicht ist.

    Mit Antimon Pulver geht es super schnell, würde ich aber nach Möglichkeit keinesfalls verwenden. In fester metallischer Legierung ist Antimon relativ unproblematisch, als Pulver aber hoch giftig und Krebs erregend.

  • Danke, aber das war schon zu viel für einen Laier wie ich...

    Welche nun einfachste Methode wäre für mich mein Blei zu härten?

    Wenn ich einfach Zinn dazu gebe, sagen wir 5%, was bekomme ich am Ende? Kann man das ausrechnen?

    Leider habe ich nur eine Bezugsquelle für Blei, und es ist wie oben geschrieben 10-12BH und damit muß ich tanzen...

  • Dir kann geholfen werden mit einem einfachen Tool


    Lead Alloy Calculator


    Man kann auch eigene Legierungen eingeben und bekommt eine Härte berechnet. Die stimmt zwar nicht so ganz genau, aber für unsere Zwecke i.d.R. ausreichend.

  • Na ja für .357 etwas weich die Legierung (außer für entsprechend leichte reduzierte Ladung), wird aber mit Sicherheit schießen und nix schlimmes passieren. Vielleicht nicht der beste Streukreis oder etwas Verbleiung im Lauf, sprich putzen ...

  • Na ja für .357 etwas weich die Legierung

    Ich schrieb das schon öfter: Bleihärte ist m.E. und nach meiner Erfahrung, abgesehen von Hammerladungen (die ich nicht verschieße), ziemlich bedeutungslos, wenn (!) die Fettung stimmt !


    Ich verwende (ohne Härtemessung) Kugelfangmix aus dem Kurzwaffenstand (GK,KK,VL) dem ich ca. 10 Gewichtsteile Auswuchtblei beifüge für .38 / .357 /.44-40 /, 44 Mag /.45 ACP und diverse Büchsenkaliber bis hoch zur .45-70 mit gutem Erfolg und ohne Probleme.

    Bei etwas kräftigeren Büchsenladungen dann eben mit GC.

    Das geht schon viele Jahre und ich habe noch nie einen Bleihärtemesser besessen oder vermißt ::dry::


    Das Wichtigste ist und bleibt eine gute Fettung !

    Wer oft genug ans Hohle klopft schenkt der Leere ein Geräusch

  • Ja ein gutes Fett kann durch aus helfen, ganz besonders bei relativ kurzen Läufen wie bei Kurzwaffen.

    Ich verwende eine Mischung aus Bienenwachs mit Lithiumseife, vor einigen Jahren mal selbst hergestellt aber auch nur einmal, das reicht bis heute.

    Dazu braucht es natürlich n anständige Kalibrier-Fett-Presse um die Geschosse zu behandeln. Die richtige Bleihärte kann dennoch auch da nicht schaden.

    Die ganzen schnell Beschichtungen wie Liquid Allox oder verschiedene Gleitlackierungen sind nicht das wahre. Mit der richtigen Bleihärte kann es aber auch damit manchmal ganz gut gehen.

  • Captain Cat


    Naja....ich denke das kommt einfach auf das Kaliber an und die individuelle Geschwindigkeit, die du erzielen willst. Im Buch von K-D-Meyer gibt es dazu sehr schöne Diagramme, welche Härte notwendig ist und eben auch, wie man die aus Blei/Zinn und Antimon erzeugen kann.


    Dazu kommt noch die Frage, ob du GasChecks setzen oder die das sparen willst.


    Ich habe für meinen Casull zum Beispiel 24 oder 26 Brinell, die laufen auch ohne GC perfekt.


    Gruß

    Frank

    ---- BDMP ---- DSB ----- ProLegal ---- German Rifle Association ----


    "Ein Grüner ist erst dann zufrieden, wenn er einem anderen Menschen etwas verboten hat!"

  • Naja....ich denke das kommt einfach auf das Kaliber an und die individuelle Geschwindigkeit, die du erzielen willst. Im Buch von K-D-Meyer gibt es dazu sehr schöne Diagramme, welche Härte notwendig ist und eben auch, wie man die aus Blei/Zinn und Antimon erzeugen kann

    Ich will gut treffen und keine verbleiten Läufe haben.

    Mit welcher Geschwindigkeit ist mir egal

    und

    meine Scheiben sagen mir mehr, als die schönen Diagramme des auch von mir sehr geschätzten Herrn Meyer.


    Versuch macht kluch und die Scheibe sagt die Wahrheit -( nicht von mir sondern von unserem verstorbenen Forenfreund Murmel)


    Dazu kommt noch die Frage, ob du GasChecks setzen oder die das sparen willst.


    Ich habe für meinen Casull zum Beispiel 24 oder 26 Brinell, die laufen auch ohne GC perfekt.


    GC verwende ich schon lange kaum noch und die Vorhaltung unterschiedlicher Legierungen ist mir einfach zu aufwändig.

    Reines Weichblei für VL und SP Patronen und Mix mit mit 10 % Auswuchtblei - damit decke ich meine gesamte Palette an Bleiladungen

    und VL Geschossen - und das sind einige , ohne Probleme ab.

    Wer oft genug ans Hohle klopft schenkt der Leere ein Geräusch

  • Captain Cat


    Den Hernn Meyer habe ich nur deshalb angeführt, weil es um die Legierung ging. Über die Schussleistung der Patronen aus deiner Waffe hat er sich in seinem Buch nicht ausgelassen....und ich glaube fast....da gibt's auch kein Diagramm ::happy2::



    Und unteschiedliche Legierungen....naja...ist eine Frage, was man an Ausgangsmaterial hat/bekommt/günstig kauft und welche Kaliber man laden will. Wenn die keine allzu hohen Anforderungen an die Härte stellen und du recht hoch legiertes Blei hast...klar...warum dann nicht alles aus einer Legierung fertigen.



    Gruß

    Frank



    PS: Und die Murmelzitate gehen mir noch nicht so gut aus den Fingern.....hatte heute erst wieder Geschosse aus seinen Fingern in den Händen....

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    "Ein Grüner ist erst dann zufrieden, wenn er einem anderen Menschen etwas verboten hat!"

  • 8506EF4E-BDBB-4275-B381-BA9F41F84C52.jpegSo sehen dann vernünftig gegossene Geschosse aus. Ist das Ergebnis von 2,5h Arbeit gestern Abend mit 4 Kokillen.

  • So sehen dann vernünftig gegossene Geschosse aus. Ist das Ergebnis von 2,5h Arbeit gestern Abend mit 4 Kokillen.

    und wenn Du diese jetzt auch noch luftdicht verschlossen aufbewahrst, z.B. in Gurkengläsern mit Schraubverschluß, dann sehen die sogar nach Jahren noch "vernünftig" aus ;)

    Wer oft genug ans Hohle klopft schenkt der Leere ein Geräusch

  • So lange halten die bei mir aber nicht 😉 ich gehe ja schliesslich auch schiessen ...


    Ausserdem sehen die bei mir auch so sehr lange so aus, durch den etwas höheren Zinnanteil lassen die sich nicht nur leichter sauber giessen, sondern oxidieren auch kaum.

    Pb90Sb5Sn5