selbst laden von Platzpatronen

  • So hier mal ein Thema was mich schon länger beschäftigt. Als Wiederlader darf man sich ja auch Platzpatronen z.B. zum Salut Schießen, zur Jagdhundausbildung, zum Abzugstraining etc. etc. etc. herstellen. Auch für Darbietungen im Cowboy Aktion Bereich ganz nett.
    Eine entsprechend gute Crimpmatrize gibt es von Hornady (Universal Blank Dies) zu beziehen z.B. über Reimer Johannsen oder Grauwolf. Meine habe ich sehr günstig gebraucht gekauft von Jemanden der sie wohl nie genutzt hat.
    Diese ist universal geeignet für Patronen mit Randhülsen oder Schulterhülsen verschiedener Kaliber bis zum Kaliber .45. Für Hülsenmundanlieger logischer weise nicht geeignet.
    Von RCBS gibt es ebenfalls eine Crimpmatrize speziell für Kaliber .38 Spezial, allerdings scheint diese total überteuert.


    Mit der Ladung wird es schon etwas schwieriger. Für Nitropulver habe ich leider keine Ladeanweisungen Ladetabellen gefunden. Selbe Ladung wie für scharfe Mun funktioniert nicht zufriedenstellend da der Gegendruckwiederstand des Geschosses fehlt und somit nicht der Gasdruck für einen brauchbaren Abbrand erreicht wird.
    Wenn Jemand da eine brauchbare Quelle für Ladedaten hat bitte her damit.
    Wahrscheinlich wird man deutlich schnelleres Pulver nehmen müssen. Aber ohne Ladedaten schwierig. Vielleicht frage ich mal bei einem Beschussamt, ob die mir auch so ein paar Patronen in 8x57IS Gasdruckmessen.


    Bei Zylindrischen Hülsen oder nahezu zylindrischen Hülsen kann man natürlich weitgehend gefahrlos mit Schwarzpulver laden z.B. für .44 russian, .44-40 WCF, .45 LC optimal. Natürlich muss das Schwarzpulver rein rechtlich von den Verwendungsbestimmungen der BAM her für das Laden von Munition freigegeben sein. Bei ein paar Sorten ist es das nicht unbedingt gegeben. Was wohl wahrscheinlich weniger am Pulver selbst liegt sondern eher daran dass das Geld für die jeweilige Prüfung nicht ausgegeben wurde.
    Schwarzpulver sollte immer komplett gefüllt ohne Luft ganz leicht gepresst verladen sein, dann ist der Gasdruck bei normal gekörnten Pulver und zylindrischen Hülsen weitgehend sicher kleiner gleich 1000 Bar (Bei Platzpatronen wahrscheinlich deutlich niedriger). Luftladungen können hier zu deutlich erhöhten Gasdruck führen.


    Vom Prinzip her die Hülse (i.d.R. aus abgeschossener scharfer Mun) ganz normal recalibrieren, reinigen, neu Zündern, mit Schwarzpulver so voll füllen, dass beim anschließenden Crimpen mit der speziellen Matrize ganz am Ende es auf den letzten mm ganz leicht knirscht. Dann sollte das passen. Füllt man geringfügig zu viel ein passiert nichts schlimmes, dann drückt sich bevor die Hülse oben geschlossen ist etwas Pulver raus und man muss die Matrize reinigen. Die Hülsen sind beim Laden für Platzpatronen natürlich nur einmal zu verwenden, da durch die sehr starke Verformung sonst Risse auftreten oder sogar Fahnen abreisen und mit raus fliegen könnten was wir natürlich nicht wollen. Wenn man alte Hülsen von scharfer Mun verwendet sollte ja kein Problem sein, mit extra gekauften Hülsen wäre das ein wenig sehr teuer.


    Man kann aus alten .38 special oder .357 magnum Hülsen auch Revolver Platzpatronen herstellen die von den Abmessungen her nicht nur in .38spl oder .357 mag Waffen sondern auch in 9mm Gas- und Signalrevolver passen. Allerdings Vorsicht solche Waffen sind heute häufig aus Zinkdruckguss und sind nur für sehr geringe Gasdrücke ausgelegt, sonst ::Bumm::::ableb:: . Munition für reine Gas- und Signalwaffen darf generell maximal 450 Bar erreichen!!! Die hat i.d.R. allerdings nur die .315 Patrone, die .45 short erreicht bis zu 400 Bar, normale 9mm K hat i.d.R. nur ca. 250 Bar.
    Von daher sollte man hier eher an gröberes nicht so aggressives Schwarzpulver denken,(z.B. PowEx ffg, Wano ffg, Wano PP etc. etc. etc.) auch bei der Sorte z.B. ist Schweizer Pulver wahrscheinlich generell zu stark. Aber immerhin gibt es mit gröberen Pulver welches weniger Druck produziert ein schönes Mündungsfeuer :thumbup: .
    Sonst .38 spl oder .357 Magnum Hülsen recalibrieren (am besten mit einer Matrize die etwas stärker recalibriert wie z.B. RCBS .357/.38 Hartmetall, da der Durchmesser scharfer Munition geringfügig größer ist als 9mm K.) und natürlich reinigen.
    Anschließend die Hülse z.B. mit feiner Metallsäge kürzen und auf 17mm bis maximal 18mm Länge trimmen sowie entgraten.
    Zündhütchen setzen, Pulver einfüllen, und mit oben erwähnter Matrize zusammencrimpen. I.d.R. reicht die erste Matrize und die Hülse vollständig zu schließen, sodass die zweite nicht verwendet werden muss. Um Eindringen von Feuchtigkeit zu verhindern einen kleinen Tropfen Alleskleber auf die Spitze geben.
    Bei ein paar wenigen Waffen kann der Trommeldrehwiederstand etwas erhöht sein. Das kann daran liegen, dass der Rand von Hülsen umgeformt aus Hülsen scharfer Munition geringfügig dicker ausfällt als bei 9mm Platz, sowie dass verschiedene Modelle da unterschiedlichen Platz zwischen Trommel und hinterem Rahmen haben. Ebenfalls etwas erhöhter Drehwiederstand kann entstehen, weil nicht alle Waffen eine brauchbare Unterstützung für das Boxerzündhütchen bieten, welches sich dann selbst bei diesen sehr geringen Gasdrücken etwas zurück drücken kann. Dagegen kann man allerdings etwas tun durch ein wenig Ringfugenlack oder auch Schraubensicherungslack hinten auf den Rand zwischen Boxerzündhütchen und Hülse, welcher dafür sorgt dass dieses etwas fester in der Hülse sitzt. Ebenfalls kann man wenn man sich die Arbeit antun will natürlich Berdanhülsen zum Wiederladen verwenden. Da drückt es das Zündhütchen bei diesen sehr geringen Gasdrücken auch ohne Unterstützung nicht zurück.

    Und natürlich wie immer Alles auf eigene Gefahr, Jeder Wiederlader handelt eigenverantwortlich!

  • Hey, dass machte ich auch schon vor 2 Jahren.
    Grauwolf hatte diese recht günstig mal zu der Zeit im Ausverkauf drin. Ich habe mir auch .38SPL gekürzt ;-)


    Kann man auch nutzen im Revolver um Abzugstrainings zu machen,- man kann alte eh schon ausgelutschte Hülsen nehmen diese laden,- ruhig NC und dann ein wenig Abzugstraining auf dem Schießstand damit betreiben.

  • ja ist eine ältere Variante. Bei der Matrize oben kann sich der Einsatz innen drehen. Das ist posivtiv wenn man bei der ersten Patrone die Crimplänge erst einstellt und daher mehr fach absetzt und schrittweise wieder ansetzt mit dem Crimp.

  • so langsam würde es sich wirklich bei 23,90€ für 50 Stück 9mmR Fabrikknallpatronen lohnen diese einfach selbst zu laden.
    Man, da ist ja selbst scharfe Munition häufig günstiger, die ham doch echt einen an der Waffel mit den Preisen.
    http://www.frankonia.de/9mm+R+…68665&navCategoryId=63009

  • Im Übrigen, das sich bei ein paar Waffen das Boxerzündhütchen zurückdrücken und dann die Trommeldrehung etwas behindern kann, lässt sich auch ohne Berdanhülsen leicht beseitigen. Einfach nach dem Zündhütchen setzen diese von hinten mit Zweikomponenntenkleber behandeln und die Oberfläche abwischen, so dass in der Ringfuge etwas Kleber drinnen bleibt. Dann drückt sich da nix mehr zurück. Es fehlt halt der Staudruck durch das fehlende Geschoss so wird der Hülsenboden nicht so wie sonst fest gegen den Stossboden gedrückt und das Zündhütchen kann sich etwas raus drücken, wenn man es nicht einklebt. Tritt aber nicht bei allen Waffen auf.